Leben und Wille, Wasser und Feuer

Wo blüht die Blume des Lebens? Wo brennt das Feuer des Willens? Stammen unsere Lebensblumen nur noch aus Gewächshäusern? Und ist da nur noch Asche, wo das Feuer des Willens mal war? Nein – und dreimal Nein! Was denen vor uns möglich war, ist uns auch heute noch gegeben – nämlich stark zu sein und unseren Weg zu gehen. Ein Feuer braucht Luft, damit es angefacht wird (und ein Sturm lässt es richtig groß werden) und eine Blume braucht Wasser.
Oder anders: Unsere Lebensblume blüht dort auf, wo wir berührt sind, wo wir im Innersten von etwas daran erinnert werden, dass wir voller Gefühle, voller Sehnsucht und voller Freude sind. Dazu kann ein nettes Wort genügen – oder eine Freude der Sinne – ein Text, der uns anrührt und aufrichtet – oder halt Musik, die uns dem besten Teil in uns näher bringt. Ja, Musik kann über allem anderem ein Tor in uns aufschließen.
Charles Dickens, der Autor von Oliver Twist – http://de.wikipedia.org/wiki/Charles_Dickens – der auch ein großer Menschenfreund war, besuchte einst eine Heilanstalt für blinde Kinder in Frankreich. Dort wurde ihm ein Mädchen gezeigt, welches blind, taub und stumm geboren war und welches man durch Sinneswahrnehmung mit der Außenwelt in Kontakt bringen wollte. Dabei schilderte Dickens folgendes Ereignis:
„Ich habe noch nie in meinem Leben etwas in seiner Art Ergreifenderes gesehen, als da man sie neulich in die Mitte einer Gruppe blinder Kinder stellte, die zur Klavierbegleitung im Chore sangen, und ihre Hand mit dem Instrument in Zusammenhang setzte und hielt. Ein Schauer durchdrang ihr ganzes Wesen, ihr Atem wurde schneller, ihr Gesicht rötete sich, und ich kann es mit nichts anderem vergleichen als mit der Wiederbelebung eines beinah toten Menschen. Es war wahrhaft erschütternd, zu sehen, wie die Empfindung der Musik die in ihr verschlossene Seele erregte und aufscheuchte“.
Genau darum geht es – das Tor in sich aufzuschließen, denn die Blume des Lebens will nicht in einer Kammer eingesperrt sein. Sie braucht Kontakt mit dem Außen, sie braucht Impulse durch die Welt. Welcher Art diese Impulse bei Dir sein sollten, kannst Du spüren. Ist Dein Leben immer mal wieder durch etwas Schönes erfüllt, berührt, ist Deine Seele in Schwingung versetzt, fühlst Du Dich dann leicht und unbeschwert? Dann bist Du dem nahe.
Und damit schließt sich der Kreis, denn wenn wir erfüllt und bei uns sind, kann auch das Feuer des Willens frei brennen und muss kein Flächenbrand werden, der uns verzehrt. Denn wer nichts hat, was ihn erfüllt, aber dafür einen starken Willen, der läuft große Gefahr, dass er sich verzehrt in der Hatz nach Anerkennung oder Reichtum oder Sicherheit. Blumen werden auf dieser Jagd zertrampelt.
Wer umgekehrt gerne berührt ist, aber keinen Willen hat, etwas zu tun, der wird träge und faul und die Reize werden immer schaler. Denn es geht halt nur beides zusammen – Lebensgenuss und –kampf sind einander abwechselnde, einander bedingende Dinge. Also geh Deinen Weg, scheue nicht die Schwierigkeiten und Hindernisse – aber vernachlässige nicht den Genuss, die Ruhe, das Berührt-sein im Herzen. Denn nur dort, im Herzen, sind wir alle miteinander verbunden.

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