Der Tod. Und dann? II

Irgendwann klopft er bei uns allen an…. Der Sensenmann (im Film  „Das siebente Siegel“ von Ingmar Bergmann so wunderbar sarkastisch und doch anrührend dargestellt von Bengt Ekerot https://www.youtube.com/watch?v=wGu8bRlww80 Der Ritter spielt Schach mit dem Tode….

Was werde ich mal tun, wenn der Tod bei mir anklopft? Keine Ahnung – ich hoffe, ich werde ihm gelassen oder sogar vielleicht freudig begegnen, wie es mein Urgroßvater tat. Der, 90 Jahre alt geworden, aß eine verdorbene Wurst, bekam eine Fleischvergiftung, versammelte die ganze Familie um sich, verabschiedete sich von allen – und starb.

Und er hatte es freudig getan (er war gläubiger Katholik gewesen und überzeugt, dass er nun heimginge zu seinem Herrn). Ich teile diesen Glauben nicht bzw. glaube selber mittlerweile, dass der Tod kein Ende, nur ein Übergang ist (so wie ich es im Vorgängerartikel beschrieben hatte). Ob ich damit richtig lag, werde ich dann herausgefunden haben werden. 🙂

Was mir in dem Zusammenhang immer imponierte, war die Haltung, mit der manche Menschen in den Tod gingen. Traurig, aber gefasst – klar und ohne Hader. Friedrich Schiller starb mit 46 Jahren (die Verschwörungstheorie lautet, dass er vergiftet worden war, da seine freiheitlichen Schriften den Herrschenden zu gefährlich wurden). Wer weiß?

Jedenfalls ist es erwiesen, dass der Schöpfer so großer Werke wie des Wilhelm Tell und so schöner Sprüche wie „Das Leben ist der Güter höchstes nicht“ gelassen in den Tod ging. Als sein körperlicher Zustand immer schlechter wurde, fragte man ihn, wie es ihm gehe und er sagte: Leicht…. ganz leicht. Einmal lachte er kurz vor dem Ende auf und sagte: Das ist also Euer Tod….. und glitt hinüber.

Goethe dagegen klammerte sich ans Leben. Sein Sterben dauerte lang, war schmerzhaft und qualvoll. Der im Leben ein Lakai der Fürsten gewesen war (anders als Schiller) gewann im Tode leider keine Größe (obwohl er doch große Werke geschaffen hatte – aber Schiller lag mir immer näher).

Als der römische Kaiser Julian sein Ende nahen fühlte (er war im Kampf mit den Persern tödlich verwundet worden), versammelte er seine Freunde und Generäle um sich und hielt eine (vorbereitete) Abschiedsrede, bevor er verschied. Kaiser Augustus werden die schönen Worte: Hab ich die Komödie gut gespielt? auf dem Sterbebett zugeschrieben.

Dem römischen Kaiser Tiberius erging es schlechter: Er wurde von seinem Arzt mit einem Kissen erstickt.

Friedrich der Große (der auch ein großer Misanthrop war) zeigte kurz vor dem Tode ganz menschliche Regungen. Die letzte Szene kurz vor seinem Sterben ist anrührend und ich entnehme sie dem Buch „Friedrich der Große“ von Carl Lindberg:

Sein Kammerdiener Heise saß neben dem Kranken, der zu trinken verlangte. Sanft schob er seinen rechten Arm unter das Kopfkissen, um den Kopf des Köngis anzuheben und ein Glas Limonade an dessen Lippen zu führen. Ohne zu trinken sank der Kopf auf den linken Arm des Dieners.

Friedrich schlief ein, ohne getrunken zu haben. Heise verblieb in dieser unbequemen Stellung, solange er konnte, dann zog er vorsichtig den Arm zurück und legte den König hin, der aufwachte und fragte: „Heise, Du wolltest mir doch zu trinken geben?“  „Ja, Majestät, aber Sie sind auf meinem Arm eingeschlafen.“

„Wie lange hat es gedauert?“ „Nicht lange, Majestät, nur eine halbe Stunde.“ „Ich danke Dir“, sagte Friedrich leise. Dann trank er, strich dem Diener mit schwacher Hand über die Wange und verlangte seine Hosen und daraus die Börse. „Nimm sie, Heise, auch eine meiner Taschenuhren. Und den Wein hier. Ich habe nun nichts mehr nötig.“ Dann fing er an zu röcheln…. Kurz darauf nahm der erste Diener des Staates seinen Abschied. Zitat Ende.

Wie werde ich mal sterben? Keine Ahnung. Ich hoffe nur, dass ich dem Tod würdig und nicht ängstlich entgegen trete. Im schönen Buch „Der Tod des Iwan Iljitsch“ beschreibt der russische Schriftsteller Leonid Tolstoi das langsame Sterben eines Gerichtsangestellten.  https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Tod_des_Iwan_Iljitsch

Dieser klammert sich ans Leben, hadert und schimpft, will das Unausweichliche einfach nicht einsehen – und sein Tod ist am Ende qualvoll. Wird das auch bei mir so sein? Ich hoffe es nicht, aber ich weiß es nicht. Oder wäre es so, wie die Bibel spricht: Niemand hat größere Liebe denn die, daß er sein Leben läßt für seine Freunde. (Johannes, 15, 13).

Und wie sehr ist der folgende Satz bei uns Modernen in Vergessenheit geraten: Ich sage euch aber, meine Freunde: Fürchtet euch nicht vor denen die den Leib töten, und darnach nichts mehr tun können. (Lukas 12, 4). Als der Führer der irakischen Kommunisten im Jahre 1948 im Irak auf Bestreben der Briten zum Tode verurteilt wurde, sagte er seinen Richtern: Wir sind Körper und Gedanken. Unsere Körper könnt ihr zerstören. Unsere Gedanken könnt ihr nicht zerstören.

Ich fürchte, dass uns die kommenden Jahre genügend Gelegenheiten bieten werden, uns dieser und anderer ähnlicher Weisheiten zu erinnern. Und danach zu handeln. Denn wer die Freiheit um der Sicherheit willen aufgibt, wird am Ende beides verlieren. Der Tod sollte uns weniger schrecken als die Aussicht auf ein Leben als Sklave oder Gefangener.

Sollte. Ob ich mich dieser Sprüche in ein paar Jahren noch erinnern werde? Ich hoffe es. Und auch, dass ich mir bewusst bleibe, dass es letztendlich nur ein Spiel ist. Und dass die dahinter liegende Wahrheit eine ganz andere oder viel tiefere sein mag, als ich ahne.

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