Das Heil durch die Juden

In Frankreich scheint man wie bei uns auch nicht müde zu werden im Bemühen, die Bevölkerung vor bösen und hasserfüllten Texten (und Menschen) zu schützen. Sind es bei uns Personen wie Lutz Bachmann oder Akif Pirincci, die man zu personae non gratae erklärt hat, so sind dies in Frankreich zum Beispiel der Komiker Dieudonné oder der Soziologe Alain Soral (zu erfahren, wie man mit den beiden letzteren dort umgeht, ist übrigens sehr instruktiv für das Verständnis vom Rechtsstaat Frankreich – man höre mal, was diesen beiden geschieht, weil sie sagen, was sie denken – auf französisch, aber mit englischen Untertiteln). https://www.youtube.com/watch?v=WuKntWdR_Po

Doch das Bemühen um den Schutz vorm hasserfüllten Schmutz reicht bis in die Vergangenheit hinein. Rassismus und Antisemitismus sind zu verurteilen und nicht nur bei den Heutigen zu verfolgen – man kann auch die Toten deswegen belangen (die sich nicht mehr wehren können, wenn man ihre Werke vor den Kadi zerrt).

In Frankreich hatte zum Beispiel die LICRA, das ist die Liga gegen Rassismus und Antisemitismus, eine einflussreiche NGO in der Republik – https://de.wikipedia.org/wiki/Ligue_Internationale_Contre_le_Racisme_et_l%E2%80%99Antis%C3%A9mitisme

ein Werk eines bei uns weitgehend unbekannten französischen Autors, Leon Bloy, vor das Gericht gezogen. Und zwar handelt es sich um ein Buch mit dem schönen Titel „Das Heil durch die Juden“ oder „Le salut par les juifs“, was auf einem Bibelzitat aus dem Johannes-Evangelium (Joh 4,22) beruht.

Dieses Werk sei antisemitisch und würde zum Rassenhass aufrufen bzw. wären Passagen in ihm beleidigend (gegen die Juden) und provokant! Ein schwerwiegender Vorwurf, den ich im Folgenden versuchen werde, mit Argumenten zu entkräften. Ob mir das gelingt, möge der Leser beurteilen. Zur Sache:

(Das französische Gericht gab übrigens dem Anliegen der LICRA recht und so befindet sich dieses Werk heutzutage in seiner Originalfassung auf dem Index verbotener Bücher (in einer zensierten Fassung ist es erlaubt). https://fr.wikipedia.org/wiki/L%C3%A9on_Bloy#R.C3.A9ception )

Leon Bloy war ein Zeitgenosse Friedrich Nietzsches und mit jenem verbindet ihn nicht nur ein imposantes Schnurrbartwachstum (zum Vergleich die Bilder aus Wiki – https://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%A9on_Bloy und https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Nietzsche ), sondern auch eine enorme Kraft im sprachlichen Ausdruck – eine Sprachgewalt, die heute nicht mehr anzutreffen ist!

(Ob die Kraft also bei diesen beiden verbalen Samsons aus den Schnurrbarthaaren kam? Wer weiß?). 🙂 Aber Scherz beiseite und weiter im Thema: Wer Leon Bloy mal gelesen hat (so wie ich), der wird von seinen Werken entweder abgestoßen oder fasziniert sein (auf mich hat er die zweite Wirkung ausgeübt).

Durchaus nicht alles verstehend, was er so schrieb, haben mich seine Ausführungen über die Armut, seine Tiraden gegen den Reichtum, gegen Lüge und Falschheit und seine Elogen auf das Leiden Christi und auf die Kirche wie gesagt fasziniert. Er schüttelt wundervolle Metaphern und Bilder aus dem Ärmel, lässt Sätze wie Hammerschläge aufeinander folgen, wobei jeder Satz für sich eine Wahrheit mitteilt!

Wie Nietzsche auch gefällt er sich in kompakten, klaren Sätzen, aus denen das Gefühl herauszutropfen scheint, mit dem er sie geschrieben hat und so fühle ich mich beim Lesen seiner Bücher mal erhitzt und mal wie in einem Fieberschauer – kurz, was die Wirkung angeht, so muss ich persönlich feststellen: Dieser Schreiber weiß zu fesseln!

