Auf dem einen Auge blind, auf dem andern zornesrot

Es liegt an uns – Dunkeldeutschland oder die bunte, lebensfrohe Republik…. So in etwa die Aufmacher vom aktuellen Spiegel. (Hier könnte man schon einen eigenen Artikel über die SPRACHE bringen – die manipulative Art, wie sie benutzt wird. Man kann aber auch dieses kleine Filmchen zu einem Buch von Manfred Kleine-Hartlage schauen: https://www.youtube.com/watch?v=s_gsBdOdPM4 )
Kaum jemandem scheint es aufzufallen, dass die „bunte Republik“ oder das helle Deutschland bzw. deren Verfechter sich durch ganz dunkle Verhaltensweisen auszeichnen: Denunziation zum Beispiel. Andere anschwärzen, damit sie an den Pranger gestellt werden/ihren Job verlieren/sozial geächtet werden. Kaum jemand nennt es aber so.
Um nichts anderes aber handelt es sich, wenn eine Kolumnistin einer Zeitung von jener gefeuert wird, da sie einem Leser den Ratschlag gab, seine Kinder nicht zur Hochzeit seines schwulen Bruders mitzunehmen. Man mag dies für hinterwäldlerisch oder dumm halten – bitte schön. Aber fordern, dass diese Frau deswegen den Arbeitsplatz verliert? Und genau das geschah. http://www.tagesspiegel.de/medien/shitstorm-wegen-homophobie-zeigt-wirkung-westfalen-blatt-trennt-sich-von-autorin-barbara-eggert/11807518.html
Weil Menschen sich ereiferten, sich empörten, echauffierten – und richteten. Jemanden medial hinrichteten und dann sozial schädigten. https://twitter.com/MissCharlez/status/600589060256706561
Wie soll man es nennen, wenn einem Nobelpreisträger von seiner Universität nahegelegt wird, zu gehen, da er einen Witz über Frauen machte (Frauen im Labor: Du verliebst Dich in sie, sie verlieben sich in Dich, und wenn Du sie kritisierst, fangen sie an zu heulen). Voila: Sexismus. Und Grund genug, zurücktreten. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/tim-hunt-nobelpreistraeger-gibt-uni-posten-wegen-sexismus-vorwuerfen-auf-a-1038234.html
Und wieder wurde die „Kampagne“ im Netz losgetreten – im Schutz des Netzes. Keine persönliche Konfrontation, sondern hinter dem Rücken den Dolch bereithalten – und zustoßen. Immerhin bekam die Denunziantin auch medial ihr Fett weg – was aber dem Professor nicht seinen Posten wiedergibt. http://www.dailymail.co.uk/news/article-3141158/A-flawed-accuser-Investigation-academic-hounded-Nobel-Prize-winning-scientist-job-reveals-troubling-questions-testimony.html
Eine PR-Beraterin twittert: Fliege nach Südafrika. Hoffentlich kriege ich kein AIDS. Spass – ich bin ja weiss. Nach der Landung in Südafrika war sie ihren Job los. Gerechtfertigt? Jedenfalls ein weiteres Beispiel für die mediale Hinrichtung unserer Zeit. http://www.taz.de/!5052158/
Es gibt natürlich auch andere Gründe als Rassismus oder Sexismus oder Homophobie – fehlende Vaterlandsliebe kann in den USA ein Grund sein. Eine Sozialarbeiterin hält auf einem Bild neben dem Ehrenfriedhof Arlington ihren Mittelfinger in die Kamera – und verliert Job, Freunde, soziale Kontakte. http://www.theguardian.com/technology/2015/feb/21/internet-shaming-lindsey-stone-jon-ronson Gerechtfertigt?
Ah nein, wird vielleicht mancher bei uns sagen – das ist doch ungerechtfertigt! Dieser übertriebene Patriotismus – wie kann man nur! Ja… wie kann man nur? Wie kann man nur aufgrund einer Geste, eines Satzes, einer Äußerung einen Menschen beurteilen, aburteilen, verdammen?
