Vergewaltigungen durch Asylbewerber in Österreich

Kürzlich sorgten zwei Morde nach Vergewaltigungen an Studentinnen in bzw. bei Freiburg  für Unruhe (nicht in der deutschen Presse, aber doch in der deutschen Bevölkerung). Die Unruhe wurde noch größer, als sich bei einem Fall in Freiburg herausstellte, dass ein siebzehnjähriger afghanischer Asylbewerber der Täter gewesen war. http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/ermordete-studentin-in-freiburg-taeter-erst-17-14557175.html

Schnell war man von vielen Seiten mit der Erklärung dabei, dieser Fall dürfe nicht verallgemeinert oder von den Rechten ausgeschlachtet werden. Die Tagesschau versuchte sich zudem in Erklärungen, weshalb der Fall, welcher international Aufsehen erregt hatte, nicht abends in der wichtigsten deutschen Nachrichtensendung erwähnt worden war. https://www.gmx.net/magazine/panorama/freiburg-mord-studentin/tagesschau-chefredakteur-erlaeutert-vorgehen-freiburg-32046460

In Bochum wurde kurz danach ein Tatverdächtiger in zwei Vergewaltigungsfällen an chinesischen Studentinnen gefasst. Selbige Vorfälle hatten zu einer Reisewarnung des chinesischen Konsulats für Bochum geführt. Auch in Bochum war der Tatverdächtige ein Asylbewerber gewesen, diesmal aus dem Irak stammend. http://www.derwesten.de/staedte/bochum/wartete-der-uni-vergewaltiger-im-gebuesch-auf-schon-sein-drittes-opfer-die-fast-unglaubliche-geschichte-seiner-festnahme-id208899105.html

Nun hatte ich in zwei Vorgängerartikeln schon anhand von Auswertungen des Statistischen Bundesamtes für die Jahre 2014 und 2015 aufgezeigt, dass Asylbewerber die im Vergleich zu Deutschen signifikant höhere Wahrscheinlichkeit aufweisen, eine Frau zu vergewaltigen.

https://nachrichtenaushinterland.wordpress.com/2015/11/18/vergewaltigungen-von-asylbewerbern/

https://nachrichtenaushinterland.wordpress.com/2016/09/23/vergewaltigungen-durch-asylbewerber-ii/

Und welchen Menschen mit Verstand sollte dies wundern? Die meisten der hier ankommenden Asylbewerber sind junge Männer, zudem aus uns fremden Kulturen stammend und mit einem ganz anderen Frauenbild, resultierend aus einer rigiden Geschlechtertrennung und einer nicht existenten Sexualaufklärung bzw. mit einer tabuisierten Sexualität ausgestattet.

Wie werden die Frauen in ihren Ländern behandelt? Welche Freiheiten haben sie (und welche nicht)? Welche Gewalt erleben Frauen in diesen Ländern durch Männer? Warum werden Erhebungen der Vereinten Nationen über sexuelle Belästigungen in arabischen Ländern hier nicht offen diskutiert? http://www.dailynewsegypt.com/2013/04/28/99-3-of-egyptian-women-experienced-sexual-harassment-report/

Umgekehrt existieren auch bei den Asylbewerbern vollkommen falsche Bilder vom Westen und von westlichen Frauen in manchen Köpfen (die westliche Frau will immer Sex etc.), von denen die Herleitung des Bildes einer „Schlampe“ nicht so schwierig erscheint. (Man lese mal das arabische Kultbuch „Zeit der Nordwanderung“. Überaus schönes und ein sehr geeignetes Buch, um die arabische Denkweise zu verstehen – und das Bild vom Westen. In diesem Buch wollen die westlichen Frauen vor allem Sex mit dem Araber. Wie gesagt: Ein Kultbuch). http://www.nzz.ch/ein-buch–ein-klassiker-1.2038852

Desweiten gibt es in vielen der Kulturen, aus denen diese Männer kommen, keine „Freundin“, es gibt nur die Ehefrau und die Mutter (und die unzüchtige Sünderin). Vorehelicher Sex ist nicht vorgesehen (und wird natürlich trotzdem praktiziert, da jedes Tabu reizt), der Forderung nach Jungfräulichkeit und der Unmöglichkeit für alle Männer, Sex zu haben, wird mit anderen Sexualpraktiken begegnet, kurz: Durch all dies zusammen mit dem hormonellen Druck wird mancher hier sich eben mit Gewalt zu nehmen versuchen, wovon er glaubt, dass es ihm zusteht. https://www.youtube.com/watch?v=GRIJbJyGUs4

Sicherlich sind „Vergewaltiger überall Arschlöcher“, um mal ein gerne bemühtes Bonmot von heute aufzugreifen, aber wenn man Zustände schafft, in denen Vergewaltigungen häufiger auftreten (müssen), ist damit keinem wirklich gedient.

Nachdem ich also für Deutschland aufgezeigt hatte, dass – aus den erwähnten Gründen heraus – Asylbewerber im Schnitt mehr Vergewaltigungen als Deutsche begehen, wollte ich einen Blick auf unser Nachbarland Österreich werfen.

Auch dort gibt es Meldungen über Vergewaltigungen, begangen von Asylbewerbern. Teilweise mit grausigem Inhalt. http://www.krone.at/oesterreich/opfer-dachte-ich-muss-hier-und-jetzt-sterben-praterstern-prozess-story-542854 Hier zum Beispiel die Vergewaltigung einer Deutschen an Sylvester 2015 durch neun Iraker. Die Täter machten Selfies mit ihrem Opfer, die Frau ist seitdem in therapeutischer Behandlung. http://www.krone.at/oesterreich/massenvergewaltigung-selfies-mit-opfer-gemacht-anklage-fertig-story-542791

Zwei kurze Randanmerkungen: Zum einen ist das Phänomen der Gruppenvergewaltigung (Gangbang) in Deutschland(und in Österreich vermutlich auch) eine Domäne von Migranten. In Deutschland waren 2015 zwei Drittel der Tatverdächtigen in diesem Delikt Ausländer gewesen.

Zum anderen fällt auf, dass hier, wie in anderen schrecklichen Gewaltfällen auch, von feministischer Seite kein Aufschrei ertönt. Bei Bemerkungen wie „süße Maus“ oder „Sie haben ja gut Holz vor der Hüttn“ bebte die feministische Republik, aber hier? Oder bei dem Fall in Hameln, wo ein Mann (ein Kurde) seine Frau am Auto angebunden und durch die Straßen geschleift hatte? Oder der Fall in Kiel, wo ein Mann aus Afrika seine Frau lebendigen Leibes anzündete? Ist ein grenzwertiges Kompliment also sexistischer als Gewalt gegen Frauen?

Schweigen….. das Schweigen der Lämmer? Vielleicht.

Doch zurück zu Österreich:

Dort war man letztens auf eine Anfrage der FPÖ beim Innenministerium hinsichtlich der von Asylbewerbern begangenen Vergewaltigungen eingegangen. Hier ist die entsprechende Anfrage: https://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXV/J/J_10434/imfname_563501.pdf

Die Beantwortung durch den Innenminister brachte einige interessante Fakten zutage: https://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXV/AB/AB_09970/imfname_576696.pdf

Offenbar waren 2015 bei 826 Vergewaltigungen 688 Verdächtige ausgeforscht worden. (Zum Vergleich: In Deutschland waren es im selben Jahr 5.896 Tatverdächtige gewesen. Wenn man die zehnmal höhere Bevölkerungszahl ansetzt, gleichen sich die Verhältnisse also weitgehend). https://nachrichtenaushinterland.wordpress.com/2016/09/23/vergewaltigungen-durch-asylbewerber-ii/

438 der mutmaßlichen Täter waren Österreicher gewesen, 250 Ausländer und von diesen 39 Asylwerber. (Zum Vergleich: In Deutschland gab es letztes Jahr 3.944 deutsche Tatverdächtige, 1.952 Ausländer und von diesen 397 Asylbewerber).

Auch hier gleichen sich die Verhältnisse – auch dahingehend, dass Ausländer in beiden Ländern überproportional im Verhältnis zum Anteil an der Gesamtbevölkerung als Tatverdächtige auftraten.

In Deutschland beträgt der Ausländeranteil offiziell ca. 11%. Ausländer stellten aber 33% der Tatverdächtigen im Delikt Vergewaltigung und Nötigung. In Österreich beträgt der Ausländeranteil offiziell fast 15%. Gleichzeitig betrug ihr Anteil beim Delikt Vergewaltigung 36%.

Bleiben wir einen Moment bei den ausländischen Tatverdächtigen. In Österreich stellen Deutsche die größte Migrantengruppe mit fast 180.000 Menschen, gefolgt von Serben und Türken mit jeweils 116.000 Menschen. Afghanen stellen 36.000 Menschen.

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/293019/umfrage/auslaender-in-oesterreich-nach-staatsangehoerigkeit/

Der reinen Lehre nach, wonach Vergewaltiger in allen Kulturen vorkommen, müssten somit Deutsche zahlenmäßig als Tatverdächtige öfter als Türken oder Afghanen in Erscheinung treten. Schauen wir auf die Zahlen für 2015:

Zur Erinnerung: 688 Tatverdächtige, davon 250 Ausländer.

Die Deutschen als größte Gruppe stellten 12 Tatverdächtige.

Die Serben stellten als zweitgrößte Gruppe 26 Tatverdächtige.

Türken stellten als ebenfalls zweitgrößte Gruppe 44 Tatverdächtige.

Afghanen stellten 22 Tatverdächtige.

Kurz: Auch hier zeigt sich, dass bestimmte Gruppen überproportional vertreten sind (was wie erwähnt nicht wundert, wenn man wie vordem soziale und religiöse Prägungen, Einstellung zur Sexualität, Erziehung, Frauenbild etc. berücksichtigt).

Doch nun zum Jahr 2016 (denn jetzt wird es spannend).

Von Januar bis September dieses Jahres wurden laut Beantwortung bei bislang 677 Vergewaltigungen 594 Verdächtige ausgeforscht, davon 337 Österreicher und 257 Ausländer, wovon 91 Asylbewerber waren.

Wenn wir nun zum Jahresende vorgreifen, so dürften sich bis dahin die tatverdächtigen Österreicher also im Gesamtbild als Anzahl im Vergleich zum Vorjahr kaum oder nur unwesentlich verändert haben, die tatverdächtigen Asylbewerber fast oder mehr als verdreifacht haben.

Nebenbei: Glückliches Österreich! In dem es noch andere interessante Parlamentarische Anfragen gibt (die überdies auch noch beantwortet und veröffentlicht werden). Da gab es auch mal eine Anfrage zur Anzahl der Polizeieinsätze in Flüchtlingsheimen. Wäre mir nicht bekannt, dass ich ähnliches bei uns gesehen hätte. https://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXV/J/J_08677/index.shtml

Doch zurück zum Thema:

Die Deutschen als größte Gruppe stellten 2016 bis jetzt zehn Tatverdächtige.

Serben stellten 13 Tatverdächtige.

Türken stellten 43 Tatverdächtige.

Und Afghanen 55 Tatverdächtige.

Syrer stellten nebenbei 13 Tatverdächtige.

Die Zahlen können wie erwähnt hier eingesehen werden: https://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXV/AB/AB_09970/imfname_576696.pdf

Die Zahlen sind noch um einiges dramatischer, wenn man sie im Gesamtkontext betrachtet: In Österreich leben 8,7 Mill Einwohner. Von diesen sind wie erwähnt 15% oder 1,3 Mill Ausländer. https://de.wikipedia.org/wiki/Demografie_%C3%96sterreichs http://diepresse.com/home/panorama/oesterreich/4917476/Neuer-Rekord_87-Millionen-Menschen-leben-in-Oesterreich

Also halten wir noch einmal fest: 7,4 Mill Österreicher stellten von Januar bis September diesen Jahres 337 Tatverdächtige in Sachen Vergewaltigung.

Aktuell befinden sich in Österreich vielleicht 160.000 Asylbewerber im Leistungsbezug (d.h. Asylbewerber im laufenden Asylverfahren, Anerkannte und solche, denen subsidiärer Schutz gewährt wird). So die Zahlen vom Innen- und Sozialministerium Österreich (wozu zwei Anmerkungen angebracht sind):

Zum einen werden diese Zahlen NICHT im Internet veröffentlicht. Alles, was man dort findet, sind Statistiken zur Anzahl der Asylanträge und zu deren Bescheid. Allerdings keine Gesamtzahl der Asylbewerber. Interessant. Ich musste beim Innenministerium in Wien anrufen, wo man mir die Gesamtzahl der Asylbewerber, welche sich im Leistungsbezug der Grundversorgung befinden, fernmündlich mitteilte. http://www.bmi.gv.at/cms/BMI_Asylwesen/statistik/

In Deutschland wird diese Zahl rückwirkend vom Statistischen Bundesamt veröffentlicht. https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2016/09/PD16_304_222.html

Zum anderen ist diese Anzahl nicht vollständig, wie der Sprecher des Innenministeriums mir mitteilte und dies aus folgenden Gründen: Ein Asylbewerber, der seinen Antrag gestellt hat, erhält von diesem Moment an in Österreich die sogenannte Grundversorgung. Das sind Geld und Sachleistungen. (Wobei das Geld nicht mehr als maximal 250,- € im Monat beträgt). http://asylwohnung.at/hrf_faq/wie-viel-geld-bekommt-ein-fluechtling/

Wenn sein Asylverfahren positiv entschieden wurde bzw. wenn ein subsidiärer Schutz gewährt wurde, erhält der Asylbewerber vier Monate nach dem positiven Bescheid unter Umständen die sogenannte Mindestsicherung (analog zum deutschen Hartz4). Diese ist höher (s. Link oben).

