Die glücklichen Sklaven

Lange Zeit ging es uns in der Bundesrepublik recht gut (bin selbst ein Kind der siebziger Jahre). Es war gemütlich – sicher – geordnet und geregelt, manchmal etwas langweilig, zog das Leben dahin. Ausbrüche aus dem Alltag konnten hier und da stattfinden und wurden in einem gewissen Rahmen weitgehend toleriert (Drogen, was kaputt machen etc.).

Die meisten fanden das Leben, wenn nicht schon wunder-, so doch annehmbar. Und je älter, desto gemütlicher wurde es. Nervenkitzel reduzierte sich auf Parties, Fernsehen, Killervideos und –spiele, Heavy Metal und ähnliches. Aber die allermeisten machten doch Ausbildung oder Studium und ergriffen Jobs, heirateten und kriegten Kinder.

Man musste keine Beamten schmieren, um seine Papiere zu bekommen, konnte auch nachts draußen rumlaufen (jedenfalls in den meisten Orten), Müllabfuhr, Zeitungsbote, Sonntagsbrötchen, Spaziergänge an Flüssen und in Wäldern- alles ging seinen mehr oder weniger geruhsamen Gang.

Politiker waren zwar farblos, doch die Löhne waren gut. Das Leben erschien zwar hier und da sinnlos, doch es gab Fernreisen, gutes Essen, Bier und Fußball, die Busse und Bahnen fuhren weitgehend pünktlich, das Parteiengezänk gehörte dazu, Terroristen gab es in anderen Ländern (kleine RAF oder AIZ-Vorkommnisse oder selbst das Neonazi-Attentat von München waren nur Ausnahmen). Das Leben war überschaubar und sicher.

Ist es da ein Wunder, dass andere, die all dies nicht haben, eben dies auch haben wollen? Die schönen Häuser, die schönen Autos, das sichere Leben, ohne Bomben, ohne Attentate, ohne Angst um die Kinder? Es ist vollkommen verständlich – dummerweise werden sich nun auch bei uns die Verhältnisse verschlechtern – das ist unausweichlich und je mehr Einwanderung stattfindet, desto schneller findet diese Veränderung statt.

Aber man täusche sich über zwei Sachen nicht: Die Veränderung dieses gemütlichen, behäbigen Gemeinwesens, welches da wie ein schwerer Ozeanriese dahindümpelte, ohne Schwung und Elan, aber doch sicher und zuverlässig auf seinem Weg – diese Veränderung hat schon vor Jahren, eher Jahrzehnten, eingesetzt.

Es waren viele kleine Merkmale, die die Gesellschaft zu verändern halfen – lange bevor wir den Asylbewerberzustrom dieses Jahres zu verzeichnen hatten. Die Gewöhnung daran, dass die Bundeswehr wieder auswärts eingesetzt werden soll (ironischerweise von einem Grünen). Was im Außen geht, geht natürlich notfalls auch im Inneren.

Die Gewöhnung daran, dass es normal ist, dass Frauen auch arbeiten. Ist es ja auch – aber dass ein Haushalt, der früher von einem Gehaltsverdiener auskommen konnte, nun zwei braucht – ist das normal? Und doch haben sich alle dran gewöhnt.

Dass Zuwanderung stattfindet, die man erst nicht so nennt (Gastarbeiter), die man dann irgendwann einräumt (Ausländer), schließlich begrüßt (sind ein Zuwanderungsland) bzw. bemäntelt (Islam gehört zu Deutschland), ohne je zu fragen: Wollen wir das? Ist das für uns gut? Volkswirtschaftlich, gesellschaftlich, national? Nein nein – solche Fragen waren früher noch möglich – heute sind sie Ausweis böser Gesinnung (und auch an das haben wir uns die letzten Jahre gewöhnt).

A propos: In den siebziger Jahren kam die Gefahr noch von links – heute kommt sie von rechts. Damals ein Spuk – heute ein Spuk. Und was früher undenkbar gewesen wäre (andere des Hasses zu bezichtigen, weil sie abweichende Meinungen haben) gehört heute zum guten Ton.

Es haben sich Myriaden von Begriffen etabliert, für tatsächliche oder vermeintliche Gefahrenträger: Rechtspopulisten, Nazis, Altnazis, Rechtsradikale, braune Esoteriker, Reichsbürger, Rassisten, Frauenhasser, Maskulisten, Pegidisten, Hatespeaker, Homophobe, Neonazis, Faschisten, Ausländerhasser, Rechtsextremisten, Hooligans, Ultras, Skinheads, Verschwörungstheoretiker etc. pp. Wer will, kann hier noch weitere Begriffe von rechts finden. https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsextremismus

Dann gibt’s auch noch Islamisten, die Antifa, Autonome, Linksradikale, Terroristen und Kommunisten oder Anarchisten.

Wir haben uns an die Beschwörung der Gefahr von rechts gewöhnt – NSU, Rostock etc. führten sie uns vor Augen und man beschwört sie tagein, tagaus, landauf, landab.

