Der Hassaufbau schreitet voran II

In einem vorherigen Beitrag hatte ich mich darüber ausgelassen, wie der Hassaufbau in unserer Gesellschaft bewusst von ganz oben geschürt wird. https://nachrichtenaushinterland.wordpress.com/2015/08/28/der-hassaufbau-schreitet-voran/

Dabei war ich auch auf den Fall eines Busfahrers im Schwäbischen eingegangen, der von seinem Arbeitgeber entlassen worden war, nachdem ihn ein Grünenpolitiker aus dem Schwäbischen bei Zeitungen gemeldet (sprich: Denunziert) hatte. Alles dazu kann man in dem link oben nachlesen, wenn man will.

Den Mann, der die Denunziation gemacht hatte, hatte ich auch mal auf seinem Blog angeschrieben und gefragt, ob er sein Verhalten denn für moralisch und anderweitig rechtens halte – was er bejahte (ah, ich sehe meinen Sprachfehler – hätte ich geschrieben, ob er es für linkens – oder linkisch? – halte, hätte er es wohl verneint). Hier der Blog: http://joergrupp.de/bin-ich-verantwortlich-fuer-die-entlassung-eines-busfahrers/

Gestern Abend schaute ich zufällig mal wieder auf den Blog und fand dort als aktuellste Darstellung die Beschreibung einer PEGIDA bzw. KAGIDA-Veranstaltung in Karlsruhe – nebst Gegenveranstaltung, an der der Blogbetreiber teilgenommen hatte. http://joergrupp.de/pegida-laeuft-zwar-aber-keiner-hoert-sie/

Diese Beschreibung ist derart exemplarisch für ein Grundübel unserer Zeit (das Denken in Schablonen, welches einem neuen Faschismus förderlich ist), dass ich Teile von ihr hier wiedergeben will.

Herr Rupp beginnt damit, dass diese Bewegung „ein Haufen rechtsextremer Rassisten“ sei und damit „Teil der neuen NPD“. Seit neun Monaten verhindere es allerdings ein Aufgebot standhafter Bürger, dass diese Demonstranten ihre Meinung so kundtun können, dass andere sie hören.

Sprich, seit neun Monaten würden sie erfolgreich mit Trillerpfeifen, Vuvuzelas, Geschrei und Gebrülle gestört. Eine Verhaltensweise, wie ich sie auch bei einem Besuch der FRAGIDA in Frankfurt im März wahrgenommen hatte. https://nachrichtenaushinterland.wordpress.com/2015/03/04/fragida-in-frankfurt/

Dort musste ein Großaufgebot der Polizei die ca. 80 FRAGIDA Teilnehmer vor einer wütenden, brüllenden Menge von Gegendemonstranten (schätzungsweise 1000) schützen, unter denen auch gewaltbereite Teilnehmer zu sein schienen (zumindest gab es in Frankfurt immer wieder Gerangel u.ä, welches entweder von Polizei oder Gegendemonstranten auszugehen schien).

In Karlsruhe wird also ebenfalls nach der Devise: „(Zer)Störe das Demonstrationsrecht“ vorgegangen – der Zweck heiligt bekanntlich die Mittel. Den Abend befand der Blogschreiber als erfolgreich: Wieder sei die KAGIDA eingekesselt worden, alles sei friedlich verlaufen, Probleme habe es nur mit überaggressiven Polizisten gegeben.

Die interessantesten Passagen, welche zeigen, wes Geistes Kind der Blogbetreiber ist, finden sich am Ende des Beitrages: So habe einer der KAGIDA-Teilnehmer, ein Herr Michael Mannheimer, während der Veranstaltung mit ihm (Jörg Rupp) zu sprechen versucht.

Zitat: Mannheimer hat übrigens versucht, mit mir zu sprechen – von einer Gitterseite zur nächsten. Was auch immer er wollte – mit Nazis gibt es keine Kommunikation, nur Verachtung.

Also – keine Kommunikation mit dem verhassten Gegner. Die Webseite von Herrn Mannheimer ist tatsächlich stark einwanderungskritisch – ob man den Betreiber einen Nazi nennen sollte, möge der Leser selber entscheiden. http://michael-mannheimer.net/

Offensichtlich erfreut war Herr Rupp über Folgendes (Zitat): Am Hauptbahnhof konnte ich übrigens sehen, wie Mathias Bückle mit ein paar seiner „Hools“ unter massiver Polizeibegleitung zum Bahnsteig begleitet wurde. WiKa hat ihn rausgeschmissen – er kommt trotzdem weiterhin angedackelt.

