Kuriosita V

Was mir so nebenbei auffällt: Ich habe schon lange keinen Film mehr im Kino gesehen, der mich in einem politischen oder anderweitigen Kontext innerlich berührt hätte – also angeregt oder zum Nachdenken gebracht oder einfach erfreut hätte. Der letzte dieser Art war (glaube ich) Good Bye Lenin.

Mir scheint, dass es auch bei Filmen immer politisch korrekter und stromlinienförmiger zugeht. Klar, Stanley Kubricks Dr. Seltsam war eine löbliche Ausnahme – und Filme, die wirkliche politische Gemeinheiten des Westens darstellen, wird man vergeblich in unseren Kinos suchen – das ist logisch.

Dennoch wundert es mich manchmal noch, wenn ich mal zufällig etwas aus der Vergangenheit sehe, was mich immer noch berühren kann: Wie gesagt – Good Bye Lenin oder Stalker von Tarkowski oder auch Brokeback Mountain oder auch dieses Musical aus längst vergangener Zeit. ……….. https://www.youtube.com/watch?v=fhNrqc6yvTU

Und heute? Fack Juh Göhte, Star Wars, Tribute von Panem – ich habe sie gesehen und sie erscheinen mir so flach. So oberflächlich und seicht. So wie es halt bei uns zunehmend zugeht – oberflächlich und seicht. Wenn schon die Werbung herrühren muss, um uns zu berühren…… https://www.youtube.com/watch?v=V6-0kYhqoRo

(Was auch ein treffendes Beispiel für die Heuchelei unserer Zeit ist: Och, der arme Opi! Schnüff! Und mal kurz berührt sein. Aber dem stinkenden Obdachlosen anbieten, ihn zum Essen einzuladen? Niemals! Wenn schon helfen, dann soll es eine kuschlig-schöne Hilfe sein, Teddybären an Asylbewerber geben zum Beispiel. Naja – da dürften die Menschen früher auch nicht besser gewesen sein).

Ich würde gerne mal wieder einen Film wie Brazil sehen – etwas, was mich überrascht und was Szenen und Charaktere beinhaltet, die ANDERS sind, die das Wirkliche auf den Kopf drehen.

Einen Film, in dem die Nazis die Guten sind – oder Juden böse und gierig – oder Moslems laut und grobschlächtig – oder Deutsche rettungslos dumm und naiv – so etwas in der Art. Ich fand und finde Gerhard Polt witzig oder Loriot oder auch Dieter Hallervorden.

Und ich mochte es, über die Verarschung deutscher Spießbürger zu lachen und ähnliches mehr. Aber wo sind die türkischen Spießbürger? Oder ein Film, in dem Islamisten lächerlich gemacht werden? In dem Israel als Hort des Bösen gezeigt wird? Einen Saddam Hussein hat man durch den Kakao gezogen – warum nicht einen Netanyahu oder einen Obama oder einen Putin oder oder oder.

Ich weiß, ich weiß – ich bin ja nicht gänzlich naiv. 🙂 Sowas wird es natürlich nie geben. Aber es mag möglich sein, dass durch das Hinweisen auf das, was fehlt, hier oder da ein Groschen fällt – oder ein Cent. Auch darüber, wie sehr wir uns beim Lachen beschneiden.

Wenn denn mal ein Film kommt, der angeblich politisch unkorrekt ist, so folgt er doch nur den alten Mustern und verlässt nie wirklich die Bahnen poltischer Korrektheit. Ja, ein Borat macht sich über dumme Amis lustig – oder verspottet einen arabischen Despoten. Aber wenn es darum geht, die lächerlich zu machen, die das Heft in der Hand halten – dann kommt nix.

Kein Lachen oder Lächerlichmachen der Spionage der NSA, kein Entsetzen über die Meuchelmorde von Terroristen und Zivilisten via Drohnen, kein Lächerlich machen der Unterstützung Saudi Arabiens durch uns, kein schallendes Lachen über korrupte Politiker, ideologisch verbohrte Gutmenschen, israelische Soldaten, die Palästinenser demütigen etc.

Stattdessen immer derselbe Sermon: Dumpfe Nazis, moderne Frauen und Männer und eine Schwarzwaldklinik-Märchenwelt (in der – auch dies könnte hin und wieder auffallen) kaum Ausländer auftauchen – allenfalls als Randfiguren, die meistens nett und charmant sind.

Schon spannend: Die Gauckelei (haha) in Feierabendserien und Filmen dient – scheint mir – auch der Indoktrination. Und des Einlullens in netten Gefühlen. Während Rom brennt, läuft halt ein schönes Schocker-, Schauer- oder Schunkel-Filmchen.
Übrigens: Die wirklich schöne „Feuerzangenbowle“ wurde 1944 gedreht. Wer Ohren hat zu hören, der höre.

Kurz: Sowas harmloses und gleichzeitig hintersinniges wie das folgende Filmchen werde ich hier (leider) wohl niemals sehen. https://www.youtube.com/watch?v=Ezya1sKI-XA

2 Kommentare zu “Kuriosita V

  1. Ein paar Gedanken dazu:

    „Mir scheint, dass es auch bei Filmen immer politisch korrekter […] zugeht.“
    Meinst Du das ernst? Der Begriff „politisch korrekt“ ist meiner Meinung nach nur eine Worthülse, die etwas suggerieren soll, was in Wirklichkeit nicht da ist. Die Worthülse ersetzt den Inhalt. „Politisch korrekt“ heißt für mich „gemäß Definition der Regierenden“.

    Die Leute, die das Heft in der Hand halten, lassen keine Medien mehr zu, die sie ernsthaft bedrohen, in Frage stellen oder auch nur lächerlich machen könnten. Das hat was Totalitäres. Bei uns passiert das nicht mit Verboten, da gibt es weit subtilere Mittel. Auch darin sieht man – meiner Meinung nach – wie sich die Bundesrepublik in den letzten Jahren verändert hat und noch verändert. Von einem relativ freien in einen relativ unfreien Staat.
    Meinungsfreiheit wird auch zur Worthülse.

    Die öffentlich-rechtlichen Medien, die per Zwangsabgabe finanziert werden, haben einen staatlichen Auftrag zu erfüllen. Die Regierung zu kritisieren gehört nur in einem Umfang dazu, der in jeder Beziehung ungefährlich ist. Kein Wunder, dass von da nix kommt.

    Und das Kino wird von Hollywood dominiert. Das kannste also auch vergessen.

    Kleiner Trost zum Ende: ein sehenswertes Filmchen: https://youtu.be/iKcWu0tsiZM

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