Das Fernsehen wuchs von drei auf 60 oder mehr Kanäle. Früher gab es den Supermarkt und Tante Emma Läden. Heute sind es Discounter sonder Zahl. Das Essen bleibt billig – die Qualität? Das ist eine andere Sache.

Doch zurück zur Gefahr: Da es soviele hasserfüllte Personen zu geben scheint, wird getrommelt – nach Vorratsdatenspeicherung (eigentlich nicht gut. Aber wenn es gegen die Bösen ist?), nach Zensur (eigentlich nicht gut. Aber wenn es gegen die Bösen ist?), nach Überwachung (s. vorher), nach Meldung, Sperrung, Löschung.

Man beschwört die Freiheit und dämmt sie weiter ein. Die Freiheit, seine Wohnung als Ferienwohnung zu vermieten? Nein – das geht nicht mehr. Ist Zweckentfremdung, wurde man in Berlin belehrt. http://www.berliner-zeitung.de/berlin/verbot-von-ferienwohnungen-berlin-schraenkt-angebot-von-airbnb-ein,10809148,26920178.html

Eine freistehende gewerbliche Immobilie zu beschlagnahmen, um dort Asylbewerber einzuquartieren, scheint aber eine angebrachte Nutzung zu sein. http://www.medias-presse.info/hambourg-adopte-discretement-une-loi-permettant-de-requisitionner-des-proprietes-privees-pour-loger-les-immigres-illegaux/40562

Es dürfte nicht bei leer stehenden, gewerblichen Immobilien bleiben – aber dies nur nebenbei.

Wir haben uns gewöhnt daran, dass mehr und mehr Kameras das Straßenbild zieren – in Geschäftsräumen sind. Dass unsere Telefonate abgehört werden (von ausländischen Diensten), unsere SMS gespeichert werden wie unsere Mails auch, unsere Post geöffnet werden kann – ich hab ja nichts zu verbergen.

Wir haben uns an Viertel gewöhnt, aus denen Deutsche weg ziehen – an Straßen, in die man nicht mehr geht – daran, dass Symbole der Zusammengehörigkeit fehlen (Deutschlandfahne auf der Kleidung? Das muss ja wohl rechts sein). Also im Grunde Nazi.

Deutsches Volk? Gab es früher mal als Begriff – hat sich (als Begriff in der politischen Sphäre) überholt. Man schaue mal alte Reden aus den siebziger Jahren – deutsche Nation, deutsche Heimat, deutsches Wesen – das waren mal Begriffe, die man benutzen konnte, ohne deswegen für rechts gehalten zu werden.

Sicher – pantha rhei, alles fließt. Aber wohin?

Das Private öffentlich zu machen (durch Selfies, Webcams, Facebook, Apps – alles zeigen, alles teilen) – früher undenkbar, heute Normalität. Guck mal hier – schau mal da – Dauerbeschallung, Dauerteilen, Dauerablenkung. Lesen? Wird schwieriger, wenn man dauernd Bilder sieht.

A propos: Bildung? Fünfzig Prozent der Schüler machen Abitur, fast die Hälfte der jungen Leute an der Uni – Elite? Bei beständig abgesenktem Niveau an der Schule, bei verkürzter Schulzeit, bei verschulter Unizeit? Was für Geister werden da geformt, verformt, geprägt?

Früher hieß es: Zeit zur Reflektion. Heute heißt es: Schneller! Schneller sind die Jungen – auch im Denken? Im Verstehen? Und natürlich – viel bunter ist alles geworden. Lauter, schriller, schneller. Lustigerweise dabei nicht freier.

Kracher in Briefkästen – Seife an der Wohnungstür – Schellekloppen – eine „line“ legen (nein, nicht Kokain – mit einer Spiritusflasche eine Linie am Boden ziehen und diese anzünden – oder eine Spiritusflasche in einen Sandkasten stecken und dann anzünden). Jugend- und Kinderstreiche von damals – wo sind die heute?

Aber dafür beständige Erreichbarkeit, immer wissen, wo die eigenen Kinder sind (könnte ja was passieren). Auch hier – interessante Änderung: Meine Mutter war gottfroh, wenn wir aus dem Hause waren und sie ihre Ruhe hatte. Über Stunden tobten wir draußen herum – im Wald, im Feld, auf dem Spielplatz. Keiner wusste, wo wir waren. Abends ging’s dann zurück nach Hause.

Und heute? Sind wir da freier?

Sind wir freier mit all dem elektronischen Schnickschnack, Smartphones, Smartcars, Smart-TVs, Smartwatches, Smarthomes, Smartdies und Smartdas? Was all diese smarten Gerätschaftschaften auch tun – sie zeichnen auf, was WIR tun! Filmen uns – nehmen uns auf. http://www.dailymail.co.uk/sciencetech/article-2950081/It-s-not-just-smart-TVs-home-gadgets-spy-internet-giants-collecting-personal-data-high-tech-devices.html

Ist das Freiheit?

Ist es Freiheit, bestimmte Begriffe nicht mehr zu verwenden – sind sie doch Nachweis böser Gesinnung? Sage nicht Neger, sage nicht Zigeuner, sage nicht dies und sage nicht das.

