Wo bleibt das Positive?

So haben mich nun schon ein paar Leser gefragt…..tja, das frage ich mich manchmal auch…. Die Richtung, die hierzulande gesellschaftlich-politisch-wirtschaftlich eingeschlagen wird, ist keine gute (auch andernorts nicht)….. tatsächlich ist sie sogar eine desaströse…. Da fällt es mir (zugegebenermaßen) schwer, das Positive hervorzuheben….

Zudem auch das, was mir manche Leser als Beschreibungen von dem, was sie sehen, geschickt haben, eher eindeutig ausfällt – da schreibt zum Beispiel ein Leser über die Gespräche in seinem Bekanntenkreis (Zitat):

Sieglauben gar nicht, was ich aber für Reaktionen (auf ein kritisches Schreiben zur politischen Situation) bekommen habe. Schweigen war noch fast das Beste. Kluge Leute, studierte auch, ein Uni-Professor sogar, alles gute liebe Freunde — man arbeitet fleißig an der Abschaffung selbst des kleinsten Minimalkonsenses. Nicht, weil man in eine böse Verschwörung verstrickt ist, sondern weil viele einfach unheimlich ratlos und verunsichert sind.

Und weiter:

Die(se Reaktionen) sind für mich eben rätselhaft. Wir haben als Punks in den 80ern so manches gemacht und gesagt – und jetzt trauen die sich nix mehr? Wie kann das sein? Ich meine, es ist ja doch nicht so schlimm, dass man ins Lager käme oder so mit der „falschen“ Meinung. Das kommt schon aus deren eigenen Köpfen. Bestimmte Sachen waren doch früher klar: Gerechtigkeit, Mehrheitsmeinung — und jetzt ist für manche nicht mal das mehr verbindlich. Das denken die schon irgendwie selber.

Es ist nicht so, dass die verstockt worden wären. Manche geben sich doch Mühe, mit mir zu denken. Das konnte ich richtig merken in Briefwechseln und Gesprächen: Dieses vorsichtige Rantasten, ob ich nun als Nazi aus dem Adressbuch gestrichen werden müsse (ausgerechnet ich!) , und wenn sie da etwas beruhigter sind und sich mit mir freundschaftlich austauschen, haut mancher plötzlich ganz unschuldig Sachen raus, für die Hitler persönlich Beifall geklatscht hätte:

Dass man doch durch die EU die in Polen liegende Heimat wieder bekommen habe, wo schließlich der Vater geboren sei, und nun könne man da ungestört wieder hin. Dass Demokratie doch doof sei, weil die Menschen zu dämlich sind und man auch gar keinen Bock habe, sich mit all dem unverständlichen Politik-Zeugs zu  befassen. Dass man die Leitung da lieber sachkundigen Führern überlassen möchte, die schon wissen, wo es lang geht. Dass deren gute Ordnung doch bestenfalls länderübergreifend sein müsse, damit dann auch alle was davon haben (und morgen die ganze Welt…) Dass Recht doch eh nichts mit Gerechtigkeit zu tun habe und Rechtsstaat deshalb völlig unwichtig sei – der gute Zweck heilige die Mittel. Das alles so sinngemäß.

Und ausgerechnet solche Leute erklären dann in alter Gewohnheit den „Kampf gegen Rechts“ zu ihrem Hauptanliegen. Ohne noch zu ahnen, was für einen faschistoiden Dreck sie da selber labern. Umso wichtiger, an ein paar gemeinsame Spielregeln zu erinnern: Rechtsstaat und Demokratie. (Zitat Ende). Klingelt (oder klingt) es da bei dem Ein oder Anderen nach kognitiver Dissonanz?

 

Ein anderer Leser schreibt über seine Erfahrungen zur Verhinderung des Euro Anfang der Neunziger Jahre (Zitat):  1992 machte ich beim Bund Reier Bürger mit, als es bei den Europawahlen gegen die Einführung des Affeneuros ging. Ich ging Unterstützerunterschiften sammeln. War recht schwierig.

