Der Tod. Und dann?

Liebe Leser, ich gebe zu, dass ich momentan seltsam berührt und ergriffen von der Lektüre eines Buches bin, welches ich jedem ans Herz legen wollte, der sich Neugierde und einen offenen Geist bewahrt hat: Das Buch heißt auf Englisch „Dying to  be me“ von Anita Moorjani. (Auf Deutsch trägt es den meiner Meinung nach unpassenden Titel „Heilung im Licht“. Erinnert mich an diverse Filmtitel, über die ich mich in jungen Jahren geärgert hatte. Aus „Breaking Away“ wurden „Vier irre Typen“ etc.). http://www.buecher.de/shop/nahtodeserfahrung/heilung-im-licht/moorjani-anita/products_products/detail/prod_id/35534002/

In diesem Buch erzählt Frau Moorjani von einer Nahtoderfahrung, die sie 2006 machte, als sie (seit vier Jahren an Krebs leidend) ins Krankenhaus gebracht wurde, da sie in ein Koma gefallen war. Ihre Organe begannen zu versagen und die Ärzte teilten ihrem Mann mit, dass der Tod nun quasi unausweichlich sei.

Entgegen dieser Prognosen erwachte Frau Moorjani 30 Stunden später aus dem Koma und (und das verwunderte alle beteiligten Ärzte) gesundete innerhalb der nächsten Wochen komplett. Zitronengroße Tumore, welche sich nachweislich überall in ihrem Körper befanden, bildeten sich zurück und verschwanden.

Das mich Berührende ist noch nicht mal allein diese Geschichte, so wundervoll oder erstaunlich sie auch klingen mag, sondern das, was Frau Moorjani außerdem dazu zu erzählen hatte. Und zwar schildert sie in diesem Buch (in dem sie auch kurz ihre Lebensgeschichte als indische Frau, Tochter von Immigranten, in Hongkong, erzählt), was während ihres Komas geschah:

Sie erlebte die Zeit ihres Komas bewusst mit. Ihr schien es, als dehne sich ihr Bewusstsein aus und ermöglichte es ihr so, mehr und mehr um sich herum wahrzunehmen. Sie konnte den Arzt mit ihrem Mann in einem anderen Zimmer des Krankenhauses sprechen hören; sie nahm wahr, wie ihr Bruder voller Angst und Eile in ein Flugzeug von Indien nach Hongkong stieg. Sie sah ihre Mutter in einem indischen Tempel für sie beten.

Was so unglaublich klingen mag, geht noch weiter: Ihr Bewusstsein dehnte sich nach ihrer Beschreibung derart aus, dass Zeit und Raum keine Bedeutung mehr hatten, da alles gleichzeitig oder auf einer Ebene stattfand. Sie traf in diesem Zustand ihren verstorbenen Vater und eine kürzlich verstorbene Freundin wieder.

Beide versicherten sie ihrer Liebe und Wertschätzung; zudem verstand sie den Hintergrund ihrer Krankheit und entschied sich in diesem Zustand, den sie auch als „absolute Glückseligkeit und reines Bewusstsein“ beschrieb, in ihren Körper zurück zu kehren und zu heilen. Was sie dann auch tat.

Nun berüht mich dieses Buch einmal, da mein eigener Vater und Bruder auch schon an Krebs erkrankt gewesen waren und ich mich der Emotionen in der Familie, der Angst und Verwirrung, deutlich erinnere. Zum anderen kann ich irgendwie fühlen, dass Frau Moorjani von einer höheren Wahrheit spricht, die im Alltag selten bis nie zu gelten scheint – die aber dennoch da ist!

Denn seien wir ehrlich: Was sind all unsere Anstrengungen, Streitereien und Kämpfe? Was ist noch mit dem all dem Stress, den Statussymbolen und dem Geld, wenn es ans Sterben geht? Aus fast allen Erzählungen von Begleitungen von Sterbepatienten weiß man, dass diese meistens bedauerten, dass sie nicht mehr geliebt hatten.

