Wird der Ukraine-Konflikt wieder heiß?

Nachdem ich letzte Woche über die wieder aufflammenden Kämpfe entlang der Demarkationslinie gesprochen hatte (die höchstwahrscheinlich von Kiew ausgegangen waren) und welche die neue UN-Botschafterin der USA prompt dazu benutzt hatte, um Russland als Aggressor zu bezeichnen – kein guter Start für die Beziehung Trump-Putin….

Nachdem also dies geschehen war, kam es am 09.02. zu einem leider erfolgreichen Mordanschlag auf eine Symbolfigur des Widerstands im Donbas: Der Bataillionskommandeur Michael Tolstykh, bekannt unter dem Kampfnamen Givi, wurde Opfer eines Anschlags.

Als Täter kommen höchstwahrscheinlich ukrainische Dienste in Frage. Der Anschlag wirft ein ausgesprochen schlechtes Licht auf die Sicherheitsvorkehrungen im Donbas, umso mehr, als Michael Tolstykh nach Arzen Pavlow, welcher unter dem Kunstnamen Motorola berühmt geworden war, bereits das zweite Anschlagsopfer prominenter Militärführer innerhalb kurzer Zeit ist.

Die Saker-Community ist denn auch voller Zorn (und Trauer) über das Opfer. http://thesaker.is/lieutenant-colonel-mikhail-sergeyevich-tolstykh-aka-givi-has-been-murdered/

Auf der ukrainischen Seite gibt es Stimmen, die sich zu dem Erfolg gratulieren. http://stalkerzone.org/ato-fighter-casually-brags-online-sbu-involvement-murders-givi-motorola/

Nebenbei: In der offenen Zurschaustellung der Freude über den gelungenen Mord befindet man sich in guter Gesellschaft…. Wer erinnert sich noch an Hillary Clintons lachende Worte zum Tode von Gadaffi? We came, we saw, he died. Oder an die Obama-Administration, wie sie der Ermordung von Bin Laden (wenn er es überhaupt war) am Bildschirm folgte? Snuffmovies in Realzeit…. Wes Geistes Kind sind solche Leute? Aber zurück zum Thema:

Michael Tolstykh und Arzen Pavlow waren beide dank des Internets zu so etwas wie „Stars“ des Widerstands gegen die ukrainische Operation geworden. Im Netz finden sich viele Videos, auf denen man einen Eindruck gewinnen kann, warum die beiden im russischsprachigen Raum hunderttausende Fans fanden:

Beide wirkten authentisch, spielten sich in Interviews die Bälle zu, kamen witzig und originell herüber. Beispiele finden sich im Motorola-Artikel: https://nachrichtenaushinterland.wordpress.com/2016/10/24/motorola-held-oder-unhold/

Beide waren zudem erfolgreiche Bataillionsführer, die mit dazu beitrugen, den Flughafen Donezk von den ukrainischen Truppen zurück zu erobern. Während man zur Ermordung in den deutschen Medien dazu wenig hören wird, sollten Beobachter des Konflikts hellhörig werden.

Zum einen zeigt sich hier exemplarisch, dass die neuen Republiken im Donbas gehörige Probleme mit der inneren Sicherheit haben, zum anderen kann angenommen werden, dass es im Donbas ebenso wie in der Ukraine ein hohes Maß an Korruption, Oligarchentum und Ungerechtigkeit gibt.

Agenten hier einzuschleusen sollte somit ein Leichtes sein (freilich umgekehrt auch). Diese Nadelstiche der ukrainischen Dienste gegen den Donbas bergen in sich die Gefahr, irgendwann eine Reaktion hervorzurufen. Zudem es auch bereits andere Aktionen gab, die gefährliche Folgen hätten nach sich ziehen können.

So waren im Sommer 2016 ukrainische Spezialkräfte dabei verhaftet worden, als sie unentdeckt auf die Krim eindringen wollten. Im Verhör bekannten sie später, sie hätten auf der Krim Terrorakte verüben sollen. Eine russische Ente? Wahrheit? Ja nje snaju.

Nicht zu vergessen der Abschuss eines russischen Passagierflugzeuges bei Sotschi, um den es verdächtig ruhig geworden ist….. ob auch hier ukrainische Kräfte dahinter steckten? Ja nje snaju.

Schlussendlich hat sich im Nachhinein bei vielen Ereignissen herausgestellt, dass die Darstellung der ukrainischen wie westlichen Medien schlicht falsch bzw. unvollständig gewesen war – weder konnte bewiesen werden, dass MH 17 tatsächlich von den Rebellen abgeschossen worden war, noch konnte jemals die Präsenz russischer Truppen im Donbas belegt werden.

Die Erstürmung des Gewerkschaftshauses in Odessa mit dutzenden Toten bleibt ein blutroter Fleck auf der vermeintlichen weißen Weste des Anwärters auf die EU-Mitgliedschaft – ebenso wie die Verhaftung von Ruslan Koltsaba, dem kritischen Journalisten, einen Makel darstellte (so wie unzählige andere, im Westen niemals bekannt gewordene Akte staatlicher Willkür).

Ergänzt durch eine Gesetzgebung zur Erstickung jeglichen Widerstands (wenn es stimmt, was ich las, ist das Loben der Sowjetunion mittlerweile unter Strafe gestellt), der Verehrung des ukrainischen Nationalistenführers Bandera, der im Mindesten eine zwielichtige Gestalt (mit viel Blut an den Händen) ist, den Aktivitäten des Rechten Sektors, der allumfassenden Korruption, der Wirtschaftskrise etc.

All diese Dinge lassen Übles vermuten. Nämlich, dass hier ganz bewusst ein Konflikt am Köcheln, quasi auf Sparflamme,  gehalten wird. Höchstwahrscheinlich stehen hinter der Regierung in Kiew Kräfte, welche Kiew zu seinem Vorgehen ermuntern. Durchaus möglich, dass dieses Jahr in der Ukraine wieder etwas Schreckliches geschieht, was dann ebenso gebetsmühlenartig wie vorher den Russen in die Schuhe geschoben wird.

Oder dass der Konflikt, wie der Saker vermutet, demnächst wieder „heiß“ wird. http://thesaker.is/a-possible-shift-in-the-russian-position-on-novorussia/ Was freilich für Europa u.a. neue Milliardenlasten in Form von Unterstützung der Ukraine und einer veritablen neuen Flüchtlingswelle nach Westen bedeuten dürfte.