ABER: Die Mindestsicherung ist zum einen in Österreich Sache der Länder – in vier österreichischen Bundesländern erhalten zum Beispiel die subsidiär Schutzberechtigten KEINE Mindestsicherung, sondern weiter nur die Grundversorgung.

Zum anderen fallen diese Asylbewerber in der Mindestsicherung aus der Statistik des Innenministeriums heraus, da sie nun Leistungen des Sozialministeriums erhalten. Somit werden sie nicht mehr in der Statistik des Innenministeriums geführt! (Obwohl sie Asylbewerber sind).

Ich mailte darauf das Sozialministerium an (auf telefonische Anfrage konnte man mir nicht weiterhelfen), bekam keine Antwort und rief nochmal an, worauf man mir mitteilte, dass hierüber im Sozialministerium keine Statistiken geführt werden, da dies Sache der Bundesländer sei. Diese aber schickten keine Zahlen ans Sozialministerium. Interessant.

Somit blieb mir nur ein Schätzwert, den ich auf 60.000 Asylbewerber (in Mindestsicherung) festsetzte-  und dies aus folgenden Gründen:

In Österreich wurden 2016 bis dato etwas mehr als zwei Fünftel der Asylanträge positiv beschieden (d.h. 21.000 von 52.000). Wenn ich dieses Verhältnis auf die 120.000 Asylanträge von diesem und letztem Jahr umlege, so kämen dabei ca. 48.000 Menschen heraus.

Zwischen 2006 und 2013 lag die Anzahl der Asylanträge in Österreich immer zwischen 11.000 und 18.000 Menschen. 2014 stieg sie auf 28.000 Menschen, um dann wie erwähnt 2015 zu explodieren. Man müsste nun für jedes Jahr die positiven Asylbescheide herausfiltern UND dann noch nachverfolgen, welche Verfahren mit Einbürgerung, Abschiebung etc. beendet wurden.

Dazu bin ich ehrlich gesagt zu faul (falls ein Leser diese Zahlen hat, so möge er sie gerne einreichen). Packen wir noch einmal 32.000 Menschen dazu, so hätten wir die Zahl von 160.000 Asylbewerbern im Leistungsbezug. Sie dürfte eher zu hoch als zu niedrig sein – etwas Besseres als diese Schätzung habe ich aktuell nicht.

Damit zurück zum Thema.

Geschätzt 160.000 Asylbewerber stellten 91 Tatverdächtige im Delikt Vergewaltigung.

7,4 Mill Österreicher stellten 337 Tatverdächtige.

D.h. rechnerisch kommt auf knapp 22.000 Österreicher ein Tatverdächtiger in Sachen Vergewaltigung. Bei Asylbewerbern kommt allerdings ein Tatverdächtiger auf 1.750 Asylbewerber. Oder anders ausgedrückt: Asylbewerber haben eine knapp 13mal höhere Wahrscheinlichkeit, eine Frau zu vergewaltigen, als Österreicher (da die Gesamtzahl der Asylbewerber von mir bewusst hoch angesetzt wurde, dürfte die Wahrscheinlichkeit eher noch deutlicher zu Ungunsten der Asylbewerber ausfallen).

Um aber auch das größere Bild im Kopf zu behalten: Die Mehrzahl der Asylbewerber tritt natürlich nicht als Tatverdächtige auf! Aber es ist auch wahr, dass aus ihren Reihen anteilsmäßig mehr Vergewaltiger kommen als bei den Österreichern. Was, wie schon erwähnt, viele Ursachen hat.

Der Skandal liegt für mich nicht so sehr darin, dass Österreich und Deutschland nun etwas mehr Vergewaltigungen zu vergegenwärtigen haben, sondern dass eine schleichende  Veränderung der Atmosphäre an zu vielen Orten still und leise geschieht. Da geht man nicht mehr alleine irgendwo hin oder fühlt sich unwohl in bestimmten Situationen, wenn Männergruppen auf einen zukommen etc. Gewalt ist nur der letzte Schritt. Vorher geschieht schon einiges, was nie geahndet wird, was aber verunsichert und die Atmosphäre sehr zum Nachteil verändert.

Man könnte den Übergriffen von Seiten eines kleinen Teils der Asylbewerber durch eine konsequente Justiz, schnelle Verfahren, sofortige Abschiebung, deutliche gesellschaftliche Ächtung etc. sicher besser begegnen. Aber das findet nicht statt. Die Justiz und die Gesellschaft üben sich in Verständnis, deutliche gesellschaftliche Ächtung bleibt den Rechtsradikalen vorbehalten. http://1nselpresse.blogspot.de/2016/10/er-wusste-nicht-dass-er-junge-nicht.html

Im o.e. Beispiel hatte ein 20jähriger Iraker in Österreich einen zehnjährigen Jungen im Schwimmbad vergewaltigt. Das erste Urteil von sechs Jahren Haft wurde aufgehoben, da der Vergewaltiger nicht habe begreifen können, ob das Kind dem sexuellen Akt zugestimmt hätte. Hätte man ähnliches im Falle eines Neonazis getan, der ein Migrantenkind vergewaltigt hätte? (Nebenbei: Ich kann mich eines solchen Falles beim besten Willen nicht entsinnen, will ihn aber auch nicht ausschließen – ich meine, dass ein Deutscher sich an einem ausländischen Kind vergeht. Wäre mir aber noch nicht aufgefallen).

Seltsam….. noch 1982 konnte ein SPD-Mann in einem kritischen Artikel davor warnen, dass unkontrollierte Zuwanderung sehr viel mehr Schaden als Nutzen bringt – Zitat: „Es sind immer aus den Begegnungen und aus Mischungen kulturelle Bereicherungen und Fortschritte entstanden, auf die nicht ohne große Einbußen zu verzichten wäre. Nur spielt eben das Maß hierbei doch eine entscheidende Rolle. “  Und prophezeite, dass, wenn das Maß nicht eingehalten würde, Ghettos, Parallelgesellschaften, Gewalt und eine Abschottung der Reichen die Folge wären. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-14344559.html

Das war 1982. Eine der Forderungen von damals zielte auf eine Einschränkung des Asylrechts. Es kam, wie wir wissen, anders. Doch zurück zum Thema:

Wir dürfen gespannt sein, welche Zahlen das deutsche Bundeskriminalamt im Mai 2017 für 2016 vorlegen wird (wobei man immer das alte Bonmot von Mark Twain im Hinterkopf behalten sollte, dass es drei Arten von Lügen gebe – Lügen, verdammte Lügen und Statistiken).

Das Gegenargument, dass man hier (bei den Vergleichszahlen von Vergewaltigungen durch Asylbewerber und Österreicher) Apfel mit Birnen vergleicht bzw. soziale Hintergründe ins Spiel bringen müsste, lasse ich persönlich dabei nicht gelten. Sicher spielen auch soziale Aspekte (Armut etc.) eine Rolle. Aber warum vergewaltigen Angehörige mancher Gruppen öfter als die anderer Gruppen? Dies sollte man sich fragen  – und auf die Täterstruktur und vor allem ihre kulturellen Prägungen schauen.

Manchmal gibt es durchaus Ansätze dazu – so, wenn zum Beispiel ein seit 40 Jahren in Deutschland lebender Syrer (Professor Bassam Tibi) erklärt, dass die Vergewaltigung in seinem Kulturkreis auch ein bewusst angewandtes Mittel zur Demütigung sei. Und dass manche jungen Männer, deren Erwartungen nach Wohlstand etc. hier nicht erfüllt werden, sich mit Gewalt das nehmen könnten, von dem sie glauben, dass es ihnen zusteht. https://www.welt.de/debatte/kommentare/article155134929/Junge-Maenner-die-die-Kultur-der-Gewalt-mitbringen.html

Derselbe Mann sagte übrigens 1997 auch, dass Deutschland in Gefahr sei, Ghettos und Parallelgesellschaften entstehen zu lassen……  Ein weiterer Prophet, auf den niemand hörte. http://www.focus.de/politik/deutschland/deutschland-wider-den-getto-islam_aid_163944.html

Man möchte Deutschen und Österreichern (und insbesondere deutschen und österreichischen Feministinnen) raten, einmal das Buch der amerikanisch-ägyptischen Feministin Mona Eltahawy über die arabische Männerwelt und ihr Verhältnis zu Frauen sowie über die in der ganzen arabischen Welt anzutreffende Gewalt gegen Frauen zu lesen, Titel: Warum hasst ihr uns so? https://www.amazon.de/Warum-hasst-ihr-uns-islamischen/dp/3492308856/ref=la_B00M2R9794_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1481111489&sr=1-1

Dann würde man nämlich begreifen, dass diese Männer mit einem anderen Verständnis zu Frauen und zur Gewalt gegen Frauen aufwachsen und diese als normal empfinden. Natürlich nicht alle – aber die Gewalt prägt. Und wird von einem Teil hier ausgelebt werden.

Hier ein interessantes Interview mit Frau Eltahawy (leider nur auf Englisch). https://www.youtube.com/watch?v=GRIJbJyGUs4

Doch zurück zum Thema:

Man kann offizielle Zahlen (und natürlich nur die Zahlen, die vorliegen) vergleichen – nichts anderes habe ich getan. Würde man die Altersstruktur noch berücksichtigen, täte sich das Bild eventuell noch zum Vorteil der Asylbewerber verändern – vielleicht aber auch nicht.

Freilich lässt sich noch über Dunkelziffern spekulieren wie auch über die Frage, ob die Zahl der Asylbewerber nicht noch höher sein müsste (durch die illegal sich im Lande Aufhaltenden – allerdings würden deren Verbrechen auch nicht den Asylbewerbern zugerechnet), aber all dies sind Spekulationen. Halten wir uns an das, was vorliegt (so gut das geht).

Man sollte sich eher fragen, welcher Sinn in einer Einwanderung liegt, in welcher sich fremd gegenüberstehende Kulturen, Völker, Denkweisen, Religionen etc. begegnen. Man beschäftige sich mal mit dem Rechtswesen, Frauenbild, Einstellung zur Gewalt, Bildung, Arbeitsmoral etc. in den Ursprungsländern  der hierher Gekommenen.

Sie dürften uns fremd sein. So wie wir diesen Menschen fremd erscheinen müssen. Abkapselung wird bei einem Teil die logische Folge sein – sie geschieht ja schon jetzt.

Welchen Sinn hat es, dass rechtsfreie Räume entstehen, Viertel, die irgendwann zu Ghettos und dann zu No-Go-Areas werden?

Welchen Sinn hat es, dass die Bevölkerung immer durchmischter wird? Dass der Zusammenhalt so immer weiter schwindet? Wer profitiert davon? Fragen, die man sich mal stellen sollte.

Oder auch: Wie hätte wohl die Presse reagiert, hätte ein deutscher Mann eine türkische Studentin vergewaltigt und getötet? Wäre diese Nachricht in der Tagesschau gebracht worden (so wie der Totschlag an Tugce A. in Offenbach vor zwei Jahren  – der schaffte es in die Tagesschau)?

Warum bekam die Familie von Tugce A. ein Kondolenzschreiben des Bundespräsidenten – und die Familie von Maria L. (der toten Studentin aus Freiburg) nicht?

Wo sind die Lichterketten gegen Gewalt in Freiburg? Wie viele Ausländer wurden 2015 durch Deutsche aus Ausländerhass getötet? Wie viele Deutsche wurden 2015 von Ausländern aus Deutschenhass getötet? Fragen über Fragen…..

Wer bereit ist, hinzuschauen, sieht, dass mit dieser Form der Zuwanderung Parallelgesellschaften (und unter anderem auch steigende Vergewaltigungszahlen bzw. an zu vielen Stellen ein wachsendes Gefühl der Bedrohung und der Angst) die logische Folge sind.

Aus den Parallelgesellschaften werden sich wiederum auch unsere Gesellschaft und Lebensform ablehnende Menschen rekrutieren, welche durch kriminelles Verhalten und hier und da auch Terroranschläge Aufsehen erregen dürften.

Was im Umkehrschluss wiederum Zorn bei der Mehrheitsbevölkerung erzeugen wird, welcher sich bei den Radikalen auf der Rechten ebenfalls in gewalttätigen Aktionen entladen mag, welche wiederum umgekehrt von der Mehrheitsmeinung als Beweis für die Bedrohung von rechts herangezogen werden dürfte. Ein Circulus vitiosus (zu Deutsch Teufelskreis).

Die allgemein größere Unsicherheit und Angst in allen Bevölkerungsteilen wird Rufe nach mehr staatlicher Kontrolle und Überwachung nach sich ziehen, der man von oben gerne nachkommen dürfte (ein Solidarzuschlag zur inneren Sicherheit oder ähnliches liegt im Bereich des Möglichen).

Tatsächliche Lösungen, welche in einer Änderung der Einwanderungspolitik oder einer Volksabstimmung zu dieser Frage oder auch in schlichtweg konsequent angewandten Gesetzen und verkürzten Verfahren mit sofortiger Abschiebung liegen könnten, dürften nicht ergriffen werden.

