Reisen bildet (damals und heute)

Letztlich las mit großem Vergnügen zwei empfehlenswerte Bücher. Das eine war die Reisebeschreibung eines zaristischen Beamten, Constantin Graf von der Pahlen, eines Baltendeutschen, der im Auftrag des Zaren die Gebiete von Turkestan in den Jahren 1908 bis 1909 bereiste, um dort Missstände der örtlichen Verwaltung aufzudecken.

Die Pahlens waren ein Geschlecht, welches schon lange in zaristischen Diensten gestanden hatte. https://de.wikipedia.org/wiki/Pahlen_(Adelsgeschlecht) Nebenbei: Ist es schon Rassismus, zu erwähnen, dass die baltendeutschen Adelsgeschlechter als russische Beamte so beliebt waren, da sie als unbestechlich, gewissenhaft, fleißig und zuverlässig galten? Wer weiß….. Doch zurück zum Thema:

Hinter dem Begriff „Turkestan“ verbergen sich die heutigen Staaten Kasachstan (bzw. Teile davon), Kirgistan, Usbekistan, Tadschikistan und Turkmenistan. Diese waren erst in der zweiten Hälfte des 19. Jhdt. vom Russischen Reich erobert und angegliedert worden – in gewisser Weise entsprachen sie den Kolonialreichen der Westeuropäer.

Russische Beamte wurden dorthin geschickt, um die wirtschaftlichen Verhältnisse zu verbessern und die Entwicklungen der modernen Welt dort zu integrieren. Dabei trafen sie auf eine Gesellschaftsform, die sich in Teilen fundamental von der russischen unterschied.

Hier setzen denn auch die Beschreibungen Constantin Graf von der Pahlens an, die er Jahre später verfasst hatte und die erst 1964 veröffentlicht wurden. (Die Lebensgeschichte von der Pahlens selbst, der 1918 vor der Russischen Revolution nach Deutschland floh, wäre auch eine Erzählung wert – aber dies eventuell ein anderes Mal).

In der Region Samarkand wendet sich von der Pahlen auch der dortigen islamischen Gesellschaft, der Erziehung und der Geschlechterfrage im Islam zu. Er notiert (Zitat):

„Welch ein geduldiges, jahrtausendelang an Knechtschaft gewohntes Volk, das nie einen eigenen Willen besessen hat, noch heute nichts von Selbstbestimmung weiss, und alles, was ihm mangelt, von der Gnade des jeweiligen Despoten erwartet.
Der Islam beruht auf der absoluten Verneinung der Individualität des Einzelnen. Ein Menschenleben gilt so gut wie nichts, ebenso wenig wie die menschliche Arbeit und Zeit. In solchen Staaten gibt es nur einen Willen, den des Despoten! Diese methodische Erziehung der Massen ist beim Islam erstaunlich wirksam geworden.
Die Söhne werden vom 2. Lebensjahr an unter Männern, meist nur vom Vater erzogen.
Den Mädchen wird vom frühesten Alter an Unterwürfigkeit unter den Mann beigebracht.
Nach der Lehre Mohammeds hat die Frau so wenig eine Seele wie die Tiere  und ihre Behandlung ist dementsprechend. Nach der Scharia darf der Mann oder Vormund die Frau schlagen, wann er will.
Sollte aber die Frau Hand gegen den Mann erheben, so galt für sie – vor dem Einmarsch der Zarenarmee – die Todesstrafe!“

Über das Zusammenleben von Eheleuten notierte er, dass Frauen und Männer auch im Haus streng voneinander abgeschieden wären und dass „in einem solchen Haushalt sich kein Zusammenleben in unserem Sinn entwickeln kann. Jahr für Jahr leben die Frauen in dieser Eintönigkeit, wobei sich alles um die Launen des Mannes dreht.

Wie mir meine Begleiterin bestätigte, stumpfen diese Frauen bald ab und verblühen schnell.“

Vom sechsten Lebensjahr an werden die Jungen in den Mechteben, den islamischen Schulen, erzogen. „In diesen Erziehungsanstalten werden in der ganzen mohammedanischen Welt der Geist und die Weltanschauung und die Ethik der Mohammedaner geformt……

Der junge Mohammedaner verlässt die Schule als ein selbstbewusstes Glied einer Gemeinschaft, in der weder Familientradition noch der Volksstamm, noch die geographische Grenze, noch alles sonst andere, was sonst für die Entwicklung junger Menschen von Bedeutung ist, irgendeinen Einfluss besitzt.

Es gelten nur die Begriffe, die der Heranwachsende unauslöschlich in seine Seele geprägt bekommen hat. So hat es einst der Prophet Mohammed angeordnet, so muss es bis in alle Ewigkeit bleiben……

Was den Jungen, Jüngling und Mann zu den übrigen Menschen zieht oder von ihnen abstößt, ist eng verbunden mit der Bindung an die Nachfolger des Propheten. Interessieren werden ihn nur Probleme, die sich auf seine Religion beziehen. Alles übrige in der Welt ist für ihn gleichgültig, er verachtet es….

…. Die gesamte europäische Zivilisation berührt ihn nicht. Sie ist sein Feind dort, wo sie seiner Weltanschauung nicht entspricht. Sie muss bekämpft werden. Er muss sich innerlich wie äußerlich von ihr fernhalten.“

Ein kurzer Zeitsprung hundert Jahre voraus. Was verkündete da unlängst ein Journalist, der 13 Moscheen in Deutschland zu den dortigen Freitagspredigten besucht hatte (übrigens – wie sinnig – auch ein Constantin)? http://www.stern.de/panorama/gesellschaft/constantin-schreiber-in-deutschen-moscheen–vieles–was-er-hoerte–entsetzte-ihn-7391238.html (Zitat):

Ich war enttäuscht, teilweise entsetzt. Ich habe keine einzige Predigt gehört, die ich wenigstens okay fand. Fast alle waren sehr konservativ. Und wenig integrativ. Es ging fast immer um “wir und die”. Wir Muslime und die Anderen, die Deutschen, die Ungläubigen. Integration wurde eher als Bedrohung der reinen Lehre dargestellt…..

..Sie drücken an mehreren Stellen Ihres Buches Ihre große Sorge um die vielen Flüchtlinge aus, die Sie in den Moscheen angetroffen haben. Was genau sorgt Sie?

Viele von ihnen waren noch nie im Westen. Sie wissen wenig über Deutschland. Frauen mit kurzen Haaren zum Beispiel irritieren sie massiv. Sie wollten von mir wissen, ob die krank seien. Ich frage mich, wohin das führt, wenn man Menschen mit diesem Kenntnisstand in den Moscheen sagt, dass sie fest im Glauben sein müssen und sich nur mit rechtgläubigen Muslimen befreunden sollen. Ich sorge mich, dass solche Freitagspredigten schlichtweg antiintegrativ sind und Gräben vertiefen.

….Gab es irgendeine positive Überraschung?

Ich würde so gern ein positives Beispiel anführen, eine Predigt, die Weltoffenheit ausstrahlt, eine Brücke baut zum Leben in Deutschland. Ich habe sie bisher nicht gefunden. Aber ich suche weiter.

Zitat Ende. Doch zurück zum Thema: Über die Erziehung der Jungen notiert Pahlen auch das Folgende:

„Für das persönliche Leben des einzelnen sind in Formeln gehüllte Regeln zu lernen. So wird dem achtjährigen Jungen die sexuelle Frage ausführlich erklärt. Er wird über die Regeln des ehelichen Umganges, die möglichen Krankheiten, deren Verhütung und Heilung bis ins einzelne aufgeklärt, wie wir es in Europa nur in wissenschaftlichen Abhandlungen finden. Auch wird dem Jungen die Geringschätzung der Frau besonders eingeprägt.“

Soweit der Reisebericht von Constantin von der Pahlen. Es sollte nicht verschwiegen werden, dass er auch auf positive Aspekte ausführlich eingeht: So sorge die strenge Erziehung dafür, dass im gesellschaftlichen Leben alles sehr gesittet und höflich zugehe.

Jedermann achte die Anstandsregeln, weswegen das Leben gleichförmig höflich dahinfließe. Auch sei die Gastfreundschaft ihm gegenüber groß gewesen. Doch immer sind Frauen aus dieser Gastfreundschaft ausgeschlossen (bei den Kasachen können ihm erstmals Frauen unverhüllt entgegen treten).

Und viele der von ihm geschilderten Beispiele sind nach heutiger Sicht erschreckend: Er schildert, wie ein Mädchen in seinem Beisein von Jungen geschlagen wird – das Mädchen wehrt sich nicht, da ihr dies als Mädchen verboten ist….. Muslimische Männer beschweren sich gegenüber russischen Beamten, dass ihnen auf einmal nach russischen Recht verboten sei, ihre Frauen mit Ketten zu schlagen.

Doch notiert er auch ehrlich, dass aus dem Einbruch der russischen Zivilisation in diese Gesellschaft Impulse entstanden sind, von denen man noch nicht sagen könne, was aus ihnen wird – ohne dass sie allerdings die Religion als solche berühren würden. Und auch mit der eigenen Seite spart Pahlen nicht an Kritik:

Er sieht und verurteilt die endemische Korruption (kann auch hier und da erfolgreich gegen sie vorgehen), den Dünkel der Beamten, ihre Gier, ihre Dummheit und Bildungslosigkeit etc. Ungerechte Maßnahmen gegenüber der alteingesessenen Bevölkerung rügt er:

So werden zum Beispiel russische und andere Bauern angesiedelt, die zum Teil auf Kosten der einheimischen Bevölkerung die besten Äcker bekommen. (Als die russische Revolution ausbricht, rächt sich das – ein Aufstand bricht los, ganze russische Dörfer werden dem Erdboden gleichgemacht, die Einwohner massakriert).

Manchmal gewahrt sein Bericht seltsam an heutige Zustände: Ihm wird der Fall eines deutschen Mennoniten vorgetragen, welcher, der Turksprache mächtig, die russischen Behörden vor den Plänen eines ortsansässigen hohen muslimischen Würdenträgers warnt, einen Dschihad gegen die Ungläubigen zu beginnen.

Da der Würdenträger in großem Ansehen bei den russischen Behörden steht, wird der Deutsche zu drei Jahren Haft verurteilt! Kurze Zeit später bricht der Dschihad aus….. und der Deutsche wird rehabilitiert. Merke: Warner gelten nirgendwo viel…..

