Nachrichten zu Gießen-Rödgen

Vor ein paar Tagen hatte ich einen kurzen Rundgang durch Gießen-Rödgen (bzw. lediglich um den Bereich des dortigen Erstaufnahmelagers für Asylbewerber) gemacht und über meine Eindrücke einen Beitrag geschrieben: https://nachrichtenaushinterland.wordpress.com/2015/07/13/wanderungen-durch-giessen-roedgen/

Allerdings waren aufgrund meines Besuchs weitere Fragen in mir entstanden, denen ich nachgehen wollte; insbesondere was die sogenannte „Gefährdung“ der Asylbewerber anging.

Die Tage telefonierte ich also mit jemandem vom Regierungspräsidium Gießen als der zuständigen Stelle für die Unterbringung und Fragen zu den Asylbewerbern in Gießen-Rödgen und anderswo. In dem freundlichen und hilfreichen Gespräch bekam ich Folgendes mitgeteilt:

In Gießen-Rödgen seien aktuell 4.600 Asylbewerber vor Ort, von denen ca. 1.000 in Zelten untergebracht seien. Noch im Oktober letzten Jahres habe die Zahl 1.800 Menschen betragen (ohne Zelte). Also wie andernorts ein signifikanter Anstieg.

Aktuell sei die größte Gruppe im Lager die der Albaner, die 1.400 Personen umfasse, gefolgt von Syrern mit 520 Menschen, 440 Afghanen und 340 Eritreern. Allerdings könne sich dies sehr schnell wieder ändern, da es ja nur ein Erstaufnahmelager ist, d.h. die Zahlen änderten sich quasi täglich.

Zu meiner Frage, ob man denn als Privatmensch das Lager besichtigen könne, wurde mir mitgeteilt, dass dies nicht gewünscht sei, weil man die Flüchtlinge schützen wolle, da ja viele von ihnen traumatisiert seien. Diese Ansicht teilte ich nicht und sagte das auch so, denn viele kämen ja nicht aus Kriegsgebieten (s. Albanien) und zudem habe die Öffentlichkeit ein Recht auf Information.

Ich wollte außerdem wissen, wie viel Wachpersonal dort eingesetzt würde, doch bat man um Verständnis, dass man mir diese Zahl nicht mitteilen könne, da es eine sicherheitsrelevante Information sei. Bzw. wolle man nicht, dass externe Gefährder des Lagers (es wurde nicht ausgesprochen, aber man meinte wohl Rechtsextreme) solche Informationen ausnützten.

Auf meine Frage, ob es denn schon zu Angriffen auf Gießen-Rödgen gekommen sei, wurde mir von der Vertreterin des Regierungspräsidiums mit einem Nein geantwortet.

Ich erfuhr außerdem noch, dass weitere externe Dienste (neben dem Betreiber) eingesetzt würden in Form von Reinigungspersonal, Dolmetschern, Hausmeistern, Catering und Ärzten. Es hätte mich ein Betreuungsschlüssel interessiert, was Sozialbetreuer angeht, doch ein solcher lege für Rödgen leider nicht vor, teilte man mir mit.

Ein alternatives Beispiel aus einer Einrichtung in Gießen-Neustadt, in der 500 Asylbewerber untergebracht sind, führte auf, dass dort 2 Pädagogen und 5 Sozialarbeiter für diese Menschen zuständig waren. Allerdings gelte es, hier noch die ehrenamtlichen Helfer mitzuzählen.

Man riet mir zur Frage von ehrenamtlichen Helfern, mit einer Gemeinde Kontakt aufzunehmen, die mir hierzu Auskunft geben könne. (Den Kontakt dahin habe ich bis dato, d.h. zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Beitrages noch nicht hergestellt).

Vorläufiges Fazit: Aus dem Gesagten wird u.a. klar, dass sich um die Asylbewerber schnell eine Art „Industrie“ gebildet hat, die von diesem Geschäft lebt. Der Lagerbetreiber, Dolmetscher, das Catering und andere machen mit dieser Klientel ihren Gewinn. Insofern werden sie natürlich an einer Fortführung des Geschäfts interessiert sein.

