Weltkrieg oder Weltheil

Die Tage hatte ich ein Telefonat mit meinem Bruder, welcher in München lebt. Er war etwas düsterer Stimmung, da er dort hautnah die Veränderung in der Stadt mitbekommt, die sich seit dem Beginn der großen Fluchtwelle von Asylbewerbern ergeben haben. Als Vater zweier kleiner Kinder ist ihm etwas unwohl.

Er machte die Bemerkung, dass er sich mit ein paar Bekannten getroffen habe – alles Männer, die in guten Berufen arbeiten, Frau und Kinder haben, die normale Mittelschicht sozusagen. Auf Nachfrage meines Bruders beim Bier hätten alle sechs zugegeben, dass sie in Sachen Asylthema im Büro und anderswo nicht das sagen würden, was sie denken. Aus Angst, in die rechte Ecke gestellt zu werden.

Das passte zu meinen eigenen Beobachtungen – es gibt Menschen, die sich nicht mehr trauen, offen zu sagen, was sie denken. Hätte mir das jemand vor 20 Jahren gesagt, dass unser Land mal eine solche Entwicklung nehmen würde, hätte ich gesagt: Der spinnt. Da kann man mal sehen, wie man sich irren kann.

Mein eigener Vater, zeit seines Lebens guter Demokrat und von der Bundesrepublik überzeugt und überhaupt allen radikalen Richtungen abgeneigt, sagt, dass er keine Partei mehr finde, die seine Meinung adäquat vertritt – es sei nur noch ein Einheitsbrei. Auch ihm macht die Entwicklung der Gesellschaft große Sorge.

Was mein Bruder zum Ende unseres Telefonates sagte, gab mir einen Moment zu denken: Zum einen meinte er, so ähnlich müsse es wohl 1933 gewesen sein – die Presse hätte auch damals eine Richtung vorgegeben und die Leute hätten es billigend oder es missbilligend hingenommen. Dann wäre der nächste Schritt gekommen.

Er schloß seine Ausführungen mit der resignativen Bemerkung, dass wir schon wieder einen deutschen Sonderweg einschlagen würden – ganz Europa sage nein zu den Asylbewerbern, nur wir mahnten europäische Solidarität an. Für ihn Ausdruck eines deutschen Wahns, etwas radikal und gegen die Vernunft durchzusetzen. Kurz auflachend sagte er: Weltkrieg oder Weltheil – darunter machen wir es wohl nicht.

Seine Bemerkungen ließen mich wie gesagt nachdenklich zurück. Nun schätze ich mal, dass die Geschichte des Zweiten Weltkrieges dereinst so wie die des Ersten Weltkrieges einer gewissen – sagen wir – Revision unterzogen werden muss. Erste Ansätze in diese Richtung existieren ja bereits. http://www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-4155

Aber mit Sicherheit stimmt es auch, dass ein wesentlicher Teil der Deutschen Hitlers Ziele billigte – oder zumindest einen Teil davon. In dem schönen und heute vergessenen Buch des italienischen Journalisten Luigi Barzini https://en.wikipedia.org/wiki/Luigi_Barzini,_Jr. mit dem Titel
„Auf die Deutschen kommt es an“ gibt es eine hübsche Passage, in der der Autor sich beim Bier mit deutschen Freunden unterhält – dies findet in den Dreißiger Jahren des letzen Jahrhunderts statt.

Die Unterhaltung ist angenehm und offen – doch als es um die Frage der Wiederherstellung von Deutschlands Ehre geht (was damals von der deutschen Presse wohl stark hervorgehoben bzw. gefordert wurde) schreibt er, dass sich seine Gesprächspartner auf einmal ihm verschließen und rationalen Argumenten gegenüber nicht mehr zugängig sind.

Diese kurze Szene erinnert mich an das heutige Dilemma: Es ist rational gesehen ein Leichtes, den Unsinn und die Gefahr in der jetzigen Asylzuwanderung darzustellen – sozial, finanziell, wirtschaftlich, kriminologisch, psychologisch etc. – was die Jobs im Niedriglohnsektor angeht, den Häusermarkt, das soziale Netz etc. – auf fast allen Ebenen ist diese Zuwanderung ein Desaster und eine große Gefahr für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft.

