Zu den Kriegen

Angesichts des Kriegsendes vor 70 Jahren und der Feierlichkeiten drum herum könnte es ja auch mal interessant sein, zu schauen, WER und WIE oft denn so in den letzten 200 Jahren Krieg geführt hat.

Die Briten – immerhin 89mal.
Die Franzosen – 38mal.
Und wir? Die Nazis und ihre Vorgänger und Nachfolger? Zehnmal (wenn man die Preußen als Vorgänger des Deutschen Reiches heranzieht).
http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=350231

Wie sieht es bei den Amerikanern aus? Noch eindeutiger, wenn man so will. Die USA haben von den 239 Jahren ihres Bestehens (die Gründung der Vereinigten Staaten erfolgte 1776) 222 Jahre Krieg geführt. Also in 93% der Zeit ihres Daseins. http://www.infowars.com/america-has-been-at-war-93-of-the-time-222-out-of-239-years-since-1776/

Vielleicht wollte man das Mutterland übertreffen? Die haben nämlich während ihrer „bunten Geschichte“ (Telegraph) immerhin 90% aller Länder dieser Erde irgendwann mal besetzt und/oder sind dort eingefallen. http://www.telegraph.co.uk/history/9653497/British-have-invaded-nine-out-of-ten-countries-so-look-out-Luxembourg.html

Um das Bild aber wieder etwas zu entzerren – in der Darstellung der Seite Infowars sind auch alle Kampagnen (Strafexpeditionen) gegen Indianerstämme oder schnell niedergeschlagene Aufstände oder Besetzungen von Ländern mit militärischen Mitteln (aber ohne Kampfhandlungen) enthalten.

Wenn man nun nur die Kriege der USA im engeren Sinne (also sämtliche Konflikte mit bewaffneten Auseinandersetzungen) seit 1815 zusammen zählt, so kommen die USA auf 116 Kriege seit 1815. Natürlich waren die meisten dieser Kriege lediglich kleine Scharmützel zwischen Indianerstämmen und der US Kavallerie. Dennoch waren es Kriege.

Bei Wikipedia verzichtet man in diesem Zusammenhang auf Zahlenangaben hinsichtlich der Opfer bei den Indianern (sie wären sicherlich auch schwer zu errechnen), weist aber darauf hin, dass manche der Historiker, die sich mit der Thematik beschäftigen, den USA vorwerfen, Völkermord an den Indianern begangen zu haben bzw. dass sich die Faustregel herausgebildet hätte, dass nach Erstkontakt mit den „Weißen“ sich ein Indianerstamm in seiner Population um durchschnittlich 90% verringert hätte (freilich vor allem durch Krankheiten). http://de.wikipedia.org/wiki/Indianerkriege#Zahlenangaben

Von Kampagnen anderer Kolonialmächte sei hier zu schweigen. Indes mag es dem ein oder anderen auffallen, dass es beständig deutsche Untaten sind („Völkermord“ an den Hereros/Hottentotten), die im Lichte von Reparationsforderungen debattiert werden. Dass die 3 oder 3,9 Millionen Toten des Vietnam Krieges ein Grund für „Reparationen“ wären – davon habe ich noch nichts gehört.
Vae victis? Wohl schon.

Um zum Thema zurückzukehren: Kriege sind ergo und wie sich statistisch hier belegen lässt nicht nur konsequente „Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln“. Sie sind (mehr) sogar ein unverzichtbar scheinendes Element der Politik! Sie sind die Regel – nicht die Ausnahme. Denn es gibt viele Argumente für sie:

Sie bieten die Möglichkeit des Raubs (Gold, Patente – http://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Overcast – immerhin wurden zwischen 1945 und 1947 sämtliche deutschen Patente im Werte von 10 Mrd. Dollar von den USA beschlagnahmt), der Ankurbelung der eigenen Wirtschaft (Industrieabsatz, s. Smedley Butler- War is a racket! Krieg ist ein Geschäft! – http://de.wikipedia.org/wiki/War_Is_a_Racket ), der Ausdehnung der Einflusssphäre (s. Paul Kennedy – Aufstieg und Fall der großen Mächte). Etc.