Daher wird man weiter nach „Lösungen“ im Kleinen suchen: Pfeffersprays kaufen, Selbstverteidigungskurse buchen, das eigene Haus einbruchsicher machen, bestimmte Festivitäten oder Gegenden meiden, die Kinder persönlich abholen oder sie von bestimmten Schulen abmelden, aus bestimmten Gegenden wegziehen oder gar das Land verlassen.

Von oben wird man neben Überwachung und mehr Kontrolle auch um weitere Ratschläge nicht verlegen sein: Nach der Armlänge Abstand kommt vielleicht der Rat, zu bestimmten Zeiten nicht mehr auszugehen, nach dem hübschen Armband mit „NO“-Aufschrift vielleicht der Keuschheitsgürtel? Strumpfhosen sollen nebenbei an Sylvester 2015 in Köln mancher Frau geholfen haben…..

Die Sicherheitsbranche wird weiter boomen, das Mantra „Wir schaffen das“ noch eine Weile bestehen bleiben – und in paar Jahren ist dann die parzellierte und wurzellose Bevölkerung Realität. Die Ideologie, welche dieser Veränderung der Gesellschaft zugrunde liegt, dürfte allerdings in den nächsten 15-20 Jahren im Verlauf einer großen Wirtschaftskrise zerfallen – und die Gesellschaft mit ihr.

Die nächsten Jahre werden somit eher unschön. Aber als Erfahrung sind sie offenbar notwendig.

Kurzer Nachtrag: Wenn ich diese Warnungen des Fußballtrainers vom SC Freiburg, der in einem Interview nach dem Mord durch einen Asylbewerber vor Fremdenhass warnte – https://web.de/magazine/politik/fluechtlingskrise-in-europa/freiburg-trainer-christian-streich-haelt-engagierte-rede-fremdenhass-32053158 mit diesen Ereignissen hier (eine kurze Aufstellung verschiedener Gewalttaten in und um Freiburg) verknüpfe – http://www.epochtimes.de/politik/deutschland/freiburg-moerder-gefasst-junger-fluechtling-aus-afghanistan-17-toetete-und-vergewaltigte-studentin-19-a1990664.html

dann ist mir (und hoffentlich auch manchen Lesern) klar, dass da noch viel Raum nach unten ist. Denn das Erste ist die Ideologie und das Zweite die Realität. Und irgendwann bricht das Erste angesichts des Zweiten zusammen. Bis dahin ist’s aber wie gesagt noch ein gutes Stück Weg.

Die Brücke über die …. Zeit

Vom vor über 40 Jahren verstorbenen jugoslawischen Schriftsteller (Ha – wo ist Jugoslawien heute? Gibt’s nicht mehr……) Ivo Andric https://de.wikipedia.org/wiki/Ivo_Andri%C4%87 stammt ein wunderschönes Buch mit dem Titel „Die Brücke über die Drina“.

Für dieses Werk wurde Andric 1961 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet – zu Recht, würde ich sagen, denn es ist ein wundervolles Werk. Heute herrscht übrigens zwischen drei Nachfolgestaaten Jugoslawiens Streit darüber, wer den großen Schriftsteller für sich reklamieren darf….. http://www.taz.de/!5108659/

Geboren wurde er als Kroate…. Also Kroatien? Allerdings verstand er sich selber zeitlebens als Jugoslawe – also Serbien als Rechtsnachfolger Jugoslawiens? Aber seine ganze Sympathie gehörte dem damals multikulturellen Bosnien….. also Bosnien? So streitet man sich heute noch.

Andric‘ Magnum Opus „Die Brücke über die Drina“ erzählt in Anekdoten 400 Jahre Geschichte der bosnischen Stadt Vischegrad – beginnend mit dem Bau einer Brücke über den Fluss durch die Türken, zu deren Reich damals Bosnien gehörte, und endend mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges, als Bosnien Teil Österreich-Ungarns war. https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Br%C3%BCcke_%C3%BCber_die_Drina

Untergegangene Reiche….. was Andric so meisterhaft gelingt, ist einmal, die Stimmung in dieser wahrhaft multikulturellen Stadt einzufangen, in der Serben, Türken, Bosniaken, Kroaten, Juden etc. weitgehend friedlich, aber immer wieder von Eruptionen der Gewalt unterbrochen, zusammenleben.

Später gesellen sich dem Völkergemisch auch noch Deutsche bzw. Österreicher (die im Roman abfällig „Schwaben“ genannt werden) sowie Polen, Italiener, Ukrainer und viele andere dazu. Andric beschreibt das Miteinander der verschiedenen Kulturen, das oft nur ein Nebeneinander ist und auch mal zum Gegeneinander wird.

Seine Zeilen haben auch für uns heute Lebenden noch einen Wert. Ein paar Zeilen aus seinem Buch sollen das verdeutlichen helfen. Wie Stefan Zweig in „Die Welt von Gestern“ auch gelingt es Andric wunderbar, den scheinbar dauerhaften Aufschwung der Vorkriegszeit als das zu entlarven, was er war: Nur Episode im beständigen Auf und Ab der Völker und Nationen.

Über die Zeit nach der Besetzung Bosniens durch Österreich-Ungarn im Jahre 1878 und die letzten Jahrzehnte vor Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 schreibt Andric:

„Es waren dies jene drei Jahrzehnte verhältnismäßigen Wohlstands und scheinbaren Friedens der Ära Franz Josephs, als mancher Europäer glaubte, er habe die unfehlbare Formel für die Erfüllung des jahrhundertealten Traumes von einer vollen und glücklichen Persönlichkeit in allgemeiner Freiheit und Fortschritt gefunden, als das 19. Jahrhundert vor den Augen der Millionen Menschen seine vielfältigen und trügerischen Gaben und seine Fata Morgana der Bequemlichkeit, Sicherheit und des Glücks, zu erschwinglichen Preisen und auf Abzahlung für alle und jeden ausbreitete.“

Klingt das nicht seltsam vertraut? Immerwährender Fortschritt…. Glück und Frieden, Toleranz und gut-sein-dürfen…. Und weiter:

„Das Volk fand Ordnung, Verdienst und Sicherheit……. Die neue Obrigkeit hatte nach den ersten Missverständnissen und Konflikten bei den Menschen einen bestimmten Eindruck der Festigkeit und Dauer hinterlassen…… Sie war unpersönlich, mittelbar und daher leichter zu ertragen als die alte türkische Herrschaft.

Alles, was an ihr grausam und habgierig war, das verbarg sie hinter Würde, Glanz und geheiligten Formen. Die Menschen fürchteten die Obrigkeit, aber so, wie man Krankheit oder Tod fürchtet, nicht, wie man vor Bosheit, Not und Gewalt zittert.

Die Träger der neuen Macht, sowohl der militärischen wie der zivilen, waren in ihrer Mehrzahl dem Lande fremd, dem Volk unbekannt und an und für sich unbedeutend, aber auf Schritt und Tritt fühlte man, dass sie kleine Rädchen eines großen Mechanismus waren und dass hinter jedem einzelnen von ihnen in langen Reihen und zahllosen Stufen mächtigere Männer und höhere Behörden standen. Dies verlieh ihnen ein Ansehen, das bei weitem ihre Persönlichkeit überragte, und einen magischen Einfluss, dem man leicht unterlag“.

Ein „großer Mechanismus“ wirkt auch heute bei uns…. Und er wird immer größer und alles durchdringender…. Und was so ein großer Mechanismus und eine neue „Freiheit“ auch bewirken können, beschreibt Andric im Folgenden sehr anschaulich:

„Das neue Leben war zwar nicht weniger bedingt und gebunden als das alte unter den Türken, nur war es leichter und menschlicher, und diese Bedingungen und Bindungen waren jetzt fern und kunstvoll miteinander verknüpft, dass sie der Einzelne nicht unmittelbar fühlte. Daher erschien es jedem, als sei es um ihn plötzlich weiter und luftiger, vielfältiger und reicher geworden.

Dem neuen Staat gelang es, mit seinem guten Verwaltungsapparat auf schmerzlose Art, ohne Gewalt und Erschütterung aus dem Volke die Steuern und Abgaben herauszupressen, die ihm die türkische Herrschaft mit unvernünftigen, groben Methoden oder glattem Raub abgenommen hatte, und zwar nicht nur genauso viel, sondern mehr noch, schneller und sicherer“.

Wie klingen diese Zeilen für uns Heutigen? Die wir mit einer Steuer- und Abgabenlast gesegnet sind, die für unsere Urgroßeltern unglaublich – teuflisch – oder schlicht nicht vorstellbar gewesen wäre. Um all das zu erheben und einzutreiben braucht es einen perfekten Apparat…. Und auch den haben wir. Natürlich braucht es Menschen, die sich in der Tretmühle abzustrampeln bereit sind. Mehr! Und schneller! Denn die Abgaben steigen und steigen….. Aber wir sind ja frei, trotz 70% und mehr Steuern auf unsere Einkünfte….. ach, so frei sind wir……. Frei, alles zu tun und zu kaufen…. Oder? Weiter Andric:

„Wie frisches Blut begann das Geld in bisher ungesehenen Mengen umzulaufen und was die Hauptsache war, öffentlich, kühn und offen. An diesem erregenden Umlauf ….. konnte sich ein jeder…… sattsehen, denn er rief auch beim Ärmsten die Illusion hervor, dass sein Mangel nur vorübergehend und daher erträglich sei.

Jetzt …. war der Reichtum, oder was man als solchen ansah und bezeichnete, öffentlich und zeigte sich immer mehr im Genuß und in persönlicher Befriedigung; und daher konnte die Menge des Volkes etwas von seinem Glanz oder seinen Abfällen erhalten. ….

Jede Befriedigung, die man bis dahin stehlen und verhehlen musste, konnte man nun kaufen und öffentlich zeigen, was auch ihre Anziehungskraft und die Zahl jener vergrößerte, die sie suchten…… Viele Leidenschaften, Neigungen und Gelüste, die bisher an versteckten Orten verborgen wurden oder überhaupt unbefriedigt blieben, konnten und durften nun öffentlich volle oder wenigstens teilweise Befriedigung suchen.

In Wirklichkeit lag auch darin mehr Zwang, Ordnung und gesetzliche Einschränkung; Laster wurden bestraft und Befriedigung wurde bezahlt, schwerer und teurer als einst, nur waren die Gesetze und Formen andere und ließen den Menschen auch hierin, wie in allem Übrigen, die Illusion, dass das Leben auf einmal weiter, üppiger und freier geworden sei.“

Und heute? Alkohol, Spielhallen, Smartphone-Gedaddel, Sport und Spiel und Spaß allerorten….. aber immer verdient jemand dabei. Immer verdient der Staat dabei. Ach, wie frei wir sind…… Wie sagte Nietzsche? Man hat sein Lüstchen für den Tag und sein Lüstchen für die Nacht – aber man ehrt die Gesundheit.

Zurück zu Andric: Ebenso virtuos wie packend schildert dieser den Zerfall der multikulturellen Idylle. Nach dem Attentat von Sarajevo, bei dem ein serbischer Mann den Thronfolger Österreich-Ungarns und dessen Frau erschossen hatte, bricht eine Welle von Repressalien gegen die serbischen Einwohner Vischegrads los.

Misstrauen und Angst regieren ab nun das Verhältnis der Völker untereinander: Die Serben und Österreicher beäugen sich misstrauisch, Bosniaken und Juden schauen dem Ganzen ängstlich zu. Es kommt zu ersten Verhaftungen, Schlägereien und der Flucht mancher Serben über die Grenze nach Serbien.

Andric schildert die letzten Tage vor Kriegsausbruch und wie die Atmosphäre überall durch den Hass aufeinander vergiftet wird. Staatliche Willkür und Gewalt prägen das Bild. Doch der Autor schildert auch Wesentliches, dessen gerade wir Heutigen uns zu gegebener Zeit erinnern sollten – zwei Beispiele mögen das verdeutlichen:

Andric beschreibt die Geschichte eines türkischen Kaufmanns, dessen Großvater einst vor den Österreichern in türkisches Gebiet floh und dabei sein Geschäft zurücklassen musste. Auch der Vater musste wieder fliehen, als das türkische Gebiet dann serbisch wurde und verlor ebenfalls sein Geschäft.

Der Sohn sitzt als Flüchtling in Vischegrad mut- und kraftlos bei einem Bekannten, bei dem er untergekommen ist und sinniert über das Schicksal: „Ja, mein Alihodscha, nun ist es soweit gekommen, dass man nicht mehr aus noch ein weiß. Gott allein weiß, dass wir, mein Vater und ich, alles getan haben, um im wahren Glauben und im echten Islam zu leben.

Meines Großvaters Gebeine ruhen in Uschitze; wahrscheinlich findet man heute keine Spur mehr von seinem Grab. Den Vater habe ich in Nova Warosch begraben und ich weiß heute nicht, ob nicht die Herden der Christen es vielleicht zertreten haben.