Nun war Leon Bloy (auch wieder wie seinem Bruder im Geiste) zeitlebens kein Erfolg beschieden – er starb arm und weitgehend unbekannt. Seine Bücher sollten aber nach seinem Tod manche großen Geister wie Kafka, Carl Schmitt u. a. beeindrucken.

Bloy war ein tiefgläubiger Mensch (vielleicht würde man ihn heute einen fanatischen Christen nennen) und er hat seine Bücher aus einem tiefempfundenem Christentum geschrieben, was man vorausschicken muss, um seine Ausführungen einordnen zu können. Was ist nun von der Anklage zu halten, die ihm Antisemitismus und Anstachelung zum Rassenhass vorwirft? (Wer des Französischen mächtig ist, kann diesen kleinen Film mit dem Rechtsanwalt Damien Viguier genießen, in dem dieser sich über die – aus seiner Sicht – unsinnige Klage der LICRA gegen Bloys Werk auslässt. Sehr sehenswert: https://www.youtube.com/watch?v=28TCBwLqSMU ).

Doch zurück zum Thema: Ich habe das Buch „Das Heil kommt durch die Juden“ gelesen (es ist nicht lang – gerade mal 100 Seiten) und bin zu folgendem Schluss gekommen:

Es ist richtig, dass Leon Bloy in diesem Buch sich kritisch mit den Juden auseinander setzt; genauer gesagt, mit dem Daseinszweck der Juden im göttlichen Heilsplan, der für ihn als gläubiger Katholik das Wesentliche ist. Dabei spart er nicht mit Begriffen, die uns heute nicht mehr über die Zunge gehen, doch wendet er dies nicht nur gegen die Juden an.

So mokiert er sich gleich zu Anfang über Edouard Drumont, der damals, d.h. Ende des 19. Jhdt. in Frankreich in einem über 100.000 mal verkauften und wahrhaft antisemitischen Machwerk „La France Juive“ (zu deutsch dann als „Das verjudete Frankreich“ erschienen), die Juden als Parasiten in Frankreich und als Gottesmörder bezeichnete. https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%89douard_Drumont

Gegen ihn, den er auch einen „habgierigen Marktschreier“ nennt, wendet Leon Bloy sarkastisch ein, dass dieser mit seinem Werk dem Pöbel genau das Futter vorgeworfen hätte, nach dem dieser am gierigsten verlange: Nämlich, dass an seiner, d.h. der Misere der Armen, nur die Juden Schuld seien.

Bloy macht ihm und allen Nacheiferern, die es wohl gegeben hat, zum Vorwurf, sie hätten das Goldene Kalb der Juden durch ein Schwein aus demselben Metall ersetzt (sprich, er wirft ihnen schnöde Geldgier vor) und schreibt zum Drumontschen Vorhaben weiter:

„Die Sache klappte, die großen Auflagen häuften sich und die Autorengewinne gingen mit Rothschildscher Sicherheit ein; ein ganzes Heer von Schmierern gleichen Schlages, das diesen so einkömmlichen Gedanken nicht gehabt hatte, platzte fast vor Neid und sogleich beschloss es, mit Begeisterung gleiche Heldentaten zu verrichten.

All die bleichen christlichen Knoblauchfresser……. begriffen erstaunlich schnell, dass der Krieg gegen die Juden eigentlich ein glänzender Trick sein könnte, sich zu sanieren und die Wirtschaft wieder anzukurbeln.

Man sah sogar zahlreiche Priester, unter denen doch aufrichtige Diener Gottes sein sollten, die sich begeisterten bei der Aussicht auf ein baldiges Gemetzel, bei dem genug israelitisches Blut vergossen würde, bei dem Millionen Hunde sich vollsaufen könnten……“

Soweit Bloy zum Antisemitismus seiner Zeit, den er verurteilt bzw. als geldgierige, neiderfüllte Maßnahme anprangert. (Einschub: Wie berechtigt oder unberechtigt der Vorwurf der damaligen Zeitgenossen gewesen sein mag, dass die Juden oder besser reiche Juden einen zu großen Einfluss innerhalb Frankreichs ausübten, kann hier nicht geklärt werden.

Dazu müsste man wissen, wer die reichen Familien Frankreichs waren und welchen politischen Einfluss sie hatten. Dies wirklich herauszufinden zu versuchen, würde jeden Forscher unweigerlich in eine unbequeme Ecke bugsieren, in welche auch der Schreiber dieser Zeilen nicht gesteckt werden möchte).