Wie sehr Kriege ein Gewinn sein können, demonstriert die Politik der USA im Zweiten Weltkrieg. So wurden nicht nur im Rahmen eines im September 1941 (die USA waren da noch neutral!) geschlossenen Abkommens zw. USA und SU kriegswichtige Güter im Wert von 11 Mrd. Dollar an die Sowjetunion geliefert. http://de.wikipedia.org/wiki/Leih-_und_Pachtgesetz

(Was den sowjetischen Unterhändler in den USA nach Unterzeichnen der Vereinbarung zu dem spontanen Ausruf veranlasst haben soll: Jetzt gewinnen wir den Krieg!).

Nein, auch der Feind wurde, was nicht gar so bekannt ist, eifrig beliefert. Der Schweizer Historiker Daniele Ganser hat wiederholt auf die Lieferungen kriegswichtiger Rohstoffe seitens der USA an Hitlerdeutschland hingewiesen.

Der italienische Ökonom Guido Preparata beschrieb in seinem Buch „Conjuring Hitler“, wie nicht nur der Aufstieg Hitlers von amerikanischen Geldern finanziert worden war, sondern auch während des Krieges umfangreicher Handel zwischen den USA und Deutschland getrieben wurde, ohne den die Nazis den Krieg nicht hätten führen können. http://www.larsschall.com/2012/08/05/die-ublichen-geschafte-hinter-dem-gemetzel/

Man könnte weitergehende Überlegungen über den Zweck der amerikanischen Politik anstellen oder die Wirksamkeit von Propaganda – doch mag dies einer späteren Betrachtung vorbehalten bleiben. Zwei Randbemerkungen nur noch: Im US Kongress soll im Januar 1918, d.h. im Ersten Weltkrieg ein Gebet folgenden Wortlauts gesprochen worden sein:

„Allmächtiger Gott, unser himmlischer Vater, wir danken Dir
und freuen uns, daß diese Regierung auf den Glauben an Dich
und Dein Wort gegründet ist. …
Du weißt, oh Herr, daß wir in einem Kampf auf Leben und Tod
mit der ehrlosesten, neiderträchtigsten, habgierigsten,
mißgünstigsten, blutrünstigsten und lasterhaftesten Nation stehen,
die je das Buch der Geschichte beleidigt hat.
Du weißt, daß Deutschland so viele Tränen der Menschheit
verursacht hat, daß sich ein neues Meer damit anfüllt.
Wir beten zu Dir, daß Du Deinen mächtigen Arm entblößt
und die Horde hungriger, wölfischer Hunnen zurückwirfst,
von deren Fängen frisches und geronnenes Blut herabläuft.
… Segne unsere Alliierten und möge der Sieg unser sein.
… Du sollst für immer gelobt sein durch Jesus Christus, Amen.“
http://www.schauungen.de/forum/index.php?id=24682

Wo ist die Quelle, die ähnliches aus dem Deutschen Reichstag berichtet? Es mag sie geben – aber ich habe sie noch nicht gesehen.

Oder dass 1940 ein (heute würden wir sagen) Science Fiction Roman als Fortsetzung von 12 Teilen in einem Massenmagazin erschien, der eine Invasion der Nazis in den USA beschreibt (zusammen mit Russen und Japanern). Einfach nur geschrieben aus Spaß an der Freude? Oder wollte man die Bevölkerung auf Kommendes einstimmen? Ich las dieses Buch als junger Mann und war ergriffen – heute wäre ich das bei der Lektüre wohl auch, nur etwas anders. http://www.lovelybooks.de/autor/Fred-Allhoff/Blitzkrieg-Die-Nazi-Invasion-in-Amerika-489611929-w/rezension/967230800/

Damals wie heute – Fiktion macht Fakten. Heute halt noch ein bisschen ausgefeilter. Denn wer von uns weiß denn, woher die Bilder stammen, die uns am Fernseher gezeigt werden? Die Präzisionswaffen? Die humanitären Einsätze? Etc.Wo enden die Fakten, wo beginnt die Fiktion?  https://www.youtube.com/watch?v=Rh-Samvut-E

Zurück zum Zweck der Kriege: Nicht zuletzt sind sie probates Mittel der Ablenkung von internen Missständen. Und junge Männer, die vom Krieg angezogen sind, finden sich auch immer (meine drei Großonkel zum Beispiel wollten unbedingt in den Krieg. Der Jüngste, der sein Bein verlor, meldete sich freiwillig. Und auch ich wäre wohl als junger Mann in den Krieg gezogen – um des Erlebnis willens). Es sind nicht alles nur seelenlose Kampfmaschinen, die in den Krieg ziehen. Was freilich nichts am Unsinn der Kriege ändert.

