Kognitive Dissonanz II

Und wieder mal schlenderte ich am Wochenende durch unseren Ort und führte hier und da kleine Gespräche (denn das mache ich manchmal gerne). Zunächst traf ich einen alten Bekannten – Akademiker im öffentlichen Dienst. Wir schnackten kurz über dies und das – irgendwann ging es auch um die Flüchtlingskrise.

Von ihm (das war kurz vor der Wahl gewesen) kam eine Schimpfkanonade über die AfD und dass die mit den Ängsten der Leuten spielen täten. Ich wagte den Einwand, dass Ereignisse wie in Köln Ängste schüren täten – dazu bräuchte es keine AfD. Die Reaktion überraschte mich:

Mein Bekannter stimmte mir zu, dass diese Übeltäter sofort ausgewiesen werden müssten. Indes wollte er von seiner AfD-Meinung nicht herunter. Gegen die AfD müsse deutlicher vorgegangen werden (ich fragte nicht, auf welche Weise dies geschehen sollte). Nach kurzem Händeschütteln trennten wir uns.

Als nächstes traf ich jemand, den ich vom Hundeausführen kenne – einen in Eritrea geborenen Mann. Nach Austausch der üblichen Höflichkeiten erging er sich zwei Minuten über „die Wahnsinnige“, womit er, wie mir nach kurzem Zuhören klar wurde, unsere Kanzlerin meinte.

Die habe doch einen Eid geschworen, Schaden vom deutschen Volk abzuwenden und tue das genaue Gegenteil. Er kenne genügend Ausländer, die das genauso sehen würden und den Kopf schüttelten. Es sei der Wahnsinn, was hier passiere und müsse ganz übel enden!

So mit weiteren Eindrücken ausgestattet trennten wir uns und ich traf kurz darauf einen Mann aus meiner Straße, einen Italiener. Dieser, ganz mit dem Charme des Südländers ausgestattet, erklärte mir erst einmal in einprägsamen Sätzen nach kurzer Begrüßung, warum ein Gauner wie Berlusconi der bessere Politiker sei:

Alle Politiker seien nämlich Gauner und da sei es besser, einen erfahrenen Gauner wie ihn zu wählen! Diese Ansicht fand ich durchaus interessant. Befragt, wie er die Lage in Deutschland einschätze, sagte er, er ginge demnächst zurück nach Italien. Da sei es zwar auch schlimm, aber was Merkel für Deutschland tue, sei schlimmer.

Und er wolle nicht dabei sein, wenn hier das Chaos ausbräche, was unweigerlich irgendwann kommen müsse. Dann gingen wir beide unsere eigenen Wege weiter und ich kam nachdenklich zuhause an (und stellte fest, dass ich die Milch vergessen hatte – aber das ist eine andere Geschichte).

Jedenfalls fragte ich mich im Nachhinein: Wer von den dreien litt an der stärksten kognitiven Dissonanz? Ich weiß es nicht bzw. überlasse das Urteil am besten dem geneigten Leser.

Noch schippert der Supertanker Deutschland unverdrossen durch rauer werdende See. Im Nahen Osten sind angeblich 130 Millionen Menschen migrationswillig und in Schwarzafrika deren 380. Seid umschlungen Millionen? Wohl eher nicht. http://www.achgut.com/artikel/merkels_strategie_des_ueberlaufbeckens

Noch scheinen die eingeübten Abwehrreflexe zu funktionieren und werden die Warner als sich im Wahn befindend dargestellt. Wie lange noch? http://www.zeit.de/kultur/literatur/2015-10/botho-strauss-glosse-fluechtlingskrise-spiegel/komplettansicht

Wahrscheinlich noch eine ganze Weile. Es dauert eine Weile, bis so ein Becken vollgelaufen ist. Letztes Jahr eine Million…. Dieses Jahr vielleicht auch…… oder zwei. Vielleicht auch nur fünfhunderttausend. Es läppert sich so zusammen.

Neue Strategien wird es auch brauchen: In Schweden warnt schon mal der Polizeichef der Kleinstadt Östersund die Frauen davor, nachts alleine auszugehen, nachdem es „Sex-Attacken“ gegeben habe. http://www.dailymail.co.uk/news/article-3481882/Women-warned-not-night-Swedish-town-multiple-sex-attacks-foreigners.html#ixzz42LAkfb00

An was erinnert mich das? Ah – ich weiß – an den Koran. Da steht doch in Sure 33, Vers 33-34: Oh Frauen des Propheten, ihr seid nicht wie andere Frauen…. Bleibt in Euren Häusern und prunkt nicht wie in den Zeiten der Unwissenheit……

Östersund also als Menetekel des Multikulti? Oder als Symbol künftiger Glaubens- und Verhaltensänderungen? Aber lassen wir das, mit Entsetzen Scherz zu treiben – unschöne Erlebnisse sind es und es dürften ihnen weitere folgen….. auch bei uns.

Ah – und noch einmal zur kognitiven Dissonanz: Ich schreibe hin und wieder auf einem Portal, auf dem man Texte für externe Auftraggeber verfassen kann. Ein Sicherheitsdienst wollte dort kürzlich einen positiven Text über den derzeitigen Boom der Sicherheitsbranche verfasst haben.

Dem Autor war dabei völlige Freiheit in den Formulierungen gegeben, doch ein Wort sollte keinesfalls verwendet werden: Flüchtlingskrise.

3 Kommentare zu “Kognitive Dissonanz II

  1. In dieser Richtung habe ich gar nich gedacht. 🙂 Ich werde den Einleitungssatz von Herrn Kleinschmidt, Otto (Die Singvögel der Heimat (1921) weiterentwickeln. Vielen Dank für Ihren Kommentar und Nein, das ist nicht meine Webseite.

    Kunstmuseum Hamburg

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