Wie den Reichen auf die Finger schauen?

Im Netz fand ich letztens einen überaus interessanten Artikel eines mir unbekannten Autors zu den Machenschaften von Stiftungen in den USA bzw. zu dem Phänomen, dass immer mehr reiche Amerikaner Stiftungen gründeten bzw. Ihr Geld Stiftungen vermachen täten (die Namen Gates und Zuckerberg mögen einem hierbei spontan einfallen).

Der Artikel des Autors Michael Massing versucht, der Frage nachzugehen, was davon zu halten sei und wie man künftig den Superreichen (die mit ihrem Reichtum über Stiftungen politisch-gesellschaftlichen Einfluss ausübten, ohne dass es großartig in der Presse dargestellt werde) beikommen solle.

Da der Artikel ziemlich lang und auf Englisch, jedoch auch sehr interessant ist, will ich mich im Folgenden bemühen, ihn kurz zusammenzufassen. Hier der Link zum Original-Artikel: http://www.nybooks.com/articles/2016/01/14/how-to-cover-the-one-percent/

Massing, offenbar früher der Herausgeber eines Magazins, des Columbia Journalism Reviews (mir unbekannt) stellt zunächst fest, dass mit dem Anwachsen des Reichtums der Superreichen auch die sogenannten „philanthropischen Aktivitäten“ (in Form von Stiftungen) gewachsen seien.

Anmerkung von mir: Dass sich der Reichtum in den USA immer mehr in immer weniger Händen konzentriert hat, haben auch andere bereits beschrieben. http://www.washingtonsblog.com/2015/07/u-s-wealth-concentration-the-most-accurate-current-estimates.html Wenn 1% der Bevölkerung 42% des Vermögens eines Landes besitzen, ist es trotz Equality und Justice um diese Werte (wenn man sie ernst nimmt) schlecht bestellt.

Auch, dass die überwältigende Mehrheit der US-Amerikaner ärmer geworden ist, ist keine gute Nachricht. http://www.gegenfrage.com/90-aller-us-amerikaner-sind-heute-aermer-als-1987/

Bei uns erodiert die Mittelschicht ebenfalls und nähert sich immer mehr dem Prekariat an. http://www.prabelsblog.de/2014/08/prekariat-und-mittelschicht-auf-augenhoehe/ Während gleichzeitig die Vermögen sich immer mehr in den Händen von immer weniger Menschen konzentrieren. http://www.jjahnke.net/wb/wb159-180413-9357.pdf

Wenn man jetzt noch ins Kalkül ziehen wollte, dass der Welt-IQ am Sinken und die Militärausgaben global am Steigen sind, könnte man ins Grübeln kommen, wohin die Welt steuert….. doch dies soll nicht Thema dieses Beitrages sein. http://www.zerohedge.com/news/2014-09-15/why-worry-two-scariest-charts-world

In den Händen der Wenigen

Daher zurück zum Artikel von Herrn Massing: Dieser stellt nüchtern fest, dass die immer größer werdenden Zuwendungen der Reichen zu Stiftungen nicht allein in Menschenfreundlichkeit ihren Ursprung hätten. So würden Stiftungen steuerlich bevorzugt, was bedeute, dass dem US-Amerikanischen Staatshaushalt so jedes Jahr ca. 40 Mrd. Dollar an Steuern vorenthalten würden.

Dies sei zusammen mit der Kapitalkonzentration ganz oben ein maßgeblicher Grund dafür, dass die Anzahl der Stiftungen mit einem Kapital von über einer Mrd. Dollar sich in den letzen 15 Jahren auf über 80 verdoppelt habe.

Zwar sei es richtig, dass mit dem Geld dieser Stiftungen Museen, Universitäten, Krankenhäuser etc. gefördert würden, doch würde damit auch politisch Einfluss genommen. Anders als die Kampagnen zu Wahlen, welche berechtigterweise im Fokus (und in der Kritik) der Presse stünden, sei das kritische Beleuchten von Stiftungen und Stiftern aber quasi nicht-existent.

Dies kritisiert Massing sehr deutlich! (Und mir fiele für unsere Breitengrade auch nicht ein, dass jemand aus der Presse sich mal kritisch mit Stiftungen befasst hätte – aber ich mag mich hier auch irren).

