Deutsche(s) im Film

Ich habe mir mal den Spaß erlaubt und geschaut, wie viele erfolgreiche Filme der letzten 24 Jahre einen Bezug zu Deutschen hatten (oder deutsche Filme waren) und welcher Art dieser Bezug war. Grundlage waren für mich die jeweils 20 erfolgreichsten Filme (an der Kinokasse) der Jahre 1990 bis 2014 in Deutschland.

Dies auch unter der Prämisse, dass erfolgreiche Filme oder Filme überhaupt auf das Bewusstsein der Zuschauer einwirken können. Nach dem US-Film „Top Gun“ waren zum Beispiel in den achtziger Jahren in den USA die Bewerbungen zur Air Force angestiegen. http://articles.latimes.com/1986-07-05/entertainment/ca-20403_1_top-gun

Ein Film wie „American Sniper“ von Clint Eastwood bestätigt viele Amerikaner in ihrer Sichtweise, dass ihre im Irak oder Afghanistan kämpfenden Soldaten dort die Heimat vor Terroristen verteidigen (während sie tatsächlich schlicht imperialen Zwecken dienen). http://www.informationclearinghouse.info/article40890.htm

US Schinken wie „Pearl Harbour“, „Der Patriot“, „Der Soldat James Ryan“ etc. transportieren „scheinbar“ positive Aspekte amerikanischer Geschichte in amerikanische (und andere) Hirne. Da wohl kaum jemand noch Geschichtsbücher liest, können gerade geschichtliche Sachverhalte bei Menschen so im Gedächtnis bleiben, wie sie im Film gezeigt wurden.

Oder anders: Filme dienen auch dem Transportieren von Botschaften bzw. der Propaganda. Es lassen sich natürlich auch positive Botschaften transportieren, was manche Filme tun (Good bye Lenin). Was wird nun speziell im Bezug auf Deutsche für ein Bild transportiert – in deutschen und auch anderen Filmen? Was wird uns da vor die Nase gesetzt?

Alle Tabellen zu den Filmen und ihren Platzierungen an der Kinokasse lassen sich hier einsehen: http://www.insidekino.com/DBO.htm#JAHRES_&_ALL-TIME_CHARTS_

Von den 480 erfolgreichsten Filmen zwischen 1990 und 2014 an deutschen Kinokassen waren 67 deutsche Filme (d.h. nicht mit deutschen Geldern koproduziert, wie es bei vielen Amifilmen der Fall ist, sondern durch deutsche Regisseure und/oder in Deutschland gedreht bzw. mit deutschen Geldern produziert).

Von diesen 67 Filmen (was einem Anteil von etwas mehr als 16% an allen Filmen entspricht), waren 49 Komödien. Also immerhin ein Anteil von 73% an allen Filmen. Ist in Deutschland ein solcher Bedarf am Lachen? Feinsinniges wie „Pappa ante Portas“ findet sich neben „Fack ju Göhte“ und „Der Wixxer“.

Der Schrott und das Seichte scheinen mir bei den Komödien zu überwiegen, doch ist das wohl auch Geschmacksfrage (eine Liste der Filme folgt weiter unten).

Wie steht es um den Geschichtsbezug? Was transportieren unsere eigenen Filme?

Von den 67 deutschen Filmen hatten 9 einen Geschichtsbezug. Dreimal war es die Nazizeit (Schtonk, Der Untergang, Der Vorleser), dreimal die DDR (Sonnenallee, Good Bye Lenin, Das Leben der Anderen), einmal ging es um die RAF (Der Baader Meinhof Komplex), einmal um „Das Wunder von Bern“.

Und einmal um „Luther“ (im gleichnamigen Film). In 24 Jahren gab es also einen erfolgreichen Film, der einen Bezug zur deutschen Geschichte vor 1933 hatte. Immerhin! Mag der ein oder andere sagen.

Wie ist es um ausländische Filme (d.h. in ihrer überwältigenden Mehrheit amerikanische) Filme in der genannten Zeit unter den Top 20 und deren Bezug auf Deutsche(s) bestellt? Auf die deutsche Geschichte nehmen acht Filme explizit Bezug (darunter vier nur nebenbei).