Wohin? Am ehesten wohl ins gelobte Germanien…. Ob dann freilich noch Menschen mit Kuchenblechen am Bahnhof stehen werden….. fraglich.

Wird Trump ein großer Kriegsherr?

Zu Donald Trump gehen die Meinungen weit auseinander – ich habe selbst in letzter Zeit einige Leute gesprochen, die der Überzeugung sind, er trüge das Potenzial zu einem neuen Hitler in sich (wobei keiner von denen, die ich gesprochen hatte, je eine Rede von Trump oder sein Parteiprogramm oder sonst etwas tiefergehendes zu ihm gelesen hätte…). http://linhdinhphotos.blogspot.de/2017/02/trump-as-hitler-on-stake-university-city.html

Auch in den USA scheint das Entsetzen über ihn bei manchen groß zu sein…. Wer oder was also ist Trump? Tatsächlich ein Dämon in Menschengestalt, ein Trumpeltier und Populist, der alles falsch macht, was man nur falsch machen kann? (Den Eindruck könnte man gewinnen, falls man versuchen würde, die Schlagzeilen der letzten zwei Wochen zu Trump in den deutschen Medien zu filtern).

Oder ist er der Hoffnungsträger des Anti-Establishments? Der, der tatsächlich mit dem Sumpf in Washington aufräumen wird? Oder ist er doch ein Mann des Systems – bewusst platziert, um das Werk derer hinter ihm auszuführen? Oder ist er gar nur zufällig dahin geraten – weil er sich wie Arnold Schwarzenegger vor der Wahl zum Gouverneur von Kalifornien gesagt hatte: Ich probier’s?

Wenn wir ehrlich sind, so müssen wir feststellen, dass wir es nicht wissen können. Keiner von uns. Denn keiner von uns hat Zugang zu den wirklich Reichen und Mächtigen bzw. zu den Kreisen, wo über Präsidenten und was diese tun sollen entschieden wird.

Persönlich vermute ich, dass Trump es bis zu einem gewissen Grad tatsächlich ehrlich meint und am liebsten Amerika so erfolgreich sähe, wie er es als Geschäftsmann war. Aber er wird auch seine Muster haben – ich schätze ihn als eitel, auf Anerkennung besessen und hochintelligent ein.

Und von Macchiavellis politischen Betrachtungen (die man unbedingt gelesen haben sollte, wenn man das Wesen von Politik verstehen will – https://de.wikipedia.org/wiki/Niccol%C3%B2_Machiavelli ) wissen wir, dass nach seiner Einschätzung Politik ganz wesentlich durch den Charakter des oder der Handelnden bestimmt wird. Eine Einschätzung, der ich mich anschließe.

Der Eitle wird nach Bestätigung seiner Eitelkeit verlangen so wie der Machthungrige nach der Macht, der Choleriker wird seinem Schreidrang nachgeben etc. Trump zähle ich wie gesagt zu den schnelldenkenden und eitlen Vertretern.

Diese Kombination könnte von seinen Gegnern benutzt werden – bzw. wird sie das wohl schon. Zudem hat Trump einen Scherbenhaufen übernommen, ein überdehntes Imperium im Abendrot seines Seins – mit über 600? 900? 1000? Militärstützpunkten in der Welt, einem militärisch-industriellen Komplex, der nach Aufträgen schreit und einer Verschuldung, die je nach Zählweise das Anderthalbfache bis Vierfache des Bruttosozialproduktes beträgt.

Kurz: Selbst, wenn Trump so wollte, wie ich und andere hoffen, dass er könnte – im guten Sinne – dürften die Verhältnisse es gar nicht zulassen. Daher vermute ich, dass er zunehmend erratisch agieren wird – Versprechungen gibt und schnell bricht, wenn es so ausschaut, als könne es zu seinem Vorteil sein……

Und vor allem am Ende das tun wird, was alle US-Präsidenten der letzten 40 Jahre getan haben: Er dürfte Krieg führen. Denn Krieg ist ein Geschäft – ein Mordsgeschäft, könnte man sagen, was schon der hochdekorierte US-General Smedley Butler im Ersten Weltkrieg entdeckt hatte. Seine Worte sind wie die Macchiavellis zeitlos und auch heute noch gültig. https://en.wikipedia.org/wiki/War_Is_a_Racket

Wer könnte das erste Opfer sein? Ich könnte mir den Iran vorstellen. Die von General Wesley Clark angesprochene Liste der Länder, welche die USA mit Krieg überziehen sollten, dürfte noch irgendwo in Washington existieren. https://www.youtube.com/watch?v=9RC1Mepk_Sw

2009 hatte sich ein bekannter Think-Tank durchaus luzide für den Waffengang mit den Persern (als eine mögliche Option neben der Eindämmung, der Herbeiführung eines Regimewechsels etc.) ausgesprochen – eine Frage war: Sind die amerikanischen Streitkräfte dem Iran überlegen? Und die Antwort: Ja. https://www.brookings.edu/wp-content/uploads/2016/06/06_iran_strategy.pdf

Irgendwelche Hinweise auf die misstrauische Haltung des Irans aufgrund seiner Geschichte? Keine. Dabei war der Iran, als er schwach war, von beständigen Invasionen und sogar der Absetzung eines gewählten Führers (Motassadegh) durch den CIA betroffen gewesen. Wer bei uns weiß denn, dass der Iran im Zweiten Weltkrieg von britischen und sowjetischen Truppen besetzt worden war? https://de.wikipedia.org/wiki/Anglo-Sowjetische_Invasion_des_Iran

Aber dies nur am Rande.

Und siehe da: Die neue Trump-Administration hat ausgesprochene Israelfreunde in ihrem Kabinett.

Zudem kann man, wenn man genau hinhört, bereits die ersten leisen Trommelschläge zur Einstimmung des Publikums vernehmen….. horch!

Israels Premierminister Netanjahu hat sich unlängst vorgenommen, mit Präsident Trump über die „iranische Bedrohung zu sprechen.  http://www.aljazeera.com/news/2017/01/netanyahu-plans-discuss-iran-threat-trump-170122044132486.html

Bedrohung? Ach ja –das iranische Regime rufe zur Zerstörung Israels auf. Interessant, dass trotzdem 30.000 Juden im Iran unbehelligt und respektiert leben…. Doch weiter: Horch!

