Die Schlinge zieht sich zu II

Es ist ziemlich genau ein Jahr her, da veröffentlichte die Ing DIBA Bank eine Studie, welche sich mit den langfristigen Folgen der Automatisierung und Technisierung für den Standort Deutschland befasste. http://www.ingenieur.de/Themen/Industrie-40/Roboter-koennten-18-Millionen-Deutsche-arbeitslos

Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass von den 30 Millionen untersuchten Arbeitsplätzen in Deutschland in den nächsten 15-20 Jahren bis zu 18 Millionen durch die fortschreitende Technisierung wegfallen könnten – und nicht oder kaum ersetzt werden dürften.

Nun ist keine Studie ohne Mängel und niemand kann die Zukunft genau vorhersagen (zudem haben die die Studie Durchführenden lediglich die Ergebnisse einer US-amerikanischen Studie von 2013, welche von einem Wegfall von ca. 50% der amerikanischen Arbeitsplätze in den nächsten Jahren durch besagte Trends ausging, übertragen).

Allerdings können wir von einer Sache mit Sicherheit ausgehen: Der Prozess der Automatisierung und Technisierung, der in den achtziger Jahren noch kritisch beäugt und sogar diskutiert worden war, wird weiterlaufen, solange menschliche Arbeitskraft teurer als technischer Ersatz ist.

Solche Meldungen sind auch nicht ganz neu: Der amerikanische Publizist und Politik-Berater Jeremy Rifkin sprach schon vor Jahren in einem Buch vom „Ende der Arbeit“, wenn die Technisierung so weiter voranschreiten würde. http://www.perspektive-blau.de/buch/0712a/0712a.htm

Und wenn ich mir nur einige Meldungen der letzten Wochen und Monate vor Augen führe, so kann man schon ins Grübeln kommen…. Da wird (Hurra – der Fortschritt!) eine App für Hotels eingeführt, die es dem Gast ermöglicht, ohne jemanden an der Rezeption bemühen zu müssen, direkt über sein Smartphone einzuchecken. Langfristige Folge im Hotel: Ein (oder mehr) Arbeitsplatz weniger.

An Getränkeautomaten oder an Ticketautomaten am Bahnhof hat man sich schon lange gewöhnt (schaut mal den verwaisten Schalter auf den kleinen Bahnhöfen – da hockte mal jemand), dass bei Opel am Band nur noch ein Bruchteil der Arbeiter stehen, die mal dort waren, auch. Ebenso an Videotheken ohne Bedienung, eine IKEA-Kasse, bei der man ohne Bedienung zahlen kann etc. pp. (Hurra! Der Fortschritt!).

Letztens las ich etwas ganz besonders perfides in der FAZ: Eine App, mit der man für geringe Eurobeträge Aufträge für Firmen übernehmen kann. Beispiel: Eine Firma möchte wissen, ob ihr Sortiment in den Regalen in den Läden so-und-so richtig angeordnet ist. Der fröhliche App-Nutzer macht davon Fotos und kriegt dafür ein bisschen Geld (im vorliegenden Beispiel war von einem Betrag von sieben Euro die Rede).

Das ist ja wohl Altglassammeln auf modern – schöne neue Welt, in der die Arbeitssklaven dank ihrer tollen Geräte solche Arbeiten nebenbei erledigen können (auch ein Trend – immer mehr auf die Kundenschultern zu verlagern. Die Zeit hatte dazu mal einen interessanten Artikel geschrieben – es gibt also noch Journalismus – zumindest hin und wieder). http://www.zeit.de/2016/14/wirtschaftspsychologie-engagement-lifestyle-arbeit-oekonomie-kunden/komplettansicht

Man gaukelt den Leuten vor, dass es hip und trendy ist, selber einzuchecken (hurra – die Zeitersparnis!), selber abzukassieren, selber einzuräumen, selber zu kontrollieren, selber dies und selber das – und was dabei nebenbei reduziert werden kann, sind Arbeitsplätze. Kostenfaktor Nummer Eins, an dem man drehen kann. Bzw. als Unternehmer muss – man muss ja Gewinne machen.

Doch zurück zum Thema: Die Automatisierung wird weitergehen und weitere Arbeitsplätze überflüssig machen. Heute sind es – noch – die industriellen Arbeitsplätze, die im Fokus stehen (bei Opel wurde 2005 das Werk Bochum mit tausenden von Arbeitnehmern gerettet, um dann zehn Jahre später – geschlossen zu werden. Produziert Opel weniger Autos? Nein. Aber man kann immer mehr mit immer weniger Personal produzieren).