Es sind dies die Filme „Schindlers Liste“, „Der Soldat James Ryan“, „Das Leben ist schön“, „X-Men“, „Avengers“ , „Shutter Island“, „Sherlock Holmes – Spiel im Schatten“ und „Inglorious Basterds“. Alle Filme bis auf Sherlock Holmes haben einen Nazibezug.

„X-Men“ wie zwei andere aber nur am Rande – man sieht wie Dr. Magneto als Kind in Auschwitz interniert ist. Ebenso ist bei den „Avengers“ eine Szene, in der Loki Deutsche in München zwingt, vor ihm nieder zu knien. Captain America erscheint auf der Bildfläche, verhindert den Mord an einem älteren Deutschen und sagt: Das letzte Mal als ich in Deutschland war, sah ich auch die Leute vor einem Mann knien. Ich war nicht seiner Meinung (eine Anspielung auf Hitler).

Und Martin Scorsese nimmt in seinem Film „Shutter Island“ auch eine Anleihe auf die Nazizeit, in dem die von Leonardo Dicaprio verkörperte Hauptfigur an der Befreiung des KL Dachau mitgewirkt hatte und vermutet, dass auf „Shutter Island“ von den Nazis inspirierte Menschenversuche stattfinden.

In „Sherlock Holmes“ spielt ein Teil des Films im Deutschland vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges.

Weitere Bezugnahmen auf andere Aspekte deutscher Geschichte in anderen Filmen gab es nicht.

Auf Deutsche allgemein (in dem Sinne, dass im Film Deutsche vorkommen oder das anderweitig auf Deutsche Bezug genommen wird), wird in insgesamt 20 Filmen (inkl. der vorher genannten Filme) verwiesen; manchmal nur dahingehend, dass eine Nebenfigur einen deutschen Namen trägt.

So kommen in „Stirb Langsam – Jetzt erst recht“ ostdeutsche Terroristen vor (angeführt von Jeremy Irons). In „Mission Impossible“ heißt einer der Bösen Franz Krieger. In „Air Force One“ kommt ein deutscher Journalist vor (neutral). Und im schönen Film „Das fünfte Element“ von Luc Besson, gibt es eine Szene, die deutsche Zuschauer nie gesehen haben:

Als da nämlich an einer Stelle plötzlich seltsam anmutende und unförmig-metallische Monstren vor einem zerstreuten Professor erscheinen, fragt der sie verwirrt anblickend in der Urfassung: Seid Ihr Deutsche? (Are you Germans)? https://www.youtube.com/watch?v=zf49sdKFEdM
In der deutschen Fassung wurde dann daraus: Kommt ihr von der Erde? Hat Luc Besson einen Groll gegen uns? 🙂 Aber weiter:

In „Cool Runnings“ machen sich ostdeutsche Bobfahrer über die Jamaikaner lustig (heute würde man das wohl rassistisch nennen). In „Der Morgen stirbt nie“, einem James Bond Film, heißt einer der Killer Dr. Kaufmann. In dem Animationsfilm „Cars 2“ gibt es einen fiesen Professor Zündapp (gesprochen von Thomas Kretschmann).

In „Sherlock Holmes: Spiel der Schatten“ ist ein deutscher Waffenfabrikant eine Nebenfigur (neutral). In „Illuminati“ von 2009 gibt es einen deutschen Kardinal Strauss, gespielt von Armin Müller-Stahl – eine positive Figur. Und im vom Deutschen Roland Emmerich gedrehten Film 2012 kommt am Rande die deutsche Bundeskanzlerin vor (neutral). Im Film „Flight Plan“ mit Jodie Foster reist diese am Anfang von Deutschland aus in die USA.

In den drei Folgen der Bourne-Reihe „Das Bourne Ultimatum“ , „Die Bourne Identität“ und „Die Bourne Verschwörung“ kommen Deutsche in Nebenrollen vor (Daniel Brühl und Franka Potente spielen sie). Beide sind positiv zu nennen.

Und in Quentin Tarantinos „Django Unchained” ist der Deutsche Dr. Schultz zwar etwas verrückt, aber doch eine Art Held.  Interessanterweise ist es in diesem Film, dass über das Nibelungenlied gesprochen wird.

Kurz: In den 20 genannten Filmen ist der Bezug 11mal negativ, viermal neutral und fünfmal positiv.