Der neue „Nationale Sicherheitsberater“ des US-Präsidenten General Flynn vermeldete kürzlich nach einem Raketentest des Iran (zu welchem der Iran das Recht hat), das Regime werde nun von Washington nach dieser Provokation genau beobachtet. http://insider.foxnews.com/2017/02/01/flynn-were-officially-putting-iran-notice-after-missile-launch

Provokation? Wie sollten wohl die Iraner die Mordanschläge auf ihre Nuklearwissenschaftler oder die Überflüge ihres Territoriums durch US-Spionageflugzeuge nennen?

Und horch: Kurz darauf wurden ein paar iranische Firmen auf die Sanktionsliste der USA gesetzt bzw. diese Sanktionen ausgeweitet…. https://www.wsj.com/articles/trump-administration-sanctions-25-iranian-entities-1486135896

Nun ist es zu früh, zu sagen, was aus diesem Geplänkel wird….. aber man sollte es genau beobachten. Gehen Aktionen dieser Art weiter, steht zu befürchten, dass hier ein neuer Waffengang medial eingeleitet wird….. Iran als Gaunerstaat…. Iran als Bedrohung…. Iran als undankbar etc.

David Icke vermutet, dass man im Rahmen des Nuklear-Handels mit den Iranern diesen irgendwann ein Angebot unterbreiten würde, was sie aufgrund der Bestimmungen ablehnen müssten. Das würde dann im Westen so dargestellt werden, als hätten die (undankbaren und gefährlichen) Iraner ein faires Angebot abgelehnt. https://www.youtube.com/watch?v=aInVxBoswzE

Nun ist Israel schon ähnlich mit den Palästinensern verfahren, als diese das Angebot von Camp David, was ihnen ein lediglich ein in Enklaven gespaltenes Palästina gebracht hätte, abgelehnte hatten. Und zwar durchaus erfolgreich! Die Besetzung Palästinas dauert an, das Unrecht, was dort geschieht, wird bei uns weitgehend ignoriert.

Die jüdische Bevölkerung des Westjordanlandes betrug im Jahre 1972 (fünf Jahre nach dem Sechs-Tage-Krieg, in dessen Verlauf Israel das Gebiet erobert und besetzt hatte) knapp 1.200 Menschen. Heute beträgt die Anzahl der jüdischen Siedler nach neuesten Zahlen über 400.000. Das ist effektive Landnahme. Doch zurück zum Thema:

Wir sollten genau hinschauen, was die Trump-Administration die nächsten Monate tun wird. Ich befürchte, Trump wird die Tradition seiner Vorgänger fortsetzen – und einen Krieg anstreben. Vielleicht geht er sogar als großer Kriegsherr in die Geschichte ein. On verra.

Kurzer Nachtrag: Trump erwägt, das Waffenembargo gegenüber den Saudis, die gerade im Jemen Krieg führen, aufzuheben. https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2017/02/10/trumps-gewagtes-spiel-riskante-allianz-mit-saudi-arabien/ Auch hier gilt: Hinschauen.

Immerhin dürften die Merkel- und die Trumpadministration sich hier verstehen – beide helfen gerne… http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bundeswehr-soll-saudi-arabiens-militaers-ausbilden-a-1124789.html

Und wieder die Ukraine

Ende Januar kam es an der Demarkationslinie in der Ost-Ukraine zu Gefechten zwischen den ukrainischen Regierungstruppen und den Separatisten. https://www.gmx.net/magazine/politik/ukraine-krise/ukraine-konflikt-russland-usa-verurteilen-aggressives-verhalten-32149284

Hierzulande war man sich schnell einig, dass die Initiative von den Aufständischen ausgegangen bzw. Moskau zu verurteilen sei. Die neue UN-Botschafterin von Präsident Trump gab denn auch altbekannte Töne von sich: Russlands Aggression sei zu verurteilen, die Zivilbevölkerung im Donbas leide und die Krim bleibe ukrainisch. Die Eskalation der Gewalt sei klar Russland anzulasten. Eine Sichtweise, die auch sonst im Westen übernommen wurde. https://www.youtube.com/watch?v=bDZwiz7VGmE

Die Frage, welches Interesse die sich in sicherer Stellung befindenden Separatisten haben sollten, von sich aus die ukrainischen Truppen anzugreifen, wurde nicht gestellt. Die Frage, inwieweit eine von einer Massenmigration der Bevölkerung, einer beispiellosen wirtschaftlichen Talfahrt und massiver Korruption geplagte Ukraine ein Interesse haben könnte, durch militärische Aktionen von der innenpolitischen Misere abzulenken, wurde auch nicht gestellt.

So bleibt dem neutralen Beobachter nur die Möglichkeit, sich russlandfreundlicher Quellen zu bedienen, um ein umfassendes Bild der Lage zu bekommen. Immerhin ist die Bezeichnung „Putinfreund“ dieser Tage nicht ganz so schlimm wie die des „Trumpunterstützers“.

http://thesaker.is/military-escalation-in-eastern-ukraine-in-last-days-of-january/

http://thesaker.is/the-ukronazis-used-a-ballistic-missile-to-strike-at-the-center-of-donetsk/

Es wird spannend sein, zu beobachten, was weiter im Donbas geschieht. Das Regime in Kiew ist angesichts der inneren Probleme fast schon auf den Konflikt angewiesen. Falls zudem eine Direktive bestünde, die Russen aus der Reserve zu locken, so könnte sie sich in weiteren Aktionen wie denen von Ende Januar niederschlagen.

Die wirklich wichtigen Themen wie das Errichten eines Willkürstaates in der Ukraine, der gegen Dissidenten wie den Kriegsdienstverweigerer Ruslan Kotsaba, einen Journalisten, vorgeht (und diesen für 16 Monate einsperren ließ) oder die Tatsache, dass sich schwerbewaffnete Privatarmeen von Oligarchen dort gegenüberstehen oder dass die Organisierte Kriminalität dort floriert – all dies fällt in der hiesigen Berichterstattung unter den Tisch. http://www.counterpunch.org/2016/12/16/interview-with-ukrainian-journalist-jailed-for-speaking-out-against-the-war-in-ukraine/  Von der boomenden Prostitution in der Ukraine, der flächendeckenden Armut und Dingen wie Organhandel ganz zu schweigen.

Der imperialistische Drang, der dem russischen Präsidenten hierzulande gerne nachgesagt wird, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Phantom. Wenn man die Anzahl an Militärstützpunkten und Soldaten in der Welt zwischen den USA und Russland vergleicht, bliebe keine Frage, wer hier ein Imperium betreibt. Aber auch dies anzumerken, ist verpönt.