Massing verweist auf eine Homepage eines Mannes namens David Callahan. Dieser, ein in den USA bekannter gesellschaftskritischer Autor und Sprecher, hatte 2013 eine Homepage namens „Inside Philanthropy“ http://www.insidephilanthropy.com/ ins Leben gerufen, die sich kritisch mit dem Wirken der US-Amerikanischen Stiftungen auseinander setzt. https://en.wikipedia.org/wiki/David_Callahan

Dies begrüßt Massing als einen äußert wichtigen Schritt. Denn oft seien die Stifter „Philanthrokapitalisten“, die mit einer Agenda auftauchten (Massing zitiert den Rektor der Columbia School of Journalism, der ihm sagte, ein Stifter sage nicht „wie kann ich helfen?“, sondern „Hier ist meine Agenda“).

Die Seite „Inside Philanthropy“ zeigt nach Massing viele wertvolle Beispiele für Menschen und Institutionen, welche mit Stiftungen ihre politischen Vorstellungen verwirklicht sehen wollten. Dies müsse viel stärker offengelegt werden, da die Interessen der Reichen eben NICHT den Interessen der 99% entsprechen würden.

Im Folgenden bringt Massing einige gute Geschichten von Stiftungen von Reichen und Superreichen als Beispiele dafür, wie wichtig es sei, mit den Mitteln des Internets den Reichen auf die Finger zu schauen:

Geschichten der Reichen

Er erwähnt die Laura and John Arnold Stiftung. http://www.arnoldfoundation.org/ Diese konzentriere sich laut ihrer Website auf Erziehung, Nachforschungsintegrität (was soll das sein?), Gerechtigkeit, faktenbasierte Politik und Innovationen. Was alles erst mal nach hehren Zielen klingt.

Auf der Homepage finde sich außerdem der Hinweis, dass die Stiftung sich für öffentliche Pensions-Systeme einsetze, welche finanzierbar, sicher und dauerhaft sein sollten. John Arnold arbeitete lange bei der berüchtigt gewordenen US-Firma Enron, wo er u.a. als Trader von Derivativen im Gas-Sektor half, viel Gewinn zu erzielen.

Als Enron kollabierte, machte sich Arnold mit einem Hedge Fond selbstständig. 2012 zog er sich vom Fonds (der zu dem Zeitpunkt über 3 Mrd. Dollar wert war) zurück und gründete seine Stiftung. Diese habe zum Beispiel nach Callahan 3,5 Mill Dollar an die private Fernsehstation WNET in New York gegeben.

Mit diesem Geld sei eine Nachrichtenserie namens „The Pension Peril“, zu deutsch, die Pensionsgefahr, produziert worden, welche sich für Kürzungen von Pensionen aussprachen (da Arnold gleichzeitig dafür in der Legislative des Staates warb, wurde die Sendung nach Protesten abgesetzt).

Massing erwähnt weitere Beispiele von Milliardären, welche mit ihren Stiftungen bei Medienunternehmen ihnen genehme Darstellungen von wichtigen Themen (zur Gesundheitsfürsorge, Wirtschaft etc.) platzierten und die Medienunternehmen dies so vermitteln täten, wie es von den Stiftungen gewünscht sei.

Als jüngstes bekanntes Beispiel für eine große Stiftungskampagne geht Massing auf Mark Zuckerberg ein. Dieser habe zwar all sein Geld Stiftungen gegeben, welche aber unter seinem und dem Einfluss seiner Frau blieben. Mithin gehe es auch hier lediglich darum, Steuern zu vermeiden und gesellschaftlichen Einfluss im Gewand einer vermeintlich menschenfreundlichen Haltung ausüben zu können.

Kurz: Es geht um die Besetzung (und Gestaltung) des öffentlichen Diskurses – im Sinne der Reichen und Mächtigen!

Im nächsten Abschnitt seines sehr lesenswerten Artikels beschreibt Massing, wie Stiftungen Institutionen wie Think Tanks, Universitäten etc. dazu bringen, Forschung oder Politik in ihrem Sinne zu betreiben, indem sie als Förderer (und offensichtlich auch Forderer) auftreten.

