Kurze Gedanken III

Eine Sache fiel mir am Wochenende auf: Da sah ich einen alten deutschen Film auf DuTube. „Des Teufels General“. Schöner Film mit Curd Jürgens, dem normannischen Kleiderschrank, wie er auch genannt wurde. Was mir dabei auffiel, war die Art der Schauspieler, zu sprechen.

Irgendwie kam mir das deutlicher, stärker und klarer vor als die Art zu sprechen vor, die heute sonst so stattfindet. Und da fragte ich mich einfach: Hat unsere heutige Gesellschaft auch Auswirkungen auf die Art, wie wir sprechen? Bestimmt – aber in welcher Weise?

Dass die Sprache zerlumpt (Kanaksprak) und weniger Sprachvermögen auch weniger Denkvermögen bedeuten kann, können einem Gehirnwissenschaftler (oder Blogger) erklären. http://www.danisch.de/blog/2014/06/30/ueber-kiez-deutsch-germanisten-und-neo-rassismus/

Nein, was mir zu denken gibt, ist die (so empfinde ich sie) weichere Art, sich des Deutschen zu befleissigen. Ich meine als Vergleich nicht den schnarrenden Offizierston, wie man ihn in ganz alten Filmen noch finden mag – sondern mir erscheint es schlicht so, dass da weniger Kraft in der Sprache, in ihrem Tonfall, ist.

Nun ist das nur meine ganz private Ansicht und es mag für jemand anders eben ganz anders erscheinen; ich fände es nichtsdestotrotz einen interessanten und der Untersuchung werten Punkt. Wenn wir unsere Gesellschaft wie folgt definieren würden:

Konfliktscheu, alt, konsensbedürftig, verklemmt, immer ideologischer, allen nationalen Ausdruck bekämpfend oder verhindernd – so könnte ich mir durchaus vorstellen, dass sich dies auch in der Sprache bzw. dem Tonfall derselben ausdrückt.

Selbst wenn Leute sich anschreien oder wenn sie sich streiten, scheint es mir bei Manchen wie gedämpft zu sein – als hätten sie den Mund voll Watte. Und auch im Zug oder in der S-Bahn höre ich, wenn ich sie denn höre, gedämpfte Stimmen und Geräusche.

Ausnahme: Ausländer (oder manche unter diesen). Da höre ich in fremden Zungen deutlich mehr Lautstärke im Ausdruck heraus. Die Deutschen aber kommen mir oft wie kastriert vor – oder eben zumindest gedämpft. Wenn mal einer eine deutlichere Stimme hat, zucken die anderen zusammen. „Nicht so laut“, signalisiert dann der Gesichtsausdruck.

Auf der anderen Seite sehnen sich die Leute nach starken Gefühlen, nach dem Ausdruck starker Gefühle, den ich aber eben so – außer bei Jungen – kaum noch wahrnehme. Ein lautes, lebendiges Lachen – das höre ich selten. Jugendliche schon, die sind natürlich lauter.

Und Ausländer eben auch. Die wirken oft kraftvoller, lebendiger auf mich als die Deutschen, die entweder gestresst dahin hetzen oder über ihr Spy-Phone gebeugt dahin schleichen. Aber immerhin:

Nichts ist für immer und so könnte ich mir sehr wohl vorstellen, dass sich bei einer grundsätzlichen Änderung der Gesellschaft auch die Sprache oder die Kraft des Ausdrucks wieder ändert.

Zu dumm: Ich hätte wirklich gerne mal erlebt, wie ein Schiller oder ein Wagner oder auch ein Bakunin gesprochen haben.

Heute ist das – für mich – oft so ein durcheinander-einerlei, laberhier und quasselda, ohne Ecken und Kanten, ohne etwas, das herausragt, das durch seine Kraft anzieht und begeistert. Aber – warten wir ab, was passiert. Es mag sich wie erwähnt eines Tages ändern.

„Wo Gefahr ist, da wächst das Rettende auch“. (Schiller)

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