Zudem das russische Militär im Falle eines militärischen Konfliktes das ukrainische Militär in kürzester Zeit besiegen würde (wie es auch 2008 in Georgien geschah). Dass umgekehrt die Ukraine aus russischer Sicht keinesfalls der NATO angehören darf, da ansonsten in taktischer Hinsicht Russland jedem Einfall in sein Land schutzlos ausgeliefert wäre – auch dies ist hierzulande kein Thema.

Ob Präsident Trump dem Regime in Kiew seine Unterstützung versagen wird oder hier ein weiter ein Konfliktherd am Köcheln gehalten wird, bleibt abzuwarten. Ich fürchte aber, dass die Herren Putin und Trump sich nicht allzu gut verstehen dürften und dass die letzte Patrone in diesem traurigen Konflikt noch nicht verschossen wurde.

Die Brücke über die …. Zeit

Vom vor über 40 Jahren verstorbenen jugoslawischen Schriftsteller (Ha – wo ist Jugoslawien heute? Gibt’s nicht mehr……) Ivo Andric https://de.wikipedia.org/wiki/Ivo_Andri%C4%87 stammt ein wunderschönes Buch mit dem Titel „Die Brücke über die Drina“.

Für dieses Werk wurde Andric 1961 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet – zu Recht, würde ich sagen, denn es ist ein wundervolles Werk. Heute herrscht übrigens zwischen drei Nachfolgestaaten Jugoslawiens Streit darüber, wer den großen Schriftsteller für sich reklamieren darf….. http://www.taz.de/!5108659/

Geboren wurde er als Kroate…. Also Kroatien? Allerdings verstand er sich selber zeitlebens als Jugoslawe – also Serbien als Rechtsnachfolger Jugoslawiens? Aber seine ganze Sympathie gehörte dem damals multikulturellen Bosnien….. also Bosnien? So streitet man sich heute noch.

Andric‘ Magnum Opus „Die Brücke über die Drina“ erzählt in Anekdoten 400 Jahre Geschichte der bosnischen Stadt Vischegrad – beginnend mit dem Bau einer Brücke über den Fluss durch die Türken, zu deren Reich damals Bosnien gehörte, und endend mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges, als Bosnien Teil Österreich-Ungarns war. https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Br%C3%BCcke_%C3%BCber_die_Drina

Untergegangene Reiche….. was Andric so meisterhaft gelingt, ist einmal, die Stimmung in dieser wahrhaft multikulturellen Stadt einzufangen, in der Serben, Türken, Bosniaken, Kroaten, Juden etc. weitgehend friedlich, aber immer wieder von Eruptionen der Gewalt unterbrochen, zusammenleben.

Später gesellen sich dem Völkergemisch auch noch Deutsche bzw. Österreicher (die im Roman abfällig „Schwaben“ genannt werden) sowie Polen, Italiener, Ukrainer und viele andere dazu. Andric beschreibt das Miteinander der verschiedenen Kulturen, das oft nur ein Nebeneinander ist und auch mal zum Gegeneinander wird.

Seine Zeilen haben auch für uns heute Lebenden noch einen Wert. Ein paar Zeilen aus seinem Buch sollen das verdeutlichen helfen. Wie Stefan Zweig in „Die Welt von Gestern“ auch gelingt es Andric wunderbar, den scheinbar dauerhaften Aufschwung der Vorkriegszeit als das zu entlarven, was er war: Nur Episode im beständigen Auf und Ab der Völker und Nationen.

Über die Zeit nach der Besetzung Bosniens durch Österreich-Ungarn im Jahre 1878 und die letzten Jahrzehnte vor Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 schreibt Andric:

„Es waren dies jene drei Jahrzehnte verhältnismäßigen Wohlstands und scheinbaren Friedens der Ära Franz Josephs, als mancher Europäer glaubte, er habe die unfehlbare Formel für die Erfüllung des jahrhundertealten Traumes von einer vollen und glücklichen Persönlichkeit in allgemeiner Freiheit und Fortschritt gefunden, als das 19. Jahrhundert vor den Augen der Millionen Menschen seine vielfältigen und trügerischen Gaben und seine Fata Morgana der Bequemlichkeit, Sicherheit und des Glücks, zu erschwinglichen Preisen und auf Abzahlung für alle und jeden ausbreitete.“

Klingt das nicht seltsam vertraut? Immerwährender Fortschritt…. Glück und Frieden, Toleranz und gut-sein-dürfen…. Und weiter:

„Das Volk fand Ordnung, Verdienst und Sicherheit……. Die neue Obrigkeit hatte nach den ersten Missverständnissen und Konflikten bei den Menschen einen bestimmten Eindruck der Festigkeit und Dauer hinterlassen…… Sie war unpersönlich, mittelbar und daher leichter zu ertragen als die alte türkische Herrschaft.

Alles, was an ihr grausam und habgierig war, das verbarg sie hinter Würde, Glanz und geheiligten Formen. Die Menschen fürchteten die Obrigkeit, aber so, wie man Krankheit oder Tod fürchtet, nicht, wie man vor Bosheit, Not und Gewalt zittert.

Die Träger der neuen Macht, sowohl der militärischen wie der zivilen, waren in ihrer Mehrzahl dem Lande fremd, dem Volk unbekannt und an und für sich unbedeutend, aber auf Schritt und Tritt fühlte man, dass sie kleine Rädchen eines großen Mechanismus waren und dass hinter jedem einzelnen von ihnen in langen Reihen und zahllosen Stufen mächtigere Männer und höhere Behörden standen. Dies verlieh ihnen ein Ansehen, das bei weitem ihre Persönlichkeit überragte, und einen magischen Einfluss, dem man leicht unterlag“.

Ein „großer Mechanismus“ wirkt auch heute bei uns…. Und er wird immer größer und alles durchdringender…. Und was so ein großer Mechanismus und eine neue „Freiheit“ auch bewirken können, beschreibt Andric im Folgenden sehr anschaulich:

„Das neue Leben war zwar nicht weniger bedingt und gebunden als das alte unter den Türken, nur war es leichter und menschlicher, und diese Bedingungen und Bindungen waren jetzt fern und kunstvoll miteinander verknüpft, dass sie der Einzelne nicht unmittelbar fühlte. Daher erschien es jedem, als sei es um ihn plötzlich weiter und luftiger, vielfältiger und reicher geworden.