Ich habe geglaubt, dass wenigstens ich hier sterben würde, wo noch der Gebetsruf vom Minarett erschallt, aber nach allem scheint mir, dass es uns geschrieben steht, unser Same solle ausgerottet und unsere Grabstätte unbekannt sein. Vielleicht ist es so Gottes Wille? Ich weiß jedenfalls nicht mehr ein noch aus.“

Und sein Gastgeber bemüht sich, den verzweifelten Kaufmann wieder aufzurichten, ihn zu trösten: „Alihodscha, der Mujaga (den Kaufmann, Anm. d.A.) ungewöhnlich liebte und schätzte, bemühte sich, ein Wort zu finden, das ihn tröstete und beruhigte, nicht weil er glaubte, dass es vielleicht etwas helfen könnte, sondern weil er das Bedürfnis hatte und die Pflicht empfand, seine Anteilnahme am bösen Geschick dieses anständigen, unglücklichen Mannes und wahrhaften Mohammedaners zu zeigen.“

Ein paar Straßen weiter sind serbische Flüchtlinge, denen österreichische Truppen die Häuser angezündet haben, bei ihren Verwandten und Bekannten unter gekommen. Eine junge Frau hat sich mit ihren Kindern zum Großonkel retten können, der Mann wird vermisst. Andric schreibt über ihren Mann:

„Petar war eines Tages in Geschäften nach Sarajewo gefahren. Dort hat ihn der Krieg überrascht und seit damals hat die Frau keine Nachricht von ihm. Das Militär hat sie aus dem Haus vertrieben und nun hat sie mit ihren Kindern hier bei Mihailo Zuflucht gefunden. ……

Mihailo lässt sie nicht aus den Augen und ist ständig in ihrer Nähe. Heute morgen hat er erfahren, dass man Petar bei der Rückkehr aus Sarajewo als Geisel aus dem Zug geholt ….. und bei einem falschen Alarm erschossen hat. Das halten sie noch vor ihr geheim und Mihailo passt auf, dass es ihr niemand jäh und rücksichtslos mitteilt.

Die Frau steht jeden Augenblick auf, sie will in den Hof hinausgehen, um nach dem Okolischte (ihrem Hof) zu schauen, aber Mihailo hält sie auf und überredet sie auf alle mögliche Art, denn er weiß gut, dass das Anwesen der Gatalos auf dem Okolischte schon brennt und will der unglücklichen Frau wenigstens dieses Schauspiel ersparen.

Er scherzt und lächelt und bietet unaufhörlich an: „Komm, Gevatterin Stanujka, komm, mein Lämmchen. Nur ein Gläschen. Das ist ein Labetrunk und Sorgenbrecher und kein gewöhnlicher Raki“. Und die Frau trinkt gehorsam. Mihailo bietet der Reihe nach an. Mit seiner unwiderstehlichen und unermüdlichen Herzlichkeit zwingt er jeden, sich neu zu stärken.

Dann kehrt er wieder zu der Frau zurück…… Jetzt ist sie ruhiger. Sie blickt nur nachdenklich vor sich hin. Aber Mihailo verlässt sie nicht, sondern erzählt ihr wie einem Kinde, dass alles vorübergeht, dass ihr Petar heil und gesund aus Sarajewo zurückkehren wird. ……

Und er erzählt die Geschichte von Petars Taufe, die sie alle kennen, die ihnen aber in diesen ungewöhnlichen Nachtstunden wie neu erscheint. Die Männer und Frauen rücken näher heran, lauschen und vergessen beim Lauschen die Gefahr und achten nicht auf den Geschützdonner. Mihailo aber erzählt.“

Das……DAS ist es……. Wenn wir uns DAS in den künftigen Notzeiten erhalten können – unsere Menschlichkeit und unser Für-Einander-Da-Sein – dann ist viel gewonnen! Oder zumindest nicht alles verloren. Denn übel werden die kommenden Zeiten werden – sie müssen es sogar! Zu viele Zerrbilder, die allesamt zerfallen müssen.

Wenn es dann um uns turbulent wird, ist es wichtig, dass wir anderen Stütze und Hilfe und Trost sein können – unseren Nachbarn, Familien und Freunden. Es wird dann auf echte Hilfsbereitschaft ankommen – nicht auf die Pseudo-Hilfsbereitschaft von heute oder auf die gelenkte Gutmenschlichkeit – nein.

Es wird eine ganz praktische Art des Helfens sein. Darauf sollten wir uns einstellen und diese Kraft sollten wir in uns pflegen. Wir werden sie brauchen. Die Brücke über die Drina wird am Ende übrigens gesprengt.

Auch wir werden manche Brücken hinter uns abbrechen müssen. Aber hoffentlich niemals die Brücke der Menschlichkeit! Denn das ist eine goldene Brücke, die uns mit anderen Menschen verbindet.

Der künftige Zerfall der EU

Die Europäische Union ist für die Gruppe der heute 20- oder 30jährigen Teil der täglichen Normalität (gleich wie es zum Beispiel das Deutsche Kaiserreich 1913 für die selbe Altersgruppe gewesen war). Die EU wird von ihnen meistenteils ebenso wenig hinterfragt, wie es beim Deutschen Kaiserreich der Fall gewesen war.

Das Deutsche Kaiserreich hatte 1913 gleichwohl seine letzten fünf Jahre vor sich – und hörte 1918 auf, zu existieren. Warum die EU ebenfalls die letzten Jahre ihrer Existenz erreicht haben dürfte, will  der folgende Artikel kurz erklären helfen. Doch zuvor ein paar einleitende Worte zur Union:

Die Geschichte

Die Europäishe Union ist ein im Moment noch 28 Staaten umfassender Verbund mit ca. 510 Millionen Menschen in Europa. Als wirtschaftlicher Verbund weist die EU ein höheres Bruttoinlandsprodukt als die USA auf. https://de.wikipedia.org/wiki/Europ%C3%A4ische_Union

Ursprünglich in den fünfziger Jahren als reine Wirtschaftsunion (Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, EWG, später EG, später EU) zur Verbesserung des Handels (Wegfall von Zöllen etc.) geschaffen, wurde sie  zur politischen Union mit einem Parlament und 1999 mit der Schaffung des Euro zur Währungsunion (allerdings nur für 19 der 28 Staaten – in vielen osteuropäischen Staaten ist der Euro noch nicht eingeführt. Und dürfte wahrscheinlich auch nie eingeführt werden, da man sich dort der zunehmenden Probleme des Euro bewusst ist).

Kritische Anmerkungen zur EU

Nun hat die EU unbestritten auf vielen Gebieten den Bürgern der EU Vorteile verschafft: Ein gemeinsamer Wirtschaftsraum und Binnenmarkt hat es Unternehmen möglich gemacht, kostengünstiger produzieren und verkaufen zu können. Förderprojekte haben rückständige Gebiete mit neuen Straßen etc. versehen. Für die heute jungen Menschen ist die EU wie erwähnt Normalität.

Allerdings gibt es auch kritische Anmerkungen zur EU zu machen: Gesetze, welche die Rechte der Bürger der verschiedenen Mitgliedsstaaten beschneiden, werden von Bürokraten, deren Abwahl nicht möglich ist bzw. die man oft genug gar nicht kennt, in Brüssel beschlossen. Hinterzimmeraktivitäten wie zu CETA oder TTIP lassen ebenfalls nicht allzu viel Vertrauen in die Transparenz der EU entstehen.

Ich möchte den Fokus hier bewusst auf kleine Beispiele legen, welche mir symptomatisch für negative Tendenzen innerhalb der EU zu sein scheinen – denn es gibt sehr besorgniserregende Dinge innerhalb der EU, welche wir oft genug nicht im Fokus haben (und das Große spiegelt sich im Kleinen):

Zum Beispiel hat die EU in einem ihrer Amtsblätter von 2007 verkündet, dass die Todesstrafe abgeschafft sei (sehr löblich), dass es aber rechtens sei, Menschen zu töten, wenn

  1. Dadurch jemand anders gegen rechtswidrige Gewalt zu verteidigen sei (Polizeieinsätze – logisch)
  2. Jemand an der Flucht gehindert werden muss (auch logisch)
  3. Und um einen Aufruhr oder Aufstand niederzuschlagen (?)

Einen Aufruhr oder Aufstand niederzuschlagen? Die Definition, was ein Aufruhr ist, fehlte leider im besagten Amtsblatt. Keine schöne Vorstellung, dass man eines Tages in einer AfD-Veranstaltung plötzlich zum Teilnehmer eines Aufruhrs werden könnte….. http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:C:2007:303:0017:0035:DE:PDF

Außer in den alternativen Medien kam dies aber nirgends groß heraus. http://www.gewalt-notruf.eu/index.html/index.php/die-eu-fuehrte-die-todesstrafe-wieder-ein

Oder dies: 2013 wurde ein Strategiepapier zur Förderung der Toleranz publiziert. http://www.europarl.europa.eu/meetdocs/2009_2014/documents/libe/dv/11_revframework_statute_/11_revframework_statute_en.pdf Dort werden zum Beispiel in Sektion 2e konkrete Maßnahmen angemahnt, um Rassismus, Xenophobie, Homophobie und Anti-Feminismus etc. zu „eliminieren“.

Wie nun genau der Anti-Feminismus (oder „totalitäre Ideologien“) zu „eliminieren“ seien und wie sich das mit dem Grundgesetz vertragen würde – darüber schweigt sich besagtes Papier aus. Immerhin fordert man auch neue Behörden, welche die Einhaltung der Toleranz überwachen sollten und Umerziehungsprogramme für Nicht-Tolerante. Klingt seltsam vertraut nach anderen Zeiten…. http://www.heise.de/tp/news/Intolerantes-Toleranzpapier-2014716.html

Oder dies: 2014 wurde vom EU-Rat eine Solidaritätsklausel abgesegnet. Was sich so freundlich anhört, bedeutet, dass EU-Staaten anderen Mitgliedsstaaten künftig in einer Krisensituation zur Seite stehen können – gegebenenfalls auch mit militärischen Mitteln. http://www.heise.de/tp/news/EU-bereitet-sich-auf-den-Buendnisfall-vor-2242898.html

So wird eine Art EU-Bündnisfall vorbereitet, in welchem das EU-Parlament künftig beschließt, dass EU-Einheiten (Polizei oder Militär) in einen Mitgliedsstaat einrücken können – das nenne ich mal Solidarität! Dass beim Aufruhr auch getötet werden darf, hatten wir ja schon.

Usw. usf.

Kurz gesagt: Die EU leidet wie jede bürokratische Institution darunter, dass sie sich in immer mehr Bereiche einmengt und immer undurchschaubarer, starrer und lebensfeindlicher (im Wortsinne) wird – und darunter werden dann wiederum wir, d.h. alle, leiden müssen.

Dass man sich im EU-Parlament auch die Taschen vollstopft – nun, das kommt wohl in allen Parlamenten vor. http://www.rp-online.de/politik/ausland/eu-parlament-offenbar-massiver-tagegeld-betrug-aid-1.2279768

Und dass man für den EU-Wahlkampf auch mal skurrile Werbespots dreht, fällt eher unter den Aspekt „Erheiternd“. http://www.spiegel.de/video/sex-und-gewalt-gegen-nichtwaehler-eu-wahlspot-schockt-daenen-video-1347110.html#ref=vee

Ebenso wie die Tatsache, dass die EU-Regularien für den Verkauf von Kohl 2.600 Worte umfassen (zum Vergleich: Die Unabhängigkeitserklärung der USA hatte 1.300 Worte. Die Zehn Gebote kamen noch mit 160 Worten aus). https://www.armstrongeconomics.com/international-news/europes-current-economy/why-brexit-was-inevitable/

Die drei Hauptargumente für den Zerfall der EU

Das erste und gewichtigste ist, dass der Euro als Gesamtwährung mit einem großen Geburtsfehler ausgestattet worden war. Dieser bestand darin, einen einheitlichen Zinssatz für den ganzen europäischen Wirtschaftsraum (bzw. die den Euro eingeführten Länder) zu beschließen.

Dies bedeutete, dass Länder mit Handelsbilanzdefiziten (wie Griechenland oder Italien) künftig demselben Zinssatz unterliegen sollten wie Länder mit Handelsbilanzüberschüssen (wie Deutschland oder Holland). Bisher hatten Länder wie Griechenland sich nur über höhere Zinsen am Kapitalmarkt finanzieren können.

Nun galt für sie derselbe Zinssatz wie für stabile Länder wie Deutschland – die Folgen sind bekannt: Eine Flut an Krediten ergoss sich über die Südländer der EU und eine Orgie an unsinnigen Projekten wurde gefeiert – der Immobilien-Boom in Spanien oder in Irland war die direkte Folge davon.

2008 folgte dann der Katzenjammer-  die Wirtschaft in der Südschiene implodierte und die EU brach ihre eigenen Verträge – was Herr Köhler noch 1996 so vollmundig als „No-Bail-Out-Rule“ (dass kein EU-Land für die Schulden eines anderen EU-Landes gradestehen müsste) bezeichnet hatte, kam anders:

Man beschloss diverse Rettungsmaßnahmen wie den EFSF, den ESM, den Fiskalpakt etc. und rettete die in Schieflage geratenen Banken – die Verluste wurden auf den Steuerzahler umgelegt. 2013 kam mit dem Erlebnis Zypern auch noch die Bail-in-Regelung hinzu, die es den Banken künftig möglich machen sollte, Kundeneinlagen direkt anzuzapfen.

Da die Länder der Südschiene nicht an der Zinsschraube drehen bzw. ihre Währung nicht mehr abwerten können (wie sie es früher taten), bleiben nur Austeritätsmaßnahmen (Sparen! Sparen! Sparen!), welche die Wirtschaft wie in Griechenland gesehen, endgültig in die Knie zwingen.

Am Ende haften alle für alle und niemandem darf etwas geschehen, da es sonst alle gemeinsam in den Abgrund reißt. Von dem wir gestern zwei Schritte entfernt standen – heute sind wir schon einen Schritt weiter. 🙂

Interessanterweise hatten kluge Köpfe genau diese Probleme vor Einführung des Euro vorhergesagt (aber niemand hört gern auf die Kassandras – in Troja nicht und bei uns auch nicht). Bolko Hoffmann war so einer gewesen, der unermüdlich seine warnende Stimme erhoben hatte-  vergeblich.