Neben Beispielen für private Stiftungen beschreibt Massing anhand des Beispieles von Norwegen, welches als Staat immerhin 24 Mill Dollar über vier Jahre an verschiedene Think Tanks in Washington überwiesen hatte (damit diese im Sinne des Norwegischen Auswärtigen Amtes Artikel verfassten), wie auch Staaten als Einflussnehmer auftreten können.

Massing schwebt als Lösung eine große Internetplattform vor, auf welcher die Leser über die Hintermänner und –frauen von wohlklingenden Namen informiert werden sollten: So zum Beispiel darüber, dass die Initiative „Broadband for America“, welche sich für Netzneutralität ausspricht, von der Kabelbranche finanziert wird.

Oder dass hinter der „Forschungs- und Aufklärungskampagne Energy in Depth“ die Ölindustrie steckt. Usw. usf.

Anmerkung von mir: In Deutschland ist es (k)ein Geheimnis, dass zum Beispiel die „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ von den Unternehmerverbänden der Metall- und Elektroindustrie finanziert wird. Aber wie viele Menschen wissen das auch? https://lobbypedia.de/wiki/Initiative_Neue_Soziale_Marktwirtschaft

Doch weiter im Text: Wenn eine liberale Organisation wie die „Democracy Alliance“ in den USA sich für eine nachhaltige Wirtschaft, eine Stärkung der Demokratie und vom Umweltschutz ausspricht, so klingt das zunächst wunderbar. http://democracyalliance.org/

Wenn allerdings Massing darlegen kann, dass diese Allianz von mehr als 100 Superreichen gefördert wird, darunter George Soros, Tom Steyer (ein Hedge Fond Manager), Rob McKay, der Erbe von Taco Bell etc., so sollte man – wie Massing – hellhörig werden bzw. genauer hinschauen.

Wie Universitäten angegangen werden

Was Universitäten betrifft, schildet Massing wie zum Beispiel die anerkannten US-Professoren der Columbia Universität Glenn Hubbard und Frederic Mishkin vor der Finanzkrise bestimmte unternehmerfreundliche Ansichten über die Wirtschaftslage vertreten hatten, ohne dabei zu erwähnen, dass sie Geld von wirtschaftsfreundlichen Stiftungen erhalten hatten (was offenbar im Film „Inside Job“ über die Finanzkrise 2008 Erwähnung fand). https://de.wikipedia.org/wiki/Inside_Job

2009 habe der Milliardär John Paulson der New York Universität 20 Mill Dollar zur Errichtung eines Alan Greenspan Lehrstuhles für Ökonomie gegeben. 2010 habe die Peter Peterson Stiftung der Columbia Universität 2,4 Mill Dollar zur Erstellung eines Curriculums überlassen, welches an jede High School des Landes geschickt werden sollte und in dem Wege zur Reduzierung des US-Defizits gelehrt werden sollten.

Eine andere Stiftung stellte Millionen Dollar zur Verfügung, um die „moralischen Fundamente des Kapitalismus“ zu untersuchen. Massing kritisiert, dass niemand sagen könne, welche Auswirkungen diese Förderungen hätten und dass es keinen Überblick über sie gebe (wie bei uns wohl auch nicht).

Massing legt außerdem dar, dass durch Universitäts-Kuratorien, also die Stiftungsräte an Unis, mehr und mehr Einfluss auf die Universitätspolitik genommen werde. So seien zum Beispiel an der New York Universität die Mehrheit der Mitglieder des Kuratoriums aus dem Bereich der Finanzindustrie oder seien Anwälte oder Grundstücksmakler.

So habe der Vorsitzende des Kuratoriums von 1998 bis 2014, Martin Lipton, eigenhändig einen Mann der Wirtschaft namens John Sexton zum Präsidenten der Universität ernannt, welcher sämtliche Wünsche des „Big Money“, was die Erweiterung des Campus anginge, umgesetzt habe.

Den Einfluss vom großen Geld sieht Massing als zu groß und immer noch wachsend an, was auch öffentliche Universitäten betreffe, die gezwungen seien, mehr und mehr auf Förderer zurück zu greifen, welche ihrerseits Einfluss auf die Universitätspolitik nähmen (und nennt als Beispiel die Universität von Virginia, wo offensichtlich die äußerst beliebte Direktorin Teresa Sullivan von zwei Förderern der Uni zum Rücktritt gezwungen worden war – allerdings aufgrund massiven öffentlichen Protests wieder zurückkehren durfte).