Und schloß seine Ausführungen mit dem Fazit (Zitat): Trotz dieser Nickeligkeiten war es ein erfolgreicher Abend. Egal wo in Karlsruhe – den Nazis trifft immer ein in der Anzahl vielfacher Widerstand entgegen, wir sind immer mehr, wir sind immer lauter. Sie reden für sich – inkl. Spaziergang durch leere Straßen knapp 3 Stunden gestern (Sehr schön auch die Bewohner der Waldstraße, die ihre Fenster verdunkelt hatten – WiKa lief durch eine dunkle Straße ) – und erzählen sich immer denselben Mist. Sie bekommen weiterhin so wenig Raum wie möglich.

Halten wir fest: Es wird Demonstranten, deren Meinung man nicht teilt, ihr Recht auf Demonstrationsfreiheit faktisch genommen, indem sie massiv gestört werden. Ein Dialog mit ihnen hat nicht stattzufinden (sie sind ja die Bösen). Ein massives Polizeiaufgebot muss sie vor Gewalt der Gegenseite schützen.

Das Erschreckende hierbei ist, dass Menschen wie Herr Rupp dies ja nicht tun, weil sie sich für dumm halten und an Gewalt und Geschrei ergötzen – nein, sie sind überzeugt davon, dass es richtig ist, dass andere keine Stimme erhalten dürfen – keine Möglichkeit, ihre Meinung kundzutun, zu formulieren – denn sie sind die Bösen.

Dass dies de facto die Demokratie beseitigen hilft – das dürfte weder Herrn Rupp noch seinen Mitstreitern klar sein, auch wenn man es ihnen sagte. Denn entweder habe ich Demokratie und lasse alle Meinungen zu – auch solche, die mir gar nicht gefallen – oder ich lasse eben bestimmte Meinungen nicht mehr zu – lasse sie gar nicht erst aufkommen. Das geht, aber dann ist es keine Demokratie mehr.

In diesem Stadium des Übergangs befinden wir uns aktuell. Dass es eine zunehmend aggressiver auftretende Stimmungsmache gegen echte und vermeintliche Systemgegner gibt, ist natürlich auch anderen längst aufgefallen – Frau Röhl und Herr Danisch mögen als Beispiele dienen:

http://www.danisch.de/blog/2015/10/25/wer-hat-schuld-an-der-radikalisierung/
http://www.rolandtichy.de/kolumnen/bettina-roehl-direkt/der-linke-mainstream-ersetzt-das-grundgesetz/

Man lässt Kritik an bestimmten Dingen nicht mehr zu (Gender, Asyl etc.), ohne dem Kritiker dabei eine böse Gesinnung zu unterstellen. Was die Radikalen stärkt, die Probleme nicht löst und darüber hinaus auch weitere Bürger sich radikalisieren lässt. Alles, weil man sich im Besitz der alleingültigen Wahrheit wähnt.

Was mich hier wie gesagt erschreckt, ist die Blindheit. Wer im Namen des Guten (bzw. was er dafür hält) andere Meinungen niederbrüllt und das gut heißt, der mag auch zu radikaleren Lösungen in der Zukunft „Hurra!“ rufen. Elektronische Fußfesseln für Nazis? Rede- und Arbeitsverbot für Nazis? Oder sollten Nazis in Lagern konzentriert – gechippt oder medikamentös behandelt werden?

Forscher haben offenbar schon herausgefunden, wo im Hirn das „Rassismus-Areal“ liegt – warum sollte man dies nicht….. abschalten? http://www.huffingtonpost.de/2015/10/16/religiositat-rassismus-gehirn-abschalten_n_8303286.html

Und WER bestimmt, wer ein Nazi ist? Wie Ignazio Silone so schön sagte: Wenn der Faschismus wiederkommt, wird er nicht sagen: ich bin der Faschismus! Sondern er wird sagen: Ich bin der Antifaschismus!

Keine schöne Zeiten, die da vor uns liegen. Kälter, dogmatischer und hysterischer werdend. Es bleibt nur, selber klar zu bleiben. Bei sich zu bleiben.