Nun hat sich in diesem Teil der Welt seit damals viel getan (ich war selber einmal in Kasachstan und es hat mir dort gefallen). Die Verhältnisse von damals sind nicht die heutigen Verhältnisse. Aber sie haben ihre Spuren hinterlassen – so wie wir von tausend Jahren Christentum tief geprägt sind, so existieren in Menschen dieses Kulturkreises tiefe Prägungen….. derer man sich gewahr sein sollte.

Gehen wir 20 Jahre weiter: 1930 durchreist ein deutscher Autor namens Armin Wegner mit Flugzeug, Schlitten und Motorrad Persien (den heutigen Iran), den Irak, Palästina und Ägypten. Auch seine Reisebeschreibungen von damals sind sehr interessant und es wert, gelesen zu werden. Sein Buch trägt den schönen Titel „Am Kreuzweg der Welten“. https://de.wikipedia.org/wiki/Armin_T._Wegner

Herr Wegner war übrigens nicht nur wegen dieser Reise, auf der ihn am Ende seine Frau begleitete, ein mutiger Mann: Er schrieb im April 1933 einen Brief an Adolf Hitler, in welchem er die beginnenden Verfolgungen der Juden kritisierte. Kurz darauf wurde er verhaftet und in der Haft gefoltert. Nach seiner Freilassung emigrierte er im Dezember 1933.

1930 beginnt er seine große Tour, die ihn per Flugzeug und Motorrad, wie gesagt teilweise von seiner Frau begleitet, durch den Kaukasus, den Iran, den Irak und Palästina bis nach Ägypten führt (die letzteren drei waren damals vom Britischen Weltreich besetzt und verwaltet).

Im Kaukasus trifft er auf himmelschreiende Armut (der real existierende Sozialismus Stalinscher Prägung baut riesige Kraftwerke, während die Bevölkerung darbt) und deutsche Freibauern. Diese empfangen ihn neugierig und voller Gastfreundschaft – die sich am nächsten Morgen legt, als ihm der Bauer offenbart, dass man ihn (den Bauern) wegen seines Besuchs auf die Geheimpolizei zitiert hat….. Wegner reist schnell ab (was wohl während der Stalinschen Säuberungen aus der Familie mit der blonden Tochter, die der Vater, als sie schläft, abends im Arm hält, geworden ist? In welchem Lager sind sie wohl geendet? Wir wissen es nicht).

Im Iran kommt Wegner in Lebensgefahr – er will den Basar in Teheran besuchen, doch tritt ihm gleich zum Eingang des Basars eine wütende Menge entgegen – es ist sein Fotoapparat, den die Menge als teuflischen, die Seele einfangenden Apparat ansieht.

Ein fortschrittlicher Perser kann ihn gerade noch davon abhalten, von der Menge gesteinigt zu werden. Im Nachgang erzählt Wegner die Geschichte eines amerikanischen Konsuls, der ein paar Jahr vorher den Fehler machte, den Basar fotografieren zu wollen und dafür von der Menge verprügelt und mit kochendem Wasser übergossen worden war.  Kurze Zeit später erlag er den Verletzungen.

Wie Pahlen fällt Wegner die strikte Geschlechtertrennung ins Auge. Männer sind überall anzutreffen, Frauen nicht. Die wenigen Frauen, die er sieht, sind vollverschleiert. Er wohnt einer Theateraufführung bei, bei der erstmals Männer und Frauen gemeinsam dem Stück zuschauen (allerdings getrennt – die Frauen sitzen hinter einem Vorhang).

Wegner notiert, dass beide, der Schleier und das Frauenhaus dem Zweck dienen, „das Weib als Erreger weltlicher und beunruhigender Gefühle unsichtbar zu machen…… Wie sich nun hinter dem Schleier keineswegs immer ein schönes Gesicht verbirgt, sondern wie dieses infolge von Überanstrengung in der Regel müde und früh gealterte Züge zeigt, so sieht auch das Leben der Frau, das sich hinter den hölzernen Gittern abspielt, keineswegs traumhaft aus.

Meist ist der Harem nichts als ein einfacher, fast kahler Raum, in dem von der Herrin des Hauses…. den ganzen Tag über streng gearbeitet wird…….. Was der Islam so aus den Frauen des Orients schuf, war im Grunde ein östliches Nonnentum.“ Wegner begrüßt denn auch die ersten zarten Bestrebungen, Frauen stärker am öffentlichen Leben teilhaben zu lassen.

Ein kurzer Sprung nach vorne: Die Sonnenallee in Berlin ist mittlerweile eine arabische Straße in Deutschland. Wer mag, kann in diesem Fotoreport der FAZ mal Männlein und Weiblein beim Flanieren auf dieser Straße zählen. Oder die unverschleierten Frauen (das geht am schnellsten). 🙂 http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/sonnenallee-die-arabische-strasse-14382811.html

Doch zurück zum Thema: Wegner reist weiter in den Irak, in welchem er im Ersten Weltkrieg als Sanitäter diente – er sucht und findet die Gräber seiner gefallenen Kameraden von damals. Er spricht jüdische Händler, denen es bei Strafe verboten ist, Früchte arabischer Händler zu berühren (da die Berührung sie unrein macht) oder auf den Schatten eines Mohammedaners zu treten.

In Kerbela, der schiitischen Pilgerstadt, kann er heimlich von einem Versteck aus die Aschura Prozession verfolgen, bei der die schiitischen Gläubigen des gewaltsamen Todes ihres Imans Husseins vor 1300 Jahren gedenken. https://de.wikipedia.org/wiki/Aschura Auch hier würde ihn eine offene Betrachtung in Todesgefahr bringen, da er Ungläubiger ist und die Menge in eine Art Massenwahn verfällt.

Wegner notiert: „Dieses religiöse Schauspiel….. (wird) nirgends …… großartiger, fanatischer und grausamer auf der Bühne wiedergegeben als in Kerbela selber, dem Ort der Ermordung Husseins…….. Unter den Zuschauern erblickt man keinen einzigen Europäer. ……..“

Er sieht die Kettengeißler und Brust- und Schwertschläger – alle drei Gruppen schlagen sich selbst mit Gegenständen, bis das Blut fließt. Manche bringen sich tiefe Wunden bei. Im Theaterstück der Ermordung Husseins, welches laut Wegner nicht selten mit der realen Ermordung der Darsteller der Bösen, welche den Iman Hussein umbringen, endet, tritt auch ein ausländischer Botschafter auf.

„Der Botschafter wird stets als lächerliche Figur dargestellt, in einem langgeschwungenen, goldgestickten Frack, ein Kreuz in der Hand und mit einem unbeschreiblich dummen Gesichtsausdruck“. Ganz am Ende des Stücks geschieht folgendes: „Der europäische Gesandte warf sein Kreuz weg und fiel zu Boden, um sich zum Islam zu bekennen“.

Wegner reist weiter. In Palästina trifft er junge Juden, die voller Engagement im Kibbuz arbeiten. Araber bestaunen sein Motorrad. Im Sinai bittet ihn ein Araber, seine Frau gegen die seine zu tauschen, was Wegner ablehnt.

In Ägypten schließlich ist er zu Gast bei einem englisch sprechenden Araber. Dessen Frau darf sich ihm und seiner Frau im Hause auch nur verschleiert zeigen. In Abwesenheit Wegners und seines Gastgebers verschleiern die Ägypterin und deren Mutter aus Spaß Wegners Frau. Diese betrachtet sich voller Freude in einem Spiegel.

Wegner und sein Gastgeber werden, als sie zurück kommen, Zeuge dieses harmlosen Spaßes. Als Wegners Frau der Ägypterin anbietet, sie möge doch im Gegenzug einmal ihren Rock anprobieren, schreitet der Gastgeber ein und verbietet dies.

Kurz darauf ist die Reise zu Ende und Wegner fliegt nach Hause. Hier und da nachdenklich, aber auch dankbar für die Erlebnisse. Wegner ist der Überzeugung, dass der Fortschritt nach und nach zu einschneidenden Veränderungen in der islamischen Welt führen muss.

Und wir Heutigen? Was denken wir darüber? Denn denken können wir noch. Unsere Gedanken aussprechen – das ist etwas anderes. Eins- zwei- drei im Sauseschritt – saust die Zeit – wir sausen mit (Wilhelm Busch). Wohin? Das werden die nächsten Jahre zeigen.

Wann schlägt Trump los?

Der neue US-Präsident befindet sich in keiner beneidenswerten Lage: Er regiert ein Imperium im Abendrot, überdehnt, an vielen Orten der Welt engagiert, ist mit großen Versprechen angetreten (Making America great again), sieht sich teilweise massivem Widerstand seitens der Medien, Stars, Teilen der Öffentlichkeit ausgesetzt – und dürfte mittlerweile auch realisiert haben, wie dramatisch die finanzielle Lage der USA ist. Auf allen Ebenen ist die Verschuldung immens. http://www.grandfather-economic-report.com/debt-summary-table.htm

Die Frage, inwieweit Herr Trump nur ein Vertreter ganz anderer Interessen ist, inwieweit er Marionette an unbekannten Fäden oder doch der „Deus ex Machina“ ist, der den Augiasstall Washington ausmisten will, soll hier nicht diskutiert werden. Bei ehrlicher Betrachtung muss man feststellen, dass dies niemand mit Gewissheit sagen kann. Daher bleiben nur die Aktionen (denn an ihren Taten sollt ihr sie erkennen).

Was also bleibt Herrn Trump zu tun?

Er kann die Steuern erhöhen (und damit seine Gefolgschaft gegen sich aufbringen).

Er kann versuchen, amerikanische Unternehmen zu stärken (aber die in 30 Jahren reduzierte industrielle Basis kann er in vier Jahren nicht wieder herstellen).

Er kann den Sozialstaat beschneiden (zumindest dies wird er wohl in Teilen – s. Obamacare – versuchen).

Trotzdem bleibt festzustellen, dass Herr Trump innenpolitisch nicht viel Manövrierraum hat. Zudem manche Signale in Richtung des ohnehin viel zu großen Finanzsektors eher beunruhigend sind (Entlastung des Finanzsektors durch Wegfall diverser Beschränkungen und die Besetzung von Spitzenämtern mit Goldman Sachs Vertretern etc.).

Was bleibt Herrn Trump noch, um Geld in die Kasse zu holen?

Er kann die Verbündeten stärker zur Kasse beten (und hat dies gegenüber Frau Merkel wohl schon getan).

