Charlie III

Ein kurzer Nachtrag: Die Frage, wer es nun wirklich war, abschließend zu beantworten ist es wie gesagt noch zu früh. Durchaus möglich, dass es Islamisten waren – was mich allerdings misstrauisch macht, ist, dass ähnlich wie bei der NSU die drei Hauptverdächtigen nicht mehr befragt werden können – sie wurden erschossen und es bleibt (auch wie bei der NSU) nur eine Frau als Mittäterin übrig. Eine Zusammenfassung der Fragen aufwerfenden Dinge findet sich hier: http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=336432 Was für Islamisten spricht ist zum Beispiel dieses Telefoninterview: https://www.youtube.com/watch?v=EO35LxWHkrU

Aber noch ein paar andere Dinge sind mir im Zusammenhang mit diesem Ereignis noch aufgefallen:

1. Ganz schnell ist eine Kampagne da. Alle Zeitungen haben schwarze Aufmacher, überall der Slogan „Wir sind Charlie“, T-Shirts, Aufschriften – das Wiener Rathaus ist entsprechend ausgestattet, der Pariser Eifelturm – alles in nullkommanichts geschehen. Das macht mir irgendwie Sorge – da werden Reaktionen bewusst verstärkt und in eine Richtung gelenkt, von der mir noch nicht klar ist, ob die gut ist. Abscheu allerorten –und damit kann auch bei uns eine stärkere Überwachung gerechtfertigt werden. Und gleichzeitig ein „Flagge zeigen“, ohne sich Gedanken machen zu müssen. Ob nun der Fall Tugce oder hier – in der Gruppe dürfen alle traurig und oder entsetzt sein. Aber denken sie dann auch noch nach?
2. Mich erstaunt ja nicht mehr allzuviel, aber bei dieser Karikatur habe ich doch gestutzt: http://www.faz.net/aktuell/politik/aufruf-der-zeitungsverleger-wehren-wir-uns-13361546.html Da wird eine Linie von den „Lügenpresse“-Rufen der Pegida-Demonstranten zum Mord an den Charlie Hebdo Mitarbeitern gezogen. Das ist echt perfide! Das hat Schnitzler-Qualität. Diesen Anschlag, wer immer ihn nun auch begangen hat, zu nutzen, um einen Zusammenhang zw. zwei überhaupt nicht zueinander passenden Sachen herzustellen (Pegida = friedliche Demonstranten gegen Islamisierung, Attentäter = Mörder im Namen des Islam), hat mich wirklich schlucken lassen. Um den vermeintlichen Gegnern eins auszuwischen, ist offenbar jedes Mittel recht. Ekelhaft.

3. Übrigens nebenbei: Was wirklich gute Karikaturen sind, könnte man sich bei diesen Beispielen eines palästinensischen Herrn anschauen, der 1987 vom Mossad ermordet worden war (da seine Karikaturen zu Palästina und Israel so treffend waren). In diesen simplen und doch so aussagekräftigen Zeichnungen sehe ich alles, was ich bei der Karikatur oben nicht sehe – Trauer, Wut, Hoffnung, Kampfeswille, auch hintersinnigen Witz – oder in einem Wort Menschlichkeit. Dagegen ist das andere nur ein dumpfes Ängste schüren und Jemanden verteufeln (also genau das, was man der anderen Seite vorwirft). Aber immerhin: Die Karikatur von Herrn Stuttmann wird lange vergessen sein, da werden Menschen immer noch berührt und angetan sein von den Zeichnungen von Herrn Ali. Das eine ist billige Propaganda – das andere ist Kunst. http://blanrue.blogspot.de/2015/01/qui-se-souvient-de-naji-al-ali.html (Für eine Ansicht der Karikaturen auf den Film gehen).
In einem aber stimme ich den Massenmedien zu – dies dürften nicht die letzten Anschläge gewesen sein.

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