Dem neuen Staat gelang es, mit seinem guten Verwaltungsapparat auf schmerzlose Art, ohne Gewalt und Erschütterung aus dem Volke die Steuern und Abgaben herauszupressen, die ihm die türkische Herrschaft mit unvernünftigen, groben Methoden oder glattem Raub abgenommen hatte, und zwar nicht nur genauso viel, sondern mehr noch, schneller und sicherer“.

Wie klingen diese Zeilen für uns Heutigen? Die wir mit einer Steuer- und Abgabenlast gesegnet sind, die für unsere Urgroßeltern unglaublich – teuflisch – oder schlicht nicht vorstellbar gewesen wäre. Um all das zu erheben und einzutreiben braucht es einen perfekten Apparat…. Und auch den haben wir. Natürlich braucht es Menschen, die sich in der Tretmühle abzustrampeln bereit sind. Mehr! Und schneller! Denn die Abgaben steigen und steigen….. Aber wir sind ja frei, trotz 70% und mehr Steuern auf unsere Einkünfte….. ach, so frei sind wir……. Frei, alles zu tun und zu kaufen…. Oder? Weiter Andric:

„Wie frisches Blut begann das Geld in bisher ungesehenen Mengen umzulaufen und was die Hauptsache war, öffentlich, kühn und offen. An diesem erregenden Umlauf ….. konnte sich ein jeder…… sattsehen, denn er rief auch beim Ärmsten die Illusion hervor, dass sein Mangel nur vorübergehend und daher erträglich sei.

Jetzt …. war der Reichtum, oder was man als solchen ansah und bezeichnete, öffentlich und zeigte sich immer mehr im Genuß und in persönlicher Befriedigung; und daher konnte die Menge des Volkes etwas von seinem Glanz oder seinen Abfällen erhalten. ….

Jede Befriedigung, die man bis dahin stehlen und verhehlen musste, konnte man nun kaufen und öffentlich zeigen, was auch ihre Anziehungskraft und die Zahl jener vergrößerte, die sie suchten…… Viele Leidenschaften, Neigungen und Gelüste, die bisher an versteckten Orten verborgen wurden oder überhaupt unbefriedigt blieben, konnten und durften nun öffentlich volle oder wenigstens teilweise Befriedigung suchen.

In Wirklichkeit lag auch darin mehr Zwang, Ordnung und gesetzliche Einschränkung; Laster wurden bestraft und Befriedigung wurde bezahlt, schwerer und teurer als einst, nur waren die Gesetze und Formen andere und ließen den Menschen auch hierin, wie in allem Übrigen, die Illusion, dass das Leben auf einmal weiter, üppiger und freier geworden sei.“

Und heute? Alkohol, Spielhallen, Smartphone-Gedaddel, Sport und Spiel und Spaß allerorten….. aber immer verdient jemand dabei. Immer verdient der Staat dabei. Ach, wie frei wir sind…… Wie sagte Nietzsche? Man hat sein Lüstchen für den Tag und sein Lüstchen für die Nacht – aber man ehrt die Gesundheit.

Zurück zu Andric: Ebenso virtuos wie packend schildert dieser den Zerfall der multikulturellen Idylle. Nach dem Attentat von Sarajevo, bei dem ein serbischer Mann den Thronfolger Österreich-Ungarns und dessen Frau erschossen hatte, bricht eine Welle von Repressalien gegen die serbischen Einwohner Vischegrads los.

Misstrauen und Angst regieren ab nun das Verhältnis der Völker untereinander: Die Serben und Österreicher beäugen sich misstrauisch, Bosniaken und Juden schauen dem Ganzen ängstlich zu. Es kommt zu ersten Verhaftungen, Schlägereien und der Flucht mancher Serben über die Grenze nach Serbien.

Andric schildert die letzten Tage vor Kriegsausbruch und wie die Atmosphäre überall durch den Hass aufeinander vergiftet wird. Staatliche Willkür und Gewalt prägen das Bild. Doch der Autor schildert auch Wesentliches, dessen gerade wir Heutigen uns zu gegebener Zeit erinnern sollten – zwei Beispiele mögen das verdeutlichen:

Andric beschreibt die Geschichte eines türkischen Kaufmanns, dessen Großvater einst vor den Österreichern in türkisches Gebiet floh und dabei sein Geschäft zurücklassen musste. Auch der Vater musste wieder fliehen, als das türkische Gebiet dann serbisch wurde und verlor ebenfalls sein Geschäft.

Der Sohn sitzt als Flüchtling in Vischegrad mut- und kraftlos bei einem Bekannten, bei dem er untergekommen ist und sinniert über das Schicksal: „Ja, mein Alihodscha, nun ist es soweit gekommen, dass man nicht mehr aus noch ein weiß. Gott allein weiß, dass wir, mein Vater und ich, alles getan haben, um im wahren Glauben und im echten Islam zu leben.

Meines Großvaters Gebeine ruhen in Uschitze; wahrscheinlich findet man heute keine Spur mehr von seinem Grab. Den Vater habe ich in Nova Warosch begraben und ich weiß heute nicht, ob nicht die Herden der Christen es vielleicht zertreten haben.

Ich habe geglaubt, dass wenigstens ich hier sterben würde, wo noch der Gebetsruf vom Minarett erschallt, aber nach allem scheint mir, dass es uns geschrieben steht, unser Same solle ausgerottet und unsere Grabstätte unbekannt sein. Vielleicht ist es so Gottes Wille? Ich weiß jedenfalls nicht mehr ein noch aus.“

Und sein Gastgeber bemüht sich, den verzweifelten Kaufmann wieder aufzurichten, ihn zu trösten: „Alihodscha, der Mujaga (den Kaufmann, Anm. d.A.) ungewöhnlich liebte und schätzte, bemühte sich, ein Wort zu finden, das ihn tröstete und beruhigte, nicht weil er glaubte, dass es vielleicht etwas helfen könnte, sondern weil er das Bedürfnis hatte und die Pflicht empfand, seine Anteilnahme am bösen Geschick dieses anständigen, unglücklichen Mannes und wahrhaften Mohammedaners zu zeigen.“

Ein paar Straßen weiter sind serbische Flüchtlinge, denen österreichische Truppen die Häuser angezündet haben, bei ihren Verwandten und Bekannten unter gekommen. Eine junge Frau hat sich mit ihren Kindern zum Großonkel retten können, der Mann wird vermisst. Andric schreibt über ihren Mann:

„Petar war eines Tages in Geschäften nach Sarajewo gefahren. Dort hat ihn der Krieg überrascht und seit damals hat die Frau keine Nachricht von ihm. Das Militär hat sie aus dem Haus vertrieben und nun hat sie mit ihren Kindern hier bei Mihailo Zuflucht gefunden. ……

Mihailo lässt sie nicht aus den Augen und ist ständig in ihrer Nähe. Heute morgen hat er erfahren, dass man Petar bei der Rückkehr aus Sarajewo als Geisel aus dem Zug geholt ….. und bei einem falschen Alarm erschossen hat. Das halten sie noch vor ihr geheim und Mihailo passt auf, dass es ihr niemand jäh und rücksichtslos mitteilt.

