Die Verlorenen

Heute mal ein kleiner Essay – alors:

Wer sind die Verlorenen? Der Verlorenen sind viele. Es sind die, denen man eingetrichtert hat, dass man sexy zu sein hat, cool und durchtrainiert und sich beständig auf dem Marktplatz der Bilder zu zeigen hat.

Es sind die, die meinen, es sei normal, 300 oder mehr SMS am Tag zu verschicken, die keine zehn Minuten mehr sein können, ohne auf ein elektronisches Gerät zu starren und in Panik geraten, sollten sie gezwungen sein, dieses für länger abzugeben.

Es sind die, die glauben, fortschrittlich und offen im Denken zu sein, ohne zu merken, dass das meiste vom Informationsfluss, der ihnen offiziell präsentiert wird, Müll ist und sie insofern beständig Müll aufnehmen, verdauen und absondern.

Es sind die, die wie oben beschrieben daher mit Scheuklappen durch das Leben laufen und denen die Wahrheit stachlig und furchteinflössend erscheint, wenn sie ihnen denn mal präsentiert wird, weshalb sie dann schreiend vor ihr davonlaufen.

Es sind die, die ihre Meinungen hegen wie ihre Kinder und nicht merken, dass sie Totgeburten im Arm halten oder besser Zombiebabys, deren Präsenz sie vergiftet, ohne dass sie es zu wahrnehmen.

Es sind die, die als besonders gut gelten wollen, indem sie das denken und sagen, was die meisten denken und sagen und sich dann noch als originell und selbstständig einschätzen.

Es sind die, deren Barmherzigkeit sich in einer jährlichen Spende an die Kinderhothilfe ausdrückt und die dann an dem Penner, der auf dem Boden liegt und einen epileptischen Anfall hat, schnell, um nicht betroffen zu sein, vorbeigehen.

Es sind die, die ihre Masken so tief ins Gesicht gedrückt halten, dass sie meinen, sie wären die Maske und dabei nicht merken, dass es kein richtiges Leben im falschen gibt bzw. eine Maske IMMER nur eine Imitation ist.

Es sind die, die sich für hilfsbereit und gebend halten und deren Kernsatz doch immer nur „Alles für mich“, ergänzt durch ein „dann bin ich auch gut“ ist und die bitter enttäuscht sind, wenn sie nicht das kriegen, was sie wollen.

Dies sind auch die, die glauben, einen Anspruch darauf zu haben, dass das Universum da ist, um ihnen ihre Wünsche zu erfüllen und die sich daher in tausende Ablenkungen stürzen, wenn das Universum nicht so will, wie sie wollen.

Es sind die, die den Fragen „warum bin ich hier“, „Was ist der Sinn“ etc. beständig ausweichen und sich betäuben in Aktivismus und immer machen-machen-machen, so dass sie zu müde zum nachdenken oder –sinnen sind.

Es sind die, die sich für tolerant halten, ohne dabei zu merken, dass sie andauernd das Urteil über Leute sprechen, die sie gar nicht kennen, von denen sie nie etwas gehört oder gesehen oder gelesen haben.

Es sind die, die immer mehr für sich haben wollen und nie mit dem Erreichten zufrieden sind und daher immer rastlos bleiben und unerfüllt und im Hamsterrad sich abstrampelnd.

Es sind die, die ein Loch oder eine Leere in sich fühlen und vor diesem Loch und dieser Leere weglaufen in tausende und abertausende Ablenkungen, oder in das Streben nach Ruhm und Anerkennung und Reichtum.

Es sind die, die die Stille nicht mehr ertragen können und in ihr unruhig und unleidlich werden, da ihnen der Reiz fehlt, der ihr armes Leben sonst erfüllt, das dauernde „ich bin da – wo bist Du“.

Es sind die, die sich an ihren elektronischen Geräten festhalten und nicht merken, dass ihre Sicht immer enger, ihre Empfindungsfähigkeit immer geringer und ihre Empathie immer schwächer wird (während die Angst größer wird).

Die Angst nämlich, gestört, angesprochen, konfrontiert, verletzt zu werden von diesen schweigenden, auf ihren elektronischen Geräten rumdaddelnden Untoten, die alle S- und U-Bahnen, Züge, Strassen, Plätze und Länder bevölkern.