Ist Bloy also kein Antisemit? Nach unserem heutigen Verständnis wohl doch, denn in einem direkt folgenden Passus verwahrt sich Bloy strikt dagegen, irgendeine Sympathie für die Juden zu hegen und schreibt, sich selber aus einem vorherigen Werk zitierend:

„Das Mittelalter hatte den gesunden Instinkt, die Juden in den schmutzigsten Stadtbezirk, der eigens für sie reserviert war, zu verweisen und ihnen eine besondere Tracht vorzuschreiben; so dass ihnen jeder aus dem Wege gehen konnte. Hatte man unbedingt etwas mit diesen gemeinen Menschen zu tun, so tat man es heimlich wie etwas Schlechtes und reinigte sich danach, so gut man konnte.

Die Schande und die Gefahr, die dieser Verkehr mit sich brachte, waren das christliche Gegengift gegen diese Pestilenz, da Gott nun einmal am Fortbestand dieser Rasse festhalten wollte.

Heute dagegen, da das Christentum von seinen eigenen Gläubigen fast zu Tode getreten ist, und die Kirche alles Vertrauen verloren hat, will man sich darüber beklagen, dass die Juden die Herren der Welt geworden sind….. Man verbietet die Desinfektion und wundert sich darüber, dass man Wanzen hat. Das ist die Idiotie unserer Zeit“. (Zitiert aus „Der Verzweifelte“, Leon Bloy).

Bloy schließt seine Ausführungen mit dem Satz: „Im Moralischen wie im Physischen scheint der moderne Jude alle Scheußlichkeiten der Welt in sich zu vereinigen.“

Nach diesen, für uns nach Auschwitz schwer erträglichen Sätzen, scheint unbedingt festzustehen: Dieser Mann muss ja ein glühender Antisemit und Judenhasser sein! Doch halt – wir sollten erst weiter lesen und sehen, zu welcher Schlussfolgerung Bloy selber kommt. Erst dann haben wir ein vollständiges Bild und können uns ein vollständiges Urteil erlauben:

Im Folgenden erzählt Bloy, wie er, als Besucher in Hamburg, auf dem dortigen Markt die Stände der Juden (und die Juden selbst) betrachtet hätte und ihm dabei übel geworden sei: Denn die jüdischen Gesichter hätten alle einen „habgierigen und kriecherischen“ Ausdruck gehabt und dieser sei allen Juden zu Eigen, wo auch immer auf der Welt sie leben würden.

Dort seien ihm auch drei Greise aufgefallen, die in ihm eine Vision hervorgerufen hätten, die ihn mit Entsetzen erfüllt hätte – denn diese drei, in schwarze Kaftane gewandeten Greise, die über irgendetwas feilschten, seien ihm exemplarisch für alle Juden erschienen bzw. hätten exemplarisch für alles Schlechte der Juden da gestanden!

In seiner Vision seien sie ihm wie die jüdischen Stammväter Abraham, Isaak und Jakob erschienen, denn für ihn „personifizierten diese drei entsetzlichen Wesen das ganze unzerstörbare Volk, das seit fast 2000 Jahren das Wunder ohnegleichen fertigbringt, seine Vernichter zu überleben…..“. Und er sinniert:

„Unzählige Male hat man von Shakespeare bis Balzac – es ist furchtbar – den schmutzigen und krummen alten Juden hervor gezerrt, der nach Gold schnüffelt in den Kehrichthaufen, in den Kloaken der Menschheit, und es dann anbetet wie die Sonne der Schmerzen, wie einen Fürsprecher der Liebe, als ob es gleichartig und gleichewig wie sein einsamer Jehova sei. In der Identität ihrer Personen verwirklichten sie dreifach dieses Ungeheuer…….“.

Von diesem Bild ausgehend entwickelt Bloy im Folgenden seine These, wie und weshalb das Heil von den Juden kommen müsse. Er beginnt damit, dass man die Juden verabscheuen müsse, auch wenn sie streng genommen die Brüder der Christen seien, doch sei Liebe als Empfindung für sie zu viel verlangt.

