Deutschland – (k)ein Sommermärchen

Was mir nebenbei noch im Urlaub auffiel – die meisten Menschen scheinen tatsächlich in einem Zustand mehr oder weniger starker kognitiver Dissonanz zu leben und nicht fähig oder willens zu sein, aus ihren Denkmustern auszusteigen. Neues zu integrieren. Vielleicht ist das heute eine Überlebensnotwendigkeit?

Zwar wird leises Unbehagen hier und da stärker, doch es folgen daraus keine Aktionen. Und da keine Verknüpfung von Ereignissen erfolgt, die Ladedadidu-Presse sich in Beruhigungs- und Durchhalteparolen erschöpft und das Leben eh so hektisch und stressig ist – warum sich kümmern

Die Kinder, die Ausbildung, der Job, Fortbildungen, Grillfeste, Pokemon Go, Stand Up Paddeln, Festivals, Konzerte – es ist doch so viel zu tun. Und alles funktioniert ja auch noch. Die Banken überweisen Geld (und auch, wenn von dem eigenen Konto eines Tages 10% gezypert würden, täten sie das immer noch).

Die Städte sind weitgehend sicher (in bestimmte Bereiche geht man halt nicht mehr). Dass die Kleinen smartphonesüchtig mit unangenehmen Begleiterscheinungen sind – wen kümmert’s? Man schaue mal hier auf die Reaktionen auf Professor Spitzer. Der Rufer in der Wüste ist der Spinner. https://www.youtube.com/watch?v=9iBA0WlmbI0

Irgendwo fand ich mal im Netz den Blog einer Berliner Lehrerin mit Beschreibungen aus ihrem Alltag. Durchaus auch humorvoll schilderte sie über ihre von Migrantenkindern geprägten Klassen und was da so passiert. Dass sie gleichzeitig Thilo Sarrazins Thesen bestätigte, schien ihr nicht klar zu sein.

Ich war von der realistischen Schilderung ihrer Schwierigkeiten, den Kindern auch nur grundlegendste Manieren oder Kenntnisse beibringen zu wollen fasziniert und schrieb als Kommentar: Das ist der Untergang dieses Landes. Der Kommentar wurde denn auch schnell gelöscht.

Bildungsstandards sinken, Ausbildungsstandards, sinken, Studienstandards sinken, gleichzeitig wird unbarmherzig an der Zeitschraube gedreht (schneller! Noch schneller!!) – wo soll da die Zeit zur Reflektion herkommen? Für das Begreifen des großen Bildes?

Und selbst wenn hier auf einmal Terroranschläge kämen, denen hunderte von Menschen zum Opfer fallen – das Leben würde weiter gehen. Und auch wenn die Vergewaltigungsfälle sich verzehnfachen sollten – es wären immer noch nur ein paar tausend Frauen. Das Papier bliebe geduldig, die Statistik wahrscheinlich geschönt.

Aus der Frustration und der Wut würde die Tendenz zu Gewalttaten gegen Ausländer oder vielleicht gegen Politiker erwachsen – und diese würde als neue Begründung für die Gefahr von Rechts herangezogen werden. Und immer so weiter.

Es gibt keine Massendemonstrationen mehr – Flashmobs schon. Mahnwachen für den Frieden bringen eine Handvoll Leutchen zusammen. PEGIDA ist böse, wie es die Montagsmahnwachen auch waren. Die AfD ist vermutlich auch nur ein Konstrukt von Leuten, die dem System angehörig sind.

Intelligenter Protest wird nichts bewirken. Was hat ein Professor Schachtschneider erreicht? Die Stimmen eines Ken Jebsen oder eines Jürgen Elsässer werden nur am Rande wahrgenommen – wann sie verstummen (oder zum Schweigen gebracht werden)? Ich weiß es nicht.

