Eine lustige Geschichte

Eine heitere Anekdote aus dem Taunus sandte mir ein Bekannter zu. Im Platow-Brief, einem gehobenen und eigentlich rechtsextremen Gedankenguts abholden Informationsdienst zur Wirtschaft, war folgende Anekdote zu finden (ich fand sie nicht auf der Homepage des Briefes, daher kann ich sie nicht verlinken):

Die sogenannte Taunusbahn verkehrt zwischen dem Hochtaunus und der Stadt Frankfurt. Fahrgäste schätzen an der Taunusbahn, dass sie eine zügige Verbindung zur Stadt ist, da sie zwischen Bad Homburg und der Stadt nicht viele Haltestationen anfährt.

Die 1. Klasse wurde bis vor kurzem gerne von einer bestimmten Klientel genutzt, welche die Anfahrt in die Glaspaläste der City (und die Heimfahrt am Abend) gerne etwas angenehmer und entspannter erleben wollte. Nun hat sich dieser – sagen wir – alteingesessenen Kundschaft eine neue Kundschaft hinzugesellt.

Diese – ebenfalls mit Smartphones, aber nicht mit Fahrscheinen und nur mit rudimentären Deutschkenntnissen ausgestattet – okkupiere mehr und mehr Raum in der 1. Klasse, würde nicht kontrolliert, benähme sich schlecht und hinterließe die 1. Klasse in einem ungepflegten Zustand (was auch das Zugpersonal einräume).

Ausdrücke des Unwillens der alteingesessenen Kundschaft würden von den neuen Kunden der Taunusbahn (sie „Schwarzfahrer“ zu nennen, hieße interkulturellen und rassistischen Missverständnissen Tür und Tor zu öffnen und wird daher hier nicht vorgenommen), unwillig aufgenommen.

Es seien auch schon (alteingessene) Fahrgäste als ausländerfeindlich bezeichnet worden und manche hätten befürchten müssen, dass Ihnen das Handy weggenommen wird (da man von der wegnehmenden Partei unterstellt hätte, dass man heimlich Fotos oder Aufnahmen gemacht habe).

Nun würde mein alter Gesellschaftslehre-Lehrer vermutlich jubilieren und sagen: Recht geschieht den Bonzen! (Oder wen man so dafür hält). Sollen sie mal mit der Armut direkt konfrontiert werden!

Man könnte es auch positiv sehen: Die Führungskräfte von heute treffen auf die Fachkräfte von morgen. Aus dem interkulturellen Dialog sollten viele wertvolle Impulse für das gedeihliche Zusammenleben von Bio- und Zukunftsdeutschen entstehen können.

Man könnte es auch als Einführung neuer und interessanter Sitten und Gebräuche ansehen – und natürlich ist es auch ein schönes Symbol für eine Welt zu Gast bei Freunden – denn Gäste lässt man nicht zahlen – die lädt man ein (auch zum Bahnfahren). Da etwas lockerer zu sein, tut den verbiesterten Deutschen mal ganz gut.

Wer will, kann das natürlich auch als Symbol der Veränderung ansehen. Deutschland verändert sich – und das halt überall. Man wird künftig Gated Communities brauchen (und auch schaffen), wenn man bestimmten Eindrücken nicht ausgesetzt sein möchte.

Ich selbst sehe es neutral. Die Neuankömmlinge testen ihre Grenzen aus. Solange ihnen keine gesetzt werden, wird ein Teil von ihnen diese weiter austesten. Ansonsten gilt das, was Peter Scholl-Latour sagte: Wir können Kalkutta nicht retten, indem wir Kalkutta zu uns holen.

Dummerweise haben wir genau das versucht.

5 Kommentare zu “Eine lustige Geschichte

  1. Sehr nette und höfliche Umschreibung fü einen Zustand den ich kurz und knapp zusammenfasse:
    Westeuropa ist praktisch tot; am Ende seiner Existenz.
    Verzweifelt versucht man den Status Quo aufrecht zu erhalten. Doch dieser existiert nicht mehr.
    Ein neues Gesellschaftsmodell wird es mit den Eliten nicht geben.
    Der Crash und Burn ist nicht zu verhindern.

    • I disagree. Ich vermute, dass man an wirklich entscheidender Stelle weiß, welche Geister man da gerufen hat – und auch, was die Konsequenzen daraus sind. Aber natürlich sind es nur Vermutungen – keiner von uns hat wirklich Einblick in diese Kreise…. so bleibt nur, den Irrsinn zu beobachten. Und anzusprechen.

      • Das sehe ich anders. Es gibt keinen Plan oder eine Verschwörung. Das könnte man an Personen und Institutionen festmachen. Und selbst wenn, eine Einigkeit besteht auch da nicht. Die menschliche Natur hat sich leider nicht geändert.
        Es ist meiner Meinung nach viel schlimmer, da es keinen Plan oder eine Verschwörung gibt.

        Man lese Inselpresse.de: „Mailand wird gerade überrannt …..“
        Dugin und das Gatestone Institut sind sich mehr oder weniger einig, dass Europa sich nicht nur selber zerstört und die Grenze zu bürgerlichen Unruhen überschritten wird.
        Man schaue sich nur mal das Bild der ökonomischen Entwicklung des ECM von Martin Armstrong an. Die Weltwirtschaft wird bis 2020 immer weiter schrumpfen, was andererseits die Kriegsgefahr erhöhen wird.
        Was ich persönliche sehe ist die Aufrechterhaltung des Status Quo der Eliten ohne einen Plan für eine nachhaltige Änderung der Gesellschaftsformel. Und das führt uns zwangsläufig in den Crash und Burn, womöglich sogar in das Mad-Max Szenario.

      • Da liegen wir auseinander – aber da wir es beide nicht wirklich wissen können, es sei denn Du gehörtest zum inneren Kreis (wobei ich Dich dann bitten würde, mich mal da einzuführen) 🙂 ist das ja auch nicht tragisch. So oder so – (sh)it will happen.

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