Er kann nicht-amerikanische Unternehmen, die in den USA Produkte verkaufen, durch Strafzölle stärker belasten (erste Ansätze in dieser Richtung gibt es schon). http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/dumping-vorwuerfe-gegen-stahlkonzerne-warum-trump-salzgitter-und-co-attackiert/19597534.html

Meine simple Prognose: Die deutschen Autobauer werden sich noch SEHR umgucken…..

Und er kann das tun, was jedes Staatsoberhaupt mit einer großen Armee und schlechter Finanzlage tun würde: Krieg führen.

Erste Anzeichen der Regierung Trump in dieser Richtung sind durchaus beunruhigend.

NATO-Truppen werden im Baltikum stationiert (nur symbolisch! Heißt es schnell…. Und was soll das Symbol ausdrücken? Das man tatsächlich einen Einmarsch der Russen fürchtet?).

Ein Tauwetter zwischen Moskau und Washington ist nicht wirklich festzustellen.

In Syrien werden im Ostteil des Landes amerikanische Militärstützpunkte errichtet. Noch, um den Islamischen Staat zu bekämpfen, heißt es. Und wenn Raqqua genommen ist? Geht es dann wieder gegen Assad? Wozu dienen US-Marines und US-Stützpunkte in Syrien langfristig (die diversen Brüche des Völkerrechts, die mit dieser Stationierung einhergehen, mal ganz außen vor gelassen)? http://www.moonofalabama.org/2017/03/syria-trump-administration-to-continue-obama-policy.html

Man sollte hellhörig werden, wenn ein US-Präsident verkündet, das Militär stärken zu wollen (als ober der US-Militärapparat zu klein wäre).

Man sollte hellhörig werden, wenn Saudi-Arabien über die neue US-Administration jubiliert. https://www.bloomberg.com/news/articles/2017-03-15/saudi-prince-sees-trump-as-true-friend-to-muslims-full-text

Saudi-Arabien, nicht gerade als Wahrer der Menschenrechte bekannt, führt seit einiger Zeit einen grausigen und kaum beachteten Krieg im Jemen (der nach unabhängigen Schätzungen mittlerweile bis zu 100.000 Menschenleben gekostet haben könnte). http://www.moonofalabama.org/2017/03/us-to-escalate-its-two-years-war-on-starving-yemen.html

Im Jemen bildet sich außerdem das Potenzial für eine enorme Hungerkatastrophe. Und ein Beispiel am Rande für die Lückenpresse: Ein Protestmarsch von immerhin einer Million Jemeniten in der Hauptstaat Saana gegen den Krieg – wie viele westliche Medien hätten wohl darüber berichtet? Nein, diesen Aufschrei der Not hat niemand im Westen gehört…. Weil er nicht gehört werden soll. https://www.youtube.com/watch?v=kXP-nZy2r7w

Diesen Krieg könnten die Saudis OHNE US-Unterstützung nicht führen. Wenn nun Saudi-Arabien mit den USA gemeinsam über die Bedrohung des Iran sinniert, dann hört der ein oder andere vielleicht die Nachtigallen trapsen…..

Kurz gesagt: In der Lage, in der sich Präsident Trump befindet, ist ein Militärschlag irgendwo in der Welt sehr wahrscheinlich. Vielleicht wird man die Nuklearanlagen im Iran als Bedrohung der Region identifizieren und dann bombardieren oder sonst einen Vorwand finden, um dort loszuschlagen.

Und auch dies sollte man vorurteilslos betrachten: Wo sind die Ermittlungen gegen die Clintons? Wo ist das Aufdecken von Pedo-Gate? Wo sind all die Enthüllungen, auf welche die Trump-Anhänger hofften und hoffen? Bis jetzt heißt es immer nur: Geduld! Sie kommen noch…. Wann?

Man wird sehen. Für mich spricht im Moment alles dafür, dass Herr Trump irgendwo einen großen Krieg vom Zaun brechen wird. Es wäre mir lieb, wenn ich mich irrte – die Zeit wird’s zeigen.

Heldengeschichten: Ernst Wiechert und die Wahrheit

Der heute längst vergessene, in den Dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts hierzulande meistgelesene deutsche Autor Ernst Wiechert, hatte so wie Rita Atria seine Stunde der Wahrheit. https://nachrichtenaushinterland.wordpress.com/2016/10/11/heldengeschichten-rita-atria-gegen-die-mafia/

Diese kam unter dem Nazi-Regime. Wiechert, ein konservativer, christlich geprägter Ostpreuße und deutscher Patriot (heute würde man ihn als Nationalisten bezeichnen) hatte von Anfang an mit der neuen Herrschaft Probleme.

Der wie erwähnt überaus populäre und auch bei der Jugend für seine sentimentalen Romane geschätzte Autor hielt 1933 Reden an die deutsche Jugend, in denen er die neue Herrschaft als eine „Unrechtsherrschaft“ bezeichnete. Die Gestapo nahm denn auch 1934 seine Überwachung auf.

Seine Lesungen wurden künftig durch Störer, die man eingeschleust hatte, verunmöglicht (man sieht doch, dass manche Taktiken über die Herrschaftsformen hinweg bestehen bleiben).

1938 sprach er sich für den inhaftierten Pfarrer Niemöller aus und verweigerte sich der Wahl zum Anschluss Österreichs, zu der jeder wahlberechtigte Deutsche verpflichtet war. Damit war für Reichspropagandaminister Goebbels die rote Linie überschritten und er ordnete die Inhaftierung Wiecherts an.

Wiechert wurde ins Gewahrsam der Geheimen Staatspolizei München genommen, wo er fast zwei Monate inhaftiert blieb. Da er in der Haft seine Aussagen nicht revidieren wollte, wurde er anschließend in das Konzentrationslager Buchenwald überstellt, wo er zwei Monate harter körperlicher Arbeit unterzogen wurde.

Wiechert, als ehemaliger Weltkriegsteilnehmer mehrfach verwundet und mit einem Herzleiden ausgestattet, begann schnell unter der täglichen Tortur von 13 h schwerer körperlicher Arbeit zu leiden und wäre wohl schon bald verstorben, wenn ihn nicht ein Lagergenosse mit Einfluss einer weniger anstrengenden Arbeit zugeteilt hätte.

Dennoch erkrankte er im Lager schließlich schwer und wurde nach Berlin verfrachtet, wo er dem Propagandaminister Goebbels vorgeführt wurde. Dieser schärfte ihm ein, künftig jede Kritik am Regime zu unterlassen, widrigenfalls er erneut ins Konzentrationslager überstellt würde, doch diesmal auf Lebenszeit und bis zur „physischen Vernichtung“.

Der Autor fügte sich der Anordnung, kehrte zurück auf seinen Hof bei München und lebte dort zurückgezogen bis ans Kriegsende. Ein Jahr nach seiner Entlassung veröffentlichte er seinen Roman „Das einfache Leben“, welcher auch als leise Kritik an den Machthabern der Zeit verstanden werden konnte. (Ernst Jünger unternahm mit seinem Roman „Auf den Marmorklippen“ ähnliches).

Nach dem Krieg erschien sein heute bekanntestes Werk „Der Totenwald“ über seine Zeit in Gefängnis und Konzentrationslager. 1948 übersiedelte er in die Schweiz, wo er 1950 verstarb. Soweit die Geschichte Ernst Wiecherts. Wer mehr dazu lesen will: https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Wiechert

Ernst Wiechert kann uns Heutigen insofern Vorbild sein, da er das offen ausgesprochen hatte, was allen bewusst gewesen war: Dass da ein großes Unrecht mit dem neuen Regime entstanden war, welches sich hinter tönenden Parolen verbarg.

Dass es nicht zum Besten stehen konnte, wenn Macht und Gewalt sich offen über Recht und Gesetz hinwegsetzten. Damals lautete der Slogan: Recht muss Recht bleiben – auch für Deutsche! Dessen Einhaltung Wiechert im Falle Niemöllers anmahnte.

Seine geheimen Tagebucheintragungen aus der Haft erschienen 1966 erst in einem kleinen Bändchen mit dem Titel „Häftling Nummer 7188“. Aus den darin veröffentlichten Briefen, Notizen aus der Haft und Auszügen aus dem Totenwald erfährt der Leser ein schlüssiges Bild der Psychologie der Gewalt. (Alle folgenden Zitate sind denn auch, so nicht anders angegeben, aus dem genannten Buch).

Wie es auf den Menschen wirkt, wenn er sich der staatlichen Willkür ausgesetzt sieht – hilflos und allein. Und wie ihm dennoch von anderen, die Teil des Systems sein können oder Mitleidende, Hilfe zu Teil wird. Und DAS ist etwas, was auch uns Heutigen Mut machen kann!

Im Münchener Gefängnis führt er lange Gespräche mit seinem Zellengenossen, welcher, nach einem Jahr im Konzentrationslager Dachau, seiner weiteren Verurteilung entgegensieht. Sie spielen Schach und unterhalten sich. Wegen seiner Herzleiden muss Wiechert öfters ruhen, doch wird ihm verboten, auf dem Bett zu ruhen. Sein Mithäftling gibt ihm seine Decke, damit er auf dem Boden liegen kann.

Die Briefe seiner Frau und seiner Tochter geben ihm Trost. Schließlich wird sein Zellengenosse abgeholt. Wiechert notiert: „K. wird geholt. Roter Haftbefehl. Wohin? Totenblass. So schwer, ihn zu verlieren. Ohne Bildung und nicht ohne Rohheit, aber ein guter Kamerad. Gott helfe ihm und uns allen!“

Sonntags trifft der „Elendszug“ im Gefängnis ein – die Frauen und Kinder der Häftlinge nutzen die Besuchszeit. Wiechert schriebt darüber: „… nach einer halben Stunde wandert der Zug wieder zurück, schweigend, gebeugt, die meisten in Tränen. Manche Frau hat erfahren, dass ihr Weg umsonst war – nach Dachau führen keine Wege mehr – und sie lehnt ihren Kopf an den Stein des Tores und weint in hoffnungsloser Verzweiflung.“

Wiechert wird tagelang über Stunden verhört. Über den letzten Vernehmungstag schreibt er später: „….niemals würde er dem Mädchen an der Schreibmaschine vergessen, dass es ihm in unbewachten Augenblicken irgendein Wort zuflüsterte, dass er zu seinen Gunsten gebrauchen konnte“.

