Keine Verantwortung für das Phantom

Über den in Italien von der Polizei erschossenen mutmaßlichen Attentäter von Berlin, Anis Amri, hatte die Piraten-Partei etwas sehr Interessantes erstellt: Eine Chronologie des Verwaltungsaktes Amri, seitdem er in Deutschland als Asylbewerber aufgeschlagen war. https://www.piratenfraktion-nrw.de/2017/01/zeitleiste-zum-berlin-attentaeter-anis-amri-wo-er-war-was-man-wusste/

Die Zeitleiste, erstellt nach offengelegten Informationen der NRW-Landesdirektion der Polizei, zeigt sehr schön das Weiterreichen der „heißen Kartoffel“ Amri durch die Behörden hindurch. Derselbe stellt immer wieder unter einem anderen Namen einen Asylantrag (kassiert also mehrfach Geld), wird mal als Gefährder eingestuft (klingt harmloser als „Terrorist“) und dann wieder nicht und verschwindet schließlich ganz vom Radar.

Bis es den Anschlag in Berlin gibt. Und kurz danach seine Erschießung in Italien. Nun sind zwei Fragen hier nicht zu klären: War es wirklich Amri, der das Attentat in Berlin begang (ein aufgefundener Pass ist kein hundertprozentiger Beweis)? Und wenn er es war – handelte er alleine oder wer half ihm?

Kurzer Einschub: Dass es nicht einen, sondern hunderte oder gar tausende von AMRIS in Deutschland geben wird, sollte jedem intelligenten Leser klar sein. Einschub beendet.

Aus der Vergangenheit haben wir von verschiedenen Anschlägen die Kenntnis, wie sich im Nachhinein herausstellt hatte, dass es ganz andere (nämlich staatliche Dienste) gewesen waren. So bei den Anschlägen der Roten Brigaden von Mailand in den sechziger Jahren (die von einer NATO-Geheimorganisation namens GLADIO begangen worden waren).

So bei Anschlägen der ETA in Spanien, die vom spanischen Staat organisiert worden waren. So beim Anschlag auf das Oktoberfest durch Neonazis im Jahre 1980. Usw. usf. Die erste Frage bei Anschlägen sollte daher immer lauten, wer am Meisten davon profitiert.

Indes kann es natürlich sein, dass es tatsächlich so war, wie medial dargestellt. Wie es wirklich gewesen ist, wird wohl erst in einigen Jahren offengelegt werden können. Auch wenn nun einige intelligente Zeitgenossen auf der Ebene der alternativen Medien überzeugt sind, dass jemand über Amri eine schützende Hand legte (so dass er über Jahre von den deutschen Behörden unbehelligt blieb), so sollten folgende Überlegungen mit ins Kalkül gezogen werden:

Amri war auf Ebene der Behörden ein Verwaltungsakt. Und jede Behörde verwaltet sich, je größer, zunehmend selbst. Wie ich selber schon in Behörden feststellen durfte, weht dort ein anderer Wind.

Der einzelne Sachbearbeiter oder Ermittler steht unter dem Druck der Vorgesetzten, welche wiederum höherem Druck sowie direkt oder indirekt dem der Öffentlichkeit unterliegen. In Zeiten, in denen Asylbewerbern immer noch von manchen Seiten starke politische Unterstützung gewährt wird, kann ein Sachbearbeiter oder Ermittler, welcher den Fall Amri einer Lösung (sprich einer Abschiebung) zuführen will, auch in Probleme geraten.

Anwälte sind schnell zur Stelle und eine Dienstaufsichtsbeschwerde ist fix geschrieben. Ebenso kann ein Zeitungsartikel sich sehr schlecht ausmachen, in welchem über herzlose und übereifrige Beamte geschrieben wird. Anrufe von ganz oben wollen Vorgesetzte sich ersparen. Was also tun? Ganz einfach: Verwalten. Weiterreichen. Wie eine heiße Kartoffel behandeln.

Von einem ehemaligen Kriminalbeamten hörte ich mal Folgendes: Dieser als Ermittler beschäftigte Mann bekam in Dienstbesprechungen von seinem Vorgesetzten die Devise zu hören: Männer – abdrücken! Das hieß, Vorgänge nicht aktiv verfolgen, wenn es sich vermieden ließ. VVM wurde dies intern genannt – Verantwortungs-Vermeidungs-Maßnahme.

In ideologischen Zeiten sind VVM äußerst populär bzw., seien wir ehrlich, in bestimmten Strukturen für das Überleben notwendig. Was passiert mit dem Beamten, der sich vorwagt und Fälle nach Recht und Gesetz zu bearbeiten sucht? Der kann sich massivem medialen Widerstand ausgesetzt sehen. Kampagnen. Aufschrei! Und noch dazu gibt es die interne Rüge: Muss das sein? Halten Sie doch den Ball flach. Etc.

Und das ist niemandem in einer Verwaltung recht. Dann doch lieber eine VVM.  Kurz gesagt: So sehr wichtige Fragen in der Causa Amri noch der endgültigen Beantwortung harren, so wichtig ist es dennoch, alle Einflüsse und alle Gegebenheiten der mit dem Fall betrauten Akteure ins Kalkül zu ziehen.