Zusammenfassend ergibt sich die schlichte Schlussfolgerung: Wenn schon Deutsche – dann eher böse (Nazis und anderweitig). Und wenn ein Aspekt der deutschen Geschichte hervorgehoben werden soll, so der braune . Dass so etwas auch etwas mit der Psyche von Zuschauern machen kann, wird selten thematisiert.

Ich frage mich aber allen Ernstes, welches Bild Menschen von ihrem eigenen Land gewinnen sollen, wenn sie entweder seichte Komödien (Sieben Zwerge im Wald/Kokowäh/Traumschiff Surprise etc.) sonder Zahl konsumieren können oder der Geschichtsbezug einseitig auf kritischen Aspekten der eigenen Geschichte liegt?

Wenn da so überhaupt gar kein Thematisieren anderer Aspekte unserer doch sehr langen Geschichte ist? Und dass es da nur zu Kritisierendes, nur Negatives gegeben hätte, ist doch Mumpitz. Oder es ließe sich doch Kritik mit Lob verbinden.

Als hätte es keinen Schiller gegeben, keinen Ulrich von Hutten, keinen Bernhard von Weimar, keinen Freiherrn vom Stein, als wären da nicht auch positive Menschen zu finden, die sich als Patrioten verstanden.

Und auch wenn man es kritisch beleuchten will, so gäbe es doch schillernde Gestalten in großer Zahl, die es lohnen würde, näher zu betrachten – einen Bismarck, einen Friedrich den Großen, einen Barbarossa etc.

Aber nein – es scheint nicht ins Bild zu passen. Und damit verliert sich Wissen. Und Verständnis des eigenen Erbes. Ich kenne eine Frau aus Kenia, die auf uns Deutsche herabsieht und die mir das auf meine Rückfrage einfach und direkt begründete – sie sagte: Warum soll ich Euch Deutsche achten? Ihr achtet Euch doch selbst nicht! Und Ihr achtet Eure Ahnen nicht!

Ein anderes Verständnis – ein anderes Weltbild. Da ist aber, so scheint es mir, ein wahrer Kern enthalten. Ich kann doch trotz aller Kritik an Missständen Dinge an meinem Land und meiner Geschichte wertschätzen. Und es wäre doch ein Leichtes, deutsche Geschichten zu erzählen, die etwas Positives, Mut machendes, weitergeben könnten.

Oder Geschichten um den regionalen Reichtum Deutschlands zu schaffen, um Dialekte oder Eigenheiten von Sachsen, Hessen etc., um Wortwitz oder Heimatverbundenheit. Was bei den Franzosen funktioniert (Willkommen bei den Schtis), bei Italienern, Griechen, Spaniern und anderen so anmutig wirkt, gibt es bei uns nicht. Es könnte es durchaus geben!

Oder dass die Legenden unseres Landes neue Interpretationen (und nicht nur Verwurstungen) erfahren; das Nibelungenlied, Goethes Faust oder Schillers Räuber, die Märchen der Gebrüder Grimm…… es gäbe so viel!

Doch es findet nicht statt. Bzw. ist es ja noch schlimmer: Was da transportiert wird, ist zum Großteil negativ. Im kritischen Gewand daherkommend ist die Botschaft doch auch: Da war nichts Gutes. Was historisch von deutschem Boden ausging, war schlecht. Immer.

Oder es ist des Berichtens nicht wert. Und dies stimmt einfach nicht. Bleibt zu hoffen, dass dies noch dem ein oder anderen auffällt.

Natürlich ist (s. Amerika) die Gefahr der Propaganda auch im nationalen Bezug gegeben: Aber Geschichte von mehreren Seiten zu beleuchten, könnte meines Erachtens auch im Kino geschehen. In der DDR hat es einen Film „Spur der Steine“ gegeben. So etwas fehlt uns heute sehr.

Oder ein Historiendrama, was eben nicht im ideologischen Gewand daherkäme. Nun ja- Träumen ist erlaubt.

Kurzer Nachtrag: Vielleicht habe ich in den letzten 24 Jahren einen ausländischem Film mit deutschem Bezug übersehen – falls ein solcher einem Leser auffällt, wäre eine kurze Mitteilung nett.