Da er wie erwähnt einer der bekanntesten deutschen Schriftsteller seiner Zeit ist, erhält er auch von offizieller Seite hohen Besuch. Wiechert schreibt später: „Der erste (Besucher) war der Polizeipräsident, dessen Sohn im Zuchthaus saß und der Johannes (so nennt sich Wiechert selbst im Roman „Der Totenwald“) einer besonderen Aufmerksamkeit würdigte.

Aber als er auf die Frage, was er da eben lese, erfuhr, dass es die Bibel sei, drehte er sich um, als habe eine Schlange ihn berührt. So empfindlich können selbst hohe Beamte sein, dachte Johannes.

Der zweite war der Chef der Geheimen Staatspolizei dieser Stadt. Er wiederholte Johannes Namen, als genieße er die Anwesenheit dieses Gastes auf eine besondere Weise und musterte ihn von Kopf bis zu den Füßen.

Beide trugen schwarze Uniformen. Beide waren sehr wohlgenährt, und beiden war eigentümlich, dass sie die Hände in die Hüften stützten und nur von der Seite her ihre Fragen stellten, als wäre es verächtlich für sie, einem Gefangenen gegenüber zu stehen. Sie machten Johannes den Eindruck von Konkursverwaltern, die eine kümmerliche „Masse“ betrachteten“.

Die stundenlangen Vernehmungen, der Dreck, die Lautsprecherdurchsagen und seine Schlafprobleme zermürben Wiechert langsam. Nach zwei Monaten wird ihm mitgeteilt, dass er für drei Monate ins Konzentrationslager Buchenwald eingewiesen wird. Seine letzte Tagebuchnotiz (im Konzentrationslager konnte er kein Tagebuch führen) lautet:

„Trübe und kühl. Körper und Seele sauber. Gepackt und alles Gott befohlen. Lebt wohl, lebt wohl! Ich weiß, dass ich Euch glücklich wiedersehen werde. Lebt alle wohl und Gott segne und behüte Euch alle!“

Im Konzentrationslager wird ihm erst die ganze Brutalität des Regimes deutlich: Zur Eingewöhnung an den Lageralltag werden den Häftlingen Auspeitschungen von Insassen, welche sich irgendwelcher Vergehen schuldig gemacht haben sollen, vorgeführt.

Stundenlange Appelle lassen die Älteren oder Kreislaufschwachen kollabieren. Wer während der harten körperlichen Arbeit zusammenbricht, wird mit Schlägen traktiert und, falls er liegenbleibt oder keine Kameraden ihm helfen können, erschossen. Während der Arbeit darf nichts getrunken werden.

Er sieht, wie die jüdischen Gefangenen noch sadistischer und härter als die anderen behandelt werden. Wiechert ist durch all dies geschockt. Später schreibt er darüber: „Johannes nahm alles wie in einem Spiegel in sich auf. Er wollte nichts übersehen und nichts vergessen.

Es war ihm, als sei er hierhergekommen, um einmal Zeugnis abzulegen vor einem Gericht, das er noch nicht kannte und vor dem jedes seiner Worte gewogen werden würde. Er sah die Gesichter an, die vorüberkamen, und er erschrak vor der ungebändigten Rohheit, die aus ihnen sprach.“

Auch seine Mithäftlinge beobachtet er aufmerksam: „Der Ärmste unter allen aber war ein junger Mensch, der noch ein Jahr zuvor bei der Polizei Dienst getan hatte, bis ein einziges Jahr des Lagerlebens ihn zerbrochen hatte. Er hatte ein schmales, verhärmtes Kindergesicht, seine Uniform hing in Fetzen an ihm herunter, er sprach nie, er lächelte nie, er weinte nie.

Er konnte eine Stunde lang dastehen, den gestorbenen Blick in die Ferne gerichtet, ohne Mütze, indes der Regen auf sein braunes Haar fiel und an seinen Wangen herunter rieselte. Er war wie ein abgestorbener junger Baum, aller Zweige und auch aller Wurzeln beraubt, und ein Vogel hätte sich zu flüchtiger Rast auf ihm niederlassen können, wenn es Vögel im Lager gegeben hätte…..

Ihn konnte Johannes lange ansehen, und er meinte manchmal, wenn Christus einmal wiederkäme und durch dieses Lager ginge, dann würde er bei diesem zuerst stehen bleiben und den Regen aus seinen Augen wischen……“.

Wiechert erhält Unterstützung durch einen einsitzenden Proletarier, den er im Totenwald „Josef“ nennt. Dank dessen Hilfe überlebt er und schreibt später voller Dankbarkeit im Totenwald: „Guter Josef, Du wusstest nichts von Goethe und Claudius, aber wenn dereinst ein Gericht sein wird, von dem die alten Bücher schreiben, dann werden sich die Richter erheben und sie werden sich vor Dir verneigen“.

Schließlich wird Wiechert wie erwähnt schwerkrank nach Berlin gefahren.  Über den Termin mit Propagandaminister Goebbels haben wir dessen Eintrag vom 30.08.1938:

„Ich lasse mir den Schriftsteller Wiechert aus dem K.Z. vorführen und halte ihm eine Philippica die sich gewaschen hat. Ich dulde auf dem von mir betreuten Gebiet keine Bekenntnisfront. Ich bin in bester Form und steche ihn geistig ab. Eine letzte Warnung! Darüber lasse ich auch keinen Zweifel. Der Delinquent ist am Schluß ganz klein und erklärt, seine Haft habe ihn zum Nachdenken und zur Erkenntnis gebracht. Das ist sehr gut so. Hinter einem neuen Vergehen steht nur die physische Vernichtung. Das wissen wir nun beide.“

Die Sprache der Gewalt hat Erfolg. Künftig schweigt Wiechert. Aber immerhin: Er hatte seine Stunde der Wahrheit! Bis zum Kriegsende werden Wiecherts Reden an die Jugend unter deutschen Studenten herumgereicht. Wer weiß, wer durch ihn zu kritischem Denken angeregt wurde……

Das nach dem Krieg veröffentlichte Buch „Der Totenwald“ kann auch uns Heutigen noch manchen wertvollen Hinweis liefern, was eine Zeit bedeutet, in der man eine bestimmte „Wahrheit“ über alle anderen und abweichende Meinungen von ihr unter Verdacht stellt.

Ob auch bei uns in einigen Jahren Menschen Berichte darüber veröffentlichen, was ihnen wiederfahren ist, wenn sie eine andere als die herrschende „Wahrheit“ verkündeten? Durchaus möglich. Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich. Und wer sich im Besitz einer allein gültigen Wahrheit glaubt (welcher Art auch immer) mag andere Wahrheiten bekämpfen wollen.

Auch heute.

Närrische Zeiten

Die Gefahr droht von Rechts! So wird man es nicht müde, es uns zu versichern. Machen wir den nackten Fakten-Check (NFC) – nicht zu verwechseln mit der Alternativen-Fakten-Darstellung (AFD) oder der heute sehr beliebten Sinnlos-Parteiischen-Darstellung (SPD).

Seitens der Polizei vereitelte Anschläge durch Neonazis, Rechtsradikale usw. seit Anfang 2017: Einer.

In Lauterecken im Saarland hatte die Polizei 155 kg Sprengstoff gefunden. http://www.bild.de/regional/frankfurt/neofaschismus/rechtsradikaler-anschlag-verhindert-49778308.bild.html

Seitens der Polizei vereitelte Anschläge durch Islamisten seit Anfang 2017: Sieben.

Ein Anschlag in Göttingen. https://web.de/magazine/politik/terrorverdachts-salafisten-goettingen-festgenommen-32159554

Ein Anschlag in Berlin. http://www.focus.de/politik/deutschland/razzia-in-berlin-drei-mutmassliche-is-terroristen-festgenommen_id_6574271.html

Anschläge in Hessen. http://www.focus.de/politik/deutschland/schlag-gegen-terror-zelle-gross-razzia-in-hessen-mehr-als-45-objekte-werden-durchsucht_id_6575536.html

Ein Anschlag in Neuss. http://www.focus.de/politik/deutschland/nach-vereiteltem-terror-akt-in-wien-komplize-des-festgenommenen-soll-anschlag-in-deutschland-geplant-haben_id_6531774.html

Noch ein Anschlag in Göttingen. https://www.gmx.net/magazine/politik/niedersachsen-verdaechtiger-anschlagsplaenen-festgenommen-32185372

In Oberhausen wurde ein Anschlag verhindert. http://www.wr.de/staedte/oberhausen/plante-islamistischer-gefaehrder-lkw-anschlag-wie-in-berlin-id209264647.html

Und im Saarland wurde auch ein Anschlag verhindert. http://www.focus.de/politik/deutschland/festnahme-im-saarland-syrer-soll-anschlag-zu-silvester-geplant-haben_id_6434239.html

Neonazis, die bei Anschlagsplänen verhaftet wurden: 2.

Islamisten, die bei Anschlagsplänen verhaftet wurden: 24.

Schauen wir mal, wie sich die Statistik im Laufe des Jahres noch verändern wird. Doch nun (?) kommen erst mal närrische Zeiten:

In Fulda, wo der größte Karnevalsumzug Osthessens stattfindet, wurde einem am Umzug teilnehmenden Verein „Rassismus“ vorgeworfen, da manche Vereinsmitglieder sich traditionell zu Karneval die Gesichter schwarz anmalten. Nach Gewaltandrohungen von links wird der Zug nun von Polizisten begleitet. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/fulda-karnevalsverein-bekommt-polizeischutz-nach-rassismusvorwuerfen-a-1135867.html

In Köln sollen derweil zu Karneval LKW-Fahrverbote ausgesprochen und Betonfahrsperren errichtet werden. Einsatzkräfte der Polizei sollen in einem Großaufgebot präsent sein. Für Mainz hat die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz vor Übergriffen gegen Karnevalisten gewarnt – von Rechts. http://www.spiegel.de/panorama/koeln-betonsperren-und-lkw-fahrverbote-an-karneval-a-1134959.html

Närrische Zeiten? Närrische Zeiten.

Wird der Ukraine-Konflikt wieder heiß?

Nachdem ich letzte Woche über die wieder aufflammenden Kämpfe entlang der Demarkationslinie gesprochen hatte (die höchstwahrscheinlich von Kiew ausgegangen waren) und welche die neue UN-Botschafterin der USA prompt dazu benutzt hatte, um Russland als Aggressor zu bezeichnen – kein guter Start für die Beziehung Trump-Putin….

Nachdem also dies geschehen war, kam es am 09.02. zu einem leider erfolgreichen Mordanschlag auf eine Symbolfigur des Widerstands im Donbas: Der Bataillionskommandeur Michael Tolstykh, bekannt unter dem Kampfnamen Givi, wurde Opfer eines Anschlags.

