War das Monster allein?

Im Jahr 2011 starb der in Britannien sehr populäre und bei uns weitgehend unbekannte DJ und Entertainer Jimmy Saville. Er war eine Art skurrile Ikone in diesem an Skurrilitäten nicht eben armen Land gewesen und hatte Freunde in den höchsten Positionen aufzuweisen.

Er hatte Kontakt zur königlichen Familie, zu Margaret Thatcher und überhaupt zur britischen High Society. Mit seinen rollenden Augen, der immer präsenten Zigarre und dem exzentrischen Auftreten war er seit den sechziger Jahren zu Ruhm und Reichtum gekommen.

Als er dann 2011 starb, fanden sich tausende in seiner Heimatstadt Leeds zur Beerdigung ein. Die Trauer war groß – doch der Schock noch um ein Vielfaches größer, als sich in den Folgemonaten eine Flut von Anzeigen über das Land ergoß, von Menschen, die aussagten, von Jimmy Saville missbraucht worden zu sein (in der Mehrheit zu einem Zeitpunkt, zu dem Sie minderjährig gewesen waren).

Untersuchungen wurden eingeleitet und es stellte sich im Laufe derselben heraus, dass Jimmy Saville, der beliebte Entertainer, über Jahrzehnte hunderte bzw. wohl eher tausende Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht hatte. Bis Oktober 2012 waren 450 Anzeigen gegen ihn eingegangen.

Die Medien nahmen sich endlich des Falles an. Eine der Dokumentationen war diese auf dem Kanal Channel 5 erschienene Produktion: https://www.youtube.com/watch?v=gRfuU8bwddE

Sie ist aus verschiedenen Gründen interessant anzuschauen: So schildert sie das Leben Jimmy Savilles ausschnittweise und versucht der Frage nachzugehen, weshalb dieser Mann über Jahrzehnte niemals polizeilich verfolgt worden war. Die Antworten darauf bzw. ein paar Details aus dem Film will ich im Folgenden aufführen, um dann einzelne mit Aussagen von David Icke, dem Ober-Verschwörungstheoretiker zu vergleichen:

Der Film findet seine Antwort darauf, weshalb Saville nicht verfolgt worden war, darin, dass er zu wichtig und einflussreich geworden war und seine Macht dazu benutzte, jeden abzuschrecken, gegen ihn vorzugehen. Außerdem hätte er Verbindungen nach ganz oben gehabt, welche ihn geschützt hätten.

So hätten zum Beispiel in den neunziger Jahren zwei Frauen gegen ihn ausgesagt, hätten anschließend aber aus der Angst vor der Konfrontation mit ihm ihre Anschuldigungen zurückgezogen. 2009 wäre es dann wegen anderer Vorkommnisse in einem Kinderheim (in dem Saville arbeitete) zur einer polizeilichen Untersuchung gekommen, welche aber nach kurzer Zeit eingestellt worden sei.

Im Film kommen neben diesen Dingen auch ein paar interessante Details zur Sprache: So zum Beispiel, dass Jimmy Saville, der über viele Jahre eine Kindersendung namens „Jim’ll fix it“ produzierte, die von Millionen Zuschauern verfolgt wurde, eigentlich Kinder hasste.

Ein Bekannter aus frühen Tagen schildert ihn als überaus kontrollierte Person, der nie offen gewesen sei und immer sein Image wie einen Schild vor sich getragen habe (selbiger Bekannter war mit ihm in den sechziger Jahren mit dem Auto unterwegs und fand Saville nach eigenen Angaben mit zwei minderjährigen Mädchen im Auto, als er von der Raststätte, wo sie Pause machten, zurückkehrte.

Die Mädchen hätten durcheinander gewirkt und wären ohne ein Wort davon gestürzt, als er dazu gekommen sei. Saville habe nur gesagt: Unsere Fans halt….. Danach habe er, also der Bekannte, nie mehr seine Sendung im Fernsehen verfolgt).

Jedenfalls kamen nach Savilles Tod dann tatsächlich die ersten Mutmaßungen hinsichtlich des Missbrauchs. Die BBC richtete als sein langjähriger Arbeitgeber eine interne Untersuchungskommission ein, doch verfügte noch 2011, dass diese Untersuchung aus redaktionellen Gründen eingestellt werde.

Im Februar 2012 schließlich veröffentlichte eine eher kleinere britische Zeitung, The Odion genannt, einen Artikel über die Mutmaßungen und Gerüchte zu Savilles Mißbrauch von Kindern und Jugendlichen. Ein freier Journalist hatte diesen verfasst und ihn zuvor erfolglos den großen Zeitungen wie Guardian und Daily Mail etc. angeboten.

