Die Ukraine zerstört sich selbst

Die Ukraine ist eines dieser traurigen Beispiele eines Landes, in dem korrupte Potentaten und eine ängstliche oder willfährige Bevölkerung bei gleichzeitiger Ablenkung durch äußere Umstände dafür sorgen, dass das Land immer tiefer in den Abgrund sinkt.

Argentinien ist ein anderes Beispiel. Wieder ein anderes Griechenland (wobei natürlich auch immer äußere Kräfte mitwirken – in Argentinien waren es Hedge Fonds, in Griechenland die Vorgaben der EU und in der Ukraine spielen Russen und Amerikaner ein übles Spiel, wobei der schwarze Peter beim Westen liegt).

Denn es war der Westen, der den Maidan fleißig gefördert hatte, der die Ukrainer darin unterstützte, sich von den bösen Russen zu lösen. Das Ergebnis: Ein ruiniertes Land im freien Fall. Und möglicherweise noch zu wenig Einsicht zu den wahren Verantwortlichen:

Ich habe in den letzten Jahren einige Ukrainer (hier in Frankfurt) gesprochen. Alle sahen die Schuld allein oder vornehmlich bei Russland. Keiner wollte eingestehen, dass sich die Ukrainer gerne von den Versprechungen auf den goldenen Westen täuschen ließen. Dass sie einfach nur ein Bauernopfer in einem großen Spiel waren und sind.

Ein Bauernopfer, das längst aus dem Fokus verschwunden ist. Maidan? Odessa? MH 17? Der Krieg im Donbass? Alles längst aus den Blättern verschwunden. Dass die Wirtschaft beispiellos implodiert ist, sind bei uns nur Randnotizen. Die absolut wahnsinnigen, ja selbstmörderischen Aktionen der Regierung Poroschenko findet man bei uns meist nur im Internet.

Der Handel mit dem größten Handelspartner (Russland) ausgesetzt. Der Luftraum für russische Flugzeuge – gesperrt (und was haben die Russen darauf getan? Genau dasselbe). Internierungslager für Oppositionelle, die Einschränkung des Gebrauchs der russischen Sprache, die Kürzung von Renten und Wohngeldern, das vollkommen rechtswidrige Nicht-Bezahlen eines russischen Kredites, das ständige Säbelrasseln gegenüber dem militärisch überlegenen Gegner (die Krim ist unser – auch bei klarer Volksabstimmung mit überwältigender Mehrheit für Russland), den Donbass holen wir zurück (auch wenn die Donbass-Einwohner das kaum begrüßen dürften).

Die Griwna (die Landeswährung) im freien Fall, das Bruttosozialprodukt mit massivem Rückgang. Millionen haben das Land bereits verlassen (Schätzungen reichen von 3 – 5 Millionen), weitere Millionen stehen auf Abruf bereit. Hunderttausende ukrainischer Frauen bieten sich dem des Singles-Dasein müden Westler als Partner an. Usw. usf.

Kurz gesagt: Ein Desaster. Das auch durch skurrile Meldungen wie die jüngsten Verlautbarungen aus Kiew, dass der Generalstaatsanwalt der Ukraine künftig kein Jura studiert haben muss (so kann man Kumpels in Positionen hieven), nicht lustiger wird. https://de.sott.net/article/23947-Pfiffig-Poroschenko-erlasst-Gesetz-In-der-Ukraine-kann-man-auch-ohne-Jura-Studium-Generalstaatsanwalt-werden

Der Saker hatte jüngst mal wieder eine seiner präzisen Analysen veröffentlicht. http://thesaker.is/the-ukraine-between-fascism-ochlocracy-and-breakup/

Darin geht er davon aus, dass die ukrainische Armee eine neue Sommeroffensive versuchen könnte (die wie alle bisherigen scheitern dürfte – aber vielleicht wird man wie schon bei MH 17, wo sich die Anzeichen verdichten, dass es die Ukrainer selbst waren, ein schmutziges As aus dem Ärmel zaubern).

Ein Giftgasanschlag wie der, den man Assad in Syrien in die Schuhe schieben wollte? Noch ein Passagierflugzeug vom Himmel holen? Oder etwas vollkommen grausiges – eine schmutzige Atombombe? Es ist skrupellosen Menschen, die ohne Zögern Passagierflugzeuge für ihre politischen Ziele vom Himmel holen, zu zutrauen, dass sie auch zu äußerst blutigen Mitteln greifen.