Wo ist der Unterschied zwischen einem gereckten Mittelfinger gegenüber toten Soldaten oder lebenden Asylanten? Na, das ist doch klar! Das Eine ist nicht so schlimm wie das Andere! Aber wer entscheidet darüber? Doch nur unsere gesellschaftliche Vorgabe…. Das Ergebnis, die mediale Verdammung, ist in beiden Fällen falsch.
Wo bei den Amis das rechte Auge zornesrot wird (Patriotismus) ist es bei uns das linke (alles, was nach Nazi riecht, schmeckt, so aussieht, sich so anfühlt etc.). In dieser simplen Weltsicht können schon mal Fußballfans, die sich die Gesichter schwarz anmalen, zu Rassisten mutieren. http://sciencefiles.org/2014/06/26/rassismus-voyeristen-und-rassismus-blockwarte/
Da kann schon mal ein Busfahrer entlassen werden, weil er am Morgen das falsche T-Shirt anzog. http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.busfahrer-im-enzkreis-im-thor-steinar-shirt-zur-abschiebung.39dad6af-7631-45e1-a018-7e9dd5bbcb95.html
Wegen eines Kleidungsstücks entlassen…. Und das Interessante: Der Mann, der ihn da anschwärzte, sieht sein Fehlverhalten nicht. Zwar scheint er leise Gewissensbisse zu haben – aber sein Verhalten zu hinterfragen? Fehlanzeige. http://joergrupp.de/bin-ich-verantwortlich-fuer-die-entlassung-eines-busfahrers/
Die ganz Mutigen kleben schon mal die Schaufenster eines REWE-Marktes mit „Hier arbeitet ein Nazi“-Plakaten zu, da dort jemand arbeitet, der eine HOGESA-Demo unterstützte. Freiheit der Gedanken? Nicht bei Nazis! Oder denen, die man dafür erklärt. https://linksunten.indymedia.org/node/127655
Im Biergarten sitzen und gemütlich Bier trinken – das sollen die Nazis auch nicht dürfen. Wie man sie erkennt? Naja – die reden halt so – so nazistisch, nicht wahr? http://www.sueddeutsche.de/muenchen/gegen-rechtsradikalismus-kein-bier-fuer-neonazis-1.2489285
Und es ist immer noch Steigerungspotenzial enthalten. Wie wäre es damit, Nazis beim Arbeitgeber zu melden? Segen des Internets- kein mühseliges REWE-Supermärkte bekleben mehr, sondern einfach von zuhause denunzieren – wie praktisch. http://www.schleckysilberstein.com/2015/08/nazis-bequem-von-zu-hause-aus-beim-arbeitgeber-melden/
Gilt natürlich auch für andere Gruppen – Homophobe sollten auch bloßgestellt werden dürfen (so jemand wie die Dame vom Westfalen-Blatt?). http://www.heise.de/tp/artikel/45/45822/1.html
Mit dem Zeitgeist schwimmen (oder delirieren – nun, das ist natürlich Ansichtssache). Manchmal passieren aber auch ulkige Dinge. Wenn zum Beispiel ein schwuler Jungpolitiker von den Grünen sich als Drag-Queen aufmotzt und von ein paar „Südländern“ eine reingesemmelt bekommt – dann ist es zwar Homophobie, was die Südländer gezeigt haben, aber dies hervorzuheben wäre Rassismus bzw. Ausländerfeindlichkeit – also besser drüber schweigen. Bzw. nervende Frager wie Herrn Danisch kurz abbürsten). http://www.danisch.de/blog/2015/08/31/briefwechsel-mit-den-grunen/
Und wenn eine Jugendliche wie in Mönchengladbach geschehen von fünf Ausländern vergewaltigt wird, erzeugt dies keinen Proteststurm…. Keinen Shitstorm…… keine Petition und keinen Aufschrei. http://www.rp-online.de/nrw/staedte/moenchengladbach/moenchengladbach-jugendliche-von-fuenf-maennern-vergewaltigt-aid-1.5347473
Allenfalls einen runden Tisch gegen Rechts, wie andere Fälle dieser Art zeigten. Man ist also auf dem einen Auge zornesrot (gegen seinesgleichen), auf dem anderen allerdings komplett blind. Was sich irgendwann rächen muss. Aber zurück zum Thema:
All diese vermeintlichen Kämpfer für Freiheit und Menschenrechte (genau besehen sind’s Knechte gegen Knechte) surfen auf der Welle des Zeitgeistes. Was dem Zeitgeist nicht entspricht, ist keine andere Meinung mehr, sondern hasserfüllt. http://www.tagesschau.de/inland/hasskriminalitaet-103.html
Und selbst wenn es Wahrheit ist, die die andere Seite spricht – es kann trotzdem „hate speech“ sein – und die gehört nun mal verboten. https://www.youtube.com/watch?t=105&v=n1EZIsPmDxM
So wie Nazis verfolgt gehören. Gestoppt werden müssen. Eingesperrt werden müssen. Genau wie Rassisten, Sexisten, Faschisten, Homophobe etc. Der (Zeit)Geist weht, wo er will. Wird der Wind des Zeitgeistes rauer? Oh ja. Vieles ist aber – wie an den obigen Beispielen gezeigt wurde – nur heiße Luft.
