Skizzen aus dem Spanischen Bürgerkrieg II – La Esperanza (Die Hoffnung)

Über den Spanischen Bürgerkrieg, der als blutrotes Wetterleuchten dem Zweiten Weltkrieg vorausging, hatte ich mich an anderer Stelle schon mal ausgelassen. Mit seinem Verlauf sowie seinen Szenen von Heldenmut und Feigheit, Duckmäuserei und Wahrheitsliebe, Grausamkeit und Güte, bietet er auch uns Heutigen noch immer Stoff zum Nachdenken.

„Krieg ist der Vater aller Dinge. Die einen macht er zu Freien, die anderen zu Sklaven“. (Heraklit). Wie wahr und zutreffend diese Worte auch für uns sind, soll anhand einer kleinen Anekdote aus dem Herbst 1936 deutlich werden:

Oktober 1936. Der Bürgerkrieg tobt seit drei Monaten. Die Faschisten haben sich im Norden und Süden des Landes festgesetzt, die Republikaner leisten Widerstand und hoffen auf Unterstützung des Auslandes. In dieser Anfangsphase des Krieges feiert man am 12.10.1936 das Fest der Entdeckung Amerikas, welches gleichzeitig der Nationalfeiertag Spaniens ist.

Die Faschisten haben hierzu zum großen Festakt im Saal der Universität Salamanca im Norden des Landes geladen. Dort sind hohe Würdenträger der Kirche, hochrangige Militärs der Aufständischen und die sonstige feine Gesellschaft neben der Studentenschaft und  den Professoren geladen. Anwesend ist auch Don Miguel de Unamuno, Rektor der Universität. https://de.wikipedia.org/wiki/Miguel_de_Unamuno

Er ist Spaniens bekanntester Philosoph und wird als das geistige und moralische Gewissen Spaniens angesehen. Nach anfänglicher Unterstützung der faschistischen Sache, hat er sich, angewidert von der Brutalität und Borniertheit der Aufständischen, von diesen innerlich abgewandt. Von Franco (der in Salamanca nicht anwesend ist) wird er bis dahin trotzdem hofiert, da man hofft, dass er sich deutlich für die faschistische Sache aussprechen werde.

Am Abend des 12. Oktober 1936 bezieht Don Miguel tatsächlich Stellung – auf eine Art, die sich zu erzählen lohnt. Auf besagtem Empfand ist auch der spanische General und Begründer der spanischen Fremdenlegion, Millan Astray, zugegen. https://de.wikipedia.org/wiki/Jos%C3%A9_Mill%C3%A1n_Astray

Dieser hält dort eine wüste, von Drohungen gegen Katalonien und das Baskenland durchsetzte Rede. Diese seien „Krebsgeschwüre im Körper der spanischen Nation“ und müssten herausgeschnitten werden. Die Hälfte der Spanier von heute seien „schlechte Spanier“ und verdienten den Tod.

Die Anhänger Astrays skandieren auf diese Ausführungen hin den Schlachtruf der Legion: Lang lebe der Tod! Die Menge, eingeschüchtert durch die anwesenden Blauhemden der Faschisten, brüllt Hochrufe auf Spanien und auf Franco. Über Don Miguels Gesicht huscht ein spöttisches Lächeln. Nach den Hochrufen tritt plötzliche Stille ein…. Und den Rest entnehme ich als Zitat einem Augenzeugenbericht von damals aus dem schönen Buch „Der Spanische Bürgerkrieg in Augenzeugenberichten“:

Schließlich stand Don Miguel langsam auf. Das Schweigen schuf ein enormes Nichts. In das Nichts hinein begann Don Miguel zu reden. Es war, als prüfe er jedes Wort, ehe es über seine Lippen ging:

„…. Sie alle kennen mich und wissen, dass ich nicht schweigen kann. Ich habe es in den dreiundsiebzig Jahren meines Lebens nicht gelernt. Und jetzt will ich es nicht mehr lernen. Manchmal bedeutet Schweigen eine Lüge. Denn Schweigen kann als Zustimmung ausgelegt werden.

