Griechenland als Beispiel für künftige Sauereien des Staates

Ich hatte hier schon mal über die innovativen Rentenideen in Griechenland gesprochen (Ihre Rente wollen Sie holen? Zeigen Sie erst mal, wie viel Vermögen Sie haben, verstanden? Ach, Sie haben nix? Und die Familie? Ah, die hat was – dann bitte erst verbrauchen, ja? Nächster bitte!) https://nachrichtenaushinterland.wordpress.com/2015/10/27/griechenland-als-beispiel-fuer-kuenftige-rentenreformen/

Nun ist man in Griechenland auch was eben diese Vermögen angeht, noch kreativer geworden: Ab 2016 sollen Bargeldbestände über 15.000,- € und Schmuck im Wert von über 30.000,- € dem Staat gemeldet werden. Auch der Inhalt der Schließfächer soll deklariert werden. http://www.mmnews.de/index.php/wirtschaft/59806-bargeld-meldepflicht

(Wer nun glaubt, dass Griechenland in einem Paralleluniversum liegt, der möge ruhig weiterschlafen. Andere können vielleicht die Zeichen an der Wand lesen).

Warum soll man nicht eines Tages ALLES Geld dem Staat melden? Oder das Bargeld gleich ganz abschaffen? Auch dies sind Gedanken mit Zukunftscharakter. Und um die Zukunft zu retten, hat man überdies in Griechenland (wieder einmal) Banken bzw. den Staat gerettet. Wie man das gemacht hat?

Ganz einfach: Indem man die eigenen Bürger UND private Investoren in die Pflicht genommen hat! Die privaten Bürger, indem man zu den oben erwähnten Maßnahmen hinzu Zwangsenteignungen von säumigen Schuldnern mit privatem Wohnbesitz im Wert von mehr als 230.000,- € (VOR der Krise) beschloss – was einige zehntausend Griechen in die Obdachlosigkeit treiben dürfte.

Außerdem wurden Vermieter angewiesen, künftig mit der Mietzahlung sich im Rückstand befindende Mieter umgehend aus der Wohnung zu klagen. Geschähe dies nicht, müsse der Vermieter künftig für sämtliche nicht erhaltene Mieten die Steuern entrichten.

Neben diesen wahrhaft sokratischen Maßnahmen traf es aber auch große Investoren hart: Diese wurden aufgefordert, sich bei der Zeichnung von Anteilsscheinen für vier griechische Banken zu beteiligen und dabei den Wert selber festzulegen, den sie für diese mit faulen Krediten belasteten Institutionen bzw. deren Anteilsscheine zahlen wollten.

Das weitere zitiere ich, da mir seltsamerweise die Hände zittern (aus Zorn vielleicht), aus dem sich mit der Thematik näher befassenden Artikel:

Zu denen, die inzwischen zugegriffen haben, zählen u.a. die international führenden Vermögensverwalter Brookfield Capital Partners, Capital Group, Fairfax, Highfields Capital Management, Pimco, WLR Recovery Fund und Wellington. Die Bedingungen, zu denen sie vor dem Hintergrund eines wundersamen Verfalls des griechischen Banken-Indexes um 70 Prozent zwischen dem 4. und dem 20. November Anteilsscheine an den vier griechischen Großbanken erworben haben, sind nach Angaben von spiegel-online atemberaubend:

Hatte der griechische Bankenrettungsfonds HFSF (also der griechische Steuerzahler) 2013 pro Anteilsschein an der National Bank of Greece noch 4,29 Euro bezahlt, so zahlen die neuen Investoren ganze 2 Cent. Die Anteilsscheine der Piräus Bank, die 2013 noch 1,70 Euro gekostet hatten, wurden für 0,3 Cent verramscht. Für die Alpha Bank wurden 2013 44 Cent bezahlt, nun sind es 4 Cent. Bei der Eurobank ist der Preis von 1,54 Euro auf einen Cent pro Anteilsschein gefallen.

Durch den Verkauf der Anteilsscheine sank der staatliche Anteil an den Banken im Durchschnitt von 56% auf 17%. Nachdem die vier Banken also im Zuge der Eurokrise mit einem Einsatz von Steuergeldern in Höhe von inzwischen über 50 Mrd. Euro mehrheitlich verstaatlicht worden sind, hat die Syriza-Regierung sie jetzt zu Spottpreisen mehrheitlich reprivatisiert. Anders ausgedrückt: Milliarden an Steuergeldern haben sich in Luft aufgelöst und das Eigentum des Steuerzahlers ist ohne sein Zutun zum großen Teil in private Hände übergegangen.
Quelle: http://www.goldseiten.de/artikel/267636–Die-Reprivatisierung-der-Banken~-Gigantischer-Betrug-am-griechischen-Volk.html

Als besonderes Bonbon kommt noch folgendes hinzu: Ab 2016 wird auch in Griechenland gezypert, d.h. es gilt die sog. Bail-In-Regel, welche besagt, dass bei künftigen Bankenrettungen die Einlagen der Sparinhaber zur Rettung heranzuziehen sind. Natürlich nur ab 100.000,- €, doch wer glaubt, dass dies nicht auch abgesenkt werden könnte, sollte seine Medikamentenzufuhr überprüfen.

Fassen wir zusammen: Die Banken bzw. deren Anteilsscheine, die mit griechischem Steuergeld gerettet worden waren (indem der Staat die Anteilsscheine dieser Banken erworben hatte), sind für einen Bruchteil des Geldes, was die Regierung eingesetzt hatte, an private Investoren gegangen.