Es sind die, die es sich nur noch gemütlich wünschen, die nur noch ihre Ruhe haben wollen, wenn der Sch…job erledigt ist, die sich betäuben mit Knallpengfilmen und Porno und Tratschquatsch.

Es sind die, die schließlich glauben, durchzudrehen, denn sie machen doch alles, was man machen soll und denken alles, was man denken soll, und dennoch sind sie so unerfüllt, so unzufrieden, so sehr fühlend, nur ein Hamster in einem Käfig zu sein.

Diese sind es dann auch, die eines Tages Tabletten brauchen, eine Therapie, eine Ruhigstellung, die ausgebrannt sind, ausgelaugt, erschöpft, am Ende, nicht mehr weiter könnend.

Aber hier – oder an tausend anderen Stellen und Zeiten – ist sie endlich da – die Gelegenheit für den verlorenen Sohn oder die verlorene Tochter, umzukehren. Und heimzukehren.

Heim, d.h. zu Sinn und Freude und Glück. Und vor allem Freiheit. All dies gibt es nicht zum Nulltarif. Und es geht eben nicht über all die Holzwege, von denen ich nur ein paar aufgezeigt habe.

Um Freiheit muss ich kämpfen. Freiheit muss ich der Hölle meiner Gewohnheiten, meiner Prägungen, meiner Faulheit und meiner Ignoranz abringen. Aber wer sich einmal entscheidet, die ausgetretenen Pfade zu verlassen – der findet. Oder besser wird gefunden. Und das ist eine enorme Freude.

Und er sprach: Ein Mensch hatte zwei Söhne. 12 Und der jüngste unter ihnen sprach zu dem Vater: Gib mir, Vater, das Teil der Güter, das mir gehört. Und er teilte ihnen das Gut. 13 Und nicht lange darnach sammelte der jüngste Sohn alles zusammen und zog ferne über Land; und daselbst brachte er sein Gut um mit Prassen.
14 Da er nun all das Seine verzehrt hatte, ward eine große Teuerung durch dasselbe ganze Land, und er fing an zu darben. 15 Und ging hin und hängte sich an einen Bürger des Landes; der schickte ihn auf seinen Acker, die Säue zu hüten. 16 Und er begehrte seinen Bauch zu füllen mit Trebern, die die Säue aßen; und niemand gab sie ihm.17 Da schlug er in sich und sprach: Wie viel Tagelöhner hat mein Vater, die Brot die Fülle haben, und ich verderbe im Hunger! 18 Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir19 und bin hinfort nicht mehr wert, daß ich dein Sohn heiße; mache mich zu einem deiner Tagelöhner! 20 Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater. Da er aber noch ferne von dannen war, sah ihn sein Vater, und es jammerte ihn, lief und fiel ihm um seinen Hals und küßte ihn. 21 Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, daß ich dein Sohn heiße. 22 Aber der Vater sprach zu seinen Knechten: Bringet das beste Kleid hervor und tut es ihm an, und gebet ihm einen Fingerreif an seine Hand und Schuhe an seine Füße, 23 und bringet ein gemästet Kalb her und schlachtet’s; lasset uns essen und fröhlich sein! 24 denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist gefunden worden. Und sie fingen an fröhlich zu sein.
25 Aber der älteste Sohn war auf dem Felde. Und als er nahe zum Hause kam, hörte er das Gesänge und den Reigen; 26 und er rief zu sich der Knechte einen und fragte, was das wäre. 27 Der aber sagte ihm: Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater hat ein gemästet Kalb geschlachtet, daß er ihn gesund wieder hat. 28 Da ward er zornig und wollte nicht hineingehen. Da ging sein Vater heraus und bat ihn. 29 Er aber antwortete und sprach zum Vater: Siehe, so viel Jahre diene ich dir und habe dein Gebot noch nie übertreten; und du hast mir nie einen Bock gegeben, daß ich mit meinen Freunden fröhlich wäre. 30 Nun aber dieser dein Sohn gekommen ist, der sein Gut mit Huren verschlungen hat, hast du ihm ein gemästet Kalb geschlachtet. 31 Er aber sprach zu ihm: Mein Sohn, du bist allezeit bei mir, und alles, was mein ist, das ist dein. 32 Du solltest aber fröhlich und gutes Muts sein; denn dieser dein Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist wieder gefunden.

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