Kurze Gedanken V

In der deutschen Studentenschaft gärt’s (scheinbar nur)….. doch was da an Blasen im Gärprozess aufsteigt, ist eher unschön anzuschauen. Ich hatte schon mal an anderer Stelle von politisch korrekten Studenten berichtet, die Vorlesungen stören, in denen nach ihrem Verständnis „rassistisches“ Gedankengut (in Form von Kant-Texten) gelehrt wird. https://nachrichtenaushinterland.wordpress.com/2015/03/09/studenten-heute/

Hier, d.h. im vorliegenden Falle ist man einen Schritt weiter – kein tumb-lautstarkes Stören von Vorlesungen, sondern der leis-denunziatorische Ansatz: Da wird in Zeiten des Internets ein Blog zusammengestellt, auf dem man den zu kritisierenden Professor nach Lust und Laune anschwärzt. http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/forschung-und-lehre/anonyme-studenten-blogger-greifen-professor-der-hu-berlin-an-13587819.html

Die Tatsache, dass dies anonym zu geschehen hat, entschuldigt man mit dem Umstand, man wolle sich ja auch später am Arbeitsmarkt bewerben und dort wirkten solche Aktionen u. U. nicht bei allen Arbeitgebern förderlich. Der ganze Unfug wird in diesem Blogbeitrag schön zerpflückt. http://www.danisch.de/blog/2015/05/19/die-causa-munkler-studenten-gegen-professoren/

Was mir dazu noch auffällt: Nun ist dies nicht nur ein Zeichen von Feigheit (der Professor lädt seine Gegner zur Debatte ein – aber wie bei Gilad Atzmon, der die, die ihn des Antisemitismus bezichtigten, zum Disputieren einlud, niemand erschien – http://www.gilad.co.uk/writings/2015/1/27/free-speech-forum-gilad-atzmon-faces-his-critics-notthingham – so erscheint auch bei Professor Münkler niemand),

nein, es ist dies auch ein Zeichen unserer Zeit. Sich anonym über den Gegner hermachen, (Shitstorm), ihm keine Gelegenheit zur Auseinandersetzung geben (der Schutz der Anonymität), aber bleibenden Schaden hinterlassen bei zumindest einigen Verfolgern des Vorgangs (irgendwas bleibt immer hängen).

Nun ist das natürlich kein auf Studenten beschränkter Vorgang – er findet sich überall in der Gesellschaft. Ich vermute, auch, da unsere Gesellschaft so risikoscheu und sicherheitsbesessen geworden ist und starke Gefühle scheut, ist das Bedürfnis nochmal größer, sich im Internet auch mal Luft zu verschaffen, sich auszukotzen, wie man so sagt.

Zwar kindisch, aber menschlich irgendwo verständlich. Auf der anderen Seite wird die absolute Mehrheit der Studenten sicherlich heute wie damals, als ich vor 20 Jahren Student war, einfach nur gut durch’s Studium kommen wollen – mit ein bisschen Party, Spass und Action dazu.

Die radikalen Aktionen wie im Falle Münkler werden von einer Minderheit der Studentenschaft ausgehen. Dies ist auch ein wiederkehrendes Element der Geschichte, dass man Teile der Studentenschaft instrumentalisiert oder sie sich für Aktionen instrumentalisieren lassen.

Ob sie nun 1832 vor’s Hambacher Schloss zogen – http://de.wikipedia.org/wiki/Hambacher_Fest – oder bei der Bücherverbrennung 1933 dabei waren – http://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCcherverbrennung_1933_in_Deutschland

(Nebenbei: Dass die Alliierten nach dem Krieg deutlich mehr Bücher beseitigen ließen – 35.000 statt 19.000 – als vorher die Nazis, ist kaum jemandem bekannt. Und dass darunter auch gänzlich un-nazistische Bücher wie von Gottfried Benn oder Ernst Salomon waren, ist noch weniger bekannt).

Ob sie bei der Kulturrevolution in China nach dem Tod von Menschen schrien, oder während der 68ziger-Revolte nach dem Tod von Institutionen – immer traten auch die Studenten oder Teile der Studenten mit radikalen Aktionen und Forderungen an die Öffentlichkeit heran.

Das Dumme ist, dass die Studenten von heute genausowenig wie die von damals (ein)sehen werden, dass sie einfach indoktrinierte Handlanger anderer Interessen sind. Wenn alle gemeinsam der Indoktrination unterliegen, fällt sie ja niemandem auf. Und diese fängt heute ja schon sehr früh an:

Wenn schon Schüler belehrt werden, wie man mit rechtsextremen Eltern umgehen sollte (man sollte sie melden – nach was riecht das? Genau – Denunziation). http://www.freiepresse.de/NACHRICHTEN/TOP-THEMA/Hilfe-im-Umgang-mit-rechtsgerichteten-Eltern-artikel9176667.php

Oder wenn Studenten vermittelt wird, dass Sicherheit vor Freiheit geht. http://popehat.com/2015/04/19/safe-spaces-and-the-mote-in-americas-eye/ Dann wird dies Folgen nach sich ziehen.

Zudem man ja auch viel einfacher beeinflussbar ist, wenn man jung ist – man ist halt noch unerfahren und glaubt Dinge, von denen man viele Jahre später erst erkennen wird – mein Gott, so einen Unsinn habe ich mal geglaubt!

Es ist also menschlich verständlich, dass dies so geschieht. Und dennoch in Teilen beängstigend, denn da wie gesagt alle (oder fast alle) der Indoktrination unterliegen, wird sie nicht als solche wahrgenommen.

Dass da etwas u. U. nicht stimmig ist, kann nur im Kontakt mit anderen, d.h. abweichenden Meinungen, gelernt werden. Wenn aber eben diese als potenziell gefährlich gelten (rechts- rassistisch etc.), hält sich die Indoktrination u. U. sehr lange.

Ich hatte mal auf der Seite von Hadmut Danisch ansatzweise mit einem Studenten zur Frage der Indoktrination debattiert – leider hörte es grad auf, wo es hätte interessant werden können – wer dies nachverfolgen will – bitte: http://www.danisch.de/blog/2015/04/28/generation-anspruch/

Kurz: Es besteht in gewisser Art und Weise kein großer Unterschied zwischen einem Studenten, der 1937 davon überzeugt war, dass die Juden das Unglück Deutschlands seien oder die Deutschen ein Volk ohne Raum und einem Studenten von heute, der der Überzeugung ist, das Geschlecht sei nur eine soziale Konstruktion oder Proteste gegen die Masseneinwanderung nach Deutschland seien Ausdruck rechtsradikaler Gesinnung (und müssten bekämpft werden).

Hier wie dort sind es nur Glaubenssätze. Dummerweise werden diese am hartnäckigsten verteidigt. 🙂

Da aber diese Glaubenssätze in sich Illusionen bergen und jene einer gewissen Halbwertzeit unterliegen, dürften wir die nächsten Jahre das Zerplatzen mancher Illusionen erleben.

Kein schönes Erlebnis im Einzelfall – indes notwendig zur Entwicklung.

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