Als Täter kommen höchstwahrscheinlich ukrainische Dienste in Frage. Der Anschlag wirft ein ausgesprochen schlechtes Licht auf die Sicherheitsvorkehrungen im Donbas, umso mehr, als Michael Tolstykh nach Arzen Pavlow, welcher unter dem Kunstnamen Motorola berühmt geworden war, bereits das zweite Anschlagsopfer prominenter Militärführer innerhalb kurzer Zeit ist.

Die Saker-Community ist denn auch voller Zorn (und Trauer) über das Opfer. http://thesaker.is/lieutenant-colonel-mikhail-sergeyevich-tolstykh-aka-givi-has-been-murdered/

Auf der ukrainischen Seite gibt es Stimmen, die sich zu dem Erfolg gratulieren. http://stalkerzone.org/ato-fighter-casually-brags-online-sbu-involvement-murders-givi-motorola/

Nebenbei: In der offenen Zurschaustellung der Freude über den gelungenen Mord befindet man sich in guter Gesellschaft…. Wer erinnert sich noch an Hillary Clintons lachende Worte zum Tode von Gadaffi? We came, we saw, he died. Oder an die Obama-Administration, wie sie der Ermordung von Bin Laden (wenn er es überhaupt war) am Bildschirm folgte? Snuffmovies in Realzeit…. Wes Geistes Kind sind solche Leute? Aber zurück zum Thema:

Michael Tolstykh und Arzen Pavlow waren beide dank des Internets zu so etwas wie „Stars“ des Widerstands gegen die ukrainische Operation geworden. Im Netz finden sich viele Videos, auf denen man einen Eindruck gewinnen kann, warum die beiden im russischsprachigen Raum hunderttausende Fans fanden:

Beide wirkten authentisch, spielten sich in Interviews die Bälle zu, kamen witzig und originell herüber. Beispiele finden sich im Motorola-Artikel: https://nachrichtenaushinterland.wordpress.com/2016/10/24/motorola-held-oder-unhold/

Beide waren zudem erfolgreiche Bataillionsführer, die mit dazu beitrugen, den Flughafen Donezk von den ukrainischen Truppen zurück zu erobern. Während man zur Ermordung in den deutschen Medien dazu wenig hören wird, sollten Beobachter des Konflikts hellhörig werden.

Zum einen zeigt sich hier exemplarisch, dass die neuen Republiken im Donbas gehörige Probleme mit der inneren Sicherheit haben, zum anderen kann angenommen werden, dass es im Donbas ebenso wie in der Ukraine ein hohes Maß an Korruption, Oligarchentum und Ungerechtigkeit gibt.

Agenten hier einzuschleusen sollte somit ein Leichtes sein (freilich umgekehrt auch). Diese Nadelstiche der ukrainischen Dienste gegen den Donbas bergen in sich die Gefahr, irgendwann eine Reaktion hervorzurufen. Zudem es auch bereits andere Aktionen gab, die gefährliche Folgen hätten nach sich ziehen können.

So waren im Sommer 2016 ukrainische Spezialkräfte dabei verhaftet worden, als sie unentdeckt auf die Krim eindringen wollten. Im Verhör bekannten sie später, sie hätten auf der Krim Terrorakte verüben sollen. Eine russische Ente? Wahrheit? Ja nje snaju.

Nicht zu vergessen der Abschuss eines russischen Passagierflugzeuges bei Sotschi, um den es verdächtig ruhig geworden ist….. ob auch hier ukrainische Kräfte dahinter steckten? Ja nje snaju.

Schlussendlich hat sich im Nachhinein bei vielen Ereignissen herausgestellt, dass die Darstellung der ukrainischen wie westlichen Medien schlicht falsch bzw. unvollständig gewesen war – weder konnte bewiesen werden, dass MH 17 tatsächlich von den Rebellen abgeschossen worden war, noch konnte jemals die Präsenz russischer Truppen im Donbas belegt werden.

Die Erstürmung des Gewerkschaftshauses in Odessa mit dutzenden Toten bleibt ein blutroter Fleck auf der vermeintlichen weißen Weste des Anwärters auf die EU-Mitgliedschaft – ebenso wie die Verhaftung von Ruslan Koltsaba, dem kritischen Journalisten, einen Makel darstellte (so wie unzählige andere, im Westen niemals bekannt gewordene Akte staatlicher Willkür).

Ergänzt durch eine Gesetzgebung zur Erstickung jeglichen Widerstands (wenn es stimmt, was ich las, ist das Loben der Sowjetunion mittlerweile unter Strafe gestellt), der Verehrung des ukrainischen Nationalistenführers Bandera, der im Mindesten eine zwielichtige Gestalt (mit viel Blut an den Händen) ist, den Aktivitäten des Rechten Sektors, der allumfassenden Korruption, der Wirtschaftskrise etc.

All diese Dinge lassen Übles vermuten. Nämlich, dass hier ganz bewusst ein Konflikt am Köcheln, quasi auf Sparflamme,  gehalten wird. Höchstwahrscheinlich stehen hinter der Regierung in Kiew Kräfte, welche Kiew zu seinem Vorgehen ermuntern. Durchaus möglich, dass dieses Jahr in der Ukraine wieder etwas Schreckliches geschieht, was dann ebenso gebetsmühlenartig wie vorher den Russen in die Schuhe geschoben wird.

Oder dass der Konflikt, wie der Saker vermutet, demnächst wieder „heiß“ wird. http://thesaker.is/a-possible-shift-in-the-russian-position-on-novorussia/ Was freilich für Europa u.a. neue Milliardenlasten in Form von Unterstützung der Ukraine und einer veritablen neuen Flüchtlingswelle nach Westen bedeuten dürfte.

Wohin? Am ehesten wohl ins gelobte Germanien…. Ob dann freilich noch Menschen mit Kuchenblechen am Bahnhof stehen werden….. fraglich.

Und wieder die Ukraine

Ende Januar kam es an der Demarkationslinie in der Ost-Ukraine zu Gefechten zwischen den ukrainischen Regierungstruppen und den Separatisten. https://www.gmx.net/magazine/politik/ukraine-krise/ukraine-konflikt-russland-usa-verurteilen-aggressives-verhalten-32149284

Hierzulande war man sich schnell einig, dass die Initiative von den Aufständischen ausgegangen bzw. Moskau zu verurteilen sei. Die neue UN-Botschafterin von Präsident Trump gab denn auch altbekannte Töne von sich: Russlands Aggression sei zu verurteilen, die Zivilbevölkerung im Donbas leide und die Krim bleibe ukrainisch. Die Eskalation der Gewalt sei klar Russland anzulasten. Eine Sichtweise, die auch sonst im Westen übernommen wurde. https://www.youtube.com/watch?v=bDZwiz7VGmE

Die Frage, welches Interesse die sich in sicherer Stellung befindenden Separatisten haben sollten, von sich aus die ukrainischen Truppen anzugreifen, wurde nicht gestellt. Die Frage, inwieweit eine von einer Massenmigration der Bevölkerung, einer beispiellosen wirtschaftlichen Talfahrt und massiver Korruption geplagte Ukraine ein Interesse haben könnte, durch militärische Aktionen von der innenpolitischen Misere abzulenken, wurde auch nicht gestellt.

So bleibt dem neutralen Beobachter nur die Möglichkeit, sich russlandfreundlicher Quellen zu bedienen, um ein umfassendes Bild der Lage zu bekommen. Immerhin ist die Bezeichnung „Putinfreund“ dieser Tage nicht ganz so schlimm wie die des „Trumpunterstützers“.

http://thesaker.is/military-escalation-in-eastern-ukraine-in-last-days-of-january/

http://thesaker.is/the-ukronazis-used-a-ballistic-missile-to-strike-at-the-center-of-donetsk/

Es wird spannend sein, zu beobachten, was weiter im Donbas geschieht. Das Regime in Kiew ist angesichts der inneren Probleme fast schon auf den Konflikt angewiesen. Falls zudem eine Direktive bestünde, die Russen aus der Reserve zu locken, so könnte sie sich in weiteren Aktionen wie denen von Ende Januar niederschlagen.

Die wirklich wichtigen Themen wie das Errichten eines Willkürstaates in der Ukraine, der gegen Dissidenten wie den Kriegsdienstverweigerer Ruslan Kotsaba, einen Journalisten, vorgeht (und diesen für 16 Monate einsperren ließ) oder die Tatsache, dass sich schwerbewaffnete Privatarmeen von Oligarchen dort gegenüberstehen oder dass die Organisierte Kriminalität dort floriert – all dies fällt in der hiesigen Berichterstattung unter den Tisch. http://www.counterpunch.org/2016/12/16/interview-with-ukrainian-journalist-jailed-for-speaking-out-against-the-war-in-ukraine/  Von der boomenden Prostitution in der Ukraine, der flächendeckenden Armut und Dingen wie Organhandel ganz zu schweigen.

Der imperialistische Drang, der dem russischen Präsidenten hierzulande gerne nachgesagt wird, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Phantom. Wenn man die Anzahl an Militärstützpunkten und Soldaten in der Welt zwischen den USA und Russland vergleicht, bliebe keine Frage, wer hier ein Imperium betreibt. Aber auch dies anzumerken, ist verpönt.

Zudem das russische Militär im Falle eines militärischen Konfliktes das ukrainische Militär in kürzester Zeit besiegen würde (wie es auch 2008 in Georgien geschah). Dass umgekehrt die Ukraine aus russischer Sicht keinesfalls der NATO angehören darf, da ansonsten in taktischer Hinsicht Russland jedem Einfall in sein Land schutzlos ausgeliefert wäre – auch dies ist hierzulande kein Thema.

Ob Präsident Trump dem Regime in Kiew seine Unterstützung versagen wird oder hier ein weiter ein Konfliktherd am Köcheln gehalten wird, bleibt abzuwarten. Ich fürchte aber, dass die Herren Putin und Trump sich nicht allzu gut verstehen dürften und dass die letzte Patrone in diesem traurigen Konflikt noch nicht verschossen wurde.

Wanderer, kommst Du nach Bra…… UPDATE 03.02.

In Braunschweig wurde es letztens publik, dass eine ehemalige Mitarbeiterin der dortigen Landesbehörde für die Aufnahme von Asylbewerbern (LAB) 300 Fälle von vermutlichem Sozialbetrug aufgedeckt haben wollte, d.h. Fälle, in denen Asylbewerber sich durch Angabe mehrerer Identitäten Sozialleistungen erschlichen hätten. Ihre Vorgesetzten hätten sie daraufhin angewiesen, wegen der Fälle nichts zu unternehmen.