Ähnliches schildert Massing für die Universität von Nord Carolina, wo der dortige Präsident durch eine ehemalige Ministerin für Erziehung unter George w. Bush ersetzt worden sei.

Wie menschenfreundlich sind die „Freunde“ wirklich?

Eine Webseite, wie sie Massing vorschwebt, würde auch Medienberichten über „menschenfreundliche Magnaten“ wie David Rubenstein nachgehen. Dieser, Gründer der größten Private Equity Firma der Welt, der Carlyle Gruppe, und Milliardär, hatte u.a. Programme zur Rettung von Pandas in US-Zoos finanziert oder eine für 21 Mill Dollar erworbene Kopie der Magna Charta an das National Archiv verliehen.

Im Umkehrschluss wurde Rubenstein von der Presse wie erwähnt als lobendes Beispiel eines Geschäftsmannes mit Gesellschaftssinn gebracht. Dass die Carlyle Gruppe für ihre Geheimhaltung bei ihren Aktivitäten und ihre guten Verbindungen zur großen Politik bekannt ist, spielte da die geringere Rolle. Dass im Beirat so Namen wie George Bush, James Baker oder John Major auftauchen, sollte aber Erwähnung finden.

Ebenso, dass ein vormaliger CIA Deputy Director, ein Herr Frank Carlucci, von 1994 bis 2003 Vorstand von Carlyle war und der Firma viele Türen in Washington geöffnet hatte. Hinter denen dann die Firma geheime Absprachen mit ihren Partnern traf, was in der Presse aber weniger Aufmerksamkeit (nach Massing) weckt, als die Darstellung des Kulturfreundes Rubenstein.

Nebenbei: Erinnert sich jemand hierzulande an den hochgelobten Menschenfreund und Karstadt Investor Nikolaus Berggrün? Als Retter in der Not im Jahre 2010 gefeiert, klang es schon drei Jahre später ganz anders. http://ichsagmal.com/2013/12/29/ritter-retter-und-am-ende-doch-nur-blender-uber-den-karstadt-wunderheiler/

Doch zurück zum Text: Massing schlägt an dieser Stelle eine Volte zum Thema Private Equity und beklagt, dass kaum jemand wisse, wie sehr mit Private Equity Firmen und Hedge Fonds die Konzentration des Kapitals in immer weniger Händen vorangeschritten sei.

Wenige schienen daran interessiert zu sein, dass das Eine Prozent der Ein Prozent (also die Megareichen der Reichen) sich vornehmlich aus Private Equity und Hedge Fond Vorsitzenden rekrutiere. Massing zitiert einen ebenfalls lesenswerten Artikel hierzu, den ich vielleicht mal anderer Stelle zusammenfasse: http://www.nakedcapitalism.com/2015/06/memo-to-readers-if-you-want-to-beat-big-finance-you-need-to-be-able-to-take-the-fight-to-their-terrain.html

Black Rock sei zum Beispiel mit 4,5 Bill Dollar an verwalteten Geldern die größte Vermögensverwaltung der Welt. Ihr Vorsitzender Laurence Fink stehe mit Staatsmännern und Unternehmenschefs auf der ganzen Welt im Kontakt. Black Rock habe u.a. hinter den Kulissen auf Länder wie Griechenland oder Irland im Rahmen der Finanzkrise eingewirkt.

Black Rock sei im Grunde „das Blackwater der Finanz“, d.h. eine Firma, die im Geheimen vorgehe und als eine Art „Schattenregierung“ angesehen werden könne. Anmerkung von mir: Sehr guter Vergleich! Wer das Geld hat, bestimmt die Regeln – damals wie heute!

Wer glaubt denn allen Ernstes, dass den Griechen (wenn es Varoufakis und Tsipras wirklich ehrlich und ernst gemeint hatten mit ihrer Austrittsdrohung aus dem Euro, was ich nicht beurteilen kann) nur von der EU Druck gemacht worden wäre? Es ist anzunehmen, dass auch die Reichen auf Athen eingewirkt haben. Und sicherlich nicht allein mit Samthandschuhen.

Kurz: Für solche Institutionen wie Black Rock fordert Massing eine stärkere (und kritischere) Beobachtung! Gleiches wünscht er sich für Hollywood und Silicon Valley. Unternehmen wie Walt Disney verstünden es meisterhaft, Journalisten dazu zu bringen, über die Glanzseiten von Hollywood zu berichten (oder über Skandale der Stars).