Einen Betrug meines Gewissens kann ich nicht überleben, und das Wort war mir immer ein wohlvertrauter Partner. Ich will es kurz machen. Die Wahrheit ist dann am wirksamsten, wenn sie nackt daherkommt, ohne Verzierung und Wortschwall.

Ich werde etwas zu dieser Rede – nennen wir es einmal so – sagen, die General Millan Astray, der hier unter uns weilt, gehalten hat.“ Der General reckte sich provozierend.

„Lassen wir den persönlichen Affront beiseite, den der plötzliche Hassausbruch gegen die Basken und Katalanen darstellt…… Gerade eben hörte ich den todessüchtigen und sinnlosen Schrei: Lang lebe der Tod! Für mich ist das gleichbedeutend mit dem anderen Ruf: Zum Teufel mit dem Leben!

Und ich, der ich Jahre damit verbracht habe, Paradoxe zu formulieren, die die unverständliche Wut anderer erregten, ich, der ich doch wohl ein Experte des Paradoxen bin, muss sagen, dieses seltsam fremde Paradox stößt mich ab……

Und nun etwas anderes: General Millan Astray ist ein Krüppel (Anm. von mir: Astray hatte in Kämpfen in Marokko in den zwanziger Jahren einen Arm und ein Auge verloren und sein Gesicht war entstellt worden). Ich sage dies ohne den leisesten Unterton. Er ist ein Kriegsinvalide. So auch Cervantes. (Anm. von mir: Spaniens Nationalschriftsteller – https://de.wikipedia.org/wiki/Miguel_de_Cervantes

Man lese unbedingt mal seinen Don Quijote, über den Dostojewski so schön sagte: Wenn Gott eines Tages die Menschheit vor seinen Thron ruft und fragt: Was spricht zu Euren Gunsten? Da werden die Menschen verschüchtert zu Boden sehen und den Don Quijote hochhalten. Und Gott wird lächeln und sagen: Euch sei vergeben….. Ich habe Tränen gelacht, als ich den Don Quijote las. https://de.wikipedia.org/wiki/Don_Quijote

Aber nun weiter im Text):

Aber Extreme ergeben nicht die Regel. Sie entziehen sich ihr vielmehr. Unglücklicherweise gibt es heute in Spanien viel zu viele Krüppel. Und bald werden es noch mehr sein, wenn Gott uns nicht hilft. Es schmerzt mich, wenn ich mir vorstelle, dass General Astray beispielgebend für die Massenpsychologie werden könnte.

Das wäre erschreckend. Ein Krüppel, dem es der geistigen Größe Cervantes ermangelt…. Dem es an jener Würde des Geistes mangelt, sucht eine fragwürdige Erleichterung in der Verkrüppelung seiner Umwelt….. General Millan Astray möchte Spanien neu schaffen – eine negative Schöpfung – nach seinem eigenen Bilde. Und deshalb wünscht er Spanien verkrüppelt, wie er uns unzweideutig klargemacht hat.“

(Kristallklare Worte….. Und wenn man den Bogen zu heute spannt? Kinderlose und die Vergangenheit des eigenen Volkes verachtende Politiker schaffen….. was? Ein kinderloses Land, dessen Bevölkerung sich selbst geringschätzt – Patriotismus? Ekelhaft! Bloss nicht! Kopf unten und weiter malochen…..).

Doch zurück nach Spanien: Ein Aufruhr entsteht – Faschisten und Studenten brüllen sich gegenseitig an, die Blauhemden scharen sich um ihren General, der Professor wird von Studenten umringt – Gewalt liegt in der Luft, doch da die Blauhemden in der Minderheit sind, kommt es zu keinem Ausbruch und plötzlich verebbt der Lärm.