Heute dürfen wir von Wikipedia erfahren, dass er eine „rechtspopulistische“ Kampagne gegen die Euro-Einführung gefahren habe….. https://de.wikipedia.org/wiki/Bolko_Hoffmann

In den alternativen Medien gibt es natürlich auch zuhauf mehr oder weniger kluge Beiträge, die das Euro-Dilemma umfassend beschreiben – hier ein paar für interessierte Leser: https://s3-eu-west-1.amazonaws.com/bullionaer/Bullionaer_Die_Euro-Supernova_Juni_2012.pdf

Oder auch hier zum Fiskalpakt: http://www.wallstreet-online.de/nachricht/4944809-fiskalpakt-29-06-2012-leben-deutschen-grundlegend-veraendern  Oder hier – knapp und gut: http://www.politplatschquatsch.com/2012/12/fremde-federn-die-totale-eurorettung.html

Martin Armstrong hat in der ihm eigenen, sachkundigen Art die gewichtigsten Argumente in einem Artikel von 2011 zusammengestellt, in welchem er auch das endgültige Scheitern des Euro prognostiziert hatte: http://s3.amazonaws.com/armstrongeconomics-wp/2011/08/armstrongeconomics-rise-and-fall-of-euro-082111.pdf

Kurz gesagt: Die Staatsverschuldung ist nach Einführung des Euro fast überall wesentlich höher als vor Einführung des Euro, Arbeitslosigkeit und Ungleichgewicht sind überall gewachsen, Steueranhebungen und neue Gebühren stehen allerorten ins Haus. Die Schönwetterdemokratie steht vor echten Gewittern.

Der zweite Punkt ist der, dass den meisten Nationen in Europa das (nationale) Hemd näher sitzen wird als die (europäische) Hose (mit Ausnahme der Deutschen vielleicht). D.h. es ist anzunehmen, dass die Sezessionstendenzen innerhalb Europas, die mit dem Brexit einen ersten Höhepunkt fanden, weiter zunehmen werden.

Ein Brandbeschleuniger dürfte die Flüchtlingskrise und deren Behandlung durch die EU sein – gut möglich, dass die nächsten Staaten, die die EU verlassen, in Ost-Europa anzusiedeln sind. Wir werden sehen.

Dem gegenläufig wird es natürlich Bestrebungen seitens der EU geben, die politische Union zu verstärken, indem die nationalstaatlichen Rechte weiter beschnitten werden. https://www.armstrongeconomics.com/international-news/europes-current-economy/the-european-elitist-dream-the-superstate-as-it-is-becoming-known/

Auch dies dürfte die Gewalt und den Widerstand gegen die Union weiter anheizen. Es sind also keine schönen Jahre, die vor uns liegen.

Prognosen

Die EU dürfte noch in 5 oder 10 Jahren da sein, allerdings in veränderter Form (in 20 Jahren ist sie in jedem Falle Geschichte). Diverse Staaten dürften sie bis dahin verlassen haben. Außerdem wird man von Seiten der EU härter gegen „Dissidenten“, Protestler, nationale Bestrebungen gegen die Einwanderungspolitik etc. vorgehen (man erinnere sich des Toleranzpapiers oder der Ausführungen zur Todesstrafe). Die Gewalt wird wachsen, ebenso die Zensur und Unterdrückung unliebsamer Meinungen.

Zudem wird die EU immer mehr Eingriffe in das persönliche Leben ihrer Bürger vornehmen und Fluchtmöglichkeiten des Kapitals beschneiden. Es wird Bail-Outs und Bail-Ins geben und mehr und mehr Endsieg-Parolen. Leider wird sich die Realität, d.h. der Zerfall des Euro, davon allenfalls verzögern, doch nie aufhalten lassen.

Ganz am Ende zerreißt es dann den Euro. Und wir erleben das, was unsere Groß- und Urgroßeltern schon erlebt hatten: Den Verlust der Ersparnisse. „Denn wenn der Staat bankrott wird, geht natürlich nicht der Staat pleite, sondern seine Bürger.“ (Carl von Fürstenberg).

Skizzen aus dem Spanischen Bürgerkrieg II – La Esperanza (Die Hoffnung)

Über den Spanischen Bürgerkrieg, der als blutrotes Wetterleuchten dem Zweiten Weltkrieg vorausging, hatte ich mich an anderer Stelle schon mal ausgelassen. Mit seinem Verlauf sowie seinen Szenen von Heldenmut und Feigheit, Duckmäuserei und Wahrheitsliebe, Grausamkeit und Güte, bietet er auch uns Heutigen noch immer Stoff zum Nachdenken.

„Krieg ist der Vater aller Dinge. Die einen macht er zu Freien, die anderen zu Sklaven“. (Heraklit). Wie wahr und zutreffend diese Worte auch für uns sind, soll anhand einer kleinen Anekdote aus dem Herbst 1936 deutlich werden:

Oktober 1936. Der Bürgerkrieg tobt seit drei Monaten. Die Faschisten haben sich im Norden und Süden des Landes festgesetzt, die Republikaner leisten Widerstand und hoffen auf Unterstützung des Auslandes. In dieser Anfangsphase des Krieges feiert man am 12.10.1936 das Fest der Entdeckung Amerikas, welches gleichzeitig der Nationalfeiertag Spaniens ist.

Die Faschisten haben hierzu zum großen Festakt im Saal der Universität Salamanca im Norden des Landes geladen. Dort sind hohe Würdenträger der Kirche, hochrangige Militärs der Aufständischen und die sonstige feine Gesellschaft neben der Studentenschaft und  den Professoren geladen. Anwesend ist auch Don Miguel de Unamuno, Rektor der Universität. https://de.wikipedia.org/wiki/Miguel_de_Unamuno

Er ist Spaniens bekanntester Philosoph und wird als das geistige und moralische Gewissen Spaniens angesehen. Nach anfänglicher Unterstützung der faschistischen Sache, hat er sich, angewidert von der Brutalität und Borniertheit der Aufständischen, von diesen innerlich abgewandt. Von Franco (der in Salamanca nicht anwesend ist) wird er bis dahin trotzdem hofiert, da man hofft, dass er sich deutlich für die faschistische Sache aussprechen werde.

Am Abend des 12. Oktober 1936 bezieht Don Miguel tatsächlich Stellung – auf eine Art, die sich zu erzählen lohnt. Auf besagtem Empfand ist auch der spanische General und Begründer der spanischen Fremdenlegion, Millan Astray, zugegen. https://de.wikipedia.org/wiki/Jos%C3%A9_Mill%C3%A1n_Astray

Dieser hält dort eine wüste, von Drohungen gegen Katalonien und das Baskenland durchsetzte Rede. Diese seien „Krebsgeschwüre im Körper der spanischen Nation“ und müssten herausgeschnitten werden. Die Hälfte der Spanier von heute seien „schlechte Spanier“ und verdienten den Tod.

Die Anhänger Astrays skandieren auf diese Ausführungen hin den Schlachtruf der Legion: Lang lebe der Tod! Die Menge, eingeschüchtert durch die anwesenden Blauhemden der Faschisten, brüllt Hochrufe auf Spanien und auf Franco. Über Don Miguels Gesicht huscht ein spöttisches Lächeln. Nach den Hochrufen tritt plötzliche Stille ein…. Und den Rest entnehme ich als Zitat einem Augenzeugenbericht von damals aus dem schönen Buch „Der Spanische Bürgerkrieg in Augenzeugenberichten“:

Schließlich stand Don Miguel langsam auf. Das Schweigen schuf ein enormes Nichts. In das Nichts hinein begann Don Miguel zu reden. Es war, als prüfe er jedes Wort, ehe es über seine Lippen ging:

„…. Sie alle kennen mich und wissen, dass ich nicht schweigen kann. Ich habe es in den dreiundsiebzig Jahren meines Lebens nicht gelernt. Und jetzt will ich es nicht mehr lernen. Manchmal bedeutet Schweigen eine Lüge. Denn Schweigen kann als Zustimmung ausgelegt werden.

Einen Betrug meines Gewissens kann ich nicht überleben, und das Wort war mir immer ein wohlvertrauter Partner. Ich will es kurz machen. Die Wahrheit ist dann am wirksamsten, wenn sie nackt daherkommt, ohne Verzierung und Wortschwall.

Ich werde etwas zu dieser Rede – nennen wir es einmal so – sagen, die General Millan Astray, der hier unter uns weilt, gehalten hat.“ Der General reckte sich provozierend.

„Lassen wir den persönlichen Affront beiseite, den der plötzliche Hassausbruch gegen die Basken und Katalanen darstellt…… Gerade eben hörte ich den todessüchtigen und sinnlosen Schrei: Lang lebe der Tod! Für mich ist das gleichbedeutend mit dem anderen Ruf: Zum Teufel mit dem Leben!

Und ich, der ich Jahre damit verbracht habe, Paradoxe zu formulieren, die die unverständliche Wut anderer erregten, ich, der ich doch wohl ein Experte des Paradoxen bin, muss sagen, dieses seltsam fremde Paradox stößt mich ab……

Und nun etwas anderes: General Millan Astray ist ein Krüppel (Anm. von mir: Astray hatte in Kämpfen in Marokko in den zwanziger Jahren einen Arm und ein Auge verloren und sein Gesicht war entstellt worden). Ich sage dies ohne den leisesten Unterton. Er ist ein Kriegsinvalide. So auch Cervantes. (Anm. von mir: Spaniens Nationalschriftsteller – https://de.wikipedia.org/wiki/Miguel_de_Cervantes

Man lese unbedingt mal seinen Don Quijote, über den Dostojewski so schön sagte: Wenn Gott eines Tages die Menschheit vor seinen Thron ruft und fragt: Was spricht zu Euren Gunsten? Da werden die Menschen verschüchtert zu Boden sehen und den Don Quijote hochhalten. Und Gott wird lächeln und sagen: Euch sei vergeben….. Ich habe Tränen gelacht, als ich den Don Quijote las. https://de.wikipedia.org/wiki/Don_Quijote

Aber nun weiter im Text):

Aber Extreme ergeben nicht die Regel. Sie entziehen sich ihr vielmehr. Unglücklicherweise gibt es heute in Spanien viel zu viele Krüppel. Und bald werden es noch mehr sein, wenn Gott uns nicht hilft. Es schmerzt mich, wenn ich mir vorstelle, dass General Astray beispielgebend für die Massenpsychologie werden könnte.

Das wäre erschreckend. Ein Krüppel, dem es der geistigen Größe Cervantes ermangelt…. Dem es an jener Würde des Geistes mangelt, sucht eine fragwürdige Erleichterung in der Verkrüppelung seiner Umwelt….. General Millan Astray möchte Spanien neu schaffen – eine negative Schöpfung – nach seinem eigenen Bilde. Und deshalb wünscht er Spanien verkrüppelt, wie er uns unzweideutig klargemacht hat.“

(Kristallklare Worte….. Und wenn man den Bogen zu heute spannt? Kinderlose und die Vergangenheit des eigenen Volkes verachtende Politiker schaffen….. was? Ein kinderloses Land, dessen Bevölkerung sich selbst geringschätzt – Patriotismus? Ekelhaft! Bloss nicht! Kopf unten und weiter malochen…..).

Doch zurück nach Spanien: Ein Aufruhr entsteht – Faschisten und Studenten brüllen sich gegenseitig an, die Blauhemden scharen sich um ihren General, der Professor wird von Studenten umringt – Gewalt liegt in der Luft, doch da die Blauhemden in der Minderheit sind, kommt es zu keinem Ausbruch und plötzlich verebbt der Lärm.

Don Miguel de Unamuno verschränkt die Arme und noch einmal beherrschen seine Worte den Raum:

„Dies ist ein Tempel des Verstandes….. Sie aber sind es, die ihn entheiligt haben. Ich war immer, was das Sprichwort auch sagen mag, ein Prophet in meinem eigenen Lande. Sie werden gewinnen, aber Sie werden nicht siegen! Sie werden gewinnen, weil Sie die nackte Gewalt besitzen, aber Sie werden nicht siegen, denn um zu siegen, muss man überzeugen.

Und um zu überzeugen müssten Sie besitzen, was Ihnen fehlt – Verstand und Recht zu diesem Kampf. Ich erachte es als sinnlos, Sie zu ermahnen, an Spanien zu denken. Ich habe nichts mehr zu sagen“. Zitat Ende.

Noch einmal flammt die Kontroverse auf, schwillt der Lärmpegel an. Einer der anwesenden Professoren fasst schließlich Professor Unamuno am Arm und führt ihn hinaus. Der Skandal ist perfekt. Franco wird in Burgos informiert. Von dort erteilt er die Weisung, Don Miguel sei zu erschießen, wenn die Beleidigung gegen die faschistische Sache schwer gewesen sei.

Da jener aber wie erwähnt als das Gewissen Spaniens angesehen wurde und man die Konsequenzen einer Erschießung fürchtete, wurde er unter Hausarrest gestellt. Drei Monate später starb Don Miguel an einem Schlaganfall.

Nun könnte man sagen: Was hat’s denn genützt? Der Krieg wurde dadurch nicht unterbrochen….. das Leiden nicht verringert….. kein Menschenleben gerettet. Aber das ist kleingeistig und dumm gedacht. Die Wahrheit hat ihren eigenen Wert – und braucht Menschen, die sie mutig vertreten.

