Im Abendrot

Manchen feinfühligen Menschen war im September seltsam zumute; es war etwa zu Herbstbeginn, es waren goldene Tage voller Sonnenlicht und doch war manchen Menschen traurig oder melancholisch zumute…. und es war nicht etwas aus einer individuellen Situation heraus Entstandenes.

Vielmehr ein Gefühl, als sei etwas verloren gegangen -vorbei und vergangen.  Gestorben oder dabei, zu sterben.

Was da gestorben war, war unsere gemütliche Bundesrepublik – diese behäbige, etwas langweilige, aber sichere Bundesrepublik, in der man sich noch in den achtziger Jahren über die Besteuerung von Flugbenzin gestritten hatte; die außenpolitisch so inaktiv schien und wirtschaftlich und sozial so stabil. Dieses Land ist gestorben, was auch, aber nicht allein, mit dem Zuzug vieler Fremder zusammenhing.

Auf manchen Foren findet man Menschen, die dieses Gefühl unabhängig voneinander in Worte fassten – hier zum Beispieil: http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=369596 Oder hier: http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=369590

Ich selber hatte das auch – ein ganz deutliches Gefühl der Wehmut, ohne zu wissen, woher das kam – ich schaute den Menschen zu, wie sie ihre Einkäufe erledigten (als ich mit dem Auto von einem Termin nach Hause fuhr) und mir war so traurig, so wehmütig zumute. So als wäre etwas Schönes gegangen.

Erst einige Zeit später ging mir auf, dass es tatsächlich diese gemütliche Bundesrepublik gewesen war, die von uns gegangen war.

Die nächsten Jahre werden ungemütlich werden. Ein Debitist würde es „systemisch unausweichlich“ nennen, ein logisch denkender Mensch zumindest anhand von Zahlen und Statistiken sich erschließen können. Mir wurde es (auch) durch dieses Gefühl bewusst.

Wir werden uns also auf härtere Zeiten einstimmen müssen. Dass dies mehr und mehr Menschen bewusst wird, zeigen die Anmeldungen zu Jagd- oder Schützenvereinen, die Verkaufszahlen von Pfeffersprays und einbruchsicheren Türen etc. Zu ändern ist die Tendenz nach unten nicht – wir sind ein Land im Abendrot. Ob wir untergehen oder als Nation in einer neuen Form auferstehen, wird sich die nächsten Jahre weisen.

Immerhin: Es wird auch eine Zeit neuen Mutes und neuer und echter Gemeinschaften werden. Und das Abendrot hat auch etwas Schönes an sich. Es bietet Einem die Möglichkeit, zu erkennen, worum es wirklich geht. Nicht um den Konsum oder den Job, nicht um das Haus oder den großen Fernseher und auch nicht um die Ideologien des Tages. Sondern um das, was uns als Menschen, als fühlende und liebende Wesen ausmacht.

Das wird 2016 noch stärker getestet werden. Und manche werden Stärke in sich finden können und Licht an Stellen, wo sie nur Dunkelheit vermuteten. Das ist dann auch, was ich allen Lesern dieses Blogs wünsche:

Dass sie den Glauben an das Gute nicht verlieren. Und sich einen klaren Blick bewahren.

Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr 2016!

O wie schön ist deine Welt,
Vater, wenn sie golden strahlet!
Wenn dein Glanz herniederfällt
Und den Staub mit Schimmer malet,
Wenn das Rot, das in der Wolke blinkt,
In mein stilles Fenster sinkt!
Könnt ich klagen, könnt ich zagen?
Irre sein an dir und mir?
Nein, ich will im Busen tragen
Deinen Himmel schon allhier.
Und dies Herz, eh‘ es zusammenbricht,
Trinkt noch Glut und schlürft noch Licht.

(Lappe: Im Abendrot)

Ein Kommentar zu “Im Abendrot

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s