Kindheit heute

Die Kindheit, die unbeschwerte…. von der William Blake, der englische Dichter, so schön sagte, dass das Betrachten derselben durch den Erwachsenen diesem das Herz beruhige…..

WHEN the voices of children are heard on the green,
And laughing is heard on the hill,
My heart is at rest within my breast,
And everything else is still.

(Aus dem “Nurse’s Song” – hier http://www.bartleby.com/41/357.html ).

Und wen rührt das nicht – spielende, unbeschwerte Kinder zu sehen – die lachen und die Zeit vergessen. Doch genau diese Kindheit ist auf dem Rückzug begriffen – wie es scheint, durch Myriaden von Gründen.

Sicher haben wir da zum einen die technischen Dinge, die uns umgeben und in einer Art und Weise formen, die wir nur schwer ersehen oder begreifen können. Doch zumindest ihr Suchtpotenzial ist schnell zu erspüren, wenn wir uns mal eine Woche Internetzugang oder Handyzugriff verweigern. 🙂

Zudem verändert sich unsere Wahrnehmung und Konzentrationsfähigkeit damit. Aber auch dies ist ja nicht Thema – allenfalls am Rande. Die Kindheit ist von verschiedenen Seiten bedroht. Da ist einmal die Zeitnot einer bestimmten Schicht, die kaum noch Zeit hat, sich den eigenen Kindern ungestresst zuzuwenden. http://www.zeit.de/2014/06/vereinbarkeit-vaeter-kinder-karriere-luege/seite-1

Da ist damit einhergehend der Druck, der den Kindern durch die Eltern aufgebürdet werden kann – Ballett und Klavierstunden und frühkindliche Förderung und noch dies und das – wo bleibt im engen Zeitraster das Spiel, das unbeschwerte? Das geht im durchgetackteten Alltag verloren.

Wobei es gradezu absurd ist – früher war der Bedarf, Kinder schnell groß werden zu lassen. Oswald von Wolkenstein, ein Ritter des 14. Jhts, machte mit 13 Jahren einen Kreuzzug als Page mit – in heutigen Augen nicht unbedingt kindgerecht. Heute dürfen Kinder länger Kinder sein – doch gleichzeitig sind da eben die Ansprüche der Eltern, dass das Kind später etwas leisten muss.

Dann sind da seltsame Konzepte zur Sexualerziehung, von denen ich mich frage, wieweit sie die Kinder überfordern – übrigens nicht nur bei uns. http://www.jugendamt.ch/web/artikel_art.php?artikel_ID=495 Eine Aufklärung ist sicher vonnöten – doch immer früher, mit immer mehr Details zu anderen Sexualpraktiken? Wem nützt dies? Und warum findet es statt? Weil wir immer offener in der Darstellung der Sexualität werden? http://www.express.de/koeln/irre-sex-szenen-in-koeln-pop-p–art-am-parkhaus,2856,26218908.html

Nicht zu vergessen die Dinge, die für uns früher selbstverständlich waren und die es so nicht mehr zu geben scheint. Ein Moped frisieren. Kracher in Briefkästen stecken. Einen Sandkasten in die Luft jagen. Eine Schneeburg bauen. Oder einfach mal einen Nachmittag verschwunden zu sein, ohne dass die Mutter wusste, wo man war. Solche Dinge waren in meiner Kindheit selbstverständlich – es scheint, sie sind es nicht mehr.

Allein zur Schule zu laufen. Dinge auszuprobieren – im Wald und anderswo, unbeobachtet. Kein Handy zur Ablenkung, keine Nachrichten, kein Wissen-müssen was anderswo geschieht. Wenn Freiheiten schleichend von einer Generation auf die nächste verschwinden, beklagt niemand ihren Verlust.

Plus dem Druck der Autoritäten, sich konform zu verhalten, nett zu sein. Dies in Verbindung mit der Einstellung vieler Eltern, Freunde statt Kinder haben zu wollen, überfordert ebenfalls. Ich kann mich nicht an Kinder in psychotherapeutischer Behandlung während meiner Kindheit erinnern (wobei es sie sicherlich gegeben hat) – heute scheint das normal zu sein.

Kinder sollen heute cool, witzig und stark sein. Gleichzeitig werden sie hier und da überbehütet, an anderer Stelle überfordert. Dies alles plus dem oben bereits erwähnten wird interessante Folgen nach sich ziehen, wenn hier irgendwann richtige Not einzieht.

Wobei nichts so heiß gegessen wird, wie es gekocht wird – in der Notsituation zeigt sich erst die wahre Stärke und sicher werden dann viele, von denen wir es nicht gedacht hätten, sich mutig oder gar tapfer verhalten. Auch von den Kindern. Der Mensch hält ja viel mehr aus, als man so denkt und auch dies gab es früher schon (man lese mal Guy Sajer „Le soldat oublié“ und seine Beschreibung der Belagerung von Memel durch die Russen im Winter 44/45).

Und dass manche Kinder in bestimmten Bereichen heute viel weiter erscheinen als unsereins damals – auch das ist wohl so und dürfte nicht das schlechteste sein.

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