Die nächsten Jahre wird es genügend Gelegenheiten geben, in denen man die Wahrheit sprechen kann – denn der Tiefpunkt des Irrsinns ist noch lange nicht erreicht. Und so wird es noch viele Meetings, Versammlungen, Empfänge, Diskussionen, Debatten, Talks, Interviews, Veranstaltungen, Treffen und sonstige Gelegenheiten geben, in denen WIR – jeder einzelne von uns – dazu aufgefordert sind, Flagge zu zeigen.

Don Miguel hat das getan – ungeachtet der drohenden Konsequenzen! Und wer von uns weiß denn, was dieses Beispiel nicht bei anderen ausgelöst hat? Vielleicht hörte ihm ein junger Student zu und fand dadurch den Mut, an anderer Stelle das Richtige und Rechte zu tun oder zu sagen.

Es liegt an uns! Herrgottnochmal! Dass wir in dieser schrecklichen Zeit des Irrsinns, in die wir gerade eintreten, Farbe bekennen, FLAGGE zeigen und unsere Wahrheit sprechen! Die Wahrheit ist immer stärker als die Lüge – nur tritt die Lüge lauter auf, gewalttätiger, einschüchternder – Wahrheit hat das nicht nötig.

Professor Miguel hat nicht laut gesprochen. Wir müssen das auch nicht. Aber an den Stellen, wo mir MERKEN und SPÜREN – JETZT ist es wichtig! JETZT ist es entscheidend! Da sollten wir uns GEGEN die Angst – und für das Rechte und Richtige entscheiden!

Ich wünsche allen Lesern dazu Kraft und Mut!

Die Ukraine zerstört sich selbst

Die Ukraine ist eines dieser traurigen Beispiele eines Landes, in dem korrupte Potentaten und eine ängstliche oder willfährige Bevölkerung bei gleichzeitiger Ablenkung durch äußere Umstände dafür sorgen, dass das Land immer tiefer in den Abgrund sinkt.

Argentinien ist ein anderes Beispiel. Wieder ein anderes Griechenland (wobei natürlich auch immer äußere Kräfte mitwirken – in Argentinien waren es Hedge Fonds, in Griechenland die Vorgaben der EU und in der Ukraine spielen Russen und Amerikaner ein übles Spiel, wobei der schwarze Peter beim Westen liegt).

Denn es war der Westen, der den Maidan fleißig gefördert hatte, der die Ukrainer darin unterstützte, sich von den bösen Russen zu lösen. Das Ergebnis: Ein ruiniertes Land im freien Fall. Und möglicherweise noch zu wenig Einsicht zu den wahren Verantwortlichen:

Ich habe in den letzten Jahren einige Ukrainer (hier in Frankfurt) gesprochen. Alle sahen die Schuld allein oder vornehmlich bei Russland. Keiner wollte eingestehen, dass sich die Ukrainer gerne von den Versprechungen auf den goldenen Westen täuschen ließen. Dass sie einfach nur ein Bauernopfer in einem großen Spiel waren und sind.

Ein Bauernopfer, das längst aus dem Fokus verschwunden ist. Maidan? Odessa? MH 17? Der Krieg im Donbass? Alles längst aus den Blättern verschwunden. Dass die Wirtschaft beispiellos implodiert ist, sind bei uns nur Randnotizen. Die absolut wahnsinnigen, ja selbstmörderischen Aktionen der Regierung Poroschenko findet man bei uns meist nur im Internet.

Der Handel mit dem größten Handelspartner (Russland) ausgesetzt. Der Luftraum für russische Flugzeuge – gesperrt (und was haben die Russen darauf getan? Genau dasselbe). Internierungslager für Oppositionelle, die Einschränkung des Gebrauchs der russischen Sprache, die Kürzung von Renten und Wohngeldern, das vollkommen rechtswidrige Nicht-Bezahlen eines russischen Kredites, das ständige Säbelrasseln gegenüber dem militärisch überlegenen Gegner (die Krim ist unser – auch bei klarer Volksabstimmung mit überwältigender Mehrheit für Russland), den Donbass holen wir zurück (auch wenn die Donbass-Einwohner das kaum begrüßen dürften).

Die Griwna (die Landeswährung) im freien Fall, das Bruttosozialprodukt mit massivem Rückgang. Millionen haben das Land bereits verlassen (Schätzungen reichen von 3 – 5 Millionen), weitere Millionen stehen auf Abruf bereit. Hunderttausende ukrainischer Frauen bieten sich dem des Singles-Dasein müden Westler als Partner an. Usw. usf.

Kurz gesagt: Ein Desaster. Das auch durch skurrile Meldungen wie die jüngsten Verlautbarungen aus Kiew, dass der Generalstaatsanwalt der Ukraine künftig kein Jura studiert haben muss (so kann man Kumpels in Positionen hieven), nicht lustiger wird. https://de.sott.net/article/23947-Pfiffig-Poroschenko-erlasst-Gesetz-In-der-Ukraine-kann-man-auch-ohne-Jura-Studium-Generalstaatsanwalt-werden

Der Saker hatte jüngst mal wieder eine seiner präzisen Analysen veröffentlicht. http://thesaker.is/the-ukraine-between-fascism-ochlocracy-and-breakup/

Darin geht er davon aus, dass die ukrainische Armee eine neue Sommeroffensive versuchen könnte (die wie alle bisherigen scheitern dürfte – aber vielleicht wird man wie schon bei MH 17, wo sich die Anzeichen verdichten, dass es die Ukrainer selbst waren, ein schmutziges As aus dem Ärmel zaubern).

Ein Giftgasanschlag wie der, den man Assad in Syrien in die Schuhe schieben wollte? Noch ein Passagierflugzeug vom Himmel holen? Oder etwas vollkommen grausiges – eine schmutzige Atombombe? Es ist skrupellosen Menschen, die ohne Zögern Passagierflugzeuge für ihre politischen Ziele vom Himmel holen, zu zutrauen, dass sie auch zu äußerst blutigen Mitteln greifen.

Außerdem geht der Saker von einem möglichen Auseinanderbrechen der Ukraine aus. Auch das ist denkbar und wäre ein interessanter Vorbote auf künftige Zeiten in West-Europa: Die Zentralmacht existiert noch, wird aber immer schwächer. Regionen betreiben zunehmend ihre eigene Politik. Chaos bricht aus, in dem Kriegsherren und Mafiosi sich die Beute teilen.

Ergebnis: Breite Verarmung und eine weitere massive Fluchtwelle gen Westen. Mit der ich für dieses oder nächstes Jahr rechnen würde. Ukrainer statt Syrer also….. arme Menschen. Schachfiguren hier wie da.

Die eine Verantwortlichkeit bleibt aber bei den Ukrainern: Als ehemals reichste Sowjet-Republik ist es in 25 Jahren Unabhängigkeit gelungen, das Land zu ruinieren. Man schaue sich die Entwicklung des Handelsbilanzdefizits seit 2006 an – entsetzlich. http://www.tradingeconomics.com/ukraine/government-budget-value

Man schaue hier ab Seite 22 auf die Wirtschaftsdaten zur Inflation, zur Industrieproduktion, zu den Währungsreserven etc. Es ist grausig. http://www.laender-analysen.de/ukraine/pdf/UkraineAnalysen168.pdf

Immerhin: Was die Staatsverschuldung angeht, befindet sich die Ukraine in guter Gesellschaft: Die Staatsverschuldung entspricht nämlich in der Höhe ziemlich genau der deutschen Staatsverschuldung. (Wobei beide Zahlen insofern Muster ohne Wert sind, da dort nicht die Pensionsversprechungen auf die Zukunft, für die es keine Rücklagen gibt, enthalten sind).

Kurz gesagt: In der Ukraine können wir verfolgen, was eine selbstmörderische Politik bedeutet und wie ein Land bewusst vor die Wand gefahren wird. In Zeitlupe freilich, aber nichtsdestotrotz. Solange man aber einen Sündenbock vorzeigen kann, ist nicht anzunehmen, dass sich an der schlimmen Entwicklung etwas ändert.

Und auch wir haben keinen Grund zum Jubeln: Die Ukraine ist uns vielleicht drei Schritte voraus. Auch wir betreiben eine suizidäre Politik. Ebenfalls im Schneckentempo, doch die Schleimspuren werden an manchen Stellen deutlicher. Und das Ächzen im Mauerwerk ebenfalls.

Harmloses Herantanzen dürfte bald zu den geringeren Übeln zählen. Massenhafte Verarmung mit entsprechenden Verteilungskämpfen und Verzweiflungsszenarien wird unangenehmer sein. Was bleibt? Aufwachen! Und auch den Ukrainern wünsche ich das sehr.

Menschen guten Willens dürfte es hier wie dort geben.

Skizzen aus dem Spanischen Bürgerkrieg

Letztens fiel mir durch Zufall das schöne Buch „Der Spanische Bürgerkrieg in Augenzeugenberichten“ in die Hände. Im dtv-Verlag erschienen, beschränkt sich das Buch weitgehend darauf, den Zeitzeugen von damals auf beiden Seiten das Wort zu erteilen. So entstehen sehr interessante Bilder und Beschreibungen.

Der Spanische Bürgerkrieg, der im Grunde wie eine Ouvertüre für einen sehr viel größeren Krieg war, hat in Spanien nie eine Aufarbeitung gefunden. Der Sieg der Nationalen oder Faschisten über die Republikaner hatte eine bleierne, wenn auch stabile Zeit zur Folge (vor dem Bürgerkrieg war Spanien lange Zeit durch innere Unruhen, Aufstände und Putschversuche von links wie rechts geprägt gewesen). General Franco regierte Spanien bis zu seinem Tode im Jahr 1975.

Als ich 2012 den Jakobsweg durch Nordspanien entlang wanderte, sah ich hier und da noch Spuren dieses grausigen Bürgerkrieges. In einem Tal in (ich glaube in Navarra) fand ich eine erst vor einigen Jahren errichtete Gedenktafel für 300 Zivilisten (Männer, Frauen und Kinder), welche in diesem Tal von den Faschisten erschossen worden seien.

Ein paar Tage später bemerkte ich an einer Kirche eine alte und verblichene Gedenktafel, welche die „tapferen Verteidiger des Vaterlandes“ pries, welche hier im Kampf gegen die Kommunisten gefallen seien. In einer Herberge kam ich eines Abends mit zwei älteren Spaniern (beide Ende 50 oder Anfang 60) ins Gespräch.

Beide waren noch Zeugen der Franco-Zeit gewesen und ich hatte sie u. a. gefragt, ob Spanier sich heute nach dieser Zeit und ihrer Stabilität zurücksehnen würden? Beide verneinten; wohl sei es stabiler und geordneter als heute gewesen, doch sei es eine bleierne Ruhe gewesen.

Allerdings (und hier seufzte einer der beiden) habe der Bürgerkrieg Wunden geschlagen, welche bis heute nicht geheilt seien und Spanien immer noch innerlich trennen würden. Die Grausamkeiten des Krieges seien nie aufgearbeitet worden und es hätte nie eine Versöhnung stattgefunden.

Dieses Gespräch hatte mich damals nachdenklich zurückgelassen. Der Spanische Bürgerkrieg ist historisch längst aufgearbeitet, literarisch haben ihm u.a. Hemingway und in der Malerei Picasso Denkmäler gesetzt.  https://de.wikipedia.org/wiki/Spanischer_B%C3%BCrgerkrieg

Der Blutzoll war immens: Zwischen 400- und 500.000 Menschen kamen damals in Spanien ums Leben. Ich will im Folgenden ein paar lose Skizzen aus dem Spanischen Bürgerkrieg präsentieren. Nicht, um zu werten. Das haben andere schon ausführlich getan.

Es geht mir nicht darum, die Rollen von Falange und Franco, von deutscher und sowjetischer Unterstützung etc. detailliert zu beleuchten oder gar zu beurteilen. Vielmehr möchte ich einzelne Skizzen aus dieser grausigen Zeit malen, aus welchen sich für manchen Betrachter ein neues Bild zusammenfügen könnte.

Der grobe Ablauf ist weitgehend bekannt: Der spanische General Franco putscht 1936 gegen die republikanische Regierung. Diese wird im Folgenden durch englische, französische und russische Waffenlieferungen unterstützt (wobei die Russen auch Militärberater schicken), während Franco mit der spanischen Armee, die fast gesondert zu ihm übergelaufen ist, von deutschen und italienischen Waffenlieferungen und direkter militärischer Unterstützung profitiert (Hitler schickt eine Abteilung der Luftwaffe, die Legion Condor, und Mussolini reguläre italienische Truppen, immerhin 50.000 Mann). Auch als Folge davon werden die sogenannten Internationalen Brigaden gegründet. Dies sind Freiwilligenverbände mit jungen Männern aus ganz Europa, welche auf Seiten der Republik kämpfen und deren Zahl auf ca. 45.000 Mann anwächst.

Der Krieg dauert von Sommer 1936 bis Frühling 1939. Am 29.03.1939 erklärt sich die republikanische Regierung für besiegt. Soweit die Daten.

Der Krieg beginnt als großes Durcheinander. Nach den Neuigkeiten über den Putsch von Franco im Juli 1936, der sich von den Kanaren, wo er stationiert war, nach Süd-Spanien begibt, meutert auch andernorts oftmals die Armee. Manche dieser Meutereien werden niedergeschlagen (so in Barcelona), andere nicht.