Die Frau steht jeden Augenblick auf, sie will in den Hof hinausgehen, um nach dem Okolischte (ihrem Hof) zu schauen, aber Mihailo hält sie auf und überredet sie auf alle mögliche Art, denn er weiß gut, dass das Anwesen der Gatalos auf dem Okolischte schon brennt und will der unglücklichen Frau wenigstens dieses Schauspiel ersparen.

Er scherzt und lächelt und bietet unaufhörlich an: „Komm, Gevatterin Stanujka, komm, mein Lämmchen. Nur ein Gläschen. Das ist ein Labetrunk und Sorgenbrecher und kein gewöhnlicher Raki“. Und die Frau trinkt gehorsam. Mihailo bietet der Reihe nach an. Mit seiner unwiderstehlichen und unermüdlichen Herzlichkeit zwingt er jeden, sich neu zu stärken.

Dann kehrt er wieder zu der Frau zurück…… Jetzt ist sie ruhiger. Sie blickt nur nachdenklich vor sich hin. Aber Mihailo verlässt sie nicht, sondern erzählt ihr wie einem Kinde, dass alles vorübergeht, dass ihr Petar heil und gesund aus Sarajewo zurückkehren wird. ……

Und er erzählt die Geschichte von Petars Taufe, die sie alle kennen, die ihnen aber in diesen ungewöhnlichen Nachtstunden wie neu erscheint. Die Männer und Frauen rücken näher heran, lauschen und vergessen beim Lauschen die Gefahr und achten nicht auf den Geschützdonner. Mihailo aber erzählt.“

Das……DAS ist es……. Wenn wir uns DAS in den künftigen Notzeiten erhalten können – unsere Menschlichkeit und unser Für-Einander-Da-Sein – dann ist viel gewonnen! Oder zumindest nicht alles verloren. Denn übel werden die kommenden Zeiten werden – sie müssen es sogar! Zu viele Zerrbilder, die allesamt zerfallen müssen.

Wenn es dann um uns turbulent wird, ist es wichtig, dass wir anderen Stütze und Hilfe und Trost sein können – unseren Nachbarn, Familien und Freunden. Es wird dann auf echte Hilfsbereitschaft ankommen – nicht auf die Pseudo-Hilfsbereitschaft von heute oder auf die gelenkte Gutmenschlichkeit – nein.

Es wird eine ganz praktische Art des Helfens sein. Darauf sollten wir uns einstellen und diese Kraft sollten wir in uns pflegen. Wir werden sie brauchen. Die Brücke über die Drina wird am Ende übrigens gesprengt.

Auch wir werden manche Brücken hinter uns abbrechen müssen. Aber hoffentlich niemals die Brücke der Menschlichkeit! Denn das ist eine goldene Brücke, die uns mit anderen Menschen verbindet.

Ekelhafte Propaganda

Es gibt nur noch wenig (naja) über das ich mich aufrege, aber über das Folgende schon: Da wird uns die Geschichte eines siebenjährigen Mädchens in Ost-Aleppo erzählt, dass sein Leben im Bombenhagel der syrischen und russischen Luftwaffe zubringen muss. https://web.de/magazine/politik/syrien-konflikt/aleppo-7-jaehrige-bana-alabed-dramatischer-twitter-botschaft-32035600

Zufälligerweise taucht diese herzzerreißende Geschichte just in dem Augenblick auf, an dem die syrische Armee kurz davor steht, die Terroristen und Dschihadisten in Ost-Aleppo zu besiegen. Ja, es gibt schon dolle Zufälle…..

Und dieses siebenjährige Mädchen schickt angeblich (und noch dazu auf Englisch) herzbewegende Aufrufe an die Welt: Putin und Assad, bitte stoppt das Bomben! Wir wollen leben! Bitte hört mit dem Bomben auf! Etc.

Pfui Kotz! DAS finde ich wirklich übel! Nicht, dass da ein siebenjähriges Mädchen möglicherweise tatsächlich in Gefahr für ihr kleines Leben steckt – das auch – nein, dass hier kindliches Leid für Propagandazwecke benutzt und missbraucht wird!

Was ist denn mit den in Aleppo kämpfenden Islamisten? Ist deren Regime so menschenfreundlich? Was würden wohl Christen oder Jesiden oder Alewiten über deren Herrschaft sagen? Hm?

Oder glaubt denn jemand, in Raqqua könnte es kein syrisches Mädchen geben, das einen ähnlichen Aufruf an den Westen schicken könnte? Bitte Obama, keine Bomben mehr! Oder glaubt jemand, 2004, als die Amerikaner Fallujah in Schutt und Asche bombten, hätte es keine kleinen Kinder im Bombenhagel gegeben?

Was sollen die afghanischen, libyschen, serbischen, irakischen etc. Kinder sagen, die amerikanische Bomben, Raketen, Mörser, Granaten etc. erlebt und überlebt haben – manche von ihnen zerfetzt, verunstaltet durch Splitter, radioaktiv verseucht und gezeichnet für’s Leben durch mit Uran abgereicherter Munition – WELCHEN APPELL HÄTTEN DIE WOHL AN DIE WELT!!!????

Wenig empfinde ich als so ekelhaft, wie menschliches Leid für Propagandazwecke zu benutzen. Das dies so geschieht – DAS ist der eigentliche Skandal! Gestern ein toter Flüchtlingsjunge, heute ein syrisches Mädchen, morgen….? Vielleicht ein ukrainischer Junge im Osten des Landes? Die Russen töten uns, helft uns!

Pfui Deibel. Da hilft nur hellhörig bleiben – mitfühlend auch, aber das heißt nicht, dass man das Gehirn ausschalten sollte.