Jedenfalls empfand ich die mir Auskunft gebende Person als hilfsbereit und angenehm und bedankte mich für das gute Gespräch. Dass wir an manchen Stellen in der Meinung auseinander lagen, war nicht weiter verwunderlich.

So betonte ich zum Schluss im Gespräch, dass wir die Debatte über die Asylpolitk zu einseitig und zu sehr mit dem Fokus auf das Wohl der Asylbewerber führen würden und zu wenig mit der Frage verbunden, welche Art der Einwanderung denn unserem Lande nützt.

Immerhin gab man mir seitens des Regierungspräsidiums die Information, dass in Sachen Asylbewerber vom Balkan nun eine sehr viel schnellere Abschiebungspraxis verordnet worden wäre, was ja schon mal ein Schritt in die richtige Richtung ist. Soweit das Gespräch mit dem Regierungspräsidium.

(Ah – ein Kuriosum noch dazu: Als ich dort anrief und man mich fragte, von welchem Medium ich denn käme, sagte ich den Namen meines Blogs, also „Nachrichten aus Hinterland“. Darauf stutzte die Dame vom Regierungspräsidium und fragte nach einer Weile nochmal, ob ich denn wirklich vom Hinterland käme?

Ich sagte, klar, so heißt doch mein Blog. Aber ob ich denn auch in Marburg wohnen würde? Nun war ich verdutzt, bis sich denn herausstellte, dass die Nachbarregion um Marburg in Gießen „das Hinterland“ genannt wird – was freilich mit meinem Blog nichts zu tun hat. Da mussten wir beide lachen). 🙂

Doch zurück zum Thema: Als nächstes wollte ich mir mal die Zahlen der European Homecare GmbH (EHG) ansehen, dem Betreiber der Einrichtung in Gießen-Rödgen. Diese, in Essen ansässige Gesellschaft, ist nach eigenen Angaben „ein privater Betreiber von Einrichtungen zur Unterbringung, Versorgung und sozialen Betreuung von Asylbewerbern, Aussiedlern, Flüchtlingen und anderen sozialen Randgruppen (z.B. Obdachlose) im Auftrag der öffentlichen Hand.

Es handelt sich hierbei um Erstaufnahmeeinrichtungen, Gemeinschaftsunterkünfte/Wohnheime und einzelne Wohnungen, bei denen wir teilweise auch Bewachungsleistungen und die medizinische Erstversorgung übernehmen sowie die Bewohner in eigenen oder fremden Räumen verköstigen“. (Zitat aus dem Geschäftsbericht 2010: https://www.bundesanzeiger.de – dort European Homecare GmbH eingeben).

2010 betrieb die EHG ebenfalls nach eigenen Angaben 7 Betriebsstätten mit bis zu 1800 Plätzen. Die Gewinn- und Verlustrechnung wies bei einem Umsatz von 7.7 Mill Euro einen Fehlbetrag nach Steuern von 509.000 Euro auf. Laut EHG kam dieser Fehlbetrag vor allem aufgrund von negativen Ergebnissen der Betriebsstätte in Österreich zustande, wo man ebenfalls Einrichtungen für Asylbewerber führt.

Im Jahr 2010 kamen nach Deutschland übrigens knapp 50.000 neue Asylbewerber, oder genauer gesagt wurden so viele Anträge auf Asyl gestellt. http://de.statista.com/statistik/daten/studie/76095/umfrage/asylantraege-insgesamt-in-deutschland-seit-1995/

Ein Sprung nach 2013, ins Jahr der aktuellsten Bilanz der EHG. In diesem Jahr war die Anzahl der Anträge auf Asyl auf 127.000 gestiegen. Im selben Jahr betrieb die EHG nach eigenen Angaben mittlerweile 27 Betriebsstätten mit ca. 4100 Plätzen. https://www.bundesanzeiger.de

Außerdem beschäftigte die EHG 241 Mitarbeiter (2012 waren es noch 182 gewesen). In ihrem Geschäftsbericht für 2013 bemerkte die EHG, dass die Asylbewerberzahlen weiter anstiegen und schrieb: Gründe hierfür sind u.a. die andauernden Kriegszustände und Unruhen, insbesondere in den derzeitigen Hauptherkunftsländern Serbien, Russische Föderation und Syrien. (Zitat aus dem Geschäftsbericht 2013, s. Link oben).