Allerdings gelte es zu bedenken, dass der Heiland, Jesus Christus, aus dem Volk der Juden stamme und so gäbe es auch für die Existenz der Juden einen Sinn. Und er führt weiter aus:

„Die Geschichte der Juden hält die Geschichte des Menschengeschlechtes auf, wie ein Damm einen Fluss staut, um den Wasserspiegel zu heben. (Einschub: Für den Richter war dies einer der zu zensierenden Sätze. Der Anwalt Damien Viguier sah hier nichts zu beanstanden, denn…. der Wasserspiegel/Menschengeschlecht würde ja durch die Juden angehoben. Dies nur nebenbei).

Sie stehen fest wie für die Ewigkeit, und wenn man mit ihnen zusammenstößt, kann man sie nur mit mehr oder minder großem Anlauf überspringen, ohne Hoffnung, sie je zu vernichten. Man hat es oft genug versucht, nicht wahr? ……. Herrscher, denen nichts widerstand, versuchten, sie auszulöschen. Untröstlich über die Beschimpfung des lebendigen Gottes, rottete sich die Menge zu ihrer Vernichtung zusammen……

An diesem Nacken des Ungehorsams und der Treulosigkeit, den Moses so hart fand, hat sich die Wut der Menschen verbraucht, so wie sich an einem Amboß aus hartem Metall alle Hämmer abnützen müssen. Der Degen der Ritterschaft ist an ihnen schartig geworden, und der stahlharte Säbel der Muselmanen ist ebenso daran zerbrochen wie der Knüttel des gemeinen Pöbels.“

Und Bloy schließt: „Es ist also erwiesen, dass nichts gegen sie auszurichten ist, und wenn man bedenkt, was Gott erduldet, so muss sich ein religiöser Mensch …… ohne Voreingenommenheit und ohne den dummen Hass fragen, ob sich schließlich nicht ein unendlich anbetungswürdiges Geheimnis unter der mannigfaltigen und maßlosen Schande dieses verwaisten Volkes verbirgt….“.

Von dieser Äußerung her entwickelt Bloy in Folge seine (religiöse) Überzeugung, dass die Juden ihre eigene Aufgabe innerhalb des göttlichen Heilsplanes hätten. So hätten sie Christus ans Kreuz geschlagen, wodurch er letztendlich zum Erlöser geworden sei – ohne die Juden also kein Erlöser.

Außerdem (und hier versucht sich Bloy in Exegese, d.h. der Auslegung der Bibel) stünde in der Heiligen Schrift das Wort „Geld“ (franz. Argent) sinnverwandt für das lebendige Wort Gottes (da Argent im Französischen auch Silber ist – das Wort Gottes als Silber).

Da nun die Juden das Wort Gottes, als es Fleisch geworden war (Jesus) ans Kreuz nagelten, hätten sie gleichsam das Geld gekreuzigt bzw. sich zum Herren des Geldes gemacht. Und auch heute noch würden sie das Geld kreuzigen, da es zu ihrer Aufgabe gehöre, alles zu vernichten, was göttlich sei.

Wieder Bloy: „Das Geld kreuzigen? Das heißt, es an den Galgen hängen wie einen Dieb, das heißt, es zur Schau zu stellen, es sichtbar erhöhen vor allen, es trennen vom Armen, dessen Substanz es ist!“.

Man mag dies für versponnen oder wahnsinnig oder genial halten – es ist der uns fremde Gedankenweg eines tiefgläubigen Katholiken. Und vielleicht fühlt mancher Debitist oder aufmerksamer Beobachter unserer Gesellschaft bei diesen Worten einen Schauder den Rücken herunter rinnen? Doch weiter:

„Ich, das Geld, ich bin das Wort Gottes, der Erlöser der Welt! Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, der Vater des kommenden Jahrhunderts!…..

Das gefühllose Geld, das verfluchte und heilige Geld, um dessentwillen Gott wollte, dass man ihn wie ein Stück Vieh verkaufe, damals (d.h. bei der Kreuzigung) wurde es zum Schrecken für das Menschengeschlecht mit dem Recht einer geheimnisvollen und tief symbolischen Nachfolge belehnt, deren Verwalter die Kinder Jakobs (d.h. die Juden) sein sollten.

In einer unfaßlichen Verblendung, die allen Jammer übersteigt und jedes Mitleid entmutigt, setzte ein Volk, verdammt, nicht unterzugehen, das bleichste der Metalle an die Stelle des totenblassen Gottes, der zwischen zwei Straßenräubern starb.

