Lästig, diese Belästiger

Letzte Woche hatten wir den Film einer Frau erwähnt, welche zehn Stunden durch New York gelaufen war, um zu zeigen, wie sie als junge Frau allen möglichen Formen sexueller Belästigung ausgesetzt war. Hier nochmal der Film. http://www.youtube.com/watch?v=b1XGPvbWn0A

Das Video ging weltweit durch die Presse, falls das Ziel neben Aufklärung war, den Bekanntheitsgrad der jungen Frau (einer Schauspielerin) zu erhöhen, so klappte auch das jedenfalls. Wie so oft kommt im Nachhinein die Kritik:

Wer sich das Video genauer anschaut, sieht, dass die „Anmachen“ überwiegend von Schwarzen und Latinos stammen. Jemand hat sich denn auch die Mühe gemacht und die Stadtteile herausgefunden, durch welche die Dame lief. 60% der Szenen spielten offenbar in Harlem. http://www.unz.com/isteve/catcalling-video-by-neighborhood-you-cant-imagine-which-one-comprised-59/

Ist es nun Rassismus, zu zeigen, wie eine weisse Frau von Schwarzen angemacht wird? Und wenn ja, von wem? 🙂 Aber Scherz beiseite – mittlerweile existieren recht lustige Variationen der Aktion im Netz. Hier mit einem amerikanischen Model (männlich): http://www.youtube.com/watch?v=75aX9mlipiY&feature=youtu.be

Hier mit einem deutschen Model (auch männlich): http://www.youtube.com/watch?v=yZMD0NAplVw&feature=youtu.be Hier mit einem Videospiel-Model (weiblich): http://www.youtube.com/watch?v=gEAC7nl5n2g

Eine recht umfangreiche Kritik des Ganzen findet sich hier: http://www.danisch.de/blog/2014/11/07/das-belaestigungs-experiment/

Das Video kann einfach als weiteres Beispiel für den Blickwinkel gesehen werden. Man kann Belästigung darin sehen – oder eben nicht. Es liegt ganz im Auge des Betrachters. In der Form, in der es aber gemacht wurde, ist es, ob bewusst oder unbewusst, böswillig, insofern, als es zur Trennung beiträgt.

Die Reaktion ist entweder: Unglaublich, was sich diese Kerle erlauben. Oder: Unglaublich, dass das als Anmache gewertet wird. Es nützt aber niemandem, ausser solchen, denen an Trennung gelegen ist, wenn ein „Mißstand“ wie hier ohne Lösungsmöglichkeiten präsentiert wird.

Was Frau Roberts noch nicht realisiert hat, ist, dass sie selbst für die Reaktionen ihrer Umgebung verantwortlich ist. http://www.youtube.com/watch?v=Jk9U3hQ7AtQ Sie räumt selber ein, dass sie Angst hat. Und daher müssen diese Leute, die das machen, damit aufhören. ABER: Solange sie Angst hat, wird sie eben Leute anziehen, die ihr Angst machen. So einfach ist es tatsächlich.

Und auch noch mehr Kampftraining für Frauen oder obligatorischer Pfefferspray-Einsatz bei Augenkontakt oder mehr Polizeikräfte werden das „Problem“ nicht beheben. Das kann nur innerhalb von Frau Roberts geschehen. Bleibt, ihr somit zu wünschen, dass sie das eines Tages realisiert hat.

Um bei Medien zu bleiben: Da gibt es hervorragende Neuigkeiten! CNN, der größte (?) US-Nachrichtensender verlor innerhalb eines Jahres 50% seiner Zuschauer. http://www.gegenfrage.com/cnn-verlor-in-einem-jahr-die-haelfte-aller-zuschauer/

Wir Deutsche sind leider langsamer – aber in 15 Jahren verlor auch die Bildzeitung die Hälfte ihrer Leser bzw. ging die Auflage um fast 50% zurück. Sehr gut! http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=328428

Angesichts der Rückgänge wird man natürlich mancherorts nervös und sucht nach Erklärungen, findet diese aber nicht beim eigenem Verhalten. Die vollkommene Einseitigkeit in der Berichterstattung in wesentlichen Fragen wird nicht wahrgenommen. Die Schuld muss also bei den Konsumenten liegen. http://www.zeit.de/2014/44/medien-qualitaet-journalismus-vertrauen/komplettansicht

Interessant übrigens, dass konstatiert wird, dass sich die Zeitungen einer Hasskultur im Internet ausgeliefert fühlen. Die FAZ ist da zumindest zurückhaltender und räumt Versäumnisse bei der Berichterstattung ein (wenigstens bei anderen). 🙂 http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/journalismus-unter-verdacht-vom-wachsenden-populaeren-misstrauen-gegenueber-der-presse-13242833-p3.html?printPagedArticle=true#pageIndex_3

So wie Frau Shoshana Roberts in New York ist es aber auch unseren Medien leider nicht einsichtig, dass ihr eigenes Verhalten ganz massiv zu der Misere beiträgt, in der sie sich befinden. Wer offene Berichterstattung will, geht eben ins Netz. Und findet dort nicht nur gute Kritik an den Medien wie hier – http://www.danisch.de/blog/2014/11/06/das-presse-monstrum/ – sondern eben noch viel mehr:

Ein Beispiel: Ein Interview zw. Kommandeuren von ukrainischen Regierungstruppen und den sog. „Separatisten“ (im Kosovo waren es wenigstens noch Freiheitskämpfer – aber dies nur am Rande) sollte weltweit Schlagzeilen machen. Feindliche Generäle, die miteinander reden. Wo taucht dieses Video auf? In der FAZ, in der Zeit, im Spiegel? Nein. Eben im Netz. Sogar mit deutschen Untertiteln. http://quer-denken.tv/index.php/966-ato

Und solange dies so bleibt, wird der Niedergang der Medien weitergehen und werden auf der anderen Seite ihre Bemühungen krampfhafter werden, RECHT zu behalten. Der Tonfall wird leider schriller werden, die Verurteilungen schneller und das Moralisieren lauter. Die Angst wird weiter zunehmen. http://eggetsberger-info.blogspot.co.at/2014/05/lander-die-als-groe-gefahr-angesehen.html
Und auch dies lässt sich wieder auf den Einzelnen übertragen, denn es steht zu befürchten, dass auch Frau Roberts anstatt Selbstreflektion den Weg von weiteren Forderungen nach Strafen, nach Konsequenzen wählt. Immerhin – dass beide, die Medien und Frau Roberts, falsch liegen, werden sie IRGENDWANN realisieren.

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