Nun wäre mir von Kriegszuständen in Serbien oder Russland nichts bekannt (genauso wenig wie in Albanien, im Kosovo oder Rumänien, wo bekanntermaßen aktuell knapp die Hälfte der Asylbewerber herkommt – aber dies nur am Rande).

In der Gewinn- und Verlustrechnung für das besagte Jahr 2013, konnte bei einem Umsatz von 12.1 Mill Euro ein Überschuss von 1.4 Mill Euro nach Steuern erwirtschaftet werden. Eine recht beachtliche Steigerung im Vergleich zum Jahr 2010. Nun wollte ich den Herrn von der Pressestelle der EHG nochmal anrufen, um mich nach aktuellen Zahlen für 2015 zu erkundigen.

Eine Winzigkeit am Rande: Der Pressesprecher der EHG gehört nicht der Firma an, sondern ist ein externer PR-Berater von einer Sozietät mit dem schönen Namen Cato. http://www.cato-sozietaet.de/ Der Sprecher, Herr Klaus Kocks, hatte mir einen sehr gebildeten Eindruck gemacht – zu Recht, wie es scheint. http://www.cato-sozietaet.de/seiten/kocks.html

Jedenfalls rief ich dort an und wurde auch nochmal mit dem Pressesprecher verbunden. Die folgenden Informationen waren sehr interessant:

Leider liegt der Jahresbericht für 2014 wie erwähnt noch nicht vor. Dass sich allerdings das Geschäft mit den Asylbewerbern auch finanziell lohnen muss, wurde mir aus den weiteren Ausführungen Herrn Kocks schnell klar. Zur Erinnerung: 2010 gab es knapp 50.000 Asylanträge. Mit Stand Juli 2015 hat es in diesem Jahr bis jetzt 174.000 Anträge gegeben.

Die Anzahl der Mitarbeiter der EHG ist von 184 im Jahre 2010 auf ca. 800 gestiegen (in Deutschland). Die Anzahl der Betriebsstätten ist von vier im Jahre 2010 auf 70 im Jahre 2015 gestiegen. Die genaue Anzahl der Bewohner ist eine sicherheitsrelevante Information, welche mir Herr Kocks nicht mitteilen konnte.

Freundlicherweise sagte er aber, dass in den 70 Stätten 15.000 Belegungsplätze vorhanden wären (die freilich noch übertroffen werden können – allein in Gießen-Rödgen sind ja wie erwähnt 4.700 Menschen untergebracht, davon eben 1000 in Zelten).

Also auch hier ein rasanter Anstieg von den 1.800 betreuten Asylbewerbern im Jahre 2010. Den Anteil des „Asylgeschäfts“ am Gesamtumsatz der EHG bezifferte Herr Kocks auf ca. 2/3, was mir persönlich etwas niedrig geschätzt vorkommt.

Angesichts der genannten Zahlen kann jedenfalls davon ausgegangen werden, dass sich Umsatz und Gewinn der EHG im Vergleich zu 2013 nochmals erheblich gesteigert bzw. sogar verdoppelt haben dürften. Dass man sich also auf Seiten dieses Unternehmens eines eloquenten Presseberaters versichert, ist irgendwie folgerichtig, dachte ich (doch erfuhr später noch Genaueres über die Hintergründe seines Mandats).

Sehr interessant fand ich auch seine folgenden zwei Anmerkungen, als ich nach Zahlen der in der Erstaufnahmeeinrichtung beschäftigten Mitarbeitern gefragt hatte: Er erwähnte, dass in Sachsen Mitarbeiter der EHG körperlich bedroht worden seien – daher könne man keine Angaben zum eingesetzten Personal machen.