Die Frau folgte nach eigenen Angaben dem Ruf ihres Gewissens und zeigte die Fälle im Mai bei der Polizei an, welche daraufhin Ermittlungen aufgenommen habe. Im Dezember ging sie außerdem an die Presse. http://www.focus.de/panorama/videos/in-niedersachsen-mitarbeiterin-belastet-chefs-behoerden-vertuschten-sozialbetrug-durch-asylbewerber_id_6544969.html

Nun könnte man sagen: Ein gutes Beispiel dafür, wie unter dem Druck einer Ideologie (wir schaffen das/wir müssen helfen) und dem entsprechenden politischen Druck von oben (Schnauze halten) Recht gebeugt bzw. verlassen wird. Die Frau, welche das Ganze aufgedeckt hatte, arbeitet seit Sommer nicht mehr bei der LAB.

Allerdings ist es immer entscheidend, beide Seiten zu einem Fall zu hören und sich so ein Gesamtbild zu machen. Das Niedersächsische Ministerium für Inneres und Sport hatte jedenfalls angesichts der Vorwürfe einen vorläufigen Bericht erstellt und  eine Pressekonferenz abgehalten. Auf der Seite des Ministeriums gibt es ein kurzes Statement zum Vorgang. http://www.mi.niedersachsen.de/aktuelles/presse_informationen/presseinformation-zu-dem-aktuellen-sachverhalt-in-der-lab-ni-braunschweig-zu–150432.html

Den vollständigen Untersuchungsbericht sowie ein Statement des Ministeriums vor der Presse, welche ich beide von der freundlichen Pressesprecherin der LAB erhalten hatte, konnte ich leider im Netz nicht finden. Hier sind sie daher als Anhang:

20170125-vorlaufiger-untersuchungsbericht-lab-ni

sprechzettel

Aus verschiedenen Gründen will ich die wichtigsten Fakten aus dem Untersuchungsbericht und dem Sprechzettel der Pressekonferenz im Folgenden kurz vorstellen.

Einmal, weil auch der unlängst posthum zu Berühmtheit gelangte Anis Amri nachträglich mit mehreren Identitäten (und damit Sozialbetrug) aufgefallen war und die Frage also auch wäre, ob hier System vorliegt und wie sich das Ganze bundesweit darstellt.

Zum anderen, weil mir scheint, dass kein Journalist von Verstand, welcher seinen Arbeitsplatz behalten will, sich dieser Thematik näher zuwenden wird  – von daher bleibt es den alternativen Medien vorbehalten, hier tiefer zu graben und zu eigenen Schlüssen zu gelangen.

Man könnte mit der Frage anfangen, wie gravierend der ganze Fall ist, in dem man ihn ins Verhältnis zur Gesamtzahl der durch Braunschweig betreuten Asylbewerber setzt. Sozialbetrug ist schlimm genug – die Frage bleibt trotzdem, wie häufig er vorkommt.

Ich rief daher bei der LAB an und bekam auf meine  nachträglich per Mail gestellte Anfrage die Auskunft, dass aktuell 800 Asylbegehrende (also Menschen in laufenden Verfahren) in Braunschweig und den dazugehörigen Außenstellen untergebracht sind.

Allerdings unterliege diese Zahl starken Fluktuationen – im November 2015 habe diese Zahl viel höher bei 3.700 Personen gelegen. Insgesamt seien durch das LAB zwischen Januar 2015 und Dezember 2016 133.000 Personen angekommen, aufgenommen und in Niedersachsen verteilt worden.

So gesehen erscheint der Anteil der Sozialbetrüger zunächst äußerst gering. Doch halt: Zum einen waren die genannten Betrugsfälle sämtlich im Zeitraum von Sommer 2015 bis Sommer 2016 vorgekommen – man müsste also die Anzahl der Asylbewerber dieses Zeitraumes zur Vergleichbarkeit heranziehen. Meine diesbezügliche anschließende Anfrage konnte allerdings von der Pressesprecherin der LAB nicht beantwortet werden (die mich freilich darauf hinwies, dass diese Daten beim Innenministerium vorliegen könnten, wo ich allerdings nicht nachgefragt habe).

Zudem stellt sich natürlich die Frage, zu wie vielen Akten von Asylbewerbern die selbsternannte Aufklärerin und ihre Mitstreiter (Kollegen halfen ihr nach ihren Angaben bei der Aufdeckung) Zugang hatten. Oder anders: Wie viele Fälle sie in Betreuung hatten und damit beurteilen konnten.

Leider waren auch diese Daten in der LAB nicht bekannt. Arbeiten wir also für den Moment mit dem, was wir haben und was aus dem Untersuchungsbericht des Ministeriums stammt.

Demnach gab es im ganzen Jahr 2016 insgesamt 2.644 Fälle von Sozialbetrug in Niedersachsen. Von diesen wurden 487 durch Asylbewerber begangen. (Leider ist die Polizeiliche Kriminalstatistik für 2016 noch nicht im Netz, daher können die Zahlen hier nicht überprüft werden).

Niedersachsen hat 7,9 Millionen Einwohner. In den Jahren 2015 und 2016 wurden 133.000 Asylbewerber im Land verteilt. Nähme man noch die Asylbewerber der Jahre 2014 und 2013 dazu, käme man auf ca. 160.000 Asylbewerber. http://www.ndr.de/nachrichten/Hintergrund-Fluechtlinge-in-Norddeutschland,fluechtlingehintergrund102.html

Aus den Reihen dieser 160.000 Asylbewerber bzw. Asylbegehrenden (manche hatten ja noch keinen Antrag gestellt) wurden also 487 Sozialbetrugsfälle gemeldet.

Die restlichen 2.157 Sozialbetrugsfälle verteilen sich 2016 also auf 7,7 Mill Einwohner Niedersachsens (abzüglich der 160.000 Asylbewerber).

D.h. jeder 3.569. Niedersache fiel als Sozialbetrüger bzw. Tatverdächtiger in diesem Delikt auf.

Während umgekehrt jeder 328. Asylbewerber als Sozialbetrüger aktiv wurde.

Oder anders: Asylbewerber haben demnach eine elfmal höhere Wahrscheinlichkeit, als Sozialbetrüger aufzufallen als Deutsche bzw. Einwohner Niedersachsens.

WICHTIGES UPDATE: Die oben gemacht Rechnung ist falsch! Ein Leser wies berechtigterweise daraufhin, dass die Asylbewerber 100% im Sozialleistungsbezug sind, was für die Bevölkerung Niedersachsen so nicht gelte. Ein korrekter Einwand – und mein Dankeschön an den Leser, der dies angesprochen hat.

Daher nochmal: Laut Angaben für ganz Deutschland sind ca. 40% der Bewohner der BRD im Sozialleistungsbezug (Hartz 4, ALG I, Sozialgeld, Wohngeld, BAFÖG, Kindergeld etc.). Die Asylbewerber sind zu 100% (mit Ausnahme der Illegalen, d.h. der Untergetauchten – abgelehnte oder nie hier registrierte Asylbewerber) im Leistungsbezug gemäß Asylbewerberleistungsgesetz.

Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) unterscheidet nicht nach Sozialleistung – d.h. es werden alle Betrugsfälle der verschiedenen Sozialleistungsarten zusammengefasst. Für unsere Rechnung gilt daher:

Niedersachsen hat 7,7 Einwohner (ohne Asylbewerber). 40% davon sind 3,08 Mill. Diese 3,08 Mill haben 2.157 Sozialbetrugsfälle aufzuweisen.

D.h. jeder 1.428. Niedersache fiel als Sozialbetrüger bzw. Tatverdächtiger in diesem Delikt auf.

Während umgekehrt jeder 328. Asylbewerber als Sozialbetrüger aktiv wurde.

Oder anders: Asylbewerber haben demnach eine nur noch viermal höhere Wahrscheinlichkeit, als Sozialbetrüger aufzufallen als Deutsche bzw. Einwohner Niedersachsens.

Nebenbei: Die aktuellste PKS für ganz Deutschland weist für 2015 18.000 Sozialbetrugfälle auf. 3.900 oder knapp 22% davon wurden von Ausländern begangen. Asylbewerber stellten 585 Tatverdächtige. Hier in Tabelle 61 unter Schlüssel 517800 zu finden. https://www.bka.de/DE/AktuelleInformationen/StatistikenLagebilder/PolizeilicheKriminalstatistik/PKS2015/Standardtabellen/standardtabellenTatverdaechtige.html?nn=51356

Wenn nun in Niedersachsen allein für 2016 fast soviel Tatverdächtige in Sachen Sozialbetrug in den Reihen der Asylbewerber auffielen wie im ganzen Jahr 2015 in ganz Deutschland (da waren es wie erwähnt 585 und in Niedersachsen waren es ein Jahr später 487) – dann vermag man sich vorzustellen, wie die Zahlen in der neuen PKS, welche im Mai erscheinen wird, aussehen dürften. Doch zurück zu unserer Rechnung:

Natürlich ist dies eine Milchmädchenrechnung, in der verschiedene Komponenten nicht eindeutig sind – so müsste man die genaue Zahl der 2016 in Niedersachsen angekommenen und neu registrierten Asylbewerber kennen, die hier wie erwähnt nicht vorliegt. Denn der Sozialbetrug dürfte ja ausschließlich oder überwiegend aus den Reihen der Neuankömmlinge geschehen sein. Allerdings ist davon auszugehen, dass das Verhältnis sich dann noch sehr viel mehr zu Ungunsten der Asylbewerber verschlechterte.

Dass Asylbewerber krimineller als Deutsche sind, sollte angesichts der Struktur der hier Ankommenden (überwiegend junge Männer, darunter auch Gauner und Glücksritter, die nichts zu verlieren haben) und ihren jeweiligen Prägungen (aus von Gewalt, Krieg, Unterdrückung von Frauen und Andersgläubigen gekennzeichneten Regionen, im Regelfalle mit korruptem Staatswesen und ineffektivem Rechtssystem versehen – von unterschiedlichem, oft religiös bedingten, Moral- und Rechtsempfinden ganz zu schweigen) nicht verwundern.

