Den Dingen einen Namen geben

Den Dingen muss ein Name gegeben werden. Durch den Namen erst haben die Dinge ihren Wert. Vor achtzig Jahren gab es das „Eiserne Sparen“. Heute gibt es die Lebensversicherung. Damals hiess es „Alles für den Sieg“. Heute „Für ein weltoffenes Deutschland“. Die Slogans haben sich geändert, die Intentionen sind dieselben: Steuerung. Manipulation. (Mehr dazu morgen).
Hitler ist lange tot, aber Hitlers wurden die letzten Jahrzehnte einige gesichtet; sie kamen plötzlich in der Presse auf (d.h. in unserer) und verschwanden wieder. Saddam Hussein war ein Hitler (Saddolf H. wurde er sinnigerweise in einem Comic genannt).
Vor Beginn des ersten Golfkrieges 1991 (d.h. zwischen der Besetzung Kuweits durch den Irak im August 1990 und der anschliessenden Militäroperation durch den Westen im Januar 1991) wurde Saddam Hussein in amerikanischen Printmedien immerhin 1170mal mit Hitler verglichen. Seine Republikanischen Garden wurden zu Saddams Waffen SS. Seine Soldaten verübten laut dem US-Amerikanischen Präsidenten George Bush Gräueltaten, die nicht einmal Hitler begangen hatte. http://www.ag-friedensforschung.de/rat/2003/loquai.html
Diese Gräueltaten konnten allerdings nachträglich nicht belegt werden. Ebenso wenig wie der Genozid der Serben an den Albanern des Kosovo, doch immerhin war auch Milosevic damals zum Hitler geworden. Putin kommt Hitler auch schon nahe. http://www.welt.de/geschichte/article126439623/Was-an-Schaeubles-Putin-Hitler-Vergleich-stimmt.html Namen sind Kennzeichnungen.
Schon in den zwanziger Jahren im Irak gingen die damaligen Kolonialherren, die Briten, gegen Terroristen vor. Auch in Palästina gab es nach dem 2. Weltkrieg Terroristen, d.h. jüdische Terroristen, die Bomben gegen die britische Herrschaft legten. Seit Gründung des Staates Israel gibt es in der Region aber nur noch arabische Terroristen.
In der Ukraine führt der Staat eine Anti-Terror-Operation im Osten des Landes gegen Aufständische durch. Separatisten nennt man diese Herrschaften bei uns. Im schon erwähnten Kosovo, wo es Ende der neunziger Jahre auch einen Aufstand von Albanern gegen die serbische Regierung gab, nannte man diese Herrschaften Freiheitskämpfer.
Freiheitskämpfer waren auch die Tschetschenen im Blickwinkel der westlichen Presse, als sie gegen die Russen Ende der neunziger Jahre kämpften. Die Russen nannten sie Terroristen. Eine kleine Änderung des Blickwinkels, eine etwas andere Namensgebung und schon kann die Sache, um die es geht, anders dargestellt werden.
Wer sich für Heimatliebe ausspricht, ist ein Rassist. Wer sich gegen Fremdenhass ausspricht, ist gut. Wer sich für Nationalstolz ausspricht, ist ein Rechter (wenn er gut reden kann, wohl gar ein Rechtspopulist). Wer sich gegen dumpfen Nationalismus ausspricht, ist ebenfalls gut. Überall nur Steuerung.
Ob vor achtzig Jahren oder heute – es werden die geltenden Schlagworte übernommen, es wird nicht reflektiert, was was bedeutet. Ob die Zuschreibung zu Recht erfolgt. Es kann gar nicht formuliert werden. Das betrifft beide Seiten. Es fehlt Wissen und damit auch Artikulationsvermögen. Die einen reden an den anderen vorbei.
Die Namensgebung selber ist jedenfalls eine Manipulation. Ein „den-anderen-in-eine-Nische-zwängen“ in die er oft gar nicht gehört. Es wäre eine interessante Aufgabe, zu erforschen, wo die meisten Namensgebungen ihren Ursprung haben.
Und: Nazi ist immer gut; letztens sprach jemand vom Latenznazi. Warum nicht? Ein Beinahnazi. Oder ein Halbnazi, ein Viertelnazi. Ein Achtelnazi? Bleiben wir beim Neonazi.
A propos: Von einem Neokommi oder Neosozi habe ich noch nicht gehört. Das ist für den Nazi reserviert. Vielleicht gibt es irgendwann einen Grünnazi? Die Nazis waren ja naturverbunden. Auch die ganzen Abkürzungen sollte man genauer anschauen. PEGIDA – nach Drogenverabreichung könnten sie PEPGIDA werden.
Oder die HOGESA bekennt sich zum schwul sein und wird zur HOMOGESA. Die Grünen sind zu unterteilen in PGs (Pädogrüne) und NPGs (Nicht-Pädogrüne), wobei die NPGs nicht mit den NNPGs (Neonazi-Pädogrüne, eine verschwindend kleine Minderheit) zu verwechseln sind. Ja, das wäre was. So könnte man mal heitere Namen ersinnen.
Vielleicht sollten die PEGIDAs oder MMWs (Montagsmahnwachler) sich auch heitere Slogans ausdenken, etwas zum Singen: Wir sind Nazis und wir fühlen uns gut – fühlen uns gut – fühlen uns gut. Oder sie sollten den Quenelle http://de.wikipedia.org/wiki/Quenelle-Gru%C3%9F einführen und dann, um Kategorisierungen zu vermeiden, wie Alain Soral sagen, dass sie alle schwul sind und durch den Quenelle zeigen, dass sie Anhänger des Fistfucking sind. Beides würde bestimmt hier und da für Verwirrung sorgen. 🙂 https://www.youtube.com/watch?v=_xeADAd-lrI

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