Nebenbei: Wenn schon Propaganda, dann auch Gegenpropaganda. Dass sich manche Einwohner der syrischen Stadt über die Befreiung vom Joch der Rebellen freuen – und dass die syrische Armee ein Wasserwerk wieder in Stand setzt, welches die Rebellen besetzt und benutzt hatten, um den Einwohnern Aleppos die Wasserversorgung zu erschweren – stimmt es? Stimmt es nicht? In jedem Falle sollte man beide Seiten anhören und sich dann ein Bild zu machen versuchen. http://www.informationclearinghouse.info/article45938.htm

Motorola – Held oder Unhold?

Der Bürgerkrieg in der Ukraine ruht (weitgehend) seit dem Sommer letzten Jahres. Zwar beschießt die ukrainische Artillerie weiterhin sporadisch diverse Wohngebiete im Donbass, doch herrscht ansonsten Ruhe an der Front.

Diese Ruhe wird allerdings immer wieder durch Attentate bzw. Attentatsversuche auf wichtige Persönlichkeiten der Rebellen unterbrochen. Der Präsident der DNR, der Volksrepublik Donezk, Alexander Sachartschenko, war bereits Ziel eines (fehlgeschlagenen) Attentats gewesen.

Ebenso einer der durch diverse Fernsehreportagen und Internetfilme bekannt gewordenen Batallionskommandeure der Rebellen, der den Kunstnamen „Givi“ trägt. Auch auf ihn wurden bereits zwei Attentate verübt, ohne dass er zu Schaden kam. Ein wirkliches Opfer forderte das jüngste Attentat vor einer Woche.

Ihm fiel der aus Russland stammende Batallionskommandeur „Motorola“, der im richtigen Leben Arsen Pavlov hieß, zum Opfer. Der Fahrstuhl des Hauses, in dem er wohnte, war mit einer Bombe präpariert worden. Sie explodierte, als Pavlov den Fahrstuhl betrat. Er war sofort tot.

Pavlov hatte sich als Freiwilliger den Streitkräften der Separatisten im April 2014 angeschlossen. Da er als russischer Marine-Infanterist ausgebildet worden war und zwei Einsätze in Tschetschenien aufzuweisen hatte, stieg er mit seiner Erfahrung schnell zum Kommandeur auf.

Mit seinem aus der Ukraine stammenden Kollegen Givi wurde er ein von Fernsehteams aus Russland gern interviewter Offizier. Ja, er und sein Kollege wurden fast so etwas wie Stars, da sie es verstanden, witzig und authentisch herüber zu kommen (man stelle sich das für Deutschland vor – geistreiche Offiziere…. und dann noch im Fernsehen? Undenkbar).

Hier ein paar Beispiele für Interviews, in denen beide Protagonisten sich im Krieg die Bälle zuspielen – für mich recht beeindruckend:

https://www.youtube.com/watch?v=iIxpqrWFAtQ

https://www.youtube.com/watch?v=8l4mvWzO1dE

https://www.youtube.com/watch?v=7tRuoMJm9-M

Beide Offiziere verstehen sich auf Wortspiele, kommen irgendwie ehrlich herüber – und waren zudem noch offenbar gute Soldaten, die ihre Truppen zu führen wussten und daher bei ihnen beliebt waren. Der Tod von Motorola ist daher auch der Tod einer Symbolfigur für den Widerstand gegen die Ukraine.

Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten: In der Ukraine äußerte man Freude darüber, dass ein Kriegsverbrecher zu Tode gekommen war (man warf Motorola von Seiten der Ukraine vor, dass er gefangene ukrainische Soldaten erschossen habe, was dieser bestritten hatte).

Der Präsident der DNR schwor blutige Rache an denen, welche für diesen Mord verantwortlich seien. Die Schuldigen verortete er in der Ukraine. https://www.youtube.com/watch?v=jc2nbNWUGIM Ähnlich äußerte sich auch Batallionskommandeur Givi. https://www.youtube.com/watch?v=nlEEnZ7oyDA

Der für gewöhnlich sehr gut informierte Blog The Saker spekulierte, dass der Mord kaum vom ukrainischen Geheimdienst allein ausgeübt worden sein könne, da dieser durch notorische Unfähigkeit auffalle. http://thesaker.is/the-murder-of-motorola-questions-which-must-be-answered/

Allerdings machte er gravierende Sicherheitsmängel in Motorolas Umfeld aus und fragte sich (und seine Leser) wie es sein könne, dass ein so bekannter und gefährdeter Kommandeur wie Pavlov (auf den bereits zwei Attentate verübt worden waren) keine bessere Bewachung bekommen habe.

Wie könne es sein, dass jemand in sein Haus eindringen und dort eine Bombe plazieren konnte? Diese und andere Fragen führten den Saker zur Feststellung, dass die DNR-Führung offenbar unfähig sei, die Sicherheit ihrer Offiziere zu gewährleisten – und dass es für Russland an der Zeit sei, stärkere Verantwortung zu übernehmen.

Außerdem spekulierte der Saker, dass der Mord auch auf internen Streitigkeiten innerhalb der Rebellen beruhen könnte. Tatsächlich sind bereits andere hohe Offiziere der Aufständischen durch Attentate ums Leben gekommen, bei denen die Hintermänner innerhalb der Reihen der Rebellen vermutet werden.

Freilich gibt es auch andere Stimmen: Ein in den Reihen der Donbass-Streitkräfte kämpfender US-Amerikaner, der nicht weit von Motorola wohnt, vermutet aufgrund der schlechten Besicherung des Offiziers, dass es eben doch der ukrainische Geheimdienst gewesen war. http://www.fort-russ.com/2016/10/texas-who-killed-motorola-and-why-ill.html

Wie es wirklich gewesen ist im Falle Motorola wissen wir schlichtweg noch nicht. Vielleicht werden wir es nie erfahren. Ob es der ukrainische Geheimdienst war oder der israelische, ein Verrat vorlag oder jemand ganz anderes aktiv war, können wohl erst die Historiker eines Tages herausfinden.

Eine gute Darstellung des Mordes an Motorola und der Fragestellungen, die sich daraus ergeben, hat auch ein offenbar in Russland sehr bekannter Blogger vorgenommen – wer also mehr dazu wissen will, wird hier fündig. https://www.youtube.com/watch?v=l3ahWVKPQTE

Wer zudem weiteres über die durchaus interessante Person Arsen Pavlov erfahren will, wird hier fündig. https://slavyangrad.org/2016/10/17/knight-of-the-cheerful-countenance/ Motorola hinterlässt eine Frau und zwei kleine Kinder.