Damit an Heißlufterzeugern (Backen aufblasen und sich empören) auch künftig kein Mangel ist, fängt man früh an (komisch: Wer sagte da nochmal: Die Jugend ist uns verfallen! Ich will meine deutsche Jugend blind wie die Blindschleichen….. es fällt mir nicht mehr ein). http://jungefreiheit.de/kolumne/2014/schule-mit-courage/
Zivilcourage wird gelehrt! Und das heißt: Sag, was alle sagen. Finde schlecht, was alle schlecht finden. Verurteile, was alle verurteilen. http://konjunktion.info/2015/01/kurz-eingeworfen-indoktrination-an-schulen-wegen-pegida/
Und wenn Du zu einer Demo gehen sollst – geh hin! Ansonsten gibt es Fehlstunden! http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=338910 Und wenn DU – Gott bewahre- rechte Eltern haben solltest – wir zeigen Dir, wie man mit denen umgeht (komisch: In welcher Zeit nochmal mussten Eltern Angst vor ihren Kindern haben…. Es fällt mir nicht mehr ein). http://www.freiepresse.de/NACHRICHTEN/TOP-THEMA/Hilfe-im-Umgang-mit-rechtsgerichteten-Eltern-artikel9176667.php
Wächst uns da eine freie….. eine starke und selbstständige Generation heran….? http://pravdatvcom.wordpress.com/2013/07/01/die-ja-sager-deutschland-zuchtet-eine-dumme-generation/
Nun ist das Problem sicher so alt wie die Menschheit…. Wie frei sein? Und den anderen WIE frei sein lassen? Im Kanada des Jahres 1991 gab es mal eine interessante Debatte im dortigen Fernsehen um einen Lehrer, der von der Schule geflogen war, da sich herausgestellt hatte, dass er an eine „jüdische Weltverschwörung“ glaubte. Darauf hatten sich jüdische Verbände und besorgte Eltern für die Entlassung dieses bei seinen Schülern sehr beliebten Lehrers erfolgreich eingesetzt.
In der Fernsehdebatte konnte der eine Liberale, der der Front der Verteidiger der Entlassung allein gegenüber stand, den Verteidigern immerhin an Beispielen ihre Doppelmoral vorwerfen: Er brachte das Beispiel eines homosexuellen Lehrers, bei dem sich ein paar Jahre vorher ebenfalls besorgte Eltern für dessen Entlassung stark gemacht hatten. Dies fanden die Verteidiger natürlich überzogen.