Ist das Freiheit, Parteien zu wählen, die alle dieselbe Politik vertreten (EU gut, Zuwanderung gut, alles gut), Zeitungen zu lesen, die alle dasselbe verkünden (EU gut, Zuwanderung gut, alles gut) und sich über Haarschnitt, Tätowierung und Schuhe in seiner Individualität bestätigt zu fühlen?

Ist es das wirklich?

Am Ende läuft es auf Eines hinaus – auch wir sind Sklaven. Sklaven der Gedanken, die andere in uns gelegt haben. Sklaven der Meinungen, die andere in uns bestärken. Sklaven der Verhaltensweisen, die sich aus Motiven speisen, die andere in uns platziert haben. https://www.youtube.com/watch?v=CMLh2L1jIck

Es scheint schwer, doch eine Freiheit, eine WIRKLICHE Freiheit, ist auch heute noch möglich – nur ist diese eben IN uns, wie Boethius, Luther, Gandhi und viele andere anschaulich geschildert haben. Da anzusetzen, wird für die nächsten Jahre als Aufgabe schwierig genug sein – aber auch lohnenswert genug.

3 Kommentare zu “Die glücklichen Sklaven

  1. Schöne Zusammenfassung. Das sind Veränderungen, die mir seit langem auffallen. Ich bin in den 60ern aufgewachsen. Nicht daß wir von den Poltikern (die damals nicht ganz so langweilig und farblos waren, wie die heutigen) nicht genau so belogen, betrogen und manipuliert wurden, wie heute. Heutzutage ist es nur offensichtlicher.

    Es erscheint so, als hätten wir früher tatsächlich viel mehr Freiheit gehabt, als heutzutage, aber vielleicht hat sich nur die Wahrnehmung geändert? Jedenfalls waren wir früher viel entspannter, nicht dauerbetroffen, nicht ständig verängstigt, mit Bildern von Gefahren geblendet – und trotz RAF-Terror, kaltem Krieg und atomarer Gefahr war das Bedrohungsgefühl eher abstrakt. Heutzutage betrifft es jeden. Man merkt, daß über die Jahrzehnte unsere stabile, teilweise langweilige Lebensweise eine „progressive Beschleunigung“ erhalten hat. Das hatte viele Vorteile, aber – genau betrachtet – noch mehr Nachteile, weil altbewährtes, stabilisierendes, radikal über Bord geworfen wurde, ohne zu berücksichtigen, was das für Konsequenzen haben könnte. In der progressiven Begeisterung wurden auch die Fundamente mit angesägt oder sogar abgetragen. Darunter haben wir heute zu leiden.

    Man braucht sich nur ansehen was passiert, wenn mal für eine halbe Stunde Strom und Internet ausfallen. Da kriegen viele Leute regelrecht Zustände, wenn’s zwar noch Brot gibt, aber keine Spiele mehr.

    Nicht nur Orwells Dystopie hat partiell Einzug gehalten – vor allem Huxley („Brave New World“) ist längst bittere, aber bunte Realität.

      • Bin ich mir nicht so sicher. Die ’68er hatten gute Absichten, sind nur weit über das Ziel hinausgeschossen und sie waren selbst ideologisch indoktriniert – vor allem von linker Seite. Daß auch die linke Ideologie viele Millionen von Menschen auf dem Gewissen hat, haben die gründlich verdrängt.

        Trotzdem habe ich auch den Verdacht, daß zumindest einige Fundamente absichtlich beschädigt oder eingerissen wurden. Die Familie zum Beispiel. Sogar eine schlechte Familie war ein Garant für eine gewisse Stabilität und Zusammenhalt. Solidarität soll aber lieber mit politischen Ideologien geübt werden – mit (teils irren) Ideen statt mit Menschen. Menschlichkeit wird durch Abstraktionen und Ideolgien ersetzt. Das macht mir große Sorgen.

        Das kommt halt davon – wenn man radikale Veränderungen (Verbesserungen) will – dann bekommt man auch radikale Veränderungen. Augenmaß, nachdenken über mögliche Konsequenzen, Gefühl für Ausgewogenheit … das geht dabei alles unter. Sieht man immer noch deutlich bei den „Grünen“, bei den radikalen Netz-Feministen, den Genderisten und anderen ideologisch Verblendeten.

        Die einzige „Ideologie“ die halbwegs was taugt ist die freiheitlich-demokratische, aber die wird ja – zugunsten autoritärer und sogar totalitärer Ansätze – mit Füßen getreten. Das Verfassungsgericht kommt ja gar nicht mehr hinterher damit, die verfassungsfeindlichen Ansätze unserer Regierungen wieder zu korrigieren. Siehe VDS und viele andere Schoten, die sich diese ungelernten Dilettanten im Bundestag erlauben.

        Ich habe mich selbst lange politisch betätigt, aber das aktuelle Parteiensystem ist Teil des Problems. Die Piraten hatten einen guten Ansatz, bis sie von rechten und linken „Spezialdemokraten“ und Ideologen unterwandert wurden.

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