Schlusswort: Ich vermute, der Konflikt im Donbass wird eines Tages wieder heiß werden: Das Regime in Kiew braucht angesichts der horrenden wirtschaftlichen Daten (begleitet von einer Massenmigration der Ukrainer – es wird angenommen, dass zw. 5 und 8 Millionen Ukrainer in den letzten Jahren, d.h. auch schon bereits vor den Maidan-Ereignissen und dem Bürgerkrieg, das Land verlassen haben) einen äußeren Feind, auf den der Volkszorn umgelenkt werden kann.

Der äußere Betrachter mag die Ukraine auch als Spielball geopolitischer Interessen ansehen und aus der Reflektion über dortige Ereignisse neue Erkenntnisse zu Massenpropaganda, Manipulation und Mind Control gewinnen.

In jedem Falle sind es Menschen, die dort leiden, manipuliert und ins Unglück gestürzt werden. Noch können wir uns freuen, dass dies weit weg erscheint. „Nichts Besseres weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen, als ein Gespräch von Krieg und Kriegsgeschrei – wenn hinten, weit, in der Türkei, die Völker aufeinander schlagen…“. (Goethe, Faust).

Das Kriegsgeschrei ist allerdings bereits näher an uns herangerückt. Eines Tages dürfte es auch bei uns ertönen.

Noch ist Syrien nicht verloren – und wir?

Von der bulgarischen Seherin Baba Wanga stammt die wohl authentische Aussage, dass eines Tages für die Menschheit harte und schlimme Zeiten voller Not und Leid anbrechen würden. Das war im Jahre 1980. Als sie dazu befragt wurde, ob dies schon bald geschehen würde, soll sie geantwortet haben: Nein, nicht bald. Noch ist Syrien nicht gefallen.http://www.schauungen.de/wiki/index.php?title=Baba_Wanga_(Vangelia_Gushterova)

36 Jahre nach vorne haben wir seit fünf Jahren einen brutalen und grausamen Krieg in Syrien zu vergegenwärtigen, in dem dieses Land ähnlich Deutschland im dreißigjährigen Krieg zum Aufmarschgebiet verschiedener Mächte geworden ist.

Auf der einen Seite stehen (die syrische Regierung unterstützend) Russland, der Iran, die libanesische Hezbollah und wohl auch China, auf der anderen Seite (diverse Rebellenfraktionen offen oder versteckt unterstützend) die USA, weitere westliche Länder sowie die Türkei, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate etc.

In Syrien stehen sich russische und amerikanische Truppen direkt gegenüber. Dies ist eine hochbrisante und hochgefährliche Situation, die im Falle einer Eskalation die reale Chance eines Atomkrieges in sich birgt.Den Russen ist das vollkommen klar. http://thesaker.is/russian-options-against-a-us-attack-on-syria/

Doch was hören wir hierzu von unserer Lillipresse?

Nichts. Und nicht nur dazu nichts – wenn es um eine Analyse der Situation in Syrien geht, wird derart holzschnittartig, naiv und geradezu primitiv berichtet, dass es einem manchmal die Schuhe auszieht.

Da existieren Macht- und Konfrontationsgelüste allein auf der syrischen Seite, da haben nur Russen und Iraner geopolitische Interessen, da geht es dem Westen nur um den Schutz der Zivilbevölkerung und die Beseitigung eines grässlichen Diktators, da bombt nur das Assad-Regime grauenhaft, da wird die Vertreibung von Christen, Jesiden, Alewiten etc. durch Rebellen zwar berichtet, aber dass all diese Minderheiten vorher unter Assad friedlich zusammenlebten – so wie es auch im Irak weitgehend war – nein – das ist keine Zeile wert.

Kein Wort zu Waffen- und Geldlieferungen an die Rebellen durch den Westen (gibt es nicht), zu Kriegsverbrechen der Amerikaner (gibt es nicht), zu völkerrechtswidrigem Verhalten (Herr Assad ist gewählt – egal, wir bomben in seinem Land, hurra – es geht ja um die gute Sache).

HIER wäre ein Aufschrei angebracht! Und nicht bei lächerlichen Dirndl-Vergleichen! Was uns die Presse diesbezüglich und an anderen Stellen vorsetzt ist derart einseitig, schief, verzerrend und abwiegelnd, dass man je nach Temperament in Seufzen oder Schreien geraten könnte. http://web.de/magazine/politik/syrien-konflikt/obamas-miese-optionen-syrienkrieg-31942300

Aber nichts dergleichen – stattdessen sucht Adam seine Eva, erzählt man uns von syrischen Textil-Ingenieuren und Programmierern, die unser Land bereichern, lachen wir über die „Bitch der AfD“ (und suchen vergebens nach einer Pussy der Grünen o.ä.) und über witzige Selfies – während die Gewitterwolken zunehmen.

Da überlegt man in den USA, neue Optionen auf den Tisch zu bringen. Die Waffenruhe sei ja gescheitert (und kein Wort dazu, dass die Amerikaner dies durch die „versehentliche“ Bombardierung einer syrischen Abwehrstellung provoziert hatten. Kein Wort dazu, dass in Zeiten der perfekten Satellitenaufklärung ein solches „Versehen“ vollkommen unmöglich ist).

Es müssten halt neue Optionen her… eine Flugverbotszone (wie sie in Libyen dafür sorgte, dass Gaddafi besiegt wurde und das Land im Chaos versank)? Eine Belieferung der Rebellen mit mehr Waffen (hurra – noch mehr Blutvergießen). Ein Abschuss syrischer Kampflugzeuge (warum nicht gleich die Bombardierung des Präsidentenpalastes)?

Es ist für mich erschreckend, zu sehen, wie hier jedweder Ansatz neutraler und umfassender Berichterstattung durch eine die Dinge sachlich falsch präsentierende und emotional manipulierende Presse verdrängt worden ist. Und vor allem: Die Gefahr der Konfrontation zwischen Russland und den USA ist real! https://www.youtube.com/watch?v=MYZXp2zG9hk&feature=youtu.be

Und der Atomkrieg würde, wenn er denn käme, sicher nicht in Russland und den USA ausgetragen werden….. das Kriegsgebiet wären wir!

Wird es so kommen? Eines Tages schon, fürchte ich. Aber jetzt wohl noch nicht. Ich schätze mal, dass der Kelch dieses Mal noch an uns vorbeigehen wird. Aber irgendwann müssen wir ihn wegen unserer Indolenz und Ignoranz austrinken. Bis zur Neige.