Das Geld – der Beruf – die Statussymbole sind nur Staub vor dem Mysterium des Todes. Anita Moorjani erzählt uns, dass der Tod nicht nur kein Ende ist, sondern überdies ein Übergang zu dem Zustand, der unser „realer“ Zustand ist – als allumgreifendes, liebendes und waches Bewusstsein!

Und mehr noch: Dass dieses Leben, was wir hier führen, und welches große Literaten, Filmemacher, Künstler etc. schon immer inspiriert hat, nach seinem SINN zu suchen – und auch seinen UN-SINN anzuprangern, die vergebliche Suche nach Gott etc. – hier wunderbar eingefangen von Ingmar Bergmann in seinem Film „Das siebente Siegel“ – https://www.youtube.com/watch?v=wGu8bRlww80

Oder hier von Shakespeare bzw. Roman Polanski im Film „Macbeth“ umgesetzt. https://www.youtube.com/watch?v=yvV-9UpG0VU Das Leben als sinnloses Gaukelstück…. Der berühmte Monolog von Macbeth:

Morgen, und morgen, und dann wieder morgen,
Kriecht so mit kleinem Schritt von Tag zu Tag,
Zur letzten Silb auf unserm Lebensblatt;
Und alle unsre Gestern führten Narren
Den Pfad zum staubigen Tod. Aus, kleines Licht!
Leben ist nur ein wandelnd Schattenbild,
Ein armer Komödiant, der spreizt und knirscht
Sein Stündchen auf der Bühn und dann nicht mehr
Vernommen wird; ein Märchen ists, erzählt
Von einem Blödling, voller Klang und Wut,
Das nichts bedeutet.

Und was hält Anita Moorjani dem entgegen? Dass dieses Leben eben nicht nur NICHT sinnlos, sondern vielmehr wundervoll, erfüllt, liebevoll und helfend sein kann! Die Rezeptur dafür ist so einfach wie schwer: Auf sich selber hören (also auf seine Intuiton). Man selber sein. Sich nicht verbiegen für andere. Verstehen, dass wir alle miteinander verbunden sind. Sich der Führung der Intuition anzuvertrauen.

Vielleicht ist es das, was mich so berührt hat: Denn ich habe in meinem Leben an ein paar Stellen intuitives Wissen „spüren“ können – allerdings hadere ich im Moment auch damit, denn ich wüsste gerade jetzt gerne mehr über die Richtung, in die ich mich (beruflich) bewegen soll, doch die Intuition bleibt stumm…. Oder ich bin nicht still genug, ich weiß es nicht.

Und das andere ist, dass ich mich deutlich erinnere, wie auch bei mir einmal eine Spontanheilung einsetzte, welche mich damals sehr erstaunt hatte. Nicht mit dem vergleichbar, was Frau Moorjani erlebt hat, möchte ich es doch kurz erzählen:

Das muss so 2009 begonnen haben. Ich arbeitete damals als Berater für eine große deutsche Firma und war oft auf Flugreisen. Nach einer der Flugreisen begann ich plötzlich massive Probleme im linken Auge zu entwickeln, die sich als Rötung, als scharfer Schmerz und reichlich Tränenfluss manifestierten.

Ich schob es auf die Flugreise, doch die Probleme kehrten wieder und zwar in immer kürzeren Abständen. Das ging so ca. zwei Jahre. Alle paar Wochen bekam ich meistens nachts das, was ich einen „Anfall“ nannte. Ich wachte mit entsetzlichen Schmerzen im linken Auge auf – jeder Lidschlag fühlte sich an, als würde ich mit einem Reibeisen über das Auge fahren.

Mit dem Anfall einher ging eine Trübung der Sicht. Auf dem Höhepunkt der Anfälle musste ich zwei bis drei Tage blind (d.h. ohne die Möglichkeit, die Augen zu öffnen) im Bett liegen bleiben. Nach etwa drei Tagen konnte ich das Auge wieder öffnen und nach ca. einer Woche wieder einigermaßen sehen.