Die Korruption von Studios und was da sonst noch an üblen Machenschaften vor sich gehe, bleibe weitgehend unbemerkt. Oder unberichtet.

Anmerkung von mir: Alles PR. Manchmal durchbrochen von seltsamen Aussagen wie der von Marlon Brando („Hollywood is run by Jews!“) – https://www.youtube.com/watch?v=lN17c2v2Vgk – die aber niemand weiter hinterfragt.

(Und dass ein jüdischer Journalist und Herausgeber verschiedener Zeitschriften, Jonathan Goldberg, feststellt, dass dies statistisch nachweisbar ist, wäre – bei uns zu erwähnen – wohl schon Ausweis einer antisemitischen Grundhaltung. In den USA erwähnen das auch nur die Rechten). https://en.wikipedia.org/wiki/J.J._Goldberg

In seinem Buch von 1996 „Jewish Power“ schrieb Goldberg nämlich: „In a few key sectors of the media, notably among Hollywood studio executives, Jews are so numerically dominant that calling these businesses Jewish-controlled is little more than a statistical observation … Hollywood at the end of the twentieth century is still an industry with a pronounced ethnic tinge. Virtually all the senior executives at the major studios are Jews. Writers, producers, and to a lesser degree directors are disproportionately Jewish — one recent study showed the figure as high as 59 percent among top-grossing films.“ http://www.rense.com/general27/jlobby.htm

Aber auch dies muss auf einen anderen Artikel und einen anderen Zeitpunkt warten. Ach ja: Manchmal kommen auch verstörende Nachrichten über Kindesmissbrauch in den alternativen Medien hoch, werden aber nicht groß weiter verfolgt. http://www.pravda-tv.com/2014/11/sexueller-missbrauch-im-filmgeschaeft-hollywoods-perverse-symbiose-video/

Auch zu den Firmen aus dem Silicon Valley sieht Massing viel stärkeren Bedarf, ihnen auf die Finger zu schauen, Google unterhalte mittlerweile in Washington ein Büro mit hundert Lobbyisten, die den Auftrag hätten, Googles Vorstellungen von Datenschutz (bzw. vom Sammeln von Daten) rechtlich zu verankern zu helfen.

Google habe es zum Beispiel 2012 verstanden, die Federal Trade Commission (eine Bundesbehörde zum Verbraucherschutz, worunter auch digitale Konsumenten zu verstehen sind) dahingehend zu beeinflussen, eine Untersuchung über die Dominanz von Google als Suchmaschine zu unterlassen. Google sei ein Meister darin, im Hintergrund als Strippenzieher aufzutreten.

Doch auch die großen Unternehmen in Amerika seien seit 2008 (als der Fokus der Berichterstattung sich auf Wall Street verlagerte) zu sehr aus dem medialen Blickfeld geraten. Es würde zwar über Skandale bei GM oder VW berichtet, doch darüber, wie Boeing, Dupont, FedEx etc. die Löhne absenkten oder gegen Gewerkschaften vorgingen oder allgemein ihre Mitarbeiter behandelten, nicht.

Das große Spiel

Schlussendlich sei es von enormer Wichtigkeit, die globale Vernetzung der Superreichen darzustellen und ihren Einfluss auf die jeweilige Landespolitik dazu. Als Beispiel führt Massing Carlos Slim an, den reichsten Mann Mexikos. Dieser sei offiziell 70 Mrd. Dollar „schwer“, was sechs Prozent des jährlichen Bruttosozialproduktes seines Landes entspreche.

Damit sei Mexiko eines der ungleichsten Länder der Welt (doch holten alle anderen Länder kräftig auf). Slim habe in Mexiko eine Monopolstellung im Telekommunikationssektor inne und übe wesentlichen Einfluss auf die Politik seines Landes aus.

Slim sei außerdem Anteilseigner der New York Times (er besitze 17% der Aktien) und es sei auffällig, dass über ihn nur selten (und nie kritisch) in einer der bekanntesten US-Amerikanischen Zeitungen berichtet würde. Doch sei Slim nur ein Beispiel für die Strategie der Superreichen, Institutionen (auch politische) zu kapern und zu dominieren bzw. für ihre Zwecke zu benutzen.