Ich halte es darum für alles andere als eine unschuldige Kinderei, wenn der Neid der Krämer halsstarrig das schwermütige Volk der Juden des Treubruchs und der grenzenlosen Gier beschuldigt…..

Ich sagte schon, man hat in allen Jahrhunderten und in allen Reichen der Erde ganz vergebens die Juden erschlagen, getötet und ausgeraubt. Sie werden unweigerlich und übernatürlich von Gott selbst gezwungen, die abscheulichen Schweinereien zu begehen, die sie benötigen, um ihre Schande als ein Werkzeug der Erlösung zu beglaubigen“.

Aus diesen Gründen heraus sagt Bloy von sich selber, dass er keinerlei Sympathie für die Juden hege, da sie das größte Verbrechen begangen hätten (den Ärmsten der Armen zu kreuzigen, d.h. Jesus) und das Geld an seine Stelle gesetzt hätten. Womit sie das Elend für sich und andere heraufbeschworen hätten. Noch einmal Bloy in alttestamentarischem Furor:

„Da sie (die Juden) von ihrem fürstlichen Erbteil nur das Götzenbild der Macht, nämlich das Geld, behalten haben, wurde dieses unselige Metall ein Unflat in ihren Totenvogelklauen, und sie verlangten, dass es in ihrem Dienste an der Vertierung der ganzen Welt arbeite.

Da sie fürchteten, dieser unvergleichliche Diener könnte ihnen entkommen, legten sie ihn grausam in Eisen und ketteten sich selber an ihn mit widernatürlichen Ketten, die siebenmal um ihr Herz geschlungen waren: und so machte ihr wilder Despotismus sie selbst zu Sklaven.

Und die Seele der Völker wurde mit der Zeit von ihrer Pestilenz angesteckt…..

Denn es steht außer Zweifel, dass die Juden im letzten Jahrhundert, in dem ihre destruktive Macht in solchem Maße zur Auswirkung kam, das menschliche Niveau teuflisch erniedrigt haben.

Sie haben den modernen Begriff des Lebenszweckes eingeführt und die rauschhafte Begeisterung für das Geschäftemachen entfacht.

Sie haben diese Algebra der Gemeinheiten, Kredit genannt, endgültig an die Stelle der alten Ehre gesetzt, die den ritterlichen Seelen zur Erfüllung ihrer Pflicht immer genügt hat……

Die Vernunft zerfiel wie ein Knochen bei Knochenbrand; und als die jüdische Pest im finsteren Tale des Schwachsinns endlich den Punkt erreicht hatte, wo der freimaurerische Typhus herunterstürzte, um sich mit ihr zu vereinigen, überschwemmte ein Strom der Verblödung die Bewohner des Lichtes…..

Zum Glück werden die giftigen Tiere niemals ganz ihr Gift los, an dem sie nur zu oft selber zugrunde gehen. Israel konnte nicht umhin, sich selbst die Idiotie einzuimpfen, die es der Welt verabreicht hat“.

Hier schließt sich für Bloy der Kreis. In dem die Juden das Chaos in der Welt vergrößern halfen, haben sie ihren Teil im göttlichen WIrkensplan erfüllt. Bevor der Erlöser erscheint, muss das Chaos herrschen. Und dies kann nur dank der Juden kommen bzw. dank des Elends, dass sich mit ihnen in der Welt verstärkt. Bloy schließt denn seine Ausführungen folgendermaßen:

„Ich liebe meine Söhne aus Juda und Benjamin nicht sehr, weil sie den Sohn Gottes gekreuzigt haben…… Aber sie haben ihre Züchtigung erduldet und ich habe mich nicht geweigert, der Gemahl und Mitträger ihrer äußersten Verwerfung zu sein……

Die Passion wird von neuem beginnen, nicht mehr inmitten eines wilden und verabscheuten Volkes, sondern am Kreuzweg und am Nabel aller Völker, und die Weisen werden begreifen, dass Gott seine Quellen nicht verschlossen hat…..

Dann wird es ganz einfach sein, dass der Gekreuzigte herabsteigt, da das Kreuz seiner Schmach mit Recht das ewige Bild und Gleichnis des unsteten Befreiers ist, nach dem er neunzehn Jahrhunderte lang gerufen hat…..

Denn das Heil der Welt ist an mich, an Israel, geheftet und von mir muss es herabsteigen“.