Es passt auch zu den Vorgängerartikeln zur Frage, inwieweit Asylbewerber öfter als Deutsche Vergewaltigungen begehen (was sie – ebenfalls logisch aufgrund der erwähnten Struktur – tun). S. hier: https://nachrichtenaushinterland.wordpress.com/2015/11/18/vergewaltigungen-von-asylbewerbern/

Und hier: https://nachrichtenaushinterland.wordpress.com/2016/12/13/vergewaltigungen-durch-asylbewerber-in-oesterreich/

Doch zurück zur LAB: Hier die Homepage des Standortes Braunschweig: http://www.lab.niedersachsen.de/standorte/standort_braunschweig/der-standort-braunschweig-86603.html

Interessantes Detail am Rande: Zu den Leistungen der LAB gehört auch die Unterstützung der kommunalen Ausländerbehörden zur Passersatzbeschaffung bei Fällen von Asylbewerbern, welche über keinerlei Identitätsdokumente verfügen. Diese Unterstützung gilt für folgende Länder:

Afghanistan, Bhutan, Georgien, Nepal, Sri Lanka. http://www.lab.niedersachsen.de/standorte/standort_braunschweig/86592.html

Ich wüsste nicht, dass in Georgien Krieg herrscht. Oder in Nepal. Oder Bhutan. Ungerecht und gewalttätig geht es an vielen Orten der Welt zu. Aber über das Asylrecht es Menschen aus allen Regionen der Welt zu ermöglichen, hierher zu kommen, dürfte ohne Obergrenze langfristig üble Folgen nach sich ziehen.

Doch zurück zum Thema und beziehen wir den Untersuchungsbericht des Ministeriums weiter mit ein:

Die Aufdeckerin vom LAB hatte offenbar die Datenbanken der LAB durchsucht und Bilder der Asylbegehrer miteinander verglichen. Eine detektivische Arbeit. Sowie eine, die seit April 2016 nicht mehr notwendig ist, da seitdem ein Fingerabdrucksystem bei der LAB installiert ist.

Anhand der damit aufgenommenen Fingerabdrücke sind Mehrfacherschleichungen von Asylleistungen theoretisch nicht mehr möglich. Dies zeigt nebenbei exemplarisch auch der Fall Amri. Dieser spätere Terrorist beantragte letztmalig (zur Erschleichung von Sozialleistungen) im April 2016 Asyl (insgesamt tat er das unter verschiedenen Namen fünfmal). https://www.piratenfraktion-nrw.de/2017/01/zeitleiste-zum-berlin-attentaeter-anis-amri-wo-er-war-was-man-wusste/

Umgekehrt heißt dies allerdings auch, dass bis April 2016 dem Missbrauch Tür und Tor für die, die ihn nutzen wollten, geöffnet waren. Hintergrund dieser Malaise war die bis dahin geltende Vorgehensweise gewesen, nach der die Aufnahme von Fingerabdrücken im Rahmen des Asylantrags bis April 2016 in die Zuständigkeit des Bundesministeriums für Migration und Flüchtlinge (BAMF) gefallen war.

Diese Praxis hatte funktioniert, solange zwischen der Aufnahme eines Asylbewerbers durch eine Landesbehörde und der Einreichung des Asylantrags beim BAMF mit der gleichzeitigen Aufnahme von Fingerabdrücken wenig Zeit verging.

Durch die seit 2014 sprunghaft angestiegenen Asylbewerberzahlen wurde der Zeitraum zwischen Registrierung durch eine Landesbehörde und dem Fingerabdruck durch das BAMF immer größer. Zudem gab es keinen Datenabgleich zwischen Bundes- und Landesbehörden.

Diese Malaise betraf natürlich auch Niedersachsen. Im Februar 2016 wurde daher von der Bundesregierung das Datenaustauschverbesserungsgesetz geschaffen, welches den Datenabgleich zwischen den verschiedenen Behörden ermöglicht.

Seit April 2016 ist es zudem Praxis, dass der Fingerabdruck von den Landesbehörden erhoben wird. Ein Vergleich des Fingerabdrucks ist seitdem bundesweit möglich. (Es wäre nebenbei interessant, zu erfahren, wie viele Betrugsfälle von Asylleistungen es bundesweit gegeben hat. Sicherlich werden es tausende, vielleicht zehntausende sein).

Innerhalb der Asylbewerber-Community dürfte sich schnell herumgesprochen haben, welche Lücken im System zu nutzen sind. Die Kriminellen dürften sich diese zunutze gemacht haben (und wie schon in Vorgängerartikeln erwähnt gehe ich persönlich davon aus, dass der Anteil der Kriminellen unter den Asylbewerbern logischerweise höher sein muss als unter der Gesamtbevölkerung.

Es wäre auch eine echte journalistische Arbeit, zu untersuchen, ob die Gerüchte aus dem Maghreb stimmen, dass Länder wie Tunesien oder Marokko bewusst Straftäter auf die Reise nach Deutschland geschickt haben. Das ist nicht so weit hergeholt, wie es klingen mag. Fidel Castro hat kriminelle Kubaner auf die Reise nach Florida geschickt. Die DDR hatte ihre Straftäter der BRD verkauft. Offene Grenzen sind auch gerade für Gauner verlockend). Doch zurück zum Thema:

Interessanterweise sind laut der Presseerklärung des Ministeriums des Innern 245 der 487 Betrugsfälle, d.h. über die Hälfte, von Sudanesen begangen worden. Kriminologen, welche an dieser Stelle oder anderweitig über Zusammenhänge zwischen Straftaten und ethnischer Zugehörigkeit forschen, dürften allerdings rar gesät sein. https://nachrichtenaushinterland.wordpress.com/2016/01/26/interview-mit-einem-statistiker/

Ebenfalls interessant wäre es für mich gewesen, zu erfahren, wie hoch der Anteil der Asylbewerber ist, welche ohne Identitätsdokumente (was eine Straftat darstellt – dies nur nebenbei) im Zuständigkeitsbereich der LAB im Vergleich zur Gesamtzahl der dort Aufgenommenen aufgegriffen wurden .

Leider konnte mir die Pressesprecherin hierzu keine Angaben machen. Nun aber abschließend zum Verdacht der Vertuschung von Straftaten durch die LAB, wozu ich die Zeitleiste des Vorgangs bemühen werde (was einer Miss Marple oder einem Hercule Poirot zur Ehre gereichen würde, denn es wird- hier und da – detektivisch interessant und daher von mir mit Anmerkungen versehen):

Vorwegnehmend betont der Untersuchungsbericht, dass in Braunschweig wie auch in anderen Ländern Sozialbetrug von Asylbewerbern natürlich verfolgt werde. Es erfolge eine enge Abstimmung zwischen Polizei und Landesbehörden und es gebe eine eigens hierfür eingesetzte Sonderkommission der Polizeidirektion Braunschweig mit Namen SOKO ZErm.

Die insgesamt acht von der Aufklärerin erstellten Aktenordner hätten 520 Verdachtsfälle auf Sozialbetrug enthalten, von denen 300 – 350 Ermittlungsverfahren ausgegangen wären. Die daraus bisher an die Staatsanwaltschaft Braunschweig übergebenen 12 Fälle seien in der PKS berücksichtigt.

Im Zeitverlauf stelle sich der ganze Vorgang so dar:

Die Aufklärerin habe als Zeitarbeitnehmerin im Juni 2015 ihren Dienst in der LAB angetreten. Im Januar 2016 habe sie sich an die SOKO ZErm gewandt und mitgeteilt, dass es einen Aktenordner mit 30 Betrugsfällen gebe. Erst im Nachgang habe sie dann den Standortleiter der LAB über ihr Vorgehen informiert.

Anmerkung von mir: Wenn das stimmt, war das ein gravierendes Fehlverhalten der Aufklärerin. Es gibt in jeder Behörde einen Dienstweg, welcher einzuhalten ist und der darin besteht, den oder die Vorgesetzten zu informieren. Auch wenn hier menschlich-persönliche Gründe (Verhältnis Standortleiter – Arbeitnehmerin) vorliegen mögen, entschuldigt dies das Verhalten der Arbeitnehmerin nicht.

Der Standortleiter habe ihr mitgeteilt, dass er aufgrund der Qualität der Fotos an der Beweiskraft derselben zweifele. Trotzdem hätte er darauf mit der SOKO Kontakt aufgenommen und man habe sich verständigt, den Ordner noch einmal gründlich zu sichten. Der Standortleiter sei im Folgenden davon ausgegangen, dass die SOKO hierzu noch einmal auf ihn zukommen werde.

Die SOKO wiederum informierte den Zentralen Kriminaldienst (ZKD) der Polizei über den Vorgang, welcher wiederum die Staatsanwaltschaft Braunschweig in Kenntnis setzte. In gegenseitigem Einvernehmen habe man beschlossen, die weitere Prüfung des Aktenordners durch die LAB abzuwarten.

Der Untersuchungsbericht stellt fest, dass somit in keiner Weise eine Vertuschung des Vorganges angenommen werden könne, da ja die Kontaktaufnahme zur SOKO erfolgt sei. Lediglich zur weiteren Prüfung des Ordners habe es einen Dissens gegeben.

Anmerkung von mir: Das klingt nicht schlüssig. Den Kontakt hat es zwar gegeben, aber man hat der Sache offensichtlich von beiden Seiten keine weitere Bedeutung beigemessen, denn eine weitere Prüfung des Ordners scheint in den nächsten sechs Monaten unterblieben zu sein. Die Verfolgung von Straftaten sieht anders aus.

Es klingt auch recht seltsam, wenn die Standortleitung sagt, man habe auf weitere Kontakte seitens der SOKO gewartet, während diese gleichzeitig darauf wartet, dass der Ordner seitens der LAB weiter überprüft wird. Vertuschung? Schlamperei? Überlastung oder das in-den-Senkel-stellen einer rebellischen Mitarbeiterin? Wir wissen es nicht (und werden es leider wohl nie erfahren).

Weiter geschah also nichts, bis sich die Aufklärerin (bzw. im Bericht die Beschwerdeführerin) im Mai 2016 an die Behördenleitung der LAB wandte (also an den Vorgesetzten des Standortleiters) mit dem Hinweis, sie habe nun acht Aktenordner mit Betrugsfällen zusammengestellt.

Diese Ordner legt sie anschließend dem Standortleiter vor. Dieser bekräftigt, dass auch diese Ordner der Durchsicht und Prüfung der LAB bedürfen.