Eine wohlfeile Begründung findet sich jedenfalls auch immer schnell – entweder geht’s ums Vaterland oder um die Demokratie, um Menschenrechte oder Tyrannensturz. Das hat schon der Anarchist Michael Bakunin schön zusammen zu fassen gewusst:

„Jedesmal, wenn ein Staat einem anderen den Krieg erklären will, fängt er damit an, ein Manifest zu erlassen, das nicht nur an die eigenen Untertanen, sondern an die ganze Welt gerichtet ist, und in dem er sich bemüht, alles Recht auf seine Seite häufend zu beweisen, dass er voll von Menschlichkeit und Friedensliebe ist, dass er, durchdrungen von edlen und friedlichen Gefühlen, schon lange schweigend gelitten hat, und dass nur die zunehmende Ungerechtigkeit seines Feindes ihn endlich gezwungen hat, das Schwert aus der Scheide zu ziehen. Gleichzeitig schwört er, dass er nicht an Eroberungen denkt und keinen Gebietszuwachs wünscht, und den Krieg beendigen werde, sowie die Gerechtigkeit wieder hergestellt sei. Sein Gegner antwortet darauf mit einem ähnlichen Manifest“. (Entnommen dem Buch: Bakunin, von Ricarda Huch, S. 207f).

Besagter Bakunin sah übrigens den Staat als die eigentliche Ursache der Kriege und aller sonstigen Übel an. Er schrieb: „Wir sehen den Staat in seiner gegenwärtigen Entwicklung als ein versteinertes, anorganisches Produkt des Lebensprozesses der Völker an, als eine mechanische Absonderung vom lebendigen Volksorganismus. Die Kraft des Staates ist gegenwärtig eine rein und auschliesslich mechanische, direkt gegen das Volk gerichtete, nur auf Polizei und Armee gegründete, und daher richten sich alle Anstrengungen der revolutionären Kreise und Personen auf die Zerstörung des Staates durch die Organisation der elementaren Kraft des Volkes“. (Ebd., S. 234)

Es wäre wohl interessant, zu sehen, ob oder wie weit sich die Kriegführung in demokratischen Staaten von der in Diktaturen unterscheidet. Aber auch dies soll ein anderes Mal zur Debatte stehen. Für jetzt noch schnell auf drei Schurkenstaaten geschaut: Iran, Nordkorea und Russland.

Iran hat seit 1815 sechs Kriege geführt. Zwei dieser Kriege waren allerdings Kriege von ausländischen Mächten auf iranischem Boden: Im ersten Weltkrieg lieferten sich osmanische Truppen auf der einen Seite mit russischen und britischen Truppen auf der anderen Seite auf persischem Gebiet Gefechte. http://de.wikipedia.org/wiki/Erster_Weltkrieg_in_Persien

Und 1941 besetzten britische und sowjetische Truppen gemeinsam den Iran, um die Ölversorgung der Sowjets sicherzustellen. Der Widerstand der iranischen Truppen wurde schnell niedergekämpft. http://de.wikipedia.org/wiki/Anglo-Sowjetische_Invasion_des_Iran

Nordkorea hat seit seinem Bestehen einen Krieg geführt (den Koreakrieg eben). http://de.wikipedia.org/wiki/Koreakrieg

Und Russland hat seit 1815 13mal Krieg geführt (militärische Expeditionen im Kaukasus oder Mittelasien nicht mitgezählt). Von der Anzahl her liegen uns die Russen also näher als unsere westlichen Verbündeten. 🙂

An Kriegen dürfte jedenfalls auch in den nächsten Jahren kein Mangel sein. Und auch zu uns mag der Krieg wieder kommen…… wenn das Korn reif ist und niemand damit rechnet…. wer weiss.

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