Es kommt zu ersten Grausamkeiten auf beiden Seiten, die sich über den Krieg steigern werden. Sozialisten und Kommunisten wüten unter Priestern, Nonnen, gefangenen Falangisten etc. während umgekehrt die Faschisten Arbeiter, Sozialisten und andere reihenweise foltern und ermorden lassen.

Im Chaos der ersten Kriegsmonate versucht General Franco den Sieg per Handstreich und die Einnahme von Madrid. Dort scheitert er. Das Wort der spanischen Sozialistin La Pasionara, die zum Verteidigungskampf aufruft, wird weltberühmt. Ihren leidenschaftlichen Appell an die Madrilenen, zu kämpfen, schließt sie mit den Worten:

Es ist besser auf den Füßen zu sterben, als auf den Knien zu leben! No pasaran! Sie werden nicht durchkommen! Dieses No Pasaran wird später zum geflügelten Sprichwort werden.

Schnell zeigt der Krieg sein grausames Gesicht. Militärstützpunkte werden von Kommunisten und Anarchisten überrannt, die Besatzungen grausam niedergemacht. Umgekehrt schicken die Revolutionäre Todesschwadronen durch die von ihnen beherrschten Gebiete, die wahllos Sozialsten hinrichten lassen.

Der Blutstrom schwillt schnell an. Einer der vielen ausländischen Kriegsberichterstatter (nicht nur Hemingway, auch Orwell und Koestler, Ehrenburg und Saint-Exupery schreiben aus Spanien) berichtet von der Zweckentfremdung einer Stierkampfarena in der nordspanischen Stadt Bajajoz, in der die Nationalen wüten:

Man treibt noch immer Menschen zusammen. Um 4 Uhr werden sie durch das Haupttor, durch das sonst die Cuadrilla einzieht, hereingeführt. Im Ring warten die Maschinengewehre….. Eintausendachthundert Männer und Frauen wurden in zwölf Stunden zusammengetrieben. Eintausendachthundert Körper enthalten viel mehr Blut, als man denken sollte.

Bei einem Stierkampf kommen, wenn ein Stier oder ein Pferd viel Blut verloren hat, die „weisen Affen“ und streuen frischen Sand. Doch an einem heißen Nachmittag riecht man das Blut. Es ist ziemlich widerlich. Es war eine heiße Nacht. Und da war dieser Geruch. Ich kann und will ihn nicht beschreiben.

Die weisen Affen werden viel zu tun haben, wenn der Ring in Ordnung kommen soll bis zum nächsten Geschlachte. Was mich angeht….. nie mehr Stierkampf….. nie.

In der spanischen Stadt Toledo wird die Festung Alcazar von 1.300 nationalen Truppen über zwei Monate gegen eine Übermacht republikanischer Milizionäre gehalten. Ende September erfolgt der Entsatz durch die Nationalen (und die blutige Rache). Doch auch bei den Belagerern ist man nicht zimperlich.

Der spanische Kommandant des Alcazar beschreibt nachträglich, wie man ihn eines Tages zur Übergabe zu überreden versuchte:

Am Nachmittag des 23. Juli läutete das Telefon und man verlangte, mich zu sprechen. Ich nahm den Hörer und der Chef der Miliz von Toledo sagte mir mit donnernder Stimme: „Sie sind für all die Verbrechen verantwortlich, die nun in Toledo geschehen. Ich gebe Ihnen zehn Minuten Zeit, um die Übergabe zu bedenken. Übergeben Sie nicht, so werde ich Ihren Sohn, der hier neben mir steht, erschießen lassen“.

Ich sagte: „Das glaube ich nicht.“

Chef der Miliz: „Überzeugen Sie sich selbst. Er kommt jetzt ans Telefon“.

Sohn: „Vater“.

Ich: „Was ist, mein Junge?“

Sohn: „Nichts, sie sagen, wenn Du nicht übergibst, werden Sie mich erschießen.“

Ich: „Gut, dann empfiehl Deine Seele Gott und stirb, wie es sich für einen wahren Patrioten gehört, mit dem Ruf: Es lebe Christus, unser Erlöser, und Spanien!“

Sohn: „Alles Gute, Vater.“

Ich, zu dem Chef der Miliz: „Die Frist von zehn Minuten können Sie sich sparen. Erschießen Sie meinen Sohn. Der Alcazar wird sich nicht ergeben!“

Und so wurde der Sohn des Kommandanten erschossen. Heldenmut? Wahnsinn? Konsequenz? Es sei dem Leser überlassen, das Urteil zu sprechen. Im Angesicht des Todes zeigen sich Grausamkeit und Fanatismus – wie auch Traurigkeit und Demut. Der Falangeführer Primo de Rivera wird von den Republikanern in Alicante als Geisel gehalten und zum Tode verurteilt:

Als das Todesurteil feststeht, bricht Primo de Rivera zusammen. In seinen letzten Worten bittet er um Milde und sagt: Ich gehöre nicht zu denen, die in einer Situation wie der meinen vorgeben, dass sie das Leben verachten. Leben ist nicht ein Feuerwerk, das man am Ende einer Gartenparty verlässt.

Die Milde bleibt aus, das Urteil wird vollstreckt. Von seinem letzten Gang wird berichtet: Seine letzten Worte waren ein Gruß an den Wächter, kurz ehe sie ihn holen kamen. Er sagte: Wächter, wenn ich etwas getan habe, was sie störte oder belästigte, so vergeben Sie mir.

So seltsam fremd uns manches Verhalten erscheinen mag (tut es das?), so vertraut sind manche Phänomene im Spanischen Bürgerkrieg. Neue Waffensysteme werden eifrig getestet: Nicht nur Hitler sieht sich den Einsatz seiner Luftwaffe befriedigt an. Russische Generäle (welche samt und sonders später im Gulag landen), beobachten den Einsatz der russischen Panzer.

Italienische Augen sind auf die Vorgehensweise der Soldaten Mussolinis gerichtet. Man bombt, zerfetzt, zermalmt und registriert, wie effizient diese oder jene neuen Methoden und Mittel sind. (Dass man heutzutage russische oder amerikanische Waffensysteme in Syrien testet – davon können wir ausgehen).

Und auch wenn in der Hauptstadt zunehmend Bomben fallen, so will das „vergnügungssüchtige Madrid“, wie es ein Kriegsberichterstatter nennt, seine Gewohnheiten beibehalten. Man geht aus, man amüsiert sich (noch intensiver), man hört Schlager und sieht Filme.

Das Folgende klingt ebenfalls sehr vertraut: Ein Angriff auf das Stadtzentrum….. Am Freitag, den 30. Oktober 1936 fielen sechs Bomben auf die Plaza de Colon. Sechzehn Personen wurden getötet, sechzig verwundet. Eine Bombe fiel in eine Schlange von Frauen, die vor einem Milchgeschäft anstanden. ….

Man hatte das Flugzeug nicht anfliegen gehört. Die Rebellen behaupteten, der Angriff sei von der republikanischen Regierung inszeniert worden, um die Bevölkerung gegen Franco aufzubringen. Zitat Ende. Wem würden da nicht syrische Krankenhäuser einfallen, die mal die Russen, mal die Amerikaner bombardieren sollen? Jeweils beschuldigt die eine Seite die andere.

Das Folgende findet so (noch nicht) statt, wird aber angesichts zunehmender Flüchtlingsströme sicher auch noch kommen: Ein Reporter berichtet von seinen Erlebnissen an der portugiesischen Grenze, wo die portugiesische Grenzpolizei zu flüchten versuchende Sozialisten zurückschickt – in den sicheren Tod. Zitat:

Wir fuhren nach Camp Maior, das … auf der portugiesischen Seite der Grenze liegt. Ein gesprächiger Grenzpolizist sagte: „Natürlich schicken wir sie zurück. Es ist für uns zu gefährlich. In einem solchen Augenblick können wir keine Roten in Portugal gebrauchen.“

„Und wie steht es mit dem Asylrecht?“ – „Oh“, sagte er, „Badajoz (das von den Faschisten kontrolliert wird) beantragt die Auslieferung.“ –  „Aber es gibt doch keine Auslieferung aus politischen Gründen.“ – „Das wird an der ganzen Grenze so gemacht. Wir haben entsprechende Befehle aus Lissabon.“

Er war recht böse über meine Fragen. Wir wiesen uns aus und fuhren nach Elvira zurück. Zitat Ende. Rechtfertigen Verbrechen von damals Unsinn und Rechtsbruch von heute? Sicher nicht. Damals ging es nicht um Menschlichkeit – und heute auch nicht. Doch weiter:

Ein deutscher Angehöriger der Legion Condor berichtet von der Einnahme der Stadt Bilbao: Deutsche und italienische Panzerwagen rücken in die Stadt vor… Die Freude wird aber erheblich gedämpft durch das Bild, das sich in der Stadt den einrückenden Truppen bietet. Armes Volk, wie bist Du betrogen worden!

Ein Jahr Bolschewistenherrschaft hat sich tief in die Gesichter der halbverhungerten Menschen gegraben. Ein Teil der Bevölkerung ist völlig betrunken, die Kinder fallen vor Schwäche um, wenn sie Brot nur zu sehen bekommen. Meinen Wagen habe ich schon mit allerlei Lebensmitteln bepackt, in Minuten ist alles bis auf’s Letzte weg.

Gierig kreischen die Frauen danach, zanken sich darum, kratzen sich, beißen sich gegenseitig mit den Zähnen, spucken aber aus, wenn sie merken, dass wir Deutsche sind. Trostlos ist die Verhetzung dieser Menschen. Durch üblen Schnaps und Fusel sind sie bis zum Wahnsinn aufgepeitscht worden.

(Eine alte Frau, wird von drei deutschen Soldaten vorm Ertrinken gerettet). Als die merkt, dass wir Deutsche sind, fängt sie an, einen Verzweiflungskampf zu kämpfen in ihrem fanatischen Hass. Lieber ertrink ich, als dass ich mich von Deutschen retten lasse, kreischt sie und schlägt und beißt um sich, dass die drei Soldaten sich nur mit Mühe wehren können.

Endlich ist das ekelhafte Weib überwältigt und im Kahn an Land gebracht. Sie hasst die Deutschen, die ihr das Leben retten. So war die Wahrheit, so war die Verhetzung. Zitat Ende. Anmerkung: Ich erinnere mich, mal einen ähnlich klingenden Bericht eines US-Amerikanischen Soldaten im Irak gelesen zu haben. Tempus fugit….

Und wer hat recht? Die alte Frau? Die Deutschen, die sie retten? Auch hier ist es eine Frage des Blickwinkels. Der spanische Bürgerkrieg kann uns auch hier manches interessante erzählen. Schrecklichste Grausamkeiten, massenhafter Mord und Folter finden statt. Die Falangisten stechen gefangenen Kommunisten die Augen aus, die Tscheka wütet brutal unter echten und vermeintlichen Gegnern.

Manche später bekannten und manche vergessenen Namen tauchen in Spanien auf. Ein Walter Ulbricht führt in Spanien eine Abteilung in den Internationalen Brigaden, die deutsche, schweizerische und österreichische Freiwillige auf etwaige „trotzkistische Gesinnung“ prüft. Der lange Schatten Stalins fällt auf manchen – Ulbricht aber wird später, wie wir wissen, Karriere machen.

Dem stehen Gestalten wie der Schweizer Otto Brunner gegenüber. Dieser kämpft als Freiwilliger auf Seiten der Internationalen Brigaden, behält sich eine idealistische Gesinnung (durch die er mit Menschen wie Ulbricht aneckt), wird in Spanien schwer verwundet und beendet sein Leben als kleiner Monteur in der Schweiz.

Wer von den beiden wohl der glücklichere gewesen sein mag? Wir wissen es nicht.

Wenn wir an Spanien denken, dann an „Wem die Stunde schlägt“ von Hemingway oder an Picassos „Guernica“. Dass in Frankreich (wie in vielen anderen europäischen Ländern auch) Lager betrieben wurden, in denen man die aus Spanien flüchtenden Menschen internierte und die man damals ehrlicherweise „Konzentrationslager“ nannte – das haben wir vergessen (und heute nennt man diese Lager Internierungslager). https://de.wikipedia.org/wiki/Camp_de_Gurs

Damals aber sprach man noch von Konzentrationslagern. Lassen wir einen der Internierten nach der Flucht über die französische Grenze erzählen: Wir fragten einen Offizier der Garde Mobile, wohin es jetzt ginge. Er antwortete nicht. Als ob wir nicht da wären.

Wir fragten einen zweiten. Der brüllte: Allez hopp! Nicht stehenbleiben! Und gab dem nächsten einen Stoß ins Kreuz. Dieses grobe Allez-Hopp mit dem man wohl Viehherden antreibt, begleitete uns den ganzen Tag.

Noch kannten wir das Ziel nicht. Wir waren bereits 30 km im Eiltrab marschiert, und es ging gegen Abend. Wir waren hungrig und durstig. Aber es gab nichts zu essen oder zu trinken, nicht mal eine kurze Ruhepause…… Plötzlich, auf einem Dorfplatz, entdeckten wir ein großes, frisch gemaltes Schild: Au Camp de Concentration!

Zum Konzentrationslager. Also nicht wie Veteranen eines Freiheitskrieges behandelte uns die französische Regierung, sondern wie Sträflinge, die nach Cayenne verschifft werden! Welch bittere Enttäuschung. (Und über das Lager selbst):

Am Abend dieses Tages hatten sich die Kameraden der Internationalen Brigaden in ihrem Stacheldrahtcamp zusammengefunden. Um die Karrees standen schwarze Wachtposten; an den Ecken waren Maschinengewehre drohend auf uns gerichtet.

