Schnipsel aus der Zeit II

Letztens fiel mir zufällig ein altes Geoheft aus dem Jahre 1981 in die Hände. Lektüre meiner Jugend und Produkt der alten Bundesrepublik – neugierig blätterte ich darin herum und fand Leserbriefe zu einem Streitgespräch in einem vorherigen GEO-Heft vom Dezember 1980.

Dort hatten die Herren Albrecht Müller, damals Planungschef im Kanzleramt unter Helmut Schmidt, Professor Hoimar von Ditfuhrt und Professor Theodor Schmidt-Kaler über das Thema „Sterben die Deutschen aus“ debattiert.

https://de.wikipedia.org/wiki/Albrecht_M%C3%BCller_(Publizist)

https://de.wikipedia.org/wiki/Hoimar_von_Ditfurth

https://de.wikipedia.org/wiki/Theodor_Schmidt-Kaler

Leider konnte ich das Geo-Heft vom Dezember 1980 nicht wiederfinden, es lässt sich aber annehmen, dass Herr von Ditfurth eine eher hinnehmende, Herr Müller eine eher vorsichtige und Herr Schmidt-Kaler eine eher kritische Haltung zur Frage vertreten haben dürften.

Letzterer ist laut Wiki ein Unterzeichner des „Heidelberger Manifests“ von 1981, welches sich für eine Begrenzung der Zuwanderung nach Deutschland und für eine Anhebung der Geburtenrate der Deutschen aussprach (das Manifest gilt daher heute als rassistisch). Tempus fugit.

Die Leserbriefe sind als Schnipsel aus einer vergangenen Zeit derart interessant, dass ich sie hier auszugsweise wiedergeben will:

Die Leserschaft vom Geoheft war zur Frage, ob die Deutschen aussterben, durchaus geteilter Meinung. Eine Dame echauffierte sich, man könne die Zeit nicht mehr zurückdrehen und Frauen nur für Haus, Mann und Kinder da sein lassen und bemerkte ironisch: „Um die Geburtenrate wieder zu steigen, hilft kein Babyjahr, keine finanzielle Spritze vom Staat, sondern die Emanzipation muss wieder ausgemerzt werden, es müssen orientalische Zustände her“. (Ob die Dame sich der Prophetie in ihren Worten bewusst gewesen sein wird? Wohl kaum).

Ein anderer merkte an, es sei müßig, darüber zu streiten, wie zusammengeschrumpft die Deutschen in 50 Jahren sein würden – es käme halt durch Wohlstand, Emanzipation, Pille etc. so, punktum. Ein weiterer Leser erwähnte, dass er monatelang um eine Lehrstelle für seinen Sohn habe betteln müssen und dass es doch ein Hohn sei, dass Deutsche verdrängt würden von Menschen, die in ihrer Heimat sonst „verrecken“ würden.

Ein Professor konstatierte, es sei falsch, die biologischen Unterschiede der Menschen zu ignorieren. Zitat: „Jedes Volk hat einen Rechtsanspruch auf Erhaltung seiner Identität, das deutsche Volk ebenso wie die zur Profitmaximierung nach Deutschland gebrachten anderen Völker.

Aus Italienern, Griechen, Türken, Asiaten etc. werden noch lange keine Deutschen, wenn sie die Sprache beherrschen. Es ist inhuman, Angehörige anderer Völker aus ihren ökologischen Umgebungen, für die sie evolviert sind, wegzuführen, ihrer Heimat und ihren Völkern zu entfremden.

Daraus ergibt sich die Forderung: Die Arbeit ist zu den Menschen zu bringen, nicht die Menschen zur Arbeit“.

Und ein weiterer Leser: „Es ist ein großer Unterschied, ob die Einwanderer aus Nachbarländern kommen, die einem uns gleichen oder verwandten Kulturkreis zuzuordnen sind oder aber einem völlig fremden. Die Mehrzahl der Türken bei uns wird nicht einmal in hundert Jahren integriert sein – mit allen negativen Folgen für den sozialen Frieden….

Ich verweise auf Australien, wo seit Jahrzehnten Türken aus Zypern leben und sich von der übrigen Bevölkerung abkapseln. Man braucht sich doch nur umzusehen: Wo gibt es denn Länder, in denen stark unterschiedliche Völker ohne Schwierigkeiten zusammenleben“.

Und ein anderer Leser äußerte lapidar: „Die „Deutschen“ hat es nie gegeben, daher können sie auch nicht aussterben“. Deutschland sei immer Durchzugsland gewesen und somit seien Deutsche die perfekten Europäer.

Schnipsel aus der Zeit……. 36 Jahre ist es her, dass Leser sich zu einer Fragestellung äußerten, die heute nicht mehr existiert. Nicht, weil die Problematik sich erledigt hätte, sondern weil es medialer Konsens ist, dass allein die Fragestellung aufzuwerfen Ausweis böswilliger, rassistischer Gesinnung sein muss.

Times change…… Wer weiß denn noch, dass früher mal die Linke vor Zuwanderung warnte? Lange vergessen…. Dass ein SPD-Politiker 1982 Dinge von sich gab, die man heute nur der AfD zutraut – ein Witz der Geschichte.  (Die Pointe kommt noch). http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-14344559.html

So nimmt denn also das Schicksal seinen Lauf. Und wenn es in dem ganzen Irrsinn einen Trost gibt, so den: Das Schicksal lässt sich nicht betrügen. Es dürfte gerade für die, die heute meinen, alles wäre gut so, wie es ist, manche Überraschung bereit halten.

2 Kommentare zu “Schnipsel aus der Zeit II

  1. Danke für den Spiegel-Link. Ich stelle entsetzt fest, dass diese Art von offener Analyse heutzutage anscheinend nicht mehr gewollt ist, und, das finde ich etwas trauriger, dass manches wissenden Auges hingenommen wurde.

    „Es sind immer aus den Begegnungen und aus Mischungen kulturelle Bereicherungen und Fortschritte entstanden, auf die nicht ohne große Einbußen zu verzichten wäre. Nur spielt eben das Maß hierbei doch eine entscheidende Rolle. “ (ebd.)

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