Auf diese Art beendet Bloy sein Werk. Was soll man nun davon halten? Ein Hasspamphlet? Irrsinniges Geschreibsel? Prophetische Gaben? Wahnsinn, der sich als Glauben tarnt? Die Wucht eines wahrhaft Gläubigen? Was immer man selber dort sieht – es ist gut, sich mit solchen Dingen, gerade weil sie uns fremd erscheinen, zu beschäftigen.

Einmal, um zu verstehen, wie anders Menschen denken und fühlen können. Und auch, um zu sehen, was Schriften ausmachen. Welcher Reichtum, welche Ausdruckskraft in Schriften stecken können – gerade auch in uns verstörenden! Gerade mit solchen ist die Beschäftigung – und nicht das Wegschließen – erforderlich!

Sicher: Man könnte diesen Text als „antisemitisch“ ansehen und seinen Verfasser als Antisemiten bezeichnen. Aber würde das Herrn Bloy gerecht, der sich ja im Grunde an einer christlich-mystischen Rechtfertigung der Existenz der Juden versucht und sich aus dieser heraus GEGEN jede Gewalt gegen sie ausspricht?

Und was sagt eigentlich das Bemühen einer Organisation wie der LICRA über deren Verständnis von Meinungsfreiheit aus? Über deren Kunstverständnis? Wie „souverän“ agiert diese Organisation im vorliegenden Falle? Sind (als Gegenbeispiel) in Deutschland die Werke eines Ilja Ehrenburg, der zum Massenmord oder zur Massenvergewaltigung an den Deutschen aufrief, auf dem Index? Die Geschichte geht darüber hinweg – und es ist gut, solche Dinge lesen zu können, um aus ihnen und ihrem zeitgeschichtlichen Kontext zu lernen.

Würden wir alle Bücher verbieten wollen, in denen sich aus heutiger Sicht „antisemitische“ Texte finden, so hätte man genug zu tun – man schaue mal, welche großen Geister alles antisemitische Sprüche vom Stapel ließen: https://derhonigmannsagt.wordpress.com/2012/02/03/antisemitische-zitate-rein-informatorisch/

Indes – vielleicht ist genau dies das Ziel? Hier und da werden ja schon Bibliotheken gesäubert (worüber ich schon mal geschrieben hatte – https://nachrichtenaushinterland.wordpress.com/2015/08/19/es-beginnt-ganz-harmlos-mit-ein-paar-buechern/ ) und dabei eingeräumt, dass auch solche Bücher zu gehen haben, in denen sich Worte wie „Neger“ oder „Zigeuner“ befanden.

Und man kann, so wie man Bücher heutiger Autoren aus Bibliotheken entfernt (wie z. B. solche des umstrittenen Akif Pirincci http://sciencefiles.org/2015/11/25/bucherverbrennung-heist-jetzt-bucherentfernung/ ) natürlich auch Schriften der Klassiker entfernen. Man kann. (Man könnte sich allerdings auch fragen, was dies mit Meinungsfreiheit zu tun hat).

Nicht zuletzt beraubt man sich damit (im Falle der Klassiker) auch eines Teils unseres Erbes. Die Dinge müssen wie gesagt immer aus ihrem Kontext verstanden werden (bzw. zu verstehen versucht werden – wir können uns der alten Zeit nur annähern, sie nie gänzlich verstehen – wir haben damals nicht gelebt……).

Wenn man denn wirklich Werke wie das obengenannte verbietet, so müsste man konsequenterweise (von der Rechtmäßigkeit der Feststellung von „Antisemitismus“ oder „Aufruf zum Rassenhass“ überzeugt) auch den Koran, die Bibel, den Talmud und unzählige Werke der Weltliteratur verbieten bzw. zensieren. Wollen wir das wirklich?

Kurz: Was hier (in diesem Bemühen, ein Buch zu verbieten) stattfindet, ist ein treffendes Symbol für einen kulturellen Bildersturm stupider Zeitgeistfanatiker, der zu noch mehr geistiger Verflachung und noch mehr Eintönigkeit im Gewand politischer Korrektheit führen wird. Zu noch mehr Triggerwarnungen und immer hysterischer werdenden Reaktionen.

Und auch zu einem immer engeren und engstirnigeren Denken. Denn wodurch entwickelt sich denn das Denken? Doch wohl durch Beschäftigung mit Positionen, die uns fremd, seltsam oder gar abscheulich erscheinen.

