Kurze Gedanken II

Kurze Gedanken zum Tage (oder was vom Tage übrig blieb…). Eine Maschine von GermanWings stürzte gestern ab. 150 Tote. Trauer und Entsetzen. Das Narrativ, was jetzt erst mal erhoben wird: Der Copilot, junger Mann, Deutscher, habe das Flugzeug in den Absturz gesteuert. Stimmt das?

Zu früh, es zu sagen; aber wenn das ein Selbstmord war, so einer von der unglaubwürdigeren Sorte. Der Selbstmörder möchte sich selber auslöschen, denkt dabei auch ganz egoistisch. Aber andere dabei mitnehmen? Eher nicht. Es sei denn, es soll ein Zeichen gesetzt werden (zum Beispiel ein Terroranschlag).

Kurz: Es kann wohl sein, dass hier ein junger Mann alle mit in den Tod nahm, aber dann wäre es ein gefühlsloser, kalter und vollkommen narzisstischer Mensch gewesen. Ein Psychopath. Und es ist natürlich möglich, dass der Copilot das war. Oder der Selbstmord geschah aus politischen/religiösen/ideologischen Gründen.

Was mich zum zweiten Gedanken führt: Wie ich mich in https://nachrichtenaushinterland.wordpress.com/2015/03/17/kriminalitatsstatistik-ii/ und https://nachrichtenaushinterland.wordpress.com/2015/03/10/nachtrag-zu-fragida-die-kriminalitatsstatistik/ bemüht hatte (und sicher nochmal bemühen werde – das Thema ist noch nicht abgeschlossen) darzustellen, schlägt die Migration zu uns sich auch in höheren Kriminalstatistiken nieder bzw. ist der Anteil von Ausländern an Gewaltdelikten teilweise deutlich höher, als es dem Bevölkerungsanteil entspricht.

Nun scheint mir etwas seltsames aufzufallen: Einerseits ist das herrschende Mantra, dass Ausländer gut für unser Land sind. Fachkräftemangel, Überalterung etc. Wer auf Phänomene wie Kriminalitätsstatistiken oder Ghettobildung etc. hinweist ist Pfui! Oder entstammt gar dem PEGIDA-Sündenpfuhl. Doppelpfui!

Andererseits sind die Medien voll von Fällen wie Mord, Vergewaltigung, Einbruch, Raub, Diebstahl etc., bei denen die Tatverdächtigen als Ausländer bezeichnet werden. Was ich mich frage: Geschieht dies bewusst? Wird hier bewusst Druck aufgebaut, indem auf der einen Seite betont wird: Ausländer sind klasse! Deutschland ist bunt und das ist gut so!

Und auf der anderen Seite eben geschildert wird, was Teile der Ausländer hier an Gewaltverbrechen begehen (was sich wie gesagt auch leicht statistisch als gravierend erfassen lässt). Will man hier Druck erzeugen? Ich weiß es nicht.

Vielleicht laufen diese Prozesse auch unbewusst. So wie die neue Form der öffentlichen Trauerarbeit. In immer kürzeren Abständen emotional berührt sein – und das Geschehen nach 1 Woche vergessen haben. Tugce? Lange her. MH 17? Viel zu lange her. Je suis Charlie? Die Sticker schon wieder abgehängt.

Und heute? Tun sie alle staatstragend und gravitätisch-traurig. Nichts gegen Trauer, aber was wir da sehen, ist professionell-kalte Trauer, keine echte. Oder bei Leuten, die es gar nicht betrifft, eine gaffend-neugierige Trauer (wie bei den Gaffern auf der Autobahn, die beim Verkehrsunfall alle den Fuss vom Gas nehmen, schau mal, uh, guck mal, uhh……).

Oder eine hysterisch-übertriebene Trauer, emotional sich inszenierend wie ein Selfie und ungefähr genauso echt. Ach, wie schrecklich….. ja, nicht wahr….. okay, was kommt im Fernsehen? Wer sich diesem Narrativ nicht anschließt, ist der Außenseiter.

A propos: Charles Bukowski hatte das mal in einer Geschichte gut beschrieben, wo ihn ein Mann in einer Bar auf eine Flugzeugkatastrophe ansprach und ihn fragte, ob er davon berührt sei und er sagte: Nein, das sei zu weit weg, um ihn zu berühren und betreffe ihn nicht.

Der Mann rief darauf in die Bar: Hey Leute, diesem Kerl hier sind die Toten von …… sch….egal. So ähnlich kommt mir diese Trauer von heute vor. Aufgesetzt. Verpflichtend. Und hässlich. Abrufbar wie auf Knopfdruck. Sich am liebsten inszenierend, große Worte von Vergebung und „nie vergessen“ im Munde führend. Und zwei Tage später ist der Alltag wieder genauso öde und leer.

Ach ja: Die emotionale Ödnis, in der sich viele Menschen meiner persönlichen Sicht nach aufhalten, zeigt sich auch in diesem narzisstischen Bedürfnis nach Selfies. Muss mich inszenieren – mein Bauch, meine Beine, mein Po. Wie sagte Andy Warhol? In der Zukunft werden wir alle berühmt sein – aber nur für 15 Minuten.

Was braucht es für Selfies? Kameras. Was braucht es für Überwachung? Kameras. Mag ich meine Kamera? Klar. Sind Kameras für die Sicherheit wichtig? Logo. Ganz London ist schon mit Kameras ausgestattet und andere westliche Städte holen auf. Was in U-Bahn-Stationen oder Parkhäusern irgendwo noch Sinn macht, kriecht in immer mehr ehemals tote Winkel hinein.

Augen, die alles beobachten. Hey, wir haben Big Brother gesehen. Youporn zeigt uns Amateure, die Sexfilme drehen, dauernd und überall wird die Kamera draufgehalten. Wenn uns filmen der Sicherheit dient? Why not? Jetzt sind die Kameras in Städten allgemein anerkannt.

Wie wäre es dann auch vor jedem Geschäft? Einbruchsverhinderung? Hm, stimmt. Und vor jedem Haus? All die Verbrecher? Stimmt auch. Und dann am Besten auch im Haus? Was im Treppenhaus so alles passieren kann? Gut, akzeptiert. Am Besten auch in der Wohnung – nur zur Sicherheit! Man weiss ja nie….

Wir dürften diesen Salto rückwärts zum feuchten Traum von Faschisten und Kommunisten noch erleben – allgegenwärtige Überwachung! Akzeptiert und umgesetzt! Meine Telefonate werden abgespeichert? Hab ja nix zu verbergen. Meine Bankverbindung wird eingesehen? Bin ein braver Steuerzahler.

Eine Kamera in der Wohnung? Also, wenn’s denn sein muss…. Aber nicht im Schlafzimmer, gut? Nein, da nicht – versprochen! Bis dann bestialische Morde im Schlafzimmer die Bundesregierung im Jahre 2022 veranlassten, die Gesetzesinitiative „Schutz vor Männergewalt im Schlafzimmer – der Feind in meinem Bett!“ ins Leben zu rufen.

Kameras auch im Schlafzimmer! Mit Sensoren, welche melden, wenn Gewalt eingesetzt wird – nur dann wird die Kamera aktiv geschaltet. Dagegen kann ein friedliebender Bürger ja wohl keine Einwände haben! Wehret den Anfängen! Gegen Gewalt! Missbrauch dieser Einrichtung? Niemals! Die Systeme sind rein technisch betrieben.

Bis dann die ersten Videos auf youporn auftauchen….. So ähnlich könnte es kommen. Eine kalte, oberflächliche Welt in bunten Farben. Klingende Schellen. Tönendes Erz. Lieblos.

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