Außerdem verwies er auf eine kuriose Neuerung, was die Beschäftigung ehrenamtlicher Helfer (deren Anzahl im Lager er mir auch nicht nennen konnte – sicherheitsrelevante Information) angehe: Diese müssten mittlerweile ein polizeiliches Führungszeugnis anbringen und einen Vertrag zur ehrenamtlichen Tätigkeit unterschreiben.

(Das brachte mich zum Lachen und ich fragte mich innerlich, ob da nun der Amtsschimmel vom Teufel geritten wurde oder jemand ein Spiel über Bande spielt oder schlichtweg reine Angst dahinter stecke. Aber gleichviel):

Was mir in all den Gesprächen mit Beteiligten im Nachhinein aufgefallen war, war das beständige Betonen der „Sicherheitsrelevanz“ gewisser Informationen. Mit dem Verweis auf die Sicherheitsrelevanz konnte nichts zum eingesetzten Personal gesagt werden, nichts zur genauen Anzahl der Bewohner und durfte man eben auch als Normalbürger nicht ins Lager hinein, konnte die Telefonnummer des Erstaufnahmelagers in der Gießener Innenstadt nicht mehr weitergegeben werden etc. pp.

(Das übrigens diese Maßnahmen nebenbei nicht unerheblich zur weiteren Entfremdung von Asylanten und Deutschen beitragen dürften, kam mir nebenbei als Gedanke).

Bisher, so dachte ich, hat es wie erwähnt in Gießen keinerlei Gewalt in Form von Anschlägen auf ein Asylbewerberheim gegeben. Und es kam meines Wissens auch nicht vor, dass ein Asylant verprügelt worden wäre. Auch bundesweit wäre mir kaum so etwas bekannt. In Sachsen sieht es anders aus (dahingehend, dass es dort Proteste und Drohungen gibt, von Jagdszenen auf Asylanten hätte ich indes nichts gehört), aber in Gießen oder ganz Hessen gibt es meines Wissens nach keine Fälle von Gewalt gegen Asylanten.

Jedenfalls wurde mir gegenüber beständig von Seiten des Regierungspräsidiums Gießen wie auch von Herrn Kocks und der Polizei darauf verwiesen, dass es eine Gefährdung der Asylbewerber gebe. Nur durch wen? Marodierende Nazibanden in Gießen? Sollte Sascha Lobos Latenznazi auf einmal dort zum Vorschein kommen? Der Gießener Biedermann mutiert zum Brandstifter?

Das wunderte mich umso mehr, als dem ja keine konkreten Fälle gegenüber gestellt werden konnten. Böse Leserbriefe wird es wohl geben, aber von Demonstrationen mit Forderungen wie „Schluss mit den Asylanten“ o.ä. hätte ich nun gar nichts gehört. Dieser beständige Verweis auf die Sicherheitsrelevanz klingt also auch nicht immer nachvollziehbar.

Und auch das Argument vom Regierungspräsidium, dass doch die Asylanten in der Regel traumatisiert seien, wunderte mich. Ich fragte nochmal nach, ob man mir sagen könne, wie viele der Asylbewerber (Stand Jetzt) denn in psychotherapeutischer Behandlung oder als traumatisiert eingestuft worden seien. Diese Daten würden allerdings nicht erhoben bzw. würden, auch wenn das der Fall wäre, so wurde mir gesagt, auch nicht herausgegeben – aus Daten- und Patientenschutzgründen.

Doch zurück zur Sicherheit: Während also auf der einen Seite quasi gebetsmühlenartig auf die Sicherheit der Asylbewerber verwiesen wird, gibt es auf der anderen Seite einen Anstieg von Kleinkriminalität (durch die Asylbewerber, welcher allerdings statistisch nicht erfasst wird) und das Empfinden der Anwohner in Gießen-Rödgen dürfte kaum positiv sein, wie ich im letzten Beitrag angedeutet hatte.

Daher wollte ich nochmal die Polizei in Gießen anrufen, um zu erfragen, ob man nicht doch mehr zur Kriminalität in Gießen sagen könnte, und wurde erneut mit dem Pressesprecher verbunden.