Zwar wollte niemand den Euro, aber es kamen Fragen wie:

Wo wird das gespeichert? Welche Nachteile werden mir dadurch erwachsen, dass ich eine abweichende Meinung zugebe?

CSU-Mitglieder wanden sich wie Würmer, weil sie unterscheiben wollten, aber offiziell ja nicht durften (Parteiausschluss befürchtet). Da gabs skurrile Situationen.

Die Bauern bekamen dann irgendeine Subventionszahlung früher als geplant (Stimmenkauf).

Wenn damals die Auszählungen und Verlautbarungen nicht gefälscht waren, gabs 1,1% für den BFB – das wars, und ich habe mich aus Affistanien verzogen.

Roman Herzog setzte sein Maikäfergrinsen auf und erfreute sich am kurz nach der abgelehnten Verfassungsklage angetretenen, finanziell sehr einträglichen  Grüssaugustamt.

Es ist unglaublich, wie sehr sich die Leute manipulieren lassen. Borniertheit ist viel zu harmlos ausgedrückt.

Gestern erst hatte ich eine Diskussion mit zwei Rentnerinnen, die mal …..  besuchten. Das Thema kam auf die Bereicherung.

Als ich sagte, ja, wen haben Sie denn die ganzen Jahre über gewählt, sie sind dafür direkt verantwortlich! – gabs Mondkalbgeglotze….ja, was soll unsereins denn machen? Ich: vielleicht mal laut NEIN wählen??? Ist das zuviel verlangt?

Wie Phoenix (ein Schreiber im Gelben Forum) es schrieb, wieso sollen wir nicht akzeptieren, dass die absolute Mehrheit der sogenannten Deutschen genau das will, was gerade läuft? Offenbar will sie es doch. Jedenfalls 85% der Wähler und 100% der Nichtwähler……

Ingo Friedrich sagt man nach, er soll während seiner Zeit als Europaabgeordneter der CSU im Wahlkreis gegen irgendeinen Unsinn gewettert, und in Brüssel dann unbeeindruckt zugestimmt haben. Verarsche? Verrat?

Eine Frau, die ich an sich menschlich schätze, hat sich mal politisch engagiert. Als ich sie mit der einen oder anderen Sachlage „konfrontierte“, stellte sich heraus, sie hat Meinungen zu den Themen, aber Nullwissen über Garnix. Nicht mal Anlehrlingsniveau. Hintergründe, Ursachen, Sachthemen, was ist das? Ich stelle mir das aber so vor und hätte das gerne, kommt bestimmt gut….

Eine andere Tussie hat sich mal für eine extrem aufwändige Steuersparkonstruktion Gedanken machen lassen, um zwar Kosten zu akzeptieren, aber Steuern möglichst zur Gänze zu vermeiden. Scheiterte dann an der Komplexität.

Sie ist heute Funtionärin der Grünen, bzw. Kandidatin auf Gemeindeebene, und gibt als ihr spezielles Interesse an. soziale Gerechtigkeit……

Alle Leute, die ich kenne/kannte, mosern und schimpfen, aber sie handeln nicht. Wäre zu aufwändig und unbequem, umzuziehen. Nun, denn, sollen sie weiter auslöffeln….. (Zitat Ende). Wenn man die Verbitterung abzieht, ist dies ein sehr bedenkenswerter Beitrag (finde ich).

 

Meine Schwester berichtet aus Münster ebenfalls Interessantes: Ein Gespräch in Ihrer Firma mit ein paar Kollegen – man steht im Gang zusammen, man unterhält sich – irgendwie wirft einer einen Satz zur Politik ein – und auf einmal: Stille….. meine Schwester sagte, das habe sie doch überrascht. Es sei im Raume spürbar gewesen, dass keiner sich auf gefährliches Terrain bewegen wolle…..

Gefährliches Terrain? Seine politische Meinung zu sagen? Ähnliches berichten mein Bruder aus München und ein Freund aus Berlin – man hält seine (persönliche politische) Meinung im Büro zurück – die Politik wird ausgeklammert.

