Kognitive Dissonanz

Ich unterhalte mich gerne mit anderen Menschen. Zwei Reaktionen am selben Tag (am letzten Wochenende) hatten mich nachdenklich zurückgelassen.

Zunächst traf ich am Samstag einen guten Bekannten wieder – einen hochintelligenten, studierten Mann in gehobener Position, mehrsprachig, weitgereist, überaus gebildet, mit dem es für mich eine Freude ist, sich zu unterhalten.

Irgendwann kam das Gespräch auch auf die Flüchtlingskrise und in dem Zusammenhang meinte er, es sei doch lächerlich, wegen einer Million Menschen mehr in Deutschland so einen Zores zu machen. Ein Land von 80 Millionen könne das locker verkraften.

Mir fiel nicht die Kinnlade herunter, aber ich war erstaunt, hatte ich meinen Bekannten doch an anderen Stellen als durchaus gesellschaftskritisch und „open minded“, wie die Amis sagen, erlebt. Ich versuchte meinen Standpunkt zu erläutern, dass ich die jetzige Situation langfristig für desaströs halten würde.

Das Geld für neue Wohnungen müsse der Staat aufbringen, Arbeitsplätze seien nicht da und die Integration werde in den meisten Fällen nicht gelingen. Diese Argumente wurden mit einem freundlichen Lächeln aufgenommen – dann wandten wir uns wieder anderen Themen zu.

Etwas später am Tag fuhr ich bei einer Pizzeria vorbei, wo ich hin und wieder gerne hingehe. Ich kenne den Besitzer, daher ging ich nach hinten in die Küche und sprach dort mit ein paar Beschäftigten (da herrschte nebenbei wahres Multikulti – Griechen, Türken und Pakistanis arbeiteten miteinander).

Mit einem der Griechen (einem Pizzafahrer) kam ich ins Gespräch – und auch hier kamen wir irgendwie von selbst auf das Thema Flüchtlinge und er sagte ähnliches: Die Flüchtlinge seien wunderbar für den Wirtschaftsstandort und würden neue Arbeitsplätze schaffen. Ich erklärte ihm, dass das genaue Gegenteil der Fall sein würde und dass die Mehrheit der Flüchtlinge, wenn sie nicht seinen Mindestlohn nach unten treiben würden, im sozialen Netz landen dürften.

Auch hier merkte ich, dass meine Worte nicht ankamen. Irgendwie schien bei beiden, bei dem hochintelligenten Bekannten wie bei dem Pizzafahrer eine Schranke herunterzugehen, vor der meine Worte angehalten und nicht durchgelassen wurden. Oder vielleicht war es einer Membran ähnlich, die nichts von meinen Worten hindurch liess.

Jedenfalls fand ich es erstaunlich und ernüchternd: Natürlich war es nur ein Einzelfall, doch weiß ich von Erzählungen meiner Eltern oder meines Bruders, dass ihre Erlebnisse ähnlich sind. Die AfD zu wählen, heißt rechtsradikal zu sein, den Flüchtlingen muss geholfen werden (auch wenn sicher irgendwann eine Obergrenze erreicht ist) und es muss eine europäische Lösung her.

So in etwa das Empfinden. Was ich höchst erstaunlich finde, denn ganz rationales Denken kann oder könnte hier sehr schnell den Unsinn dieser Ansichten zeigen helfen.

Die Flüchtlinge sind in ihrer Mehrheit für den Arbeitsmarkt hier nicht geeignet. Die Integration dürfte in den meisten Fällen nicht gelingen und enorm hohe Kosten und langfristige Probleme erzeugen. Selbst in Fokus und FAZ kann man dies mittlerweile lesen. http://www.focus.de/finanzen/videos/ifo-chef-sinn-warnt-jeder-fluechtling-kostet-deutschland-450-000-euro_id_5327945.html?obref=outbrain-www-fol oder http://www.faz.net/aktuell/politik/fluechtlingskrise/ausbildung-von-fluechtlingen-in-rosenheim-14092678.html

Und was ist das für eine europäische Solidarität, in der ein Land den anderen seine Vorstellung aufzwingen will? Wenn die meisten europäischen Länder keine Flüchtlinge aufnehmen wollen und ein Land (Deutschland) ihnen das vorschreiben will – was ist das für eine Solidarität?

Kurz: Mir scheint das Ganze ein gutes Beispiel für kognitive Dissonanz zu sein – das Ausblenden von die eigene Weltanschauung gefährdenden Inhalten. Dann lieber blind durch’s Leben laufen, als sich das eigene Wolkenkuckucksheim zu unterminieren. http://www.propagandafront.de/187070/gehirnforschung-80-der-menschen-konnen-besorgniserregende-meldungen-uberhaupt-nicht-verarbeiten.html

Gute Ratschläge, dass wir den Flüchtlingen wie Eltern sein sollen. http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/gespraech-mit-psychiater-ueber-psychologische-probleme-von-fluechtlingen-14092652.html Alles gut gemeint, aber es kommt mir vor, als ob Blinde hier Blinde führen wollen.

Was allerdings mit einem Blinden passiert, der einen anderen Blinden zu führen versucht, hat jemand schon vor 2000 Jahren treffend gesagt. Am Ende fallen beide in die Grube.

7 Kommentare zu “Kognitive Dissonanz

  1. Da hat es die Vorträge von dem Hirnforscher Prof. Spitzer. Als Opa mit kleinen Enkeln im Hause setze ich mich damit gern auseinander.
    In einem der letzten Videos mit Prof. Spitzer trägt dieser vor, daß im Alter von 26 Jahren unser Hirn „fest verdrahtet“ sei. Mit der Folge, daß z.B. die katholische Kirche keine Menschen mehr missionieren würde, die älter wären.
    Das sollte man wissen, wenn man einerseits auf merkwürdige Einstellungen erwachsener Deutscher trifft und andererseits nachdenkt über die Perspektive des Zusammenlebens mit als Erwachsene eingewanderte Angehörige primitiver Kulturen.
    Ab min. 35: https://m.youtube.com/watch?v=QXZeKelECUA

  2. Auch sehr intelligente Menschen können in eine falsche Richtung „rationalisieren“ – wenn ihnen nämlich Informationen fehlen. Außerdem neigen viele Menschen dazu eine rosarote Brille aufzusetzen und nur die positive Seite einer Sachlage zu sehen. Das tut auch der eigenen Komfortzone gut.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s