Da ja seit letztem Jahr ein immenser Anstieg an Bewohnern in Gießen-Rödgen wie auch anderen Aufnahmeeinrichtungen in Gießen und Umgebung zu verzeichnen war, müsste dies ja zu einem deutlichen Anstieg in der Kriminalitätsstatistik geführt haben, fragte ich ihn. Dem sei auch so, dass es einen Anstieg gegeben habe, der wohl seine Ursachen auch in genanntem Zustrom habe, beschied man mir.

Nun fragte ich nochmal, warum es denn keine Erfassung durch eine Kriminalitätsstatistik auf lokaler Ebene gebe – denn die große Polizeiliche Kriminalitätsstatistik vom BKA erfasst auch Asylbewerber, abgelehnte Asylbewerber und Bürgerkriegsflüchtlinge – und die von ihnen begangenen Delikte.

Dies würde halt nicht gemacht, wurde mir beschieden. Ob es dafür politische Gründe gebe, wollte ich wissen. Das konnte der freundliche Herr nicht sagen, man habe sich um so etwas halt noch keine Gedanken gemacht.

Ob man denn bei einzelnen Straftatsdelikten wie Diebstählen, Raub, Einbrüchen etc. einen Anstieg aufgrund des Zustroms an Asylbewerbern verzeichnen könne? Ja, dem sei wohl so. Und ob es auch zu Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung, z. B. Vergewaltigungen gekommen sei? Ja, das sei auch schon vorgekommen.

Ich fragte dann nochmal, wie die Polizei dem Sicherheitsbedürfnis der Anwohner Rechnung tragen würde und man erklärte mir, dass eine ständige Mobile Wache von drei Beamten im Lager eingesetzt sei und zudem tägliche Streifen in der Umgebung stattfinden würden (die ich selber ja vor Ort gesehen hatte). Bereitschaftspolizei und normale Polizei seien beständig unterwegs.

(Interessant: Nachdem mir immer wieder unter dem Verweis auf die „Sicherheitsrelevanz“ bestimmte Informationen vorenthalten wurden, war es offenbar kein Problem, die genaue Anzahl an Polizisten mitzuteilen, die im Lager eingesetzt sind).

Ich stellte dann noch die Frage, was mit straffällig gewordenen Asylbewerbern geschehe (die bekämen ein Verfahren) und ob sie direkt abgeschoben werden würden (nein) und schloss um sicher zu gehen, ob das, was ich vermutete, stimme, mit der Frage, ob es denn bisher überhaupt irgendwelche Straftaten gegen die Asylbewerber in Gießen gegeben habe.

Also ob man das Lager oder Asylanten angegriffen habe, ob Asylbewerber verprügelt worden seien oder irgendetwas Kriminelles GEGEN Asylanten vorgefallen sei. Nein, lautete die knappe Antwort. Ich bedankte mich und wir beendeten das Gespräch.

Eine Notiz am Rande: Der Pressesprecher der Polizei sprach beständig von „Flüchtlingen“, ich von „Asylbewerbern“. Ich fragte ihn auch einmal, warum er immer das Wort Flüchtlinge benutze und er sagte, die Bewohner des Lagers seien eben alle Flüchtlinge.

Ich sagte ihm, dass ja im Moment die Meisten der Insassen aus Albanien stammten, die nun wohl nicht vor Krieg oder Unruhen geflohen wären, doch blieb der freundliche Herr bei seiner Ansicht und erläuterte, dass es doch keinen Sinn mache, zwischen Armuts- und Kriegsflüchtlingen zu unterscheiden.

Nun wollte ich ein letztes Mal den Presseberater der EHG sprechen und rief dort an bzw. bat um Rückruf, den ich auch erhielt. Ich fragte ihn, welche Maßnahmen seitens der EHG zur Kriminalitätsprävention bzw. zum Schutz der einheimischen Bevölkerung ergriffen würden.

Er sagte mir, dass Angestellte der EHG sowie externe Dienstleister entsprechende Beratungen für die Asylbewerber anbieten würden (was eigentlich eine hoheitliche Aufgabe sei, doch von den staatlichen Organen aus Personal- und Finanzgründen nicht wahrgenommen werde).