Damit war der Damm gebrochen – in den Folgemonaten gingen die erwähnten 450 Anzeigen gegen Saville bei der Polizei ein. Im Oktober 2012 wurde eine erste Dokumentation im britischen Fernsehen gezeigt – und der Rest ist Geschichte.

Von der immer mehr grausige Details veröffentlicht wurden. So erwähnt der Film, dass Saville nicht nur selber Kinder und Jugendliche missbrauchte und es laut einem Opfer genoß, diesen Schmerzen zu zufügen, sie zu demütigen, sondern auch, dass er selber als Lieferant von Kindern für einen Pädophilen-Ring tätig war.

Dazu nutzte Jimmy Saville seine Kontakte aus den Spendenaktionen, die er als Entertainer unterstützt hatte. Durch diese Kontakte wurden ihm Tätigkeiten in Krankenhäusern und Kinderheimen angeboten bzw. bot er gerne an, in den betreffenden Institutionen als Freiwilliger zu arbeiten. Die Kinder aus diesen Institutionen verwendete Saville als Frischfleisch, welches er dem Kinderschänderring zuführte.

Außerdem missbrauchte er sie selber gerne. In einem Krankenhaus, in dem ihm ein Büro eingerichtet worden war, soll er 60 Kinder missbraucht haben – darunter auch behinderte Kinder. http://www.theguardian.com/media/2015/feb/26/jimmy-savile-abuse-stoke-mandeville-hospital-inquiry

Worauf der Film nicht eingeht, ist, dass es auch Anschuldigungen gibt, dass Jimmy Saville an satanischen Ritualen teilgenommen habe. http://www.express.co.uk/news/uk/370439/Jimmy-Savile-was-part-of-satanic-ring Oder dass er gerne Sex mit Toten hatte (wozu er Gelegenheit hatte, als er als freiwilliger Helfer in einer Leichenhalle in einem Krankenhaus arbeitete). http://www.mirror.co.uk/news/uk-news/recap-jimmy-savile-sex-dead-3767280

Doch erwähnt er die Sex-Parties von Pädophilen, an denen Jimmy Saville selber teilgenommen und zu denen er eben Kinder mitgebracht hätte, damit sie „wie Süssigkeiten“ geteilt werden könnten. Soweit der Film. Ein paar weiterführende kritische Kommentare sind angebracht:

Der Film geht nur ansatzweise darauf ein, dass es bereits in den siebziger Jahren Meldungen über Missbrauchsfälle gegeben hatte, die aber alle vertuscht worden waren. Überdies räumt er zwar ein, dass Saville einem Kinderschänderring angehört habe, lässt ihn aber weiterhin als Einzeltäter stehen.

Der Ober-VTler David Icke hat schon vor Jahren davon gesprochen, dass es in Britannien satanische Netzwerke und Kinderschänderringe gebe, welche bis in die höchsten Kreise reichten. Für Icke steht fest, dass auch die königliche Familie in das Phänomen des Kindesmissbrauchs verwickelt ist. https://www.youtube.com/watch?v=l9XzsKLnrAI

Dieses heisse Eisen wird freilich noch von keinem Journalisten angefasst. Als Gedanken kann man sich aber durchaus Folgendes vor Augen halten: Die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen aus den siebziger und achtziger Jahren zieht in England immer weitere Kreise, in denen hunderte von bekannten Namen aus Politik, Unterhaltung und Wirtschaft involviert sind.

Die jüngsten Verdachtsmomente richten sich u.a. auch gegen Edward Heath, den Premierminister Großbritanniens in den späten siebziger Jahren. (Man stelle sich einmal vor, Helmut Schmidt stünde im Verdacht, ein Kinderschänder zu sein – um die Tragweite des Falles zu vergleichen). http://www.bbc.com/news/uk-33770021

Und einige seltsame Dinge wie dieses Video, in dem Jimmy Saville damit prahlt, wie er ein junges Mädchen auf die Bitte ihrer Mutter hin in den Buckingham Palace geschmuggelt hätte und wie sie dort zufällig auf Prinz Philipp gestoßen seien, der sich um sie gekümmert hätte, lassen einen heute etwas stirnrunzelnd zurück. https://www.youtube.com/watch?v=BM_RlWkE52w

Oder dieses Video aus den siebziger Jahren, in dem ein junges Mädchen in einer Livesendung neben Saville auf einmal zu zappeln anfängt. https://www.youtube.com/watch?v=CEZH2rmk11c 2012 berichtete die zum damaligen Zeitpunkt 18jährige Frau, Saville habe ihr in den Schritt gegriffen. http://news.sky.com/story/1005362/savile-molested-teen-during-top-of-the-pops?DCMP=afc-689729&affiliate=true