Meine Mutter geht zu einem ihrer Damenkränzchen und im Nachgang fällt ihr etwas auf: Dass man früher doch auch mal Witze über Politiker gemacht habe (Kohl als Birne – ja, das gab es mal) – aber heute würde Politik komplett ausgeklammert. Vollkommen! Nicht ansprechen!

Und ich weiß von anderen Bekannten, dass die sich auch hüten, auf der Arbeit zu sagen, was sie denken…… und in ihrem Bekanntenkreis auch ebenfalls. Eine Freundin hatte einen kritischen Artikel zum Asylmissbrauch im Netz gefunden und überlegt, diesen auf Facebook zu posten…… sie unterließ es, da sie die (gesellschaftlichen) Konsequenzen fürchtete……

Sind wir schon wieder so weit? Noch nicht ganz….. noch nicht ganz….. aber die Richtung ist eindeutig. http://lfmpublikationen.lfm-nrw.de/modules/pdf_download.php?products_id=442

Man stigmatisiert (und kriminalisiert) die Kritiker…… http://www.danisch.de/blog/2016/07/14/hurra-ich-bin-hate-speech-resistent/

Wo dies langfristig hinführt, ist auch klar: Typisch für ein marxistisches System ist es, Kriminelle zu schonen, aber politische Gegner als Kriminelle zu behandeln. (Solschenizyn)

Und solange die Deutschen so handeln, wie sie meistens in ihrer Geschichte handelten, muss dieser Weg leider auch von uns beschritten werden. Es ist traurig, aber da ist keine schnelle Änderung in Sicht. Wie hatte der Staatswissenschaftler Friedrich Karl von Moser im 18. Jhdt. so treffend über den Charakter seiner Landsleute gesagt:

Wie soll ich nun aber die Leute benennen, welche in ihren vier Wänden ein Löwenherz haben und in freier Luft mit hasengleichem Mut entfliehen? Sind das edle Seelen, die sich heimlich das Herz über der Not ihrer Mitbrüder abgrämen, aber in dem Augenblick, wo es auf freimütiges Bekenntnis des Rechts und der Wahrheit ankommt, zaghaft verstummen?….. Man erkennt diese patriotischen Menschen an zwei Redensarten: Was soll ich mir ohne Not Feinde machen? Was wird’s am Ende auch helfen, wenn ich alles geredet und gesagt habe? (Zitat Ende).

Wer mehr dieser Art finden will – bitte: https://nachrichtenaushinterland.wordpress.com/2014/10/14/wie-sind-sie-denn-die-deutschen/

Wo bleibt also das Positive? Ich möchte mit einem Gedicht von Erich Kästner schließen, der 1930 von Lesern dasselbe gefragt worden war. Damals stand man vor einschneidenden gesellschaftlichen Veränderungen  – und heute ist das nicht anders. Überlassen wir also Herrn Kästner am Ende die Bühne, dessen Worte heute, 86 Jahre später, seltsam aktuell klingen……

Und immer wieder schickt ihr mir Briefe,
in denen ihr, dick unterstrichen, schreibt:
»Herr Kästner, wo bleibt das Positive?«
Ja, weiß der Teufel, wo das bleibt.

Noch immer räumt ihr dem Guten und Schönen
den leeren Platz überm Sofa ein.
Ihr wollt euch noch immer nicht dran  gewöhnen,
gescheit und trotzdem tapfer zu sein.

Ihr braucht schon wieder mal Vaseline,
mit der ihr das trockene Brot beschmiert.
Ihr sagt schon wieder, mit gläubiger Miene:
»Der siebente Himmel wird frisch tapeziert!«

Ihr streut euch Zucker über die Schmerzen
und denkt, unter Zucker verschwänden sie.
Ihr baut schon wieder Balkons vor die Herzen
und nehmt die strampelnde Seele aufs Knie.