Zu essen hatte es auch hier nichts gegeben. Nur ein paar Kochgeschirre voll Wasser konnten aufgetrieben werden. Die Nacht wurde kalt. Dazu machte sich der gefürchtete steife Nordwind auf, der Mistral, der uns den feinen Steppensand wie mit einem Gebläse ins Gesicht fegte, so dass sich die Augenlider entzündeten.

Wo sollten wir nun, auf flacher Sandsteppe, ohne jeden Windschutz, die Nacht verbringen? Alles war todmüde. Wir buddelten uns mit den Händen zwei Meter lange und einen halben Meter tiefe Gräben in den Sand und legten uns darin lang, alte Wäsche um Ohren und Hals gewickelt, und versuchten, trotz der Kälte, die vor allem unsere Füße starr machte, zu schlafen.

Es ging nicht. Nach kurzer Zeit hatte der Wind so viel Sand über einen geweht, dass man Gefahr lief, sich selbst zu begraben. Wir standen wieder auf und liefen trapsend und uns schüttelnd umher. Als der Morgen kam, standen wir mit eingezogenen Köpfen verdreckt und unrasiert in der Landschaft.

Soweit die Beschreibung eines französischen Konzentrationslagers (die nebenbei als Erfindung den Engländern zugeschrieben werden können, die diese als erste im Burenkrieg eingesetzt hatten). Gibt es vielleicht irgendwo eine weltweite Geschichte der Konzentrationslager? Die würde mich interessieren.

Dass es auch in den USA welche gab (für Japaner), oder in Kanada oder dass auch in Australien auch im Ersten Weltkrieg dort deutsche Auswanderer interniert worden waren, ist mir bekannt. Ah – dem Netz sei Dank, bei Wiki findet sich eine Liste  – was die Qualität der Daten angeht, kann ich dazu nichts sagen: https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_concentration_and_internment_camps

Zurück zum Thema: So grausig und entsetzlich der spanische Bürgerkrieg war, so bot er doch auch wie jeder Krieg Zeichen der Hoffnung. Handlungen aus Solidarität und Menschlichkeit kamen genauso wie Pausen und ein Atemholen innerhalb der Kampfhandlungen vor.

Ein ausländischer Diplomat versteckte einen hochrangigen Offizier der Falange und dessen Familie in seinem Haus und rettete so sein Leben vor den republikanischen Milizen, die ihn suchten, um ihn umzubringen. Dies tat er, obwohl er selber Freund der Republik war.

Antoine de Saint-Exupery, dessen Werk „Der kleine Prinz“ nach seinem Tode weltberühmt werden sollte, fuhr im Sommer 1936 durch Aragonien und sah eine beschauliche Landschaft:

Nun haben wir abermals den äußersten Punkt unseres Vormarsches erreicht. Eine Mauer aus Pflastersteinen versperrt die Straße, und sechs Gewehre sind auf uns angelegt. Vier Männer und zwei Frauen liegen hinter dieser Mauer. Mir fällt auf, dass die beiden Frauen nicht wissen, wie man ein Gewehr hält.

„Hier könnt Ihr nicht weiterfahren!“ – „Weshalb?“ – „Die Aufständischen…..“  Man zeigt uns in einem Abstand von 800 m ein weiteres Dorf, das getreue Abbild des hiesigen. Gewiß gibt es dort eine Barrikade, die genauso aussieht wie unsere. Und vielleicht auch eine Dreschmaschine, die für die Aufständischen arbeitet.

Wir haben uns neben die Milizsoldaten ins Gras gesetzt. Sie legen ihre Gewehre ab und schneiden Scheiben von einem frischen Brotlaib. „Seid ihr von hier?“ – „Nein, Katalanen aus Barcelona, Kommunistische Partei…..“ Eine der jungen Frauen reckt sich und setzt sich mit flatternden Haaren auf die Barrikade. Sie ist etwas plump, aber frisch und schön. Strahlend lächelt sie uns an:

„Wenn der Krieg aus ist, werde ich hier im Dorf bleiben….. man hat es viel besser als in der Stadt…. Das wusste ich gar nicht!“ Und liebevoll blickt sie um sich, als erlebte sie eine Offenbarung. Bisher kannte sie nur die grauen Vorstädte, die morgendlichen Wege zur Fabrik und die Erholung in trüben Cafes.

Alle Bewegungen, die man rings um sie vollführt, kommen ihr vor die Gebärden eines Festes. Jetzt springt sie auf und läuft zum Brunnen. Gewiß glaubt sie, sie tränke aus dem Schoße der Erde. Soweit de Saint-Exupery.

Was wohl aus der jungen Frau geworden ist? Hat sich ihr Traum erfüllt? Oder wurde sie gefangen genommen, vergewaltigt und ermordet? Oder ging sie zurück nach Barcelona, wurde eine verbitterte alte Frau? Oder behielt sie sich etwas von dem Zauber, den de Saint-Exupery schildert? Wir wissen es nicht.

A propos Barcelona: Dort revoltiert im Sommer 36 wie überall die Armee, doch wird der Aufstand von den Milizen der Kommunisten und Anarchisten niedergeschlagen. Ein spanischer Journalist und Anhänger der Republik ist mit einem hochrangigen Offizier der in Barcelona stationierten Truppen befreundet.

Am Vorabend der Revolution fragt ihn der Journalist mit dem schönen Namen Jaume Miravittles, ob die Armee in Barcelona neutral bleiben würde. Der Offizier mit dem klangvollen Namen Lizcano de la Rosa versichert ihm, dass die Truppen zur Republik halten würden. Kurz danach revoltieren sie.

Nachdem der Aufstand niedergeschlagen ist, besucht Miravittles den nun gefangen genommenen und auf seine Hinrichtung wartenden Offizier im Gefängnis und stellt ihn dort zur Rede:

„Warum haben Sie mir das angetan“, fragte ich Lizcano de la Rosa. „Ich spreche nicht davon, dass Sie auf der anderen Seite der Barrikade gestanden haben, denn der Bürgerkrieg hat ja in unserem Lande eine nationale Tradition. Ich bin verletzt, weil wir Freunde waren und Sie unsere Freundschaft missbraucht haben, um mich zu täuschen.“

Eine ganze Weile war er still, dann aber sagte er: „In einem solchen Krieg ist jedes Mittel erlaubt…. Sogar die Freundschaft….. um zum Ziel zu gelangen. Unsere wichtigste Waffe war der Überraschungseffekt. Wenn ich Sie nicht getäuscht haben würde, hätte ich die Revolution betrogen.“

Miravittles wendet sich enttäuscht ab. Kurz danach erhält er, nach Verkündigung des Todesurteils, einen Brief von Lizcano de la Rosa, in dem jener ihn bittet, bei seiner Hinrichtung zugegen zu sein. Er schreibt: „Sie sind der einzige Freund, der mir auf der Welt geblieben ist. Bitte, seien Sie in den letzten Augenblicken meines Lebens bei mir!“

Miravittles geht zur Hinrichtung, wo er noch einmal Lizcano de la Rosa sehen darf. Jener kommt auf ihn zu, reicht ihm beide Hände und sagt: „Jaume, ich bin sehr glücklich, dass Du gekommen bist.“. Über die Hinrichtung schreibt Miravittles:

Drei der Gefangenen stellte man an die Mauer, einen vierten setzte man auf einen Stuhl. Dieser Offizier, der schwer verwundet worden war, hieß Lopez-Varela. Als erster in der Reihe stand Lizcano de la Rosa, neben ihm stand Lopez-Amor, dann Lopez-Varela, dann Foix.

Der letztere machte auf mich den stärksten Eindruck, denn er wirkte völlig gelassen, sehr ruhig, und rauchte eine Zigarette. Ich war ganz sicher, dass er völlig überzeugt, für eine gute Sache gekämpft zu haben, in den Tod ging und uns andere als Abgesandte des Teufels betrachtete. Er besaß eine bewunderungswürdige Fassung.

Der Mann in dem Stuhl betete und ließ einen Rosenkranz durch seine Hände gleiten. Lopez-Amor grüßte mit dem faschistischen Gruß. Er war der Oberst, der die revoltierenden Gruppen durch die Stadt geleitet hatte. vor den zum Tode Verurteilten stand das Hinrichtungskommando und hinter ihm hatten sich hunderte von Milizmännern und Vertretern der Gewerkschaften versammelt.

In dem Augenblick, als der Offizier den Schießbefehl gab, rief Lizcano de la Rosa, der mich die ganze Zeit angestarrt hatte: „Viva Espana!“ Und alle Milizmänner antworteten: „Viva!“ Diese Rufe wurden plötzlich von einem phantastischen Kugelhagel unterbrochen, denn viele der Milizmänner feuerten nun auch auf die Verurteilten.

Als das Schießen aufhörte, waren die Offiziere entstellt. …… Ich stand nur zehn Yards von der Mauer entfernt. Mir war elend und schlecht und ich ging fort.

Soweit diese Beschreibung. Und auch unsere Skizzen aus Spanien können wir hier enden lassen. Wer mag, kann Parallelen zu Heute suchen (und vielleicht sogar finden). Damals wurde in Spanien die blutige Ouvertüre zu einem noch viel blutigeren Hauptwerk aufgeführt. Man gruselte sich vielleicht in Berlin oder Warschau, Paris oder Moskau, über die Berichte aus Spanien. Doch das wahre Grauen sollte erst noch kommen.

Und heute? Sind die Brandherde auch noch bequem weit weg. Ob Aleppo oder Donezk – ein paar Bilder, ein paar Bombeneinschläge – das war’s. Sicher – die Flüchtlinge werden als Migrationswaffe missbraucht und hierher geschickt, was keiner von beiden Seiten wirklich nützt.

Aber Bomben explodieren hier noch nicht. Und auch der Krieg erscheint fast allen noch unmöglich. Allerdings mögen wir viel näher am Abgrund stehen, als uns gewahr ist, denn der Krieg der Worte oder besser: Der Krieg gegen bestimmte Gedanken und Ausdrücke wird hierzulande schon eifrig geführt.

Üblicherweise folgen auf Worte irgendwann Taten. Und wenn Gottfried Benns kluger Satz heute noch Gültigkeit hat, so sind wir vielleicht schon einen Schritt Richtung Abgrund weiter – ohne es zu wissen: „Das Abendland geht nicht zugrunde an den totalitären Systemen, auch nicht an seiner geistigen Armut, sondern an dem hündischen Kriechen seiner Intelligenz vor den politischen Zweckmäßigkeiten.“

Was bleibt? Menschlich bleiben. Herzlich handeln. Und hier und da den Wahnsinn von Ideologien ansprechen. Damit nicht irgendwann der Wahnsinn des Krieges Einzug hält. Wobei ich ehrlich gesagt glaube, dass sich Krieg (in irgendeiner Form, ob als Bürgerkrieg, Unruhen oder Krieg durch eine Invasion von Außen) nicht mehr vermeiden lässt.

Wir leben in spannenden Zeiten.

Brennpunkt Brenner

Der Brenner an der Grenze zwischen Italien und Österreich war schon vor tausenden Jahren der Gipfel, welcher von wandernden Völker- und Kriegsscharen überwunden werden musste. Die römischen Legionen marschierten über den Brenner gen Norden. Germanische Stämme zogen über ihn ins gelobte Land Italien.

Noch vor fünfhundert Jahren machten sich deutsche Landsknechte gen Italien auf den Weg und plünderten im sogenannten „Sacco di Roma“ die heilige Stadt für drei Tage. https://de.wikipedia.org/wiki/Sacco_di_Roma

Heute ist es ein anderes Drama, welches sich am Brenner ankündigt… im Moment sind es noch Nachrichten aus dem Mittelmeer, welche schlimme Geschichten von ertrunkenen Flüchtlingen erzählen. http://web.de/magazine/politik/fluechtlingskrise-in-europa/fluechtlingskrise-hunderte-menschen-mittelmeer-ertrunken-31500554

Doch das Mittelmeer dürfte bald wieder ruhiger werden und neue traurige Geschichten sich (näher zu uns) ankündigen: In Libyen warten hunderttausende Flüchtlinge auf die Überfahrt nach Italien. (Und der IS kontrolliert einige der Städte, von denen sie aufbrechen werden). http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-03/elmar-brok-libyen-fluechtlinge

Die meisten der Flüchtlinge werden weiter ins gelobte Land ziehen wollen (heute Deutschland) und die Italiener sie nicht aufhalten. Das werden wohl erst die Österreicher versuchen, die zu Recht vermuten, dass manche der Flüchtlinge bei ihnen unterkommen wollen, wo man jüngst verkündete, dass das Boot voll sei. http://www.tt.com/politik/landespolitik/11368727-91/brenner-streit-spitzt-sich-zu-italien-fordert-eingreifen-der-eu.csp

Daher dürften sich Szenen wie in Idomeni in Griechenland demnächst am Brenner abspielen. Urlaubern, die im Sommer ihre Reiseroute über den Brenner planen, sollte vielleicht empfohlen werden, Alternativrouten zu erwägen (eventuell gibt es dann auch eine Guggel-Anwendung? Guggel, zeig mir einen Weg nach Italien ohne blockierte Autobahnen und gewaltgeprägte Demonstrationen……).

Der Brenner sollte zum Brennpunkt werden. Und auch bei uns dürfte an neuen Brennpunkten kein Mangel sein.