Eine Tour duch diverse Augenarztpraxen begann, doch konnte mir kein Arzt helfen. Augentropfen brachten temporäre Erleichterung, aber nicht mehr. Nach ca. zwei Jahren war die Sicht auf dem linken Auge permanent schlecht geworden. Der Augenarzt, bei dem ich zu dem Zeitpunkt war, zeigte mir Bilder der Hornhaut, deren Oberfläche im Vergleich zum gesunden Auge vollkommen verzogen war. Er riet zu einer Operation.

Ich bat darum, noch einen anderen Arzt dazu fragen zu dürfen und ging zu einem Augenarzt in Wiesbaden. Dieser bestätigte die Einschätzung des ersten Arztes. Ich fragte ihn, was die Konsequenzen sein würden, falls ich keine Operation wolle und er sagte, dann würde ich angesichts der Entwicklung der Hornhaut mein Augenlicht verlieren. Ich fragte ihn, wann dies passieren würde und er sagte, in spätestens drei Monaten.

An das Folgende erinnere ich mich genau: Ich verabschiedete mich von dem Arzt und fuhr nach Hause. Es war ein kalter Wintertag, Schneeflocken trieben durch die Luft. Ich fuhr durch die Wiesbadener Innenstadt und auf einmal fuhr ich an den Straßenrand, stieg aus und ging ein paar Schritte.

In diesem Moment wurde mir auf einmal klar, dass der Arzt falsch lag bzw. sich irrte. Ich würde mein Augenlicht nicht verlieren. Es war nicht so, dass ich es einfach nicht glauben wollte oder mir einzureden versuchte, dass es nicht so sei. Ich wusste einfach, dass er sich irrt.

Das war ein tiefes, inneres Wissen, was ohne Worte auskam. Ich wusste einfach ohne zu wissen, warum ich es wusste. Etwas irritiert, doch gleichzeitig erleichtert und innerlich ganz ruhig stieg ich wieder in meinen Wagen und fuhr nach Frankfurt. Zuhause angekommen schmiss ich die Augentropfen weg.

Mein Auge heilte innerhalb der nächsten drei-vier Wochen komplett und seitdem hatte ich nie wieder Probleme damit. Seltsam? Aber so ist es gewesen…..

Die Geschichte ist allerdings noch nicht aus: Seit – tada – ca. zwei Jahren habe ich dieselben (allerdings schwächere) Probleme auf dem rechten Auge! Und obwohl ich irgendwo weiß, dass es gut werden wird, habe ich den Schlüssel zur Heilung hierfür noch nicht gefunden – was mich manchmal frustriert, aber es ist halt so.

Da war mir das Buch von Frau Moorjani auch nochmal nicht nur Trost, sondern Ansporn: Wenn doch das Höchste, was wir tun können, ein gutes, sinnvolles Leben zu führen heißt – keines, dass nur von unseren Ängsten und Trieben gesteuert und beeinflusst wird – dann kann man dem nachstreben!

Frau Moorjani erzählt von einer höheren Wahrheit – und irgendwie kann ich wie erwähnt spüren oder fühlen, dass es eine Wahrheit ist – und ich möchte mich darum bemühen, sie in mein Leben zu integrieren, denn ihre Worte klingen so simpel wie klar: Liebe Dich selbst. Liebe das Leben. Sei Du selbst. Lebe im Augenblick, nicht in der Zukunft. Verstehe Dich selbst als unendliches Bewusstsein, das auf der Erde eine Erfahrung macht.

Ähnliches kann man in der Bibel oder in der Bhagavad Ghita oder anderen heiligen Schriften finden. Wenn unsere Welt hier tatsächlich nur Ausdruck unserer Gefühle und Gedanken ist, dann ist es kein Wunder, dass es mit ihr nicht zum Besten steht. Denn die Motivationen der meisten Menschen dürften von ihren Ängsten und Trieben bestimmt sein.

