Wieder der Fall Tugce

Ich hatte Anfang Dezember das erste Mal über den Fall Tugce geschrieben – nämlich hier: https://nachrichtenaushinterland.wordpress.com/2014/12/03/tugce-und-daniel/ Damals hatte ich versucht, darzustellen, dass es viel zu früh für eine abschliessende Beurteilung des Falles sei und dass das einheitliche Heldinnen-Bild von Tugce, was die Presse quasi einhellig entworfen hatte, verfrüht sein könnte.

Denn dieser Mischmasch von Empörung, Vorverurteilung des „Totschlägers“ oder „Mörders“, wie er auch genannt wurde, Erhebung von der armen toten Frau in den Heiligenstand und in ein Symbol der Zivilcourage kam, ohne dass die Sachlage komplett aufgeklärt gewesen wäre. Und es waren weiss Gott viele Lobhudeleien! http://www.spiegel.de/panorama/justiz/tugce-albayrak-die-kommentare-der-medien-im-pressekompass-a-1005799.html

Nun, zwei Monate nach den traurigen Ereignissen, sickert langsam mehr davon durch, wie es wirklich gewesen sein könnte. Der Spiegel berichtet schon mal, dass sich Tugce und der spätere Schläger ein hitziges Wortgefecht geliefert hatten (wie ich bereits Anfang Dezember vermutet hatte) und dass böse Schimpfworte von beiden Seiten fielen. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/tugce-albayrak-und-sanel-m-beschimpften-sich-gegenseitig-a-1017127.html

Hadmut Danisch stellt auf seinem hervorragenden Blog bereits weitere Mutmaßungen an, wie es noch gewesen sein könnte. Ich kann nur jedem raten, diese Mutmaßungen zu lesen – denn es ist gut möglich, dass noch mehr ans Tageslicht kommt, was das Bild vom ganzen Vorfall stark ändern wird. Ob Tugce tatsächlich der rettende Engel von zwei minderjährigen Mädchen war (wie als Anfangsversion durch die Presse ging) oder eine betrunkene, Streit suchende Frau oder keins von beidem – das werden hoffentlich die Untersuchungen klären. http://www.danisch.de/blog/2015/02/06/tugce-und-das-damenklo/

So oder so – die arme Frau wird davon nicht wieder lebendig. Wir aber können etwas wesentliches daraus lernen: Uns vor Vorverurteilungen zu hüten! Mögen sie auch noch so verlockend sein. Da ist kein großer Unterschied zum Beginn einer Hexenjagd – hier wie dort wird die Vernunft zur Seite gestellt und ein großer Massengesang von Schuld und Empörung angestimmt. Es gibt aber nicht nur Schwarz und Weiss, hier die Guten und da die Bösen. Wer uns das suggeriert, hat üblicherweise ganz anderes im Sinn, denn das Leben ist nicht Schwarz und Weiss.

Bundesverdienstkreuz, LIchterketten, Kondolenzschreiben des Bundespräsidenten, ein Nachdenken über eine Verschärfung des Jugendstrafrechts – und warum? Wegen einer Auseinandersetzung unter Betrunkenen? Schaut’s Euch nur genau an! Wir sollten beides nutzen – das Herz wie die Vernunft. Vielleicht wird das dem ein oder anderen anhand dieses Falls deutlich. Und auch, dass starke Gefühle starke Manipulationen ermöglichen.

2 Kommentare zu “Wieder der Fall Tugce

  1. Pingback: Nochmals zum Fall Tugce | nachrichtenaushinterland

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