Weiterer kurzer Nachtrag: Das Bild wäre natürlich noch aussagekräftiger, wenn ich die 50 oder 100 erfolgreichsten Filme eines Jahres rückwirkend gecheckt hätte, aber auch der Blogger blaucht, äh, braucht seine Freizeit. 🙂

Hier die Liste der Filme mit deutschem Bezug seit 1990 (also entweder deutsche Filme, oder es kommt ein Deutscher mit Namen etc. drin vor).

1990:
Werner-Beinhart
1991:
Pappa ante portas
Go Trabi Go
Homo Faber
1992:
Otto – der Liebesfilm
Schtonk
1993:
Keine
1994:
Der bewegte Mann
Schindlers Liste
Cool Runnings
1995:
Stirb langsam – Jetzt erst recht
Stadtgespräch
1996:
Werner – Das muss kesseln
Mission Impossible
Eraser
Jenseits der Stille
1997:
007 – Der Morgen stirbt nie
Knockin on Heavens Door
Rossini
Das fünfte Element
Kleines Arschloch
Comedian Harmonists
Ballermann 6
Air Force One
1998:
Der Soldat James Ryan
Lola rennt
Das Leben ist schön
1999:
Werner – Volles Roar
Sonnenallee
2000:
Gladiator
X-Men
Anatomie
2001:
Der Schuh des Manitu
Der kleine Eisbär
2002:
Bibi Blocksberg
Die Bourne Identität
2003:
Good Bye Lenin
Das Wunder von Bern
Luther
Das fliegende Klassenzimmer
2004:
Traumschiff Surprise
Die Bourne Verschwörung
7 Männer – Zwerge allein Im Wald
Der Untergang
Der Wixxer
2005:
Die weisse Massai
Flight Plan
Die wilden Kerle 2
Barfuss
Der kleine Eisbär 2
Siegfried
2006:
Deutschland – ein Sommermärchen
7 Zwerge – der Wald ist nicht genug
Das Leben der Anderen
Die wilden Kerle 3
Hui Buh – das Schlossgespenst
Wer früher stirbst, ist länger tot
2007:
Keinohrhasen
Die wilden Kerle 4
Das Bourne Ultimatum
Lissi und der wilke Kaiser
2008:
Unsere Erde – der Film
Die Welle
Der Baader Meinhoff Komplex
1,5 Ritter
Die wilden Kerle 5
2009:
Wickie und die starken Männer
Illuminati
Zweiohrküken
Die Päbstin
2012 (der Film)
Der Vorleser
Inglorious Basterds
Männerherzen
2010:
Friendship
Die Konferenz der Tiere
2011:
Kokowäh
Rubbel die Katz
Cars 2
Sherlock Holmes – Spiel im Schatten
What a Man
Wickie auf großer Fahrt
2012:
Türkisch für Anfänger
Avengers
2013:
Fack ju Göhte
Django Unchained – Dr. Schultz
Kokowäh 2
Der Schlussmacher
2014:
Honig im Kopf
Vaterfreuden
Stromberg – der Film

5 Kommentare zu “Deutsche(s) im Film

  1. Ja und was ist wen die wenigen erfolgreichen „deutschen“ Filme dann doch von deutsch-jüdischen Schauspielern und jüdischen Filmproduzenten produziert wurden? Die Zelluloid Industrie wie der Holocaust Industrie ist nicht vertrauenswürdig und rassistisch!
    Sie wird für „Menschen“ gemacht. Laut Talmud sind Nichtjuden keine Menschen..

  2. die liste kann mit dem film „inside man“ von 2006 erweitert werden. kurz knapp: nazi bankier baut bank in usa mit blutgeld von gestapo. hpt: clive owen, jodie foster, denzel washington, willem dafoe, christopher plummer….

    wie ist das mit stieg larssons „neu auflage verblendung“ regie david fincher von 2011. typisch amerikaner. die schwedische version wesentlich besser, aber die oscar nomi geht und bleibt bei oncel sam.

    danke für die sehr lesenswerte analyse

  3. Du hast noch zwei Filme vergessen:

    Helden wie wir (1999) und NVA (2005)

    zusammen mit Sonnenallee und Good bye Lenin alles Filme, in denen die DDR verherrlicht / verharmlost wird.

    Grenzer, NVA und Stasi sind liebenswert vertrottelte Chaoten, die maximal so böse sind wie die Aufsicht im Pfadfinderheim.

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