Don Miguel de Unamuno verschränkt die Arme und noch einmal beherrschen seine Worte den Raum:

„Dies ist ein Tempel des Verstandes….. Sie aber sind es, die ihn entheiligt haben. Ich war immer, was das Sprichwort auch sagen mag, ein Prophet in meinem eigenen Lande. Sie werden gewinnen, aber Sie werden nicht siegen! Sie werden gewinnen, weil Sie die nackte Gewalt besitzen, aber Sie werden nicht siegen, denn um zu siegen, muss man überzeugen.

Und um zu überzeugen müssten Sie besitzen, was Ihnen fehlt – Verstand und Recht zu diesem Kampf. Ich erachte es als sinnlos, Sie zu ermahnen, an Spanien zu denken. Ich habe nichts mehr zu sagen“. Zitat Ende.

Noch einmal flammt die Kontroverse auf, schwillt der Lärmpegel an. Einer der anwesenden Professoren fasst schließlich Professor Unamuno am Arm und führt ihn hinaus. Der Skandal ist perfekt. Franco wird in Burgos informiert. Von dort erteilt er die Weisung, Don Miguel sei zu erschießen, wenn die Beleidigung gegen die faschistische Sache schwer gewesen sei.

Da jener aber wie erwähnt als das Gewissen Spaniens angesehen wurde und man die Konsequenzen einer Erschießung fürchtete, wurde er unter Hausarrest gestellt. Drei Monate später starb Don Miguel an einem Schlaganfall.

Nun könnte man sagen: Was hat’s denn genützt? Der Krieg wurde dadurch nicht unterbrochen….. das Leiden nicht verringert….. kein Menschenleben gerettet. Aber das ist kleingeistig und dumm gedacht. Die Wahrheit hat ihren eigenen Wert – und braucht Menschen, die sie mutig vertreten.

Die nächsten Jahre wird es genügend Gelegenheiten geben, in denen man die Wahrheit sprechen kann – denn der Tiefpunkt des Irrsinns ist noch lange nicht erreicht. Und so wird es noch viele Meetings, Versammlungen, Empfänge, Diskussionen, Debatten, Talks, Interviews, Veranstaltungen, Treffen und sonstige Gelegenheiten geben, in denen WIR – jeder einzelne von uns – dazu aufgefordert sind, Flagge zu zeigen.

Don Miguel hat das getan – ungeachtet der drohenden Konsequenzen! Und wer von uns weiß denn, was dieses Beispiel nicht bei anderen ausgelöst hat? Vielleicht hörte ihm ein junger Student zu und fand dadurch den Mut, an anderer Stelle das Richtige und Rechte zu tun oder zu sagen.

Es liegt an uns! Herrgottnochmal! Dass wir in dieser schrecklichen Zeit des Irrsinns, in die wir gerade eintreten, Farbe bekennen, FLAGGE zeigen und unsere Wahrheit sprechen! Die Wahrheit ist immer stärker als die Lüge – nur tritt die Lüge lauter auf, gewalttätiger, einschüchternder – Wahrheit hat das nicht nötig.

Professor Miguel hat nicht laut gesprochen. Wir müssen das auch nicht. Aber an den Stellen, wo mir MERKEN und SPÜREN – JETZT ist es wichtig! JETZT ist es entscheidend! Da sollten wir uns GEGEN die Angst – und für das Rechte und Richtige entscheiden!

Ich wünsche allen Lesern dazu Kraft und Mut!

Ein Kommentar zu “Skizzen aus dem Spanischen Bürgerkrieg II – La Esperanza (Die Hoffnung)

  1. Armstrong schreibt heute: The 2015.75 Crisis Moving into 2020.05.
    Der Trendumkehrpunkt 2015 ist hier von entscheidender Bedeutung.
    Die Zielrichtung ist klar: „The velocity of money implodes and you end up with an economic depression“.
    Interessant ist auch die Erwähnung, dass keine weitere Konferenz in Berlin abgehalten wird und als Begründung führt man die Warnung signifikanter Bürgerunruhen als Konsequenz für das komplette Missmanagement (complete fiscal mismanagement of the ECB) der EZB an.
    Armstrong warnt schon lange, dass der Sozialismus kollabieren wird und Tag für Tag kommen wir diesem Ziel ein Stück näher.

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