Und ich merke es in Gesprächen und auch an mir selbst: Der Unwille, andere Meinungen zu hören, wird immer größer. Vermutlich WEIL die kognitive Dissonanz immer stärker wird. In den allermeisten Fällen, wenn ich vorsichtig ein eher brisantes Thema anschneide, nehme ich auf der anderen Seite ein mehr oder weniger ausgeprägtes Unbehagen wahr.

Oder es passiert das genaue Gegenteil: Auf einmal schüttet mir jemand sein Herz aus und textet mich damit voll, ich hätte ja recht und es wäre schlimm etc. (Das kann dann mitunter zeitaufwendig und sogar anstrengender als die erstegenannte Reaktion sein). 🙂

Jedenfalls scheint mir aus dem Gesagten ersichtlich, dass wir noch einige Jahre nach unten haben. Unsere Reaktionen, die Wut und der Widerstand, sind wahrscheinlich von den Herrschenden einkalkuliert. Ebenso wie das Bedürfnis vieler, eingelullt bleiben zu wollen. In der Wohlfühlblase.

Man wird dies nutzen und es wird keine Revolution geben. Sondern eben Verhältnisse, die sich immer weiter verschlechtern – bis es dann eines Tages kippt. Oder vielleicht glauben wir dann auch nur, es kippt, und es geht noch weiter nach unten. Man kann auch mit der Hälfte des Geldes leben. Oder mit einem Viertel davon. Oder sogar einem Zehntel. Alles möglich. Und man kann auch mit Ghettos leben. Oder mehr Gewalt und Unsicherheit. Man kann.

Da die Gemütlichkeit der Freiheit vorgezogen wird, müssen wir es aushalten, dass der Spielraum der Gemütlichkeit immer enger wird. Immerhin: Es wird dann sicher virtuelle Welten geben, in die sich mancher flüchten kann. Aber schön – schön wird diese neue Welt nicht. Kein Sommermärchen mehr.

Aber offenbar die Geschichte, die es zum Erwachen braucht. In der Zwischenzeit bleibt jedem die Wahl: Opposition oder nicht, innere oder echte Emigration – was einen persönlich halt anspricht. Anders- oder klar Denkende werden jedenfalls hierzulande zu Parias werden. Auch nicht gerade angenehm.

Ich nehme nicht an, dass es diesen Blog in zwei Jahren noch geben wird. Mal schaun.

Bleibt für jetzt nur, bei sich zu bleiben. Und an den Stellen ehrlich, wo es angebracht ist. Wo und wann das ist, wird das Schicksal schon zeigen.

7 Kommentare zu “Deutschland – (k)ein Sommermärchen

  1. Und Deutschland wird zum Weltsozialamt. Die europäischen Staaten werden ihre Flüchlinge nach Deutschland exportieren wollen, so wie es Österreich demnächst evtl. machen will.
    Merkel und wir schaffen das. Bleibt die Frage wer ist wir?

  2. The Choice of Two Evils schreibt heute Armstrong.
    Das wird kein schöner Herbst. Und astrologisch gehen wir auf Mars/Saturn Konjunktion zu.

  3. Deutschland droht Polen und Ungarn den Geldhahn zuzudrehen, wenn sie keine Flüchlinge aufnehmen.
    Quelle: astrologieklassisch.wordpress.com bzw. Express (UK)
    Wie schreibt Armstrong so treffend: The Revolution in Europe is unevitable.

  4. https://www.unzensuriert.at/content/0021484-Putin-Berater-warnt-Europa-am-Rande-des-Buergerkriegs?page=1
    Die Kommentare sprechen für sich.

    Darüber hört man auch so gut wie nichts in den Medien:
    http://quer-denken.tv/bericht-aus-der-ukraine-11-august-2016/

    Und in den USA herrscht (Wahl)Kampf.

    Kognitive Dissonanz wurde öfters im Artikel völlig zurecht erwähnt. Erklären muss man dass nicht mehr. Vielleicht sollte man statt Dissonanz die Begrifflichkeit Demenz verwenden. Wer weis ob es noch hilft. Ich stimme Dugin zu, aber wer liest das schon.

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