Auch daher laufen wir wohl die nächsten Jahre auf einen großen Wendepunkt zu. Ein Schreiber auf dem WWF hat es unlängst aus seiner persönlichen Sicht gut in Worte fassen können: http://www.schauungen.de/forum/index.php?id=33472

Es läuft also (für mich) auf eines hinaus: Wir müssen erst uns selber ändern – dann ändert sich auch die Welt. Denn was sollte sein, wenn die große Katastrophe kommt und das Denken anschließend von denselben Motivationen bestimmt bleibt? Die einen wollen einen Kaiser und dass der hart regiert.

Andere wollen einen heiligen Staat und die Bestrafung der Ungläubigen. Wieder andere die Demokratie und die Isolierung der Anti-Demokraten. Wieder andere einen spirituellen Aufstieg, bei dem sie mit den aufgestiegenen Meistern in irgendwelchen Raumschiffen hocken, derweil die Erde abfackelt.

Überall Ausdrücke desselben Denkens, derselben Motivation. Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen. Brennen sollen die Ungläubigen! Solange nicht der Antifant den Neonazi lieben lernt, der Islamist den Ungläubigen, der Demokrat den Anti-Demokraten, die Feministin den Maskulisten, der Neonazi den Ausländer etc. wird sich nichts ändern. Die sich danach sehnen, andere zerstören oder strafen zu wollen, sind die wahrhaft Kranken. Das hatte schon Marshall Rosenberg, der mit Vergewaltigern und Mördern arbeitete, festgestellt, dass es um Vergebung geht. Und darum, den anderen zu sehen. http://www.buecher.de/shop/kommunikation/konflikte-loesen-durch-gewaltfreie-kommunikation/rosenberg-marshall-b-/products_products/detail/prod_id/12490258/

Und eigentlich geht es ja auch darum den „Nazi“ (oder Antifanten/Gutmensch/Islamisten etc.) in sich zu lieben. Diesen strengen, unduldsamen, neidischen, gierigen, falschen etc. Teil. Ihm zu vergeben, um ihn zu integrieren. Ob Strenge gegen uns oder Strenge gegen andere – in beiden Fällen haben wir uns und andere verurteilt. Und der Effekt? Jedenfalls keine Erlösung.

Wir haben noch etwas Zeit. Die möchte ich von jetzt an nutzen, weniger als vorher andere (und mich selbst) zu verurteilen. Und im anderen mich selber zu sehen bemühen. Hoffnung liegt in uns selbst – egal, wie spät es auch zu sein scheint. Wie sagte ein kluger Mann: Und wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht – ich würde heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen….

Wie weit es mir gelingt, das ein oder andere Apfelbäumchen zu pflanzen, werde ich hier hin und wieder berichten. Obwohl – man wird es wohl auch so aus meinen Beiträgen herauslesen können, schätze ich. 🙂

9 Kommentare zu “Der Tod. Und dann?

  1. In Richtung Tod geht Armstrongs heutige Aussage bezgl. unseres Systems. ich zitiere: „We must keep in mind that everything must move to an extreme. In doing so, that is what creates the political reaction. Nothing will change without the chaos. As they say:“If is ain’t broken, don’t fix it“.

    Quelle bzw. Artikel? The Coming Dollar Rally – Chaos in Europe

  2. Pingback: Der Tod. Und dann? II | nachrichtenaushinterland

  3. Viel Erfolg auf Deinem Weg wünsch ich Dir. Bin selbst ein Suchender mit einigen intuitiven Erlebnissen_ das Leben zeigt uns den Weg wenn wir nur die Zeit finden( oder viel wichtiger uns nehmen) hinzuhören. Bin übrigens hier in meiner ländlichen Gegend ein absolut verschrieener „Nationalist“ mit brutaler Vergangenheit( egal)- Leben ist Veränderung und unser Herz sollte( wenn wir darauf hören) uns den Weg weisen. Und suche bitte nicht in irgendwelchen Büchern( habe selbst die Bagwa Gita, den Koran und die Bibel in den letzten 20 Jahren nach Unterstützung durchforstet und bin bei der Edda ansatzweise hängengeblieben :-))- höre einfach nur auf Dich- dieses Leben ist viel zu kurz um Götzen zu dienen.

    boro

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