Oder ein Interview aus dem Jahre 1990, in dem Saville eine Journalistin durch das Krankenhaus in Stoke Mandeville führt (in dem er behinderte Kinder missbrauchte) und sich über ein gelähmtes Mädchen beugt und sagt: Ah, jetzt kann ich mit Dir alles machen, mein Schatz! Auch dies klingt heute ganz anders in unseren Ohren….. (wobei die Interviewerin dies immerhin damals als sehr unpassend empfand). http://www.independent.co.uk/news/people/it-was-a-relief-when-i-got-the-knighthoodbecause-it-gotme-off-the-hook-an-exclusive-interview-with-savile-from-1990-has-a-new-meaning-9571057.html

Anzeichen waren also genügend da – aber es wurde vertuscht bzw. wurden Zeugen eingeschüchtert. So dass dieser Mann über Jahrzehnte Kinder in den Arsch ficken konnte. Es sind brutale Worte, das stimmt – aber es waren auch brutale Verbrechen. Wie viele Seelen er wohl geschädigt hat?

Doch zurück zu den Unstimmigkeiten: Wenn doch erwiesen ist, dass Saville Freunde in den höchsten Positionen hatte und über Jahrzehnte gedeckt worden war (David Icke bringt den guten Punkt, dass, wer immer sich der königlichen Familie zum ersten Mal nähere, vom britischen Geheimdienst auf Herz und Nieren geprüft werde – und was hatte wohl der Geheimdienst über Saville zu sagen).

Wenn also dieser Sadist und Psychopath doch eben einem Kinderschänderring angehörte und von ganz oben gedeckt wurde – wen versorgte dieser von der Queen zum Ritter geschlagene Mann wohl alles mit seinen Kindern? David Icke erwähnte zu Saville auch einmal, dass der auf die Frage, was er gut könne, gesagt habe: I can work deep cover. (Zu deutsch ich kann sehr gut verdeckt arbeiten).

Für wen hat er alles „Deep Cover“ gearbeitet? Und wen hat er alles mit Opfern versorgt? Und wer arbeitet heute „Deep Cover“? Und wer vergeht sich HEUTE an Kindern? Das sind Fragen, die hoffentlich, nein, bestimmt! die nächsten Jahre Antworten finden. Wahrscheinlich sehr verstörende Antworten – aber die Wahrheit muss ans Licht kommen. Muss!

Denn ein Mensch, der ein Kind missbraucht und sich an den Schmerzen und der Qual und Angst eines Kindes weidet, ist ein kranker Mensch – sehr krank sogar, ein Psychopath. Und solche kranken Menschen gehören aufgedeckt, damit sie anderen nicht schaden können. Die normale menschliche Reaktion auf Schmerzen bei anderen ist Empathie – fühlen können, was der andere fühlt.

Psychopathen haben keine Empathie. https://www.youtube.com/watch?v=TB0k7wBzXPY

Und Macht macht nicht nur geil, sondern sie verdirbt den Charakter. Bei manchen so sehr, dass sie bereit sind, Dinge zu tun, die dem normal empfindenden Menschen schrecklich erscheinen müssen.

Die Saville Story hat aber auch neben ihrem Schrecken zwei gute Dinge mit sich gebracht: Einmal hat mit dem Fall Saville eine Aufarbeitung auch anderer Fälle von Missbrauch in den höchsten Positionen begonnen, die heilsam ist – und außerdem wohl erst an ihrem Anfang steht.

Zum anderen ist vielleicht der ein oder andere Zeitgenosse aufgewacht oder zumindest stutzig geworden. Wenn ein solcher Mensch, beliebt bei allen und gerne gesehen, berühmt für seine Kinderhilfsprojekte, mit diesem lustigen Image (!) vom Menschen- und Kinderfreund, das alles getan hat – wem ist dies noch zuzutrauen? Bei wem lohnt es sich, genauer hinzuschauen? Was wissen wir denn AUßER dem Image WIRKLICH über die da oben?

Wer die Wahrheit sehen und wissen will – der wird sie eines Tages auch finden. Und lieber die unliebsame Wahrheit, dass sich ganz oben auch Psychopathen befinden, die so etwas tun, als noch weitere missbrauchte Kinder und geschädigte Seelen.

Eine Gesellschaft ist nur so stark, wie sie bereit und willens ist, die SCHWACHEN zu schützen! Daran sollten wir uns messen lassen. Und an unserem Willen zur Wahrheit. Zum Wohle der Kinder. Aller Kinder!

6 Kommentare zu “War das Monster allein?

    • Danke für die Erinnerung LGF, Du hast recht – Paralellen sind zu finden… allein schon in der These vom Einzeltäter…. bleibt die Frage, wann ein entsprechender Fall bei uns erscheint.

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