Außerdem geht der Saker von einem möglichen Auseinanderbrechen der Ukraine aus. Auch das ist denkbar und wäre ein interessanter Vorbote auf künftige Zeiten in West-Europa: Die Zentralmacht existiert noch, wird aber immer schwächer. Regionen betreiben zunehmend ihre eigene Politik. Chaos bricht aus, in dem Kriegsherren und Mafiosi sich die Beute teilen.

Ergebnis: Breite Verarmung und eine weitere massive Fluchtwelle gen Westen. Mit der ich für dieses oder nächstes Jahr rechnen würde. Ukrainer statt Syrer also….. arme Menschen. Schachfiguren hier wie da.

Die eine Verantwortlichkeit bleibt aber bei den Ukrainern: Als ehemals reichste Sowjet-Republik ist es in 25 Jahren Unabhängigkeit gelungen, das Land zu ruinieren. Man schaue sich die Entwicklung des Handelsbilanzdefizits seit 2006 an – entsetzlich. http://www.tradingeconomics.com/ukraine/government-budget-value

Man schaue hier ab Seite 22 auf die Wirtschaftsdaten zur Inflation, zur Industrieproduktion, zu den Währungsreserven etc. Es ist grausig. http://www.laender-analysen.de/ukraine/pdf/UkraineAnalysen168.pdf

Immerhin: Was die Staatsverschuldung angeht, befindet sich die Ukraine in guter Gesellschaft: Die Staatsverschuldung entspricht nämlich in der Höhe ziemlich genau der deutschen Staatsverschuldung. (Wobei beide Zahlen insofern Muster ohne Wert sind, da dort nicht die Pensionsversprechungen auf die Zukunft, für die es keine Rücklagen gibt, enthalten sind).

Kurz gesagt: In der Ukraine können wir verfolgen, was eine selbstmörderische Politik bedeutet und wie ein Land bewusst vor die Wand gefahren wird. In Zeitlupe freilich, aber nichtsdestotrotz. Solange man aber einen Sündenbock vorzeigen kann, ist nicht anzunehmen, dass sich an der schlimmen Entwicklung etwas ändert.

Und auch wir haben keinen Grund zum Jubeln: Die Ukraine ist uns vielleicht drei Schritte voraus. Auch wir betreiben eine suizidäre Politik. Ebenfalls im Schneckentempo, doch die Schleimspuren werden an manchen Stellen deutlicher. Und das Ächzen im Mauerwerk ebenfalls.

Harmloses Herantanzen dürfte bald zu den geringeren Übeln zählen. Massenhafte Verarmung mit entsprechenden Verteilungskämpfen und Verzweiflungsszenarien wird unangenehmer sein. Was bleibt? Aufwachen! Und auch den Ukrainern wünsche ich das sehr.

Menschen guten Willens dürfte es hier wie dort geben.

Ein Kommentar zu “Die Ukraine zerstört sich selbst

  1. In den Proheizungen der Palmenblattbliotheken wird davon gesprochen, dass es einen Bürgerkrieg in der Ukraine gibt. Zuvor wird der Anschluss an die EU wegen wirtschaftlicher Probleme gesucht, der aber misslingt. Letztendlich wendet man sich wieder Russland zu. Der Bürgerkrieg endet 2019.
    Ähnliches gilt auch für das Baltikum.

    Zu Deutschland. Deutschlands Wirtschaftsstärke hat viele Neider. Ahnliches konnte man auch vor dem 1.Weltkrieg feststellen.
    2/3 der Deutschen sind mit Merkel unzufrieden. Armstrong schreibt dazu folgendes; ich zitiere aus seinem Blog:
    „The German polls clearly show that the German people are rejecting Merkel as their leader. Currently, the majority cannot see how Merkel will remain Chancellor after the election in 2017. The age group that is really fed up with Merkel are in the 45 to 54 age bracket. The polls are showing that the lower the income and the lower the level of education, the higher the rejection of Merkel as Chancellor. This is exactly on time. We are facing a global political crisis on the 86 anniversary of 1933, the year FDR and Hitler came to power.“

    Ich würde sagen, das Volk hat ein gutes Bauchgefühl, die Akademiker weniger, um es höflich zu formulieren.

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