Anmerkung von mir: Wo ist es bei uns anders? S. auch die Bertelsmann-Stiftung. Oder das Damenkränzchen Angela Merkel – Liz Mohn – Friede Springer. Alles in den Bunteblättern und der Gala und nichts in der Tagespresse, was über die faltenfreien Abendkleider der Damen hinausgehen würde…..

Fazit

Massing stellt zum Ende seiner Ausführungen nüchtern fest, dass die Reichen bzw. Superreichen einen immer größeren Einfluss auf immer mehr Bereiche der Gesellschaft (und dies eben gerade auch über Stiftungen) nehmen würden. Kein Bereich, der nicht von ihnen beeinflusst würde:

Kunst, Kultur, Erziehung, Gesundheit, Politik, Wirtschaft, Fernsehen etc. pp. Der Einfluss wachse ständig (s. in den USA ein Stiftungskapital von über 80 Mrd. Dollar) und müsse unbedingt (!) offengelegt werden! Ein erster Schritt dazu sei eine Homepage, welche künftig diese und andere Aktivitäten kritisch beobachte und hinterfrage.

Wichtig sei es auch, die Enklaven der Superreichen wie Greenwich, Palm Beach etc. genauer unter die Lupe zu nehmen sowie auch die regelmäßigen Treffen der Reichen und Mächtigen zu beobachten (Bilderberg, die Zeitgeist Conference von Google, Sun Valley etc.).

Die hierzu notwendige Homepage könnte (ein logischer Zirkelschluss) durch….. eine Stiftung finanziert werden…… 🙂

Doch Scherz beiseite (denn das Thema ist ernst genug): Den Ausführungen von Massing ist dahingehend zuzustimmen, dass eine WIRKLICHE Aufklärungsplattform (im Rahmen von „Stiftungen“ wie wohl auch anderweitig) dringend notwendig wäre!

Geld regiert die Welt (seit Erschaffung des Geldes) – daran hat sich seit den 2000 Familien, die den Reichtum des alten Rom unter sich aufgeteilt hatten und die Geschicke der Republik bestimmten, nichts geändert. Auch heute noch bestimmen die Reichen – wer denn sonst?

Dies zumindest zu versuchen, offenzulegen, wäre ein (im Wortsinne) ehrenwertes und wertvolles Unterfangen! Zwar – an der Problematik, dass die Gesellschaft sich sehr stark zum Unguten verändern muss und wird, würde sie nichts ändern.

Aber Aufklärung – und WAHRHEIT – sind Werte an sich – nach denen zu streben, ist NIE falsch. Im antiken Griechenland wurde die Herrschaft eines Tyrannen irgendwann durch die Demokratie abgelöst. Und die Demokratie eines Tages wieder durch die Tyrannis….. wer weiß, wie es bei uns kommt?

Doch bleibt uns eine Hoffnung! Oder wie es ein großer Geist einst formulierte:
Eine Grenze hat Tyrannenmacht:
Wenn der Gedrückte nirgends Recht kann finden,
wenn unerträglich wird die Last, greift er
hinauf getrosten Mutes in den Himmel
und holt herunter seine ew’gen Rechte,
die droben hangen unveräußerlich
und unzerbrechlich wie die Sterne selbst.
Quelle: Wilhelm Tell II, 2. (Stauffacher)

Wahrheit ist so ein unzerbrechlicher Wert. Streben wir also nach Wahrheit – so gut wir es können!

Ein Kommentar zu “Wie den Reichen auf die Finger schauen?

  1. Was ich interessant finde: Über GS in europäischer Politik wird offen berichtet. Dahinter bleibt Nebel.
    Aber hier noch so ein Anlaß für VT. An eine Änderung der Zusammensetzung des Supreme Court der VSA glaubt schon lange niemand mehr. Je zur Hälfte jüdisch und katholisch. Nix mit WASP.
    http://www.jta.org/2016/03/16/news-opinion/united-states/obama-to-name-jewish-federal-judge-to-supreme-court?utm_source=Newsletter subscribers&utm_campaign=2dc92f8d7e-Daily_Briefing_3_16_2016&utm_medium=email&utm_term=0_2dce5bc6f8-2dc92f8d7e-25351473

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