Die Last des Betongoldes

Immobilien werden auch gerne als Betongold bezeichnet (irgendwo las ich den sinnigen Spruch, dies sei deshalb, da sie Beton für den Besitzer und Gold für den Staat seien). 🙂

Nun mag man darüber denken, wie man will, Fakt ist, dass der Staat, wenn er Geld braucht, an seine Untertanen, ich meine Steuerbürger, geht, und diese schröpft, ich meine, zusätzlich belastet. Immobilien bieten sich als Objekt der Besteuerung besonders gut an, denn sie sind eben „immobil“ (wer flüchtet schon mit seinem Haus) und die meisten Leute hängen auch emotional an ihrem Besitz.

Ein schönes Beispiel für die Kreativität, mit der der Staat hierbei vorgehen kann ist der Lastenausgleich von 1948. Dieser bürdete den Bundesbürgern für 30 Jahre Lasten in Form von Sonderabgaben auf Ihr Haus oder ihre Wohnung auf. Die Bundesrepublik als enorm durch den Krieg in Mitleidenschaft geratener Staat musste zu diesem Mittel greifen. https://de.wikipedia.org/wiki/Lastenausgleichsgesetz

Nun möge man überlegen, was die Bundesrepublik des Jahres 2016 wohl überlegen wird… im Rekordjahr der Steuereinahmen, aber auch angesichts  neuer Belastungen durch „Flüchtlinge“, Zusagen über ESM etc. für Haftungen gegenüber den EU-Partnern und in Aussicht neuer Bankenpleiten (die DB wackelt – der Fall dürfte nicht dieses, aber in ein oder zwei Jahren kommen).

Was also wird man tun? Exakt – über neue Belastungen nachdenken! Die Grunderwerbssteuer hat man bereits die letzten Jahre erhöht. Hierzu ein kleiner Exkurs:

Bei der Grunderwerbssteuer handelt es sich um die vom jeweiligen Bundesland erhobene Steuer auf den Erwerb einer inländischen Immobilie (also nicht anfallend bei Schenkung, Erbschaft oder Verkauf zwischen Eltern und Kindern). Die Steuer wird direkt auf den Kaufpreis erhoben und beträgt zwischen 3,5 und 6,5% desselben.

Interessant dabei: Ursprünglich einheitlich bundesweit bei 3,5% liegend, darf diese Steuer seit 2006 von jedem Bundesland individuell festgelegt werden. Mit Ausnahme von Bayern und Sachsen haben alle Länder seitdem den Satz auf bis zu 6,5% angehoben (der Satz hat sich also teilweise in 10 Jahren fast verdoppelt). Die meisten Erhöhungen fanden erst nach 2012 statt. http://www.steuer-schutzbrief.de/grunderwerbsteuer.html

Nun gibt es eine Arbeitsgruppe der Länderfinanzminister, welche über eine Neubemessung der Grundsteuer nachdenken. Die Änderung der Bewertung soll überdies neue Gesetzesgrundlage werden. Kleiner Exkurs:

Bei der Grundsteuer handelt es sich um die auf das Eigentum an Grundstücken und deren Bebauung erhobene Steuer. Der für die Bemessung notwendige Hebesatz kann von den Gemeinden individuell erhoben werden und weist daher bundesweit große Unterschiede auf. https://de.wikipedia.org/wiki/Grundsteuer_(Deutschland)

Der Anteil der Grundsteuer an den steuerlichen Gesamteinnahmen von Gemeinden liegt zwischen 10% in Bayern und 16% in Sachsen – sie ist also für die Gemeinden von enormer Wichtigkeit. Das Steueraufkommen stieg bereits zwischen 2009 und 2014 um 23%.

Wenn nun also von höherer Warte über eine Grundsteuerreform nachgedacht wird, bei der neben einer Vereinfachung eine Neubemessung der 35 Mill Grundstücke in Deutschland vorgenommen werden soll, so sollte das Eigenheimbesitzer hellhörig machen. https://www.haufe.de/steuern/gesetzgebung-politik/grundsteuer-reform-wird-konkreter_168_359428.html

Die Versprechen, dass es hierdurch zu keinen nennenswerten Erhöhungen kommen soll dürfte ähnlich glaubhaft wie die Zusagen von Spitzenpolitikern vor Wahlen sein, Steuern nach der Wahl keinesfalls zu erhöhen. Auch wenn die Neubemessung vor vielen Problemen steht (da zum Beispiel verschiedene Grundstücke in derselben Straße je nach Lärmbelästigung, Zustand, Ausstattung etc. sehr unterschiedlich bewertet werden müssen), ist mit keiner schnellen Umsetzung zu rechnen.