Die Spezies Mensch ging aus dem Leime
und mit ihr Haus und Staat und Welt.
Ihr wünscht, daß ich’s hübsch zusammenreime,
und denkt, daß es dann zusammenhält?

Ich will nicht schwindeln. Ich werde nicht schwindeln.
Die Zeit ist schwarz, ich mach euch nichts weis.
Es gibt genug Lieferanten von Windeln.
Und manche liefern zum Selbstkostenpreis.

Habt Sonne in sämtlichen Körperteilen
und wickelt die Sorgen in Seidenpapier!
Doch tut es rasch. Ihr müßt euch beeilen.
Sonst werden die Sorgen größer als ihr.

Die Zeit liegt im Sterben. Bald wird sie begraben.
Im Osten zimmern sie schon den Sarg.
Ihr möchtet gern euren Spaß dran haben …?
Ein Friedhof ist kein Lunapark.

3 Kommentare zu “Wo bleibt das Positive?

  1. Warum nichts Positives?
    Armstrong schreibt: „…… Die Gesellschaft bewegt sich hingegen innerhalb eines Kontinuums, bei dem es eine gewisse kontinuierliche Bewegung gibt. Ich habe es bereits in der Vergangenheit erwähnt, aber es muss noch einmal wiederholt werden. Wenn man sich auf Persönlichkeiten wie Hitler oder Napoleon konzentriert, kann man die Wahrheit nicht erfassen. Es ist niemals eine einzelne Person, welche die Mehrheit zu irgendetwas bewegt, sondern es ist die Mehrheit, die den Einzelnen schafft.

    Hitler wurde für Dinge inhaftiert, die man als „politische Verbrechen“ deklarieren könnte, nachdem sein Putsch in München im November 1923 fehlschlug. Während er inhaftiert war, schrieb Hitler „Mein Kampf“. Das Buch diktierte er Rudolf Hess. In dem Buch beschrieb Hitler seine politische Ideologie und seine künftigen Pläne für Deutschland. Band 1 wurde 1925 und Band 2 1926 veröffentlicht. Er kam aber erst 1933, also rund 8,6 Jahre später an die Macht. Die Gesellschaft schafft den Führer und nicht umgekehrt.

    Wenn wir uns auf die Wirtschaft konzentrieren, sorgt das für Druck, der zu politischem Wandel führt. Welche Person dann die Führung übernimmt, ist nicht das entscheidende Thema. Die Gesellschaft wird sich immer jemanden aussuchen. Eine einzelne Person ist nicht in der Lage, der Gesellschaft ihre Ideen aufzwingen, ganz gleich wie laut diese Person auch schreien mag. Ein in Bewegung befindlicher Körper bleibt solange in Bewegung, bis er auf Widerstände stößt, die seine Bewegungsgeschwindigkeit absenken. Das Missmanagement des Staats wird immer größer und verlangsamt dadurch das Wirtschaftswachstum bis zu dem Punkt, wo es zu Steuerrebellionen kommt, die oftmals zu Revolutionen führen.

    Die Geschichte ist in Wahrheit ein determinstisches, nicht-lineares System, das chaotisches Verhalten (Panik-Zyklen) aufweist. Kartographiert man die kleinen Veränderungen innerhalb eines solchen Systems – die sich wie eine Wellenbewegung durch die gesamte Masse ziehen –, stößt man auf Faszinierendes, da die Akteure nie davon ausgehen, dass sie mit ihren Handlungen in Wahrheit ein wesentlich dynamischeres System beeinflussen……“
    http://www.propagandafront.de/1259640/revolution-in-europa-warum-es-zwischen-2017-und-2020-zu-massiven-politischen-umstuerzen-kommen-wird.html

    Merkel regiert weil man sie lässt.
    BE-WUSST-SEIN oder auch nicht.
    Die Pessimisten sind in die USA gegangen, die Optimisten in das KZ (Stefan Molyneux).
    Der Friedensmarsch nach Kiew ist Positives. Hat der Mainstream darüber berichtet?

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