Deutschland ist heute voll mit die Verantwortung scheuenden Menschen und Verantwortungs-Vermeidungs-Maßnahmen. Die Umstände und der Volkscharakter spielen hier freilich auch mit hinein. Wie jemand vor 200 Jahren schon sehr treffend über seine Landsleute sagte:

„Wie soll ich nun aber die Leute benennen, welche in ihren vier Wänden ein Löwenherz haben und in freier Luft mit hasengleichem Mut entfliehen? Sind das edle Seelen, die sich heimlich das Herz über der Not ihrer Mitbrüder abgrämen, aber in dem Augenblick, wo es auf freimütiges Bekenntnis des Rechts und der Wahrheit ankommt, zaghaft verstummen?….. Man erkennt diese patriotischen Menschen an zwei Redensarten: Was soll ich mir ohne Not Feinde machen? Was wird’s am Ende auch helfen, wenn ich alles geredet und gesagt habe?“

Was damals galt, gilt auch heute noch (allerdings ohne Patriotismus). Wer mehr dazu wissen möchte, wird hier fündig. https://nachrichtenaushinterland.wordpress.com/2014/10/14/wie-sind-sie-denn-die-deutschen/

Eine simple Prognose: Terroranschläge wird es mehr geben und VVM werden weiter populär bleiben. Ohne dass sie jemals so benannt werden. Armes Land.

7 Kommentare zu “Keine Verantwortung für das Phantom

  1. OT:
    Das ist das Erbe, dass Obama Trump hinterlassen hat. Das haben die Medien tunlichst vermieden zu diskutieren. Die Fakten in der Tabelle zeigen sehr deutlich dass der Sozialismus gescheitert ist.

    Schade, dass die Grafik nicht angezeigt wird.

  2. Armstrong gibt eine Vorschau auf 2017 bezüglich der Weltwirtschaft. Themenschwerpunkte:
    Erwartungen für 2017
    Trump Rally or Trump Bubble?
    Griechenland der Schlüssel für Europa (und sein Untergang)
    Freihandel und Protektionismus
    Der Euro
    Die Länder im Einzelnen

    Der Outlook kostet 500 $. Wenn man investigativer Leser und noch halbwegs vernunftbegabt ist, kann man durchaus seine eigenen Schlüsse ziehen. Ich würde es gerne lesen, aber 500 $ ist mir zuviel Geld und steht auch nicht im Verhältnis zu den Informationsquellen im Internet, was allerdings auch einen nicht zu unterschätzenden Zeitaufwand bedeutet.
    Migration und Terrorismus haben zwar keinen eigenen Themenbreich, sind aber immer präsent und beeinflussen die Weltwirtschaft und politische Entscheidungen.
    Sieht man aktuell an Merkel, die neue Töne anschlägt und vorn Angriff auf die Außengrenzen der europäischen Union spricht, quasi eine Neuorientierung in der Flüchtlingskrise.
    http://www.epochtimes.de/politik/deutschland/merkel-schlaegt-neue-toene-in-fluechtlingskrise-an-angriff-auf-unsere-aussengrenzen-a2032729.html

    Ich glaube zwar eher, dass es sich um ein Placebo handelt und zweitens wüsste ich sehr gerne was die Außengrenzen der europäischen Union sind. Die Europäische Union ist meiner Meinung nach ein politisches Konstrukt und kein Staat und hat somit auch keine Außengrenzen. Im Zeitalter der Orwellschen Sprachperlen wird gerne so etwas (gewollt) übersehen.

    • Denke auch, dass es ein Placebo ist. In der EU ist sich zudem jeder selbst der nächste und ich schätze, man wird den Geist (Flüchtlingszuzug) nicht mehr in die Flasche zurückbekommen, aus der man ihn bewusst (wir schaffen das) herausgeholt hat. Wir stehen immer noch am Anfang.

  3. Zum Glück gibt es Alternative Medien. Im Presseclub letzten Sonntag hat sich Josef Joffe einen für meiner Meinung nach Faux-Pas der Extraklasse geleistet.
    http://www.infowars.com/german-news-show-panelist-murder-trump-to-get-him-out-of-office/
    Was sich Joffe dabei gedacht hat. Man kann nur vermuten. Es ist schon sehr bedenklich wie tief der Mainstreamjournalismus schon gesunken ist, ja geradezu erbärmlich.
    Das Video ist ein Pflicht sich anzuschauen. Dauert keine 2 Minuten.
    Das alles hat selbstverständlich mit Hate-Speech üüüberhaupt nichts zu tun.

    • Die Kommentare sind auch nicht ohne. Man könnte fast glauben, dass Josef Joffe noch nicht im digitalen Zeitalter angekommen ist.
      Kommentare wie diese sollte man in ihren möglichen Auswirkungen nicht unterschätzen.

      Hier der Kommentar: bei Infowars:
      bornfreemen • 27 minutes ago

      “ He is also a courtesy professor of political science at Stanford University.“

      To all infowariors , call Stanford University and express your concerns about this courtesy professor , or use twitter , what ever .

      Telephone (campus operator)
      650-723-2300

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