Die Bevölkerung, bereits durch diverse Maßnahmen fiskalisch ausgepresst, darf sich darüber freuen, künftig finanziell alle Hosen runter zu lassen (Schmuck und Bargeld und Schließfächer), im Falle ausstehender Miet- oder Hypothekenzahlungen schneller aus der Wohnung bzw. aus dem Haus geworfen zu werden und überdies darüber, dass 40 Mrd. griechische Steuergeld bei dem Deal zwischen Syriza-Regierung und privaten Investoren sich in Rauch aufgelöst haben. UND dass künftig sie als Bankkunden für die privaten Investoren zahlen dürfen, sollte deren Banken etwas zustoßen.

(Jetzt ist mir auch klar, warum mir die Hände zittern. Es ist der Zorn über diese Sauereien, die sich „Hilfe“ schimpfen).

Was all diese Maßnahmenzusammen gesellschaftlich gesehen in Griechenland anrichten werden, lässt sich erahnen, wenn man bestimmte Zahlen heran zieht :

Seit Beginn der Krise sind die Abtreibungszahlen um 50% gestiegen.
Die Anzahl der Fehlgeburten hat sich verdoppelt.
Die Geburtenzahlen gingen um 30% zurück. Mehr dazu hier:
http://finanzmarktwelt.de/griechenland-verliert-seine-zukunft-abtreibungen-50-fehlgeburten-100-30-weniger-geburten-22081/

Immerhin: Zwar können sich viele Griechen keine Krankenversicherung und kein Heizöl mehr leisten, aber manches geht bergauf: Die Prostitution war in Athen bis 2013 um 1500% im Vergleich zur Zeit vor der Krise gestiegen. http://www.griechenland-blog.gr/2012/03/anstieg-der-prostitution-in-athen-um-ueber-1500-prozent/7174/

Und Waffenkäufe und Kriminalität steigen ebenfalls stark an – auch eine Art Fortschritt. http://www.griechenland-blog.gr/2012/08/immigranten-sind-fuer-50-prozent-der-kriminalitaet-in-griechenland-verantwortlich/9265/

Kurz gesagt: Was in Griechenland vor sich geht, ist eine hundsfotzige Sauerei! Nichts anderes! Unter den Griechen befinden sich sicherlich Gauner und Lügner, aber die Masse der Griechen dürfte einfach das tun wollen, was alle Menschen auf der Erde wollen: Ein normales und ruhiges Leben führen!

Und genau dies wird Ihnen seit Beginn der Krise verunmöglicht, indem sie als Versuchskaninchen für soziale und wirtschaftliche Experimente dienen! Und da ist traurigerweise kein Retter in Sicht – sie werden von den eigenen Leuten verraten! Anders als Verrat sind die Maßnahmen eines Herrn Tsipras nicht zu deuten.

Wie immer geht es darum, die Reichen zu retten und den Rest bluten und zahlen zu lassen – und die Haifische zu füttern, die durch das Blut angelockt werden. Und DAS kommt auch zu uns!

Aber den Reichen und Mächtigen, die all dies steuern, zulassen und gutheißen, sei gesagt: Der Krug geht solange zum Brunnen, bis er bricht! Auch IHR werdet Euch eines Tages zu verantworten haben!

Wenn nicht vor einem weltlichen, dann vor einem anderen Gericht.

7 Kommentare zu “Griechenland als Beispiel für künftige Sauereien des Staates

  1. Das ist absolut grausam. Beim lesen wurde ich erst ganz ruhig, weil ich das kaum fassen kann und jetzt spüre ich auch diese Wut. Ich kann kaum in Worte fassen, wie krank diese Welt ist und noch kränker wird. Wenn es nicht echt wäre, würde ich glauben das wäre ein Hollywoodfilm.

  2. wer immer noch glaubt, dass sich das ganze ohne gewalt aufhalten lässt, leidet an extrem ausgeprägter kognitiver dissonanz!
    wenn die griechen im gegensatz zu dem dämlichsten lebewesen auf diesen planeten, der deutsche michel, noch einrückgrat besitzt und noch nicht gebrochen wurde, sollten sie hinsichtlich der gestiegenen waffenkäufen, mal wieder eine sehr gewaltvolle und blutige revolution starten.
    alles andere, inkl stiller mahnwachen etc. sind nur träumereien, denn bis der bewusstwerdungsprozess der masse soweit ist, dass sie aufhören zu kriechen, wird noch ein paar jahrunderte dauern.
    bevor mich hier jemand aus dem eigenen haus wirft, aus welchen wirtschaftlichen gründen auch immer, werde ich abends als terrorist, nazi oder geisteskranken in den abendnachrichten auftauchen!

    • Danke für den sehr interessanten Artikel zu Gandhi – passt ins Bild.
      So sehr ich Deinen Unmut verstehen kann, Sirius – bitte keine „missverständlichen“ Äußerungen – dieser Block (ich und mein Block) sollen noch ne Weile bestehen – auch in enger werdenden Zeiten.

    • Gewaltverzicht heißt nicht automatisch, dass man sich nicht verteidigen darf bei Unterdrückung oder Bedrohung oder Völkermord oder sonstwie Aktionen, die das eigene Leben/Lebensrecht bedrohen.

  3. Pingback: Der Würgegriff von TTIP und IWF | nachrichtenaushinterland

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