Anmerkung von mir: Die freilich in den sechs Monaten VORHER beim alten Aktenordner in keiner Weise stattgefunden zu haben scheint – sonst hätte ja wohl der Bericht dies erwähnt. Doch weiter:

Am 24.05.2016 nimmt die Aufklärerin von sich aus wieder Kontakt mit der SOKO auf und informiert diese über die Ordner (was – Anmerkung –  offenbar weder Behörden- noch Standortleitung bisher getan hatten. Wäre interessant, zu erfahren, wie viele Tage zwischen dem Gespräch mit der Behördenleitung und dem Kontakt zur SOKO vergangen waren.

Alles deutet daraufhin, dass das Tischtuch zwischen Arbeitnehmerin und Standortleitung offenbar schon durchschnitten oder das Verhältnis vergiftet war. Die Tatsache, dass die Behördenleitung und nicht der Standortleiter als erstes informiert worden waren, spricht Bände. Freilich gilt es, nicht auszuschließen, dass die Arbeitnehmerin ein schwieriger Mensch sein mag. Doch dies ist hier nicht zu klären. Daher weiter):

Die SOKO informiert den Leiter des ZKD. Am Folgetag, dem 25.05., kontaktiert die Arbeitnehmerin erneut die SOKO. Hier scheine laut Untersuchungsbericht der fälschliche Eindruck entstanden zu sein, die LAB wolle die Akten nicht herausgeben. (Nun wird es interessant):

Die Arbeitnehmerin wird daraufhin vom Standortleiter auf ihr nicht autorisiertes Verhalten hingewiesen und mit sofortiger Wirkung freigestellt (ihr Arbeitsvertrag hätte noch bis zum 30.06. gedauert). Die SOKO ZErm informiert erneut den Leiter des ZKD.

Dieser versucht daraufhin den Standortleiter zu erreichen, der sich allerdings mittlerweile auf einer Fortbildung befindet und dort nicht erreicht werden kann. Der Leiter des ZKD informiert hierauf die Staatsanwaltschaft und die Behördenleitung der LAB. Diese sichert zu, dass die Ordner an die SOKO übergeben werden.

Anmerkung von mir: Leider werden wir nie erfahren, was genau zwischen Standortleitung und Arbeitnehmerin gesprochen wurde. Das Verhalten der Arbeitnehmerin war arbeitsrechtlich problematisch, da sie an ihrer Führung vorbei Kontakt zur Polizei aufnahm.

Allerdings wäre es hier halt entscheidend zu erfahren, was genau zwischen beiden Parteien gesprochen wurde. Beschimpfte man sich? Oder ging das ganze rational und schnell über die Bühne? Wir wissen es nicht. Dass allerdings der Standortleiter anschließend im Zeitalter der Handys auf einer Fortbildung für die ZKD nicht zu erreichen gewesen sei – das klingt arg unglaubwürdig (sofern er nicht die Direktive hinterließ, dass er keinesfalls zu sprechen sei – doch warum hätte er dies tun sollen?). Also weiter:

Am 01.06.16 wurden die Aktenordner an die Polizei übergeben. Der Bericht des Innenministeriums schließt mit dem Fazit, dass von einer Vertuschung nach Darstellung der Fakten keine Rede sein könne, da die Thematik auch ohne die Beschwerdeführerin zwischen SOKO und LAB besprochen worden wäre.

Wegen Arbeitsüberlastung hätte dies auch nicht vor dem 01.06. (dem Tag der Übergabe der Aktenordner) stattfinden können.

Also alles gut? Nicht ganz.

Zum einen wurde einer Person gekündigt, was auch im Pressebericht des Ministeriums bedauert wird. Zum anderen existieren (für mich jedenfalls) in den offiziellen Darstellungen schwarze Löcher, welche nur durch weiteres Nachbohren mit Informationen gefüllt werden könnten.

  1. Warum geschah während sechs Monaten keine Überprüfung des ersten Aktenordners, von dem LAB und die SOKO im Dezember erfahren hatten?Wenn es stimmt, dass die LAB Standortleitung auf eine weitere Initiative der SOKO wartete, während die gleichzeitig darauf wartete, dass die LAB sich meldet – wie klingt das? Wie Aufklärungswille? Waren beide Seiten NUR überlastet – oder lag da noch anderes vor? Es klingt seltsam.
  2. Was genau wurde zwischen Standortleitung und Arbeitnehmerin an den beiden Tagen im Mai besprochen? Oder anders: Wie kam die Arbeitnehmern zu dem Eindruck, man wolle die von ihr erstellten Unterlagen ignorieren? Dazu müsste man die Darstellung der Arbeitnehmerin im Detail den Ausführungen des Ministeriums gegenüberstellen (was hier nicht geschehen kann). And lastly:
  3. Wie konnte es sein, dass der Standortleiter, als ihn der Leiter der ZKD kontaktieren wollte, auf einer Fortbildung in der Versenkung verschwand? Dass jemand auf einer Fortbildung nicht erreichbar ist, mag im Amazonas-Dschungel der Fall sein (wobei ich selbst da meine Zweifel hätte) – für Deutschland klingt das höchst unglaubwürdig.

Kurz gesagt: Es bleiben manche Fragen offen. Abschließend kann der Fall hier leider nicht geklärt werden, doch können die verschiedenen Erklärungsmuster mit Wahrscheinlichkeiten versehen werden.

Erklärung Eins: Die Arbeitnehmerin hat voreilig und ohne Absprachen gehandelt und dem Ganzen liegt ein Missverständnis zugrunde. Nach meiner Ansicht eher unwahrscheinlich.

Erklärung Zwei: Arbeitnehmerin und Standortleitung hatten sich irgendwie verkracht und die Situation schaukelte sich hoch. Emotionen spielten mit hinein, zudem Überlastung durch die Flut an Asylbewerbern – vielleicht also keine Vertuschung, aber ein internes Abwiegeln, ein „sich nicht damit beschäftigen wollen“, ein „lassen Sie das doch“ etc. Habe ich selber schon in Großunternehmen und Behörden erlebt. Verantwortungs-Vermeidungs-Maßnahme nennt man das auch. Von daher für mich recht wahrscheinlich.

Erklärung Drei: Die Standortleitung wollte die Fälle bewusst unterdrücken. Halte ich eher für unwahrscheinlich, wenngleich die Einschränkung angebracht ist, dass es im aktuellen politischen Klima auch nicht  unvorstellbar ist. Straftaten von Asylbewerbern werden oft  – sagen wir – milder als vergleichbare Straftaten von Deutschen betrachtet und es herrscht das klare politische Interesse, Asylbewerber bloß nicht in ein schlechtes Licht zu rücken.

Während bei Deutschen zunehmend Nulltoleranz, was Straftaten angeht, praktiziert wird, werden Straftaten von Asylbewerbern allgemein mit relativierenden Versuchen der Erklärung versehen (Täter war traumatisiert, psychisch gestört, frustriert, es ist ein Einzelfall etc.), die zwar im Einzelfalle hier und da gelten mögen, im Gesamtbild aber bei mehr und mehr Menschen ein Bild vom „Migrantenbonus“ zementieren helfen.

Ein Beispiel mag diese unterschiedliche Behandlung verdeutlichen helfen:

Man stelle sich einfach vor, was geschehen wäre, wenn statt eines Asylbewerbers ein Neonazi einen LKW in den Weihnachtsmarkt in Berlin gesteuert hätte. Das Aufheulen der Medien und das Beschwören der Gefahr von Rechts wären laut und lange zu vernehmen gewesen. So aber fiel die Verurteilung eher kurz aus (und ein „Ich bin Berlin“ wurde anders als ein „Je suis Paris“ oder „Je suis Bruxelles“  auch nicht daraus abgeleitet).

Oder dies: Im Wochentakt können mittlerweile Nachrichten über Razzien, verhinderte Terroranschläge, terrorbereite Männer und Frauen etc. verfolgt werden. Die Gefahr aber droht weiterhin von den Rechtspopulisten, die dies ausnützen könnten.

Zurück zum Thema:

Wie erwähnt sollte man bedenken, dass das jetzige Klima von einer Nicht-Berichterstattung oder Abwiegelung hinsichtlich der Probleme im Zusammenhang mit Asylbewerbern gekennzeichnet ist. Wir erinnern uns:

Die Vorfälle von Köln zu Silvester 2015 wurden erst in den Nachrichten erwähnt, als die alternativen und sozialen Medien bereits voll davon waren und es zu groß geworden war, um es noch zu vertuschen.

Oder: Im Falle des (ersten) Treppentreters von Berlin hatte ein Polizist das entsprechende Video vier Wochen nach der Tat der Bild-Zeitung zugespielt – anonym natürlich. Von sich aus hätte das die Polizei nicht getan. Solcherlei dürfte an vielen Stellen im Lande geschehen.

Ich selbst hatte, wie ich schon einmal schrieb, aus – nach meiner Meinung – zuverlässiger Quelle vernommen, dass Straftaten von Asylbewerbern im Lager Gießen-Rödgen qua Anweisung von Oben durch die Polizei nicht verfolgt werden sollten.

Wahrheit? Böses Gerücht? Wir haben leider keine Presse, die solchen Dingen wirklich auf den Grund gehen wollte.

Was bleibt somit? Ein vages Unbehagen, dass wir uns in einigen Jahren über ganz andere Dinge als den Sozialbetrug von Asylbewerbern unterhalten werden…. noch aber fließen Milch und Honig und wir können über andere wichtige Nachrichten wie das „Bachgeheimnis“ einer Teilnehmerin vom Dschungelcamp diskutieren (hier ist nicht der Komponist gemeint, sondern ob jemand in einen Bach uriniert hat. Auch dies ist Deutschland 2017). https://web.de/magazine/unterhaltung/tv-film/dschungelcamp/dschungelcamp-2017-hanka-rackwitz-lueftet-bachgeheimnis-32142534

Halten wir fest: Da man anders als in Spanien oder Australien keine Grenzen sichern, keine Asylbewerber ohne Verfahren zurück schicken  und keine Obergrenze nennen will, dürfte das Elend seinen Lauf nehmen. Jedes Jahr ein paar hunderttausende Asylbewerber werden dieses Land nicht zerstören.

Wohl aber verändern in einer Art und Weise, welche als zunehmend unangenehm empfunden werden wird (hinsichtlich Lebensqualität, Sicherheit etc.). Bis diese Erkenntnis sich durchgesetzt hat, werden aber noch einige Jahre vergehen. Immerhin: Blogger werden somit auf Jahre genug Themen zu bearbeiten haben (solange diese Tätigkeit nicht als Hate Speech oder Fake News identifiziert worden sein wird).