9 Kommentare zu “Der Hassaufbau schreitet voran II

  1. Hm, die letzte Konsequenz fehlt mir im Artikel. Wer bei sich bleibt, wie ich es seit einiger Zeit tue, ist für das System ein Nazi und draußen.

    Es gibt keinen Mittelweg zwischen den Wegen „systemfreundlich“ und „systemfeindlich“. Ich dachte das auch mal. Aber es geht nicht, weil das das System nicht zulässt.

    (Deshalb finde ich auch Demonstranten immer so putzig, die behaupten, man sei nicht „links“ und nicht „rechts“, aber Nazis wolle man nicht in der Gruppe haben. Man selbst behauptet für sich, gesellschaftlich in der Mitte zu stehen, aber nur um mit dem Finger auf die anderen, die „bösen“ zu zeigen. Um sich selbst davon abzugrenzen, sagen zu können: „Seht her, wir sind die Guten!“. Das ist alles hohe Psychologie aber sehr leicht zu durchschauen. Die bemüht „Guten“ durchschauen das natürlich nicht und spalten so, auf Wunsch des Systems, das Volk weiter. Dies nur am Rande.)

    Das ist einfach, zu begründen: Das System (und seine Bütttel, die linken Terroristen) lässt keine Kritik zu. Wo es keine Meinungsfreiheit mehr gibt, kann man aber nicht mehr von Demokratie und Freiheit reden, sondern man muss von Faschismus reden. Die „BRD“ ist schon lange ein faschistoider „Staat“. Sie vernicht all die, die nicht systemfreundlich sind. Wer das einmal durchschaut hat, wird automatisch zum Nazi.

  2. Was du schreibst, spricht mir aus dem Herzen, und Du schreibst es besser, als ich es ausdrücken könnte. Danke dafür.
    Was hier in D stattfindet, halte ich in der Tat für eine fortschreitende Abkehr von der Demokratie. Beängstigend ist das, sehr beängstigend.
    Und die eifrigen Mitläufer auf diesem Weg (denn sie sind nur Mitläufer; sie tun das, was Ihnen die Politik und die Medien einblasen), die Mitläufer also, die so vehement alles als ‚Nazi‘ beschimpfen, was nicht ‚gleichgeschaltet‘ denkt, die bedienen sich der Sprache derer, die sie zu bekämpfen vorgeben.
    Heute gelesen, im I-Net:
    Jemand schreibt „Seit ihr wirklich so blind und erkennt die Gefahr nicht?“.
    Die Antwort: „Hahaha weil Ihr rechten die Flüchtlinge nicht alle in eine Schublade steckt, für rückständiges Gedankengut wie eures wird in Europa nie Platz sein verpisst euch am besten von diesem Planeten, […] fickt euch….von ganzem Herzen FICKT EUCH!“!!.“
    Und:“Pegida Afd und Co sind bösartige Geschwüre, die schon als Krebsvorstufen vorhanden waren, aber keine Symptome. Die müsste man rausschneiden und am besten entsorgen.“.

    Entsorgen.

    Kommt mir so beängstigend bekannt vor.

    • Danke für das Lob argus (wenn auch der Anlass kein schöner ist, sprich, die Entwicklung, die wir nehmen). Blindheit rächt sich irgendwann – leider werden wir das alle auszubaden haben. Es wird nicht bei den „entsorgen“-Aufrufen bleiben. Jede Zeit hat offenbar ihre Narrheiten, die nur wenige sehen – und ein paar Jahre später belächelt man dann diese Narrheiten, derweil mehr ggüber den eigenen weiter blind ist. Aber vielleicht – vielleicht! – gibt es irgendwann tatsächlich eine Änderung zum Besseren.

      • Die regierungsoffiziellen Vorgaben deuten nicht darauf hin, dass irgendwann eine Änderung zum Besseren absehbar ist. Die Wenigen, die offenen Auges durch’s (politische) Leben gehen, werden als Nazis oder Fremdenhasser diffamiert. Der Mittelstand ist damit beschäftigt, seinen Lebensstandard zu erhalten und schweigt. Solange der Mittelstand ruhig bleibt, wird sich kaum etwas ändern.
        Deshalb sind solche Aktivitäten wie Dein Blog wichtig. Könnte die Wegseher zum Nachdenken anregen.

  3. Pingback: Eine weitere Kassandra | nachrichtenaushinterland

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