Aber kommen wird sie! Der aufmerksame Beobachter mag sich erinnern, dass im Zensus von 2011 auch die Grundbesitzer vollumfängllich erfasst worden waren. Eine zusätzliche Hypothek des Staates auf Grundbesitzer analog zum Lastenausgleich 1948 kann je nach Entwicklung der gesamteuropäischen und Weltlage zumindest mittel- bis langfristig erwartet werden. http://www.bankingportal24.de/finanzredaktion/759/zwangshypothek-im-anmarsch-wozu-der-zensus-2011-wirklich-dient/

Dies umso mehr, da uns die nächsten Jahre massive wirtschaftliche und finanzielle Verwerfungen drohen (Eurokrise, Bankenkrise, Pensionskassenkrise, Flüchtlingskrise, Ölkrise etc.).

Prognostiker haben daher für die nächsten Jahre bereits den größten Bärenmarkt aller Zeiten für Immobilien ausgerufen.  Martin Armstrong tat das bereits 2009 in diesem Artikel und sagte, der Niedergang der Immobilienpreise in der westlichen Welt begänne 2015 – und würde bis 2033 und länger andauern. http://www.shtfplan.com/forecasting/martin-armstrong-a-forecast-for-real-estate_11232009

Manfred Zimmel von Amanita Forecasting wollte da nicht nachstehen und prognostizierte 2013 eine Immobilienbaisse in der westlichen Welt für die nächsten 70 Jahre.  http://www.amanita.at/interessantes?id=1435

Tatsächlich sind die Immobilienpreise in manchen bisherigen Immohotspots wie London oder der Schweiz seit kurzem erstmals seit Jahren wieder leicht rückläufig. Gut möglich, dass wir auch in Deutschland (in München oder Hamburg) bald das Top erreicht haben werden .

Hinzu kommt in jedem Fall als die Krise verschärfender Faktor folgendes: Wenn man sich die Risiken der nächsten Jahre vor Augen führt (Finanzkrise 2.0) führt an der Erkenntnis, dass der Staat eines Tages die Grund-, Eigenheim- und Wohnungsbesitzer sehr viel stärker schröpfen wird, kein Weg vorbei. Denn der Staat wird einen enormen Einnahmenverlust erleiden – dem er durch die Erhöhung der Abgaben auf breiter Front begegnen wird. Die damit einhergehende Verarmung der Bevölkerung muss er und müssen wir in Kauf nehmen (wir schaffen auch das! Wird dann bestimmt irgendjemand verkünden).

Eine Blaupause dazu liefert uns Griechenland. Dort hat man alle die Immobilien betreffenden Steuern und Abgaben bei gleichzeitig kollabierenden Häuserpreisen massiv erhöht. http://www.griechenland-blog.gr/2013/02/10-gruende-keine-immobilie-in-griechenland-zu-kaufen/11214/

Die Folgen sind nicht nur die erwähnte um sich greifende Verarmung der Bevölkerung, das Ausbleiben von Investitionen und ein Klima der Angst und Unsicherheit, sondern auch, dass der Staat ein immer größerer Immobilienbesitzer wird. Denn an wen fällt die Immobilie, wenn der Eigentümer nicht mehr zahlen kann? Exakt!

Die ganze Grausamkeit mit der dabei von staatlicher Seite vorgegangen wird, kann man diesem nachdenkenswerten Bericht einer Deutschen aus Saloniki entnehmen. http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=415033

Ein paar Auszüge aus dem Katalog der Qualen seien hier wiedergegeben:

Erster Schritt war die Erhebung einer Sondersteuer auf Immobilien. Weil das ein sofort verfügbarer Datenpool war, man schnell Geld brauchte und das sofort fällig gestellt werden konnte – man musste nicht das Fiskaljahr abwarten und ggf. höhere Einkommensteuern einziehen. Das war saftig, je nach Lage waren es bis zu 100 Prozent Aufschlag

Zweiter Schritt war die Umstellung der Besteuerungsgrundlage. Nicht mehr der Einheitswert wurde zu Grunde gelegt, sondern ein durchschnittlicher Marktwert, dieser zusammengetragen aus Werten zu Spitzenzeiten der Blase. Vergleich: Ein Haus mit Grundstück in unserer Gegend hier wurde damals locker für 400.000 bis 500.000 Euro verkauft. Real zu erzielen waren aber zum Zeitpunkt dieser Umstellung der Besteuerungsbasis nicht mal mehr die Hälfte – heute gehen genau diese Immobilien für 100.000 Euro weg, wenn überhaupt. Die Steuergrundlage ist und bleibt 500.000

Dieser „objektive“ (haha) Wert wurde – wenn es überhaupt zum Verkauf kam – auch für die Grunderwerbssteuer zu Grunde gelegt. Nicht der real gezahlte und im Notarvertrag fest gehaltene Preis.