Daher wäre es umgekehrt anzuraten, gerade solche Autoren wie Leon Bloy oder Nietzsche zu lesen, um sie einmal in ihren historischen Kontext zu stellen – und um aus der Beschäftigung mit ihnen zu lernen – und nicht zuletzt, um sich außerdem an ihrer Sprachgewalt zu erfreuen: Denn diese Werke sind auch Kunstwerke, oder, wie Damien Viguier in Bezug auf das Werk von Bloy so schön sagt, „ein Gedicht in Prosa“.

Manches daran mag uns abscheulich erscheinen, anderes schön – aber wenn man das Werk der Stellen beraubte, die wir anstößig finden, ist es kastriert und verliert seinen Zauber. Das erscheint mir als die größere Sünde im Vergleich zu der angeblichen „Gefahr“ der bedrohten Jugend.

Der vermeintliche Schutz, den man angeblich den ach so leicht beeinflussbaren jungen Leuten damit angedeihen lassen will, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als etwas ganz anderes: Eine perfide Gleichmacherei, ein Einstampfen und Negieren des kostbaren Erbes der Vergangenheit.

Einer Vergangenheit, die mit Sicherheit ihre Herausforderungen an uns stellt, was Einordnung, Verständnis und Interpretation angeht – die uns aber nichts mehr nützt, wenn wir nur noch die Anteile zulassen, die unserem gerade herrschenden Zeitgeist entsprechen. Hier gälte es also wirklich:

Wehret den Anfängen!
Denn wer Bücher kastriert /verbannt/verbrennt, der kastriert /verbannt/verbrennt am Ende auch Menschen. Und DAS hat Bloy nirgends gefordert! Er hat nur aus seinem Herzen keine Mördergrube gemacht.

10 Kommentare zu “Das Heil durch die Juden

  1. Aussagen über „die Juden“ sehe ich so wie Aussagen über den IQ einer Gruppe, der ja auch nichts sagt über die Intelligenz des einzelnen Angehörigen dieser Gruppe.
    Hier ein lebender Jude, den ich mag:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Gilad_Atzmon
    http://www.gilad.co.uk/
    Man trifft ihn auch auf twitter.
    Mein Lieblingsschriftsteller, Fritz Reuter, hätte vor 150 Jahren die Juden anscheinend gern „Steine kloppen“ gesehen, konnte Einzelne jedoch auch als hochanständige Menschen schildern.
    Und es gibt den Begriff des „weißen Juden“.
    Damit macht man sich bei Antisemiten unbeliebt.
    Der „weiße Jude“ bezeichnet Nichtjuden, deren Verhalten dem Stereotyp „des Juden“ entspricht.
    Was ja, zumindest wenn es um „Weiße“, womöglich noch Deutsche, geht, gänzlich unmöglich sei.
    Ein weites Feld und mit Deutschen, nicht nur wegen der Strafgesetze, wie so vieles Andere auch, kaum zu diskutieren.
    Empfehlenswert und gelegentlich erhältlich sind Solschenizyns „Zweihundert Jahre“ oder Sonja Margolina „Das Ende der Lügen“.

    • Danke Rüdiger – Gilad Atzmon schätze ich auch. Es ging in dem Artikel allerdings nicht um irgendwelche Gruppenurteile, sondern um den Umgang mit einem unliebsamen Buch. Dass bei uns gewisse Themen gänzlich gemieden werden, hängt mit vielerlei zusammen (auch mit den Strafgesetzen, da stimme ich zu).

      • Ja, das Buch.
        Selbst wenn ich es im Netz in deutscher Sprache gefunden hätte… – mit Religion und religiösen Symbolen „kann ich nicht“, da fehlt mir, trotz gelegentlichem Bemühen, jeder Zugang.
        Aber bei dieser Gelegenheit: den religiösen Bezug vermeidet auch Wilhelm Marr
        https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Marr
        ausdrücklich in seinem „Der Sieg des Judenthums über das Germanenthum“.
        Kleines Büchlein, PDF ist im Wikipediaartikel ganz unscheinbar verlinkt, findet sich auch leicht mittels „marr sieg pdf“.
        Mich interessiert an Religionen, welche Kultur sie mit sich bringen und wie ihre Anhänger mit Andersgläubigen umgehen sowie mit Ungläubigen wie mir. Daraus leitet sich dann mein Verhalten ab, man möchte sich doch auf Augenhöhe begegnen.