Außerdem würde man getarnte Asylbewerber einsetzen, also Mitarbeiter der Dienstleistungsfirma, die dann im Lager nach dem (nicht den) 🙂 Rechten schauen würden. Allerdings sei man dem Vandalismus seitens der Lagerbewohner, den es auch gebe (dies war meine nächste Frage) weitgehend hilflos ausgesetzt.

So schilderte er den Fall einer Einrichtung (nicht in Gießen-Rödgen), wo die Bewohner das für Toilettenpapier vorgesehene Geld in andere Produkte (Tabak und Alkohol) umsetzten und zum Vollzug des Geschäfts Papier von Zeitschriften verwenden würden, was natürlich die Klos verstopfe.

Da eine WC-Reinigung nur einmal die Woche vorgesehen sei, führe dies natürlich zu Problemen, doch läge es nicht an ihm, dass Verhalten der Asylbewerber zu kritisieren. Hier erlaubte ich mir den Einwand, dass er ja auch das Verhalten derer kritisiere, die Teilen des Asylgeschäfts eben misstrauisch gegenüberstünden und dass es doch legitim sei, beide Seiten oder beide Missstände zu kritisieren. (Und ich stelle fest, dass ich ihn hätte fragen sollen, wie oft es zu Fällen von Vandalismus kommt, aber man kann nicht an alles denken).

Auf meine Frage, wie lange Herr Kocks schon für die European Homecare aktiv sei, sagte er, seit etwas mehr als einem Jahr. Damals hatte es einen Fall in einer Asylunterkunft in Nordrhein-Westfalen gegeben, bei dem Angestellte einer privaten Sicherheitsfirma Asylbewerber misshandelt hatten. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/misshandlungen-in-asylheimen-in-nrw-mutmassliche-taeter-sagen-aus-a-994382.html

Offensichtlich war dies eine Einrichtung der European Homecare gewesen und so hatte man sich als Erfahrung aus dem Geschehenen künftig der Dienste der Cato Sozietät versichert.

Schließlich fragte ich Herrn Kocks, ob es gegen irgendeine der Stätten der European Homecare GmbH Brandanschläge gegeben oder ob es Gewalttaten gegen dort lebende Asylbewerber gegeben habe und er sagte Nein. Allerdings habe es im Osten Fälle gegeben, wo zum Beispiel Außenstehende den Draht um ein Lager zerschnitten, sich somit Zugang zum Lager verschafft und dort die Gebäude fotografiert hätten.

Meine Abschlussfrage lautete, ob es seitens der European Homecare eine Statistik gebe, wie viele Straftaten von Bewohnern der Einrichtungen der EHG begangen worden seien und auch hier lautete die Antwort Nein. Ich bedankte mich für die Zeit, die er sich genommen hatte und wir beendeten das Gespräch.

Fazit: Ein Geschäft mit Menschen. Transparenz nicht an allen Stellen unter Verweis auf die „Sicherheitsrelevanz“. Betonung der Gefährdung der Asylbewerber. Belastung der Anwohner scheint zweitrangig bzw. wird nicht wie die Gefährdung der Asylbewerber hervorgehoben. Man versucht, die Debatte auch durch die Benutzung gewisser Schlüsselwörter (Flüchtlinge) zu beeinflussen.

Was folgt daraus? Wohl mittelfristig nichts Gutes. Dass es eine „Asylindustrie“ gibt bzw. Firmen in diesem Segment ihr Geld verdienen, ist ihr gutes Recht. Der werfe den ersten Stein, der das verdammt und nicht selber, würde er ein solches Unternehmen leiten, nicht damit Geld verdienen wollte. Und dass solche Unternehmen ihr Geschäft in möglichst gutem Lichte schildern wollen/müssen ist auch klar.

Der Haken liegt in der Verschwiegenheit, was Daten angeht. Wie hoch ist der Anteil an kriminellen Asylbewerbern? Wie stark sind bestimmte Delikte im Umfeld von Gießen-Rödgen gestiegen? Wie viele der Asylbewerber sind wirklich traumatisiert? Wie hoch sind die wöchentlichen Schäden durch Vandalismus in Gießen-Rödgen? Es werden hier zu viele Informationen nicht offen geschildert.

