Leon Bloy zur Lügenpresse

Leon Bloy, dieser wundervolle Pamphletist und Polterer des ausgehenden 19., beginnenden 20. Jhdt., über den ich hier schon mal geschrieben hatte, wurde eines Tages auch nach seiner Meinung zu Journalisten gefragt.

Wie sein Bruder im Groll, Friedrich Nietzsche, der über die Presse im Zarathustra kurz und knapp geurteilt hatte (Sie erbrechen Ihre Galle und nennen es Zeitung), machte auch Bloy aus seinem Herzen keine Mördergrube und schrieb unter dem schönen Titel „Die Zuhälterelite“ folgendes zu Journalisten:

Gewisse besonders gerissene Personen haben es für zweckmäßig gehalten, mich von neuem auf ein recht unsauberes Gebiet zu locken, indem sie mir die Frage vorlegen, was ich vom Journalismus halte. Nun, ich habe über diesen Punkt mehr als einmal gesprochen und auch schon – und ausgiebig – geschrieben.

Habe ich mich doch dadurch bereits in den Besitz eines hübschen Rufs und – wenn ich mich so ausdrücken darf – eines äußerst heiteren Daseins zu setzen vermocht. „Der französische Geist“, schrieb ich im Jahre 1885 in der ersten Nummer meines unglücklichen Pal (ein von Bloy herausgegebenes und bald wieder eingestelltes Magazin),

„der französische Geist, wie er sich am Ausgang dieses Jahrhunderts darstellt, ruft einem in geradezu zwingender Weise die furchtbare Charogne (Die stinkende Leiche) von Baudelaire ins Gedächtnis – und die Journalisten sind das Gewürm auf diesem Leichnam.

Unzählig schieben und drängen sie sich über- und durcheinander auf diesem unbestatteten Kadaver, beschleunigen dessen Verwesung und verpesten damit die gesamte Schöpfung“.

Das grauenvolle Bild, welches so zutreffend ist, dass man vor Entsetzen aufheulen möchte, habe ich nun 20 Jahre hindurch mit von Tag zu Tag sich vervollkommnender Schärfe zu zeichnen versucht und dabei eine Bitterkeit verspürt, die zu einer Sache wurde, für die es keinen Namen gibt……..

Durch ihre Erniedrigung sind die Journalisten allmählich jedem Ehrbegriff so weit entfremdet worden, dass es gänzlich unmöglich ist, ihnen begreiflich zu machen, dass man sie auskotzt, sie von neuem wild in sich hinein schlingt, um sie schließlich zu fäkalisieren.

Haust doch diese Körperschaft in jenem Geschoß der Verworfenheit, wo das Gewissen nicht mehr fähig ist, klar zu erkennen, was es bedeutet, ein Dreckskerl zu sein.

Zitat Ende. Geschrieben anno 1903 und gefunden in Leon Bloy: Tagebücher 1892 – 1917. Wer die Vorkommnisse um die Asyl- , Putin- oder AfD-, Pegida- oder Montagsmahnwachen-Berichterstattung etc. aufmerksam verfolgte, mag sich hier bestätigt fühlen.

Wes Brot ich ess, des Lied ich sing – damals wie heute. Nur – und das scheint schon zu Bloys Zeiten so gewesen zu sein – ist es manchen Journalisten möglicherweise tatsächlich nicht klar, dass sie Sklaven ihrer festgefügten Meinungen sind – und Sprachrohre anderer Interessen.

Als die sie ihren mal seichten, mal hasserfüllten, mal giftigen und mal pharisäerhaft-empörten Wortschwall über den Leuten ausgießen. Traurig zu sehen. Aber: Die Möglichkeit der Umkehr besteht bestimmt bei manchen. Und die nächsten Jahre werden wie schon oft erwähnt genügend Möglichkeiten bieten.

Vielleicht mehr miteinander reden? Diesen Ratschlag beherzigt hatte eine Dame, die zu einer Spiegelveranstaltung ging und am Ende des Abends ein schönes und mutmachendes Erlebnis hatte…… http://www.heise.de/tp/artikel/46/46264/1.html

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