      • Danke nochmal – Marr werde ich mir mal zu Gemüte führen. Was die Religion angeht: Wir sind christlich geprägt – auch die Atheisten unter uns. Mir scheint, dass man uns gerade an vielen Stellen diese Prägung aberziehen bzw. abgewöhnen will – mit welchem Erfolg und welcher Widerstand dem noch entgegengesetzt wird, wird sich weisen.
        Ach so – und danke auch nochmal für die anderen Empfehlungen – Solschenizyn kannte ich schon, aber die von Dir erwähnte Dame nicht. Lies ruhig mal Bloy – ja, es hat einen klar christlichen Bezug, aber es hat auch eine Sprachgewalt, die einem Nietzsche nicht nachsteht. Würde „Das Blut des Armen“ empfehlen – da wettert Bloy gg. Reiche, falsche Pfaffen, Kaufleute etc. Sehr schöne Lektüre.

    • „Aussagen über „die Juden“ sehe ich so wie Aussagen über den IQ einer Gruppe, der ja auch nichts sagt über die Intelligenz des einzelnen Angehörigen dieser Gruppe.“

      Das ist aber nicht ganz korrekt. Es ist schon wichtig, wie hoch der mittlere IQ einer (ethnischen) Gruppe ist, denn nur mit hohem mittlerem IQ ist Hochkultur und -industrie möglich. In einer Gruppe mit mittlerem IQ von 66 haben nur 0,01% einen IQ über 105, das ist natürlich zu wenig, und mit einer solchen Gruppe ist es schlicht unmöglich, etwas auf die Beine zu stellen. Anders gesagt: Man kommt mit Südeuropäern nicht auf den Mond, mit Mittel-/Nordeuropäern schon (noch).

      • Ah – danke RR für den korrekten Hinweis. Wobei ich schätze, das Ziel ist der Mars – bekanntermaßen der Gott des Krieges…. den können wir auch mit geringem IQ anbeten (und vielleicht sogar besser).

  2. Hm. Ich kann den Sinn des Artikels nicht nachempfinden.
    Wir haben längst keine Meinungsfreiheit mehr. Sie ist einfach eine Illusion.

    Wieso fragt man nach einer Illusion, die ja garnicht vorhanden ist? Was soll das bringen?

    Dann soll man doch bitte die nicht vorhandene Meinungsfreiheit offen anprangern. Anstat Fragen zu stellen, ob wir dabei sind, sie abzuschaffen. Sie ist nicht vorhanden, die Meinungsfreiheit! Solche Bücher zu verbieten, ist ganz normal, traurig, aber völlig normal.

      • Wer verbietet hat Angst, das ist klar. Wer etwas aus „christlichem Glauben“ heraus nicht lesen will, hat ebenfalls Angst. Darin tun sich beide Personengruppen nichts. Damit verhindern beide Gruppen, Systemprofiteure wie auch Ängstlich-Vermeidende, das sich je etwas ändert.

        Ich kannte den Autor nicht. Wahrscheinlich hat er irgendwo… wie auch immer…. recht. Z.Bsp. das hier:

        „„Da sie (die Juden) von ihrem fürstlichen Erbteil nur das Götzenbild der Macht, nämlich das Geld, behalten haben, wurde dieses unselige Metall ein Unflat in ihren Totenvogelklauen, und sie verlangten, dass es in ihrem Dienste an der Vertierung der ganzen Welt arbeite.“

        Teilweise haben mich Phrasen sehr angesprochen; so bin ich schon längere Zeit der Meinung, dass der Deutsche mit dem jüdischen Geldsystem ein prima Geschäft macht, sich also damit zum Komplizen des eigenen, als nicht mehr schlimm empfundenen Untergangs macht. Auch die eigene Dekadenz stört ihn dabei keinesfalls.
        Oder anders ausgedrückt: Erst kommt das Fressen, dann die Moral.
        Auf die einfachen Bewertungen „Gut“ und „Böse“ herunter reduziert, ist das alles „Böse“. Änderung bringt nur, wenn man sich von beidem radikal abwendet. Davor haben aber alle Angst, bzw. sie profitieren irgendwie davon.

  3. Pingback: Die Ursachen des Deutschenhasses Teil Eins | nachrichtenaushinterland

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