Dann wurde im nächsten Schritt der „Zugewinn“ des Verkäufers besteuert und zwar mit 15 Prozent. Aber aufgepasst: Wieder auf der Basis der irrwitzigen und irrealen Blasenpreise. Also: Jemand hat ein Haus mal gekauft für sagen wir 80.000 Euro (umgerechnet, war ja meist zu Drachmen-Preisen). Verkauft er es heute für 100.000, der Fiskus aber nimmt den Wert von 500.000 Euro an, zahlt er 75.000 Euro Steuern. Bleiben ihm stolze 25.000 Euro für sein Haus.

Der Käufer zahlt aber noch mal 3 Prozent Grunderwerbsteuer – auf die 500.000. Die verhandelt er natürlich vorher vom Preis runter (da absoluter Käufermarkt). Merkt Ihr was?

Dann hat man letztes Jahr noch eine neue Besteuerung eingeführt. Jetzt wird die Nettofläche zusammengezählt, die man besitzt (sagen wir, ein Haus, zwei, drei Mietwohnungen?). Sobald diese Fläche 300 qm übersteigt, gibt es noch mal eine saftige Extra-Steuer von drei Prozent zusätzlich zur ohnehin hohen Steuer oben drauf. Diese kann sich bis zu 10 Prozent erhöhen, je nach Immo“Vermögen“.

Meine Vermieterin besitzt dieses Haus, das wir bewohnen, zwei Eigentumswohnungen und – dummer Weise – auch noch die Fläche des Labors, das sie betreibt. Sie zahlt pro Jahr 23.000 Euro nur Grundsteuern.

Wir haben jetzt die Situation, dass viele Immobilienbesitzer die Steuer nicht mehr bezahlen können. Sie haben jetzt die freundliche Möglichkeit, dem Staat dafür die Immobilie zu übereignen. Den Differenzbetrag aus geschuldeter Steuer und Immopreis, den gibt es aber natürlich nicht ausgezahlt.

 

Zitat Ende. Das ist die Realität von Griechenland, Schuldenstaat Nummer Eins in Europa. Und auch (und das ist die bedenklichste Lehre für mich), dass die Griechen anscheinend im Moment keine Kraft mehr zur Revolte haben. Acht Jahre Krise haben die Menschen zermürbt. http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=415106

Man ist mit dem täglichen Überleben beschäftigt – sich für Größeres aufraffen zu können – dafür fehlen Kraft und Mut. Auch diese bedenkliche Lehre sollten wir uns für unser Land merke(l)n. Ein jahrelanger Abstieg…. und dabei immer die Karotte vor der Nase: „Bald wird es besser….. wir müssen uns nur mehr anstrengen….. durchhalten!“.

Mit Sicherheit lassen sich die griechischen Verhältnisse nicht Eins zu Eins auf uns übertragen. Es wird nationale Unterschiede geben. Aber die Richtung und der Weg sind derselben, Mehr Belastungen – höhere Steuern und Abgaben – mehr Kontrollen – weniger Freiräume und Schlupflöcher – immer mehr, von Jahr zu Jahr.

Ein schleichender Prozess, an dessen Ende (in 10-20 Jahren) die allgemeine Verarmung der Massen stehen wird. Keine schöne Aussicht, aber leider eine realistische.

Daher ist es so wichtig, die Last des Beton-Mühlreifens um den eigenen Hals zu reduzieren, wenn nicht  gar ganz abzulegen. Noch ist Zeit dazu.

6 Kommentare zu “Die Last des Betongoldes

  1. Betongold hat ein geopolitisches Risiko, welches zunehmend kaum noch berechenbar ist. Andererseits muss man ein Dach unterm Kopf haben.
    Deflationäre Zeiten voraus und das bedeutet Cash ist King.

  2. Armstrong schreibt heute über die Erhöhung der privaten Krankenversicherung in Deutschland. Das Karma mit der Null-Zins-Politik (Negativzinsen) zerstört die Geschäftsmodelle von Banken und Versicherungen, und nicht nur da, aber bei Banken und Versicherungen ganz besonders.
    Man verdient kein Geld mehr. Der Ausdruck tiefster Hoffnungslosigkeit ist leider in der Gesellschaft noch nicht angekommen.

    Die westliche Zivilisation will keine Reformen und ihr Establishment ist nur auf Machterhaltung aus. Das sind typische Anzeichen für den Niedergang einer Gesellschaft.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s