Aber wie ich selber schon feststellen durfte, sind ganz normale Menschen diesen rationalen Argumenten gegenüber nicht (mehr?) zugängig. Es ist, als ob ein Rollo heruntergeht. Was für mich faszinierend ist, zu sehen. Die Dauerbeschallung von allen Seiten verfehlt offenbar nicht ihre Wirkung.

Somit bleibt es leider dabei, dass ein Umdenken erst stattfinden wird, wenn das Desaster dieser Politik am eigenen Leibe erfahren wird – bis wohin aber noch viel Wasser den Rhein heruntergeflossen sein dürfte. In der Zwischenzeit werden Flüchtlingssoli und Unruhen einziehen, Kriminalstatistiken dürften, wenn nicht geschönt, so doch missachtet werden, Landräte werden maulen, aber kuschen, Bürger sich hier und da bewaffnen, noch mehr Asylantenheime brennen bzw. Wohnraum beschlagnahmt werden, die Überwachung nach den ersten Terroranschlägen ausgedehnt werden etc. Denkbar sind irgendwann auch Zwangszuweisungen von Asylbewerbern in private Wohnungen – es ist keine schöne Zeit, die uns da bevorsteht.

Jedenfalls werden sich nicht nur die Nachrichten von brennenden Asylantenheimen häufen – auch solche Meldungen werden Alltag werden. http://www.welt.de/regionales/hamburg/article148424527/Fluechtlinge-schlagen-auf-Polizeihunde-ein.html Bzw. sicher auch noch getoppt werden – es ist anzunehmen, dass sich Teile der Flüchtlinge künftig auch noch anders Gehör zu verschaffen versuchen werden.

Doch zurück zur Blindheit vieler Bürger: Dass es ulkigerweise tatsächlich wieder ein deutscher Sonderweg ist, ist den wenigsten bewusst, scheint mir. Deutschland steht allein auf weiter Flur (mit den Schweden an ihrer Seite – schon wieder ein germanischer Block, ts) und das Einfordern der europäischen Solidarität würde, wenn man es ernst meinte, bedeuten, dass Deutschland sich dem Willen der Mehrheit beugt und aufhört zu verlangen, dass Asylbewerber auf die anderen europäischen Länder verteilt werden – denn diese wollen das in ihrer Mehrheit nicht.

Genauso wenig wie es Kanadier, Australier oder Neuseeländer oder Amerikaner wollen. Die Rufe nach Sanktionen gegen diese rassistischen Regimes habe ich aber von linker Seite noch nicht vernommen. Auch nicht, dass es Boykottaufrufe gegen diese Länder gäbe – oder gegen Israel, wo Asylbewerber in Lagern in der Wüste konzentriert werden (nicht aufregen! Nein, ich mache nicht den Pirincci).

Interessante Zeiten. Wieder einmal gehen die Deutschen einen eigenen Weg und die anderen schauen irritiert zu. Wieder einmal ist die Politik zum großen Schaden des deutschen Landes und Volkes (wobei auch nur eines von beiden zu erwähnen heute schon als Ausweis rechtsradikaler Gesinnung genügt).

Es wird spannend sein, die Entwicklungen der nächsten Jahre zu beobachten. Aber immerhin: Es besteht die Möglichkeit, dass Menschen im Laufe der nächsten Jahre aufwachen – und erkennen, was geschieht – und vielleicht auch, wozu es dient. Nicht zu unserem Wohl jedenfalls.

Solange das aber nicht geschieht und der Zuwanderung keine Grenzen gesetzt werden, gilt für uns das treffende Bonmot meines Bruders: Weltkrieg oder Weltheil – drunter machen wir’s wohl leider nicht.

2 Kommentare zu “Weltkrieg oder Weltheil

  1. Die Deutschen™ machen alles extrem … gründlich. Dafür sind sie bekannt, berühmt, berüchtigt, aber auch beliebt. Und wenn’s drum geht offenherzig gegen eine Wand zu rennen, dann machen sie auch das … gründlich.

    Gelegentlich wird daraus gelernt. Aber die Generation, die derzeit an den Schalthebeln sitzt, hat wohl die Lehren der Vergangenheit vergessen – oder sieht den Bezug dazu nicht. Wir sind also verdammt, die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen.

    Und ich sitz‘ mittendrin und muß das live miterleben – darauf habe ich nun überhaupt keine Lust. Wie ging dieser chinesische Fluch? „Mögest Du in interessanten Zeiten leben“. Wir leben in verdammt interessanten Zeiten.

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