Leider konnten sie den Argumenten des liberalen Freiheitsfreundes nicht folgen, der klarlegte, dass, solange sich jemand nicht illegaler Handlungen schuldig mache oder zu Gewalt aufrufe, er seinem Beruf nachgehen sollen dürfe – denn die private Meinung oder Neigung sei das Eine, der Beruf das Andere. Wer diese interessante Debatte verfolgen will: https://www.youtube.com/watch?v=lsi3CT9Pndc
Es ist also nichts Neues. Auch die Frage, was denn eigentlich Hassreden sind – wie sie genau definiert werden sollen – und durch wen – hat schon vor uns Menschen umgetrieben. Derselbe liberale Herr argumentierte auch 1984 ähnlich stringent: https://www.youtube.com/watch?v=7jkrYDHxFNY
Es läuft letztendlich auf Eines hinaus: Will ich eine freie Gesellschaft – so muss ich Meinungen tolerieren, die ich abscheulich oder kleingeistig finden mag – aber ich sollte sie tolerieren (Aufrufe zur Gewalt oder zum sexuellen Missbrauch von Kindern außen vor). Wenn jemand seiner Wut über etwas seinen Ausdruck verleiht – bitte. Soll er.
Wenn jemand ein T-Shirt einer Modemarke trägt, die auch von Rechten benutzt wird, ist das seine persönliche Entscheidung. Und kein Kündigungsgrund. Und wenn jemand eine Fahrt zu einer HOGESA-Demonstration organisiert, ist das seine persönliche Sache in der Freizeit. Und kein Kündigungsgrund.
Das Traurige ist, dass die Denunzianten es nicht sehen, dass sie menschlich schäbig und falsch vorgehen. Dass sich ihre Feigheit (denn warum sprechen sie den „Täter“ nicht persönlich an? Teilen ihm persönlich ihren Unwillen mit? Suchen das Gespräch?) nur das – wie passend – Feigenblatt der Tugend vorhält.
Dass ihre Lust nach korrektem Verhalten und der Bestrafung unkorrekten Verhaltens nur eine Verschiebung eigener Aggressionen ist, die sie sich nicht trauen, zu leben oder umzuwandeln. Kurz, dass sie nichts anderes tun als die Menschen vor ihnen tun, die Hexen angeschwärzt haben. Kommunisten. Juden. Oder wen auch immer. Das Ergebnis ist ein anderes, der Vorgang ist derselbe.
Mit dem Finger auf den anderen zeigen und ihn anschwärzen: DER ist böse! Und dabei wissen sie doch gar nichts über den anderen Menschen. Die politische Korrektheit ist nur ein Korsett, unter dem Denunziantentum und Duckmäuserei gedeihen – sie nennen sich nur anders. (Toleranz! Gegen Nazis! Hurra!). http://www.in-kuerze.de/images/stories/Veroeffentlichungen/die-geschichte-der-politischen-korrektheit.pdf
Ein weiser Mensch hat vor 2000 Jahren dazu alles Notwendige gesagt: Richtet nicht, auf dass Ihr nicht gerichtet werdet!
Solange aber diese Erkenntnis nicht in der breiten Masse der Bevölkerung angekommen ist, wird die „gesellschaftliche Bewusstlosigkeit“ andauern – und Früchte tragen. Bittere Früchte. https://www.youtube.com/watch?v=FlXnmVysQi4
Aber immerhin: Unter den Giftpflanzen der politischen Korrektheit, der Hysterie und des Anti-Dies und Anti-Das wird noch die ein oder andere Heilpflanze blühen. Man muss sie vielleicht etwas suchen, aber sie wird da sein.

Ein Kommentar zu “Auf dem einen Auge blind, auf dem andern zornesrot

  1. Der größte Lump im ganzen Land,
    das ist und bleibt der Denunziant.

    Die grün-roten (aber auch blau-gelb-schwarzen und anders gefärbten) Gutmenschen haben aber genau das zur gutgeheißenen Praxis erhoben. Und gerade die Leute, die sich als „links“ verorten hören nicht auf die Worte ihrer wichtigsten Vorbilder. Rosa von Luxemburg sagte: „Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden.“

    Immer mehr kristallisiert sich heraus, daß das, was Silone einmal sagte, Realität ist: „Wenn der Faschismus wiederkehrt, wird er nicht sagen: «Ich bin der Faschismus» Nein, er wird sagen: «Ich bin der Antifaschismus».“

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