Das nächste werden die Dienstleistungsarbeitsplätze sein. Auf Kreuzfahrtschiffen las ich von Robotern, bei denen man Getränke bestellen kann. Trendy! Da muss man auch kein Trinkgeld geben, schätze ich. Warum nicht auch in der Verwaltung Arbeitsplätze sparen? Im Call-Center? Bei der Datenverwaltung? Und selbstfahrende Autos werden auch schon eingesetzt – und das macht wen überflüssig? All diese teuer bezahlten LKW-, Taxi-, Amazon- und was-weiß-ich-Fahrer! All diese unnützen Esser…. Pardon, ich meine Kostentreiber.

Ob es für alle unnütz gewordenen Ex-Sachbearbeiter und Ex-Fahrer dann genügend neue Arbeitsplätze als….. ja, als was denn? Als Packer, Pizzaboten oder Paketzusteller geben wird? Fraglich.

Fassen wir zusammen: Die nächsten Jahre werden wie gesagt den Wegfall hunderttausender, wenn nicht Millionen von Arbeitsplätzen sehen. Dass diese durch neue Arbeitsplätze ersetzt werden können, sehe ich nicht. Denn dazu bräuchte es einen Innovationsschub wie mit dem Internet – und zudem ein komplettes Umdenken in der Lohn- und Beschäftigungspolitik.

Wenn man sich ansieht, welche der Forderungen von Jeremy Rifkin, der schon vor über 10 Jahren vor den desaströsen Langfristfolgen der Technisierung warnte, umgesetzt worden sind….. so sieht man…… KEINE!

Rifkin forderte u.a. eine Absenkung der Arbeitszeit, eine Veränderung des Steuersystems als Anreiz für Arbeiten im Non-Profit-Sektor, ein garantiertes Grundeinkommen etc. Er entwarf zwei Zukunftsszenarien:

Eines, in dem diese und andere Vorschläge umgesetzt würden und die Menschen ihrer selbstgewählten Arbeit sinnvoll nachgehen könnten. Und eines von einer Welt in Massenarmut und Chaos. Mit Ghettos und abgesperrten Bezirken für die Reichen. Welchem Ergebnis wir näher kommen zu scheinen, mag der geneigte Leser  selbst entscheiden……

Und folgendes mit ins Kalkül ziehen: Das ist EINE von vielen nebeneinander her laufenden, unguten Tendenzen. Man kann noch die Euro- oder Finanzkrise dazu nehmen, die Bildungssituation in Deutschland, die Indoktrinierung weiter Teile der Bevölkerung etc. pp. Und wer dann nicht zum Nachdenken gebracht wurde, sollte sich wegen KD (kognitiver Dissonanz) von seinem Arzt untersuchen lassen. Dringend!

Post Scriptum: Wenn man unter Kenntnis des eben gesagten nun noch überlegt, dass in unser Land kurz nach den Artikeln vom Mai 2015 hunderttausende, vornehmlich junge Männer, gekommen sind, für die in ihrer Mehrheit keine Perspektiven auf dem hiesigen Arbeitsmarkt existieren (was selbst dann nicht der Fall wäre, wenn sie so gut ausgebildet wären, wie man anfangs behauptet hatte) –

dann sollte man ins Grübeln kommen. Entweder unsere Politiker sind ideologisch oder anderweitig verblendete, vom Augenblick getriebene Menschen, ohne jeden Weitblick und ohne jedes Verantwortungsgefühl für dieses Land (und das ist möglich).

ODER dem Ganzen liegt ein perfider Plan zugrunde, welcher vorsieht, dass eine Gesellschaft geschaffen wird, die innerlich so zerrissen, uneins und von Misstrauen und Angst geprägt ist, dass sie sich nie gegen die Herrschenden zum Widerstand vereinen  kann. Und sich stattdessen im gegenseitigen Kleinkrieg um das immer teurer werdende tägliche Brot zermürbt und zermahlt……

Auch hier soll dem geneigten Leser das Urteil überlassen werden. Und egal, für welche Erklärung Du Dich entscheidest, lieber Leser – bitte wach auf! Es ist etwas faul im Staate Dänemark…… sogar schon oberfaul. Den Gegner da zu sehen, wo er wirklich ist – das tut jetzt not. Ansonsten gilt:

Die Schlinge zieht sich zu

beim Esel und der Kuh.

Doch solang der Esel noch tanzen kann,

solang die Kuh noch grasen kann,

wollen beide nur ihre Ruh…..

nur irgendwann….. da wird’s mit der Luft dann…..uh!

2 Kommentare zu “Die Schlinge zieht sich zu II

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