Und es wird keine offene Debatte darüber geführt, wie viel Einwanderung unserem Land zuträglich ist. Wenn Länder wie Australien oder Kanada viel restriktiver als wir verfahren (grade im Bereich Asyl), so verurteilt das bei uns niemand. Aber Forderungen nach einer ähnlichen Politik sind hierzulande verpönt.

Was im Umkehrschluss nur weiteren Unwillen in Teilen der Bevölkerung erzeugen muss, der umso größer werden wird, je mehr Asylbewerber in unser Land strömen bzw. die Finanzkrise bei uns wieder Fuss fasst.

Immerhin: Ein interessanter Nebenaspekt von Überzeugungen, die man innerlich nicht mitträgt, ist ja, dass man sie sehr schnell ablegen kann.

D.h. so wie im Osten unseres Landes vormalige Muster-Kommunisten sehr schnell zu Muster-Demokraten wurden, mag es sich beim heiklen Thema Asyl darstellen. Wenn sich der Primat der Politik ändert, mögen manche der jetzigen Verfechter einer liberalen Asylpolitik recht schnell ins andere Horn stoßen.

Man wird sehen. Die Asylbewerber selber sind jedenfalls nicht die Monster, als die sie bisweilen im Netz dargestellt werden. Aber auch keine bemitleidenswerten Opfer, als die sie die normale Presse schildert. Es sind einfach ganz normale Menschen mit einem ganz anderem kulturellen Hintergrund. Von denen ein Teil unsere Laissez-Faire-Haltung bewusst ausnutzt.Und auch diesen Teil mal quantitativ zu erfassen, würde die Debatte ehrlicher machen helfen. Allerdings wird dies kaum geschehen.

Was sich irgendwann wirklich rächen mag, wenn weiterhin hunderttausende Asylbewerber zu uns strömen. On verra.

7 Kommentare zu “Nachrichten zu Gießen-Rödgen

  1. Auch hier wieder die „seltsame“ Vermischung der Themen Asylrecht und Einwanderung. Wer dies tut offenbart völlig ohne Not, wes Geistes Kind er ist… Danke dafür.

  2. Vielen Dank für den umrfangreichen Bericht, der jedoch wie fast immer bei dem Thema die wahre Dimension des Bevölkerugnsaustuasches verscheliert, denn destatis.de zeigt schon 2013 eine Zuwandeung von 1,25 MIo über die Grenze. Dazu kamen 2013 noch einmal mind. ein Drittel der 680.000 Neugeburten als Landnhemer.
    Summa summarum beträgt die Landnahme also pro Jahr mehrere Hunderttausend fremdkulturelle Zudringlinge, wovon die ASYLQUOTE LEDIGLICH EIN BRUCHTEIL ausmacht!.

    2013 wurde beriets PRO MINUTE ein Deutscher gegen 1,5 Migranten ausgetauscht!

    Dies entspricht einem Völkermord auf Raten:

    Gekennzeichnet ist er durch die spezielle Absicht, auf direkte oder indirekte Weise „eine nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe als solche ganz oder teilweise zu zerstören“.
    https://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%B6lkermord

    Pro Jahr wird also knapp ein Prozent des deutschen Volkes gegen fremdkulturelle Landnehmer ausgetauscht, während die BRD-Funktionseliten täglich auf eine Besachleunigung der Landnahme durch Zuwanderung dränegn und so eine schnellere Endlösung für das deutsche Volk fordern.
    .
    Wenn wir den Völkermord am deutschen Volk stoppen wollen, so dürfen wir die wahren Zahlen nicht länger unter dem Deckmantel der Humanität verschleiern.
    Jeden Tag verschwinden 1500 Deutsche und werden durch über 2000 Landnehmer ersetzt, Tag für Tag!

  3. Pingback: Enthüllungen: Deutscher Held erkundet geheime Details aus dem Asylgeschäft | Analyse + Aktion

  4. Pingback: Wanderungen durch Gießen Rödgen II | nachrichtenaushinterland

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