L’inconnu

Wir sprachen schon vom Mut. Pardon, M.U.T. 🙂 Dem Mut gegenübergesetzt ist die Furcht. Gäbe es keine Furcht, bräuchten wir keinen Mut. Insofern ist die Furcht (lebens)notwendig. Menschen können, wie wir schon sagten, vor tausenden von Dingen Furcht haben (nebenbei: Die Furcht ist begrifflich immer konkret, die Angst nicht), doch eine Furcht teilen die meisten Menschen: Es ist dies die Furcht vorm Unbekannten.
Sei es eine Situation, ein Mensch, eine Herausforderung- das Unbekannte kann den Puls hochtreiben, Furcht oder sogar Schrecken erzeugen. Das ist normal. Aber: Hatten wir immer solche Furcht vor dem Unbekannten? Wenn wir weit-weit zurück schauen – war dies dann auch schon so? Wo fing es an, uns Furcht zu bereiten?
In einem Kleinkinderschwimmkurs lässt sich immer wieder folgendes Phänomen betrachten, dass Kinder schon beim ersten Kontakt mit dem Wasser sich spielerisch auf dieses einlassen.
Spielerisch entdecken sie, dass sie im Wasser nicht atmen, aber sich in ihm fortbewegen können – und so kann man tatsächlich Kinder beobachten, die sich nach kurzer Zeit in einer Art Hundepaddeln unter Wasser fortbewegen und nur zum Luftschnappen auftauchen, um anschliessend wieder sich freudig und begeistert durch das vorher noch unbekannte Nass hindurchzuschlängeln.
Bei uns Erwachsenen scheint es schwieriger – unsere Furcht vor dem Unbekannten ist größer, unsere Muster sind fester, Erfahrungen haben uns Vorsicht gelehrt – und doch: Wenn wir uns nicht erlauben, uns der Furcht auszusetzen, kleine Tode zu sterben, wird das Neue nicht aus der Ruine unserer Furcht erblühen können.
Jede Angst, die wir überwinden, macht uns stärker. Jedes Unbekannte, dem wir uns aussetzen, lässt uns größer zurück. Das ist die enorme Überwinderkraft! Wie Jesus sagte: Solches habe ich mit euch geredet, daß ihr in mir Frieden habet. In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden. (Johannes 16, 32)
Wenn wir allen unseren Ängsten einmal erlauben, sich zu Ende zu denken, so münden sie alle in eine einzige, große Furcht hinein: Die Furcht vor dem Tode. Da wir aber diesen, den großen Tod, nicht werden vermeiden können – warum nicht kleine Tode sterben und neu erblühen?
Denn wo immer ein Aspekt in uns, der uns belastet, sich löst, indem wir ihm uns ihm aussetzen und ihm erlauben, zu gehen, ja, zu sterben – so kann etwas Neues aus ihm erstehen. Was ist denn Tod anderes als auch Erlösung? Werden und vergehen – oder wie Goethe sagte:
Und so lang du das nicht hast,
Dieses: Stirb und Werde!
Bist du nur ein trüber Gast
Auf der dunklen Erde.
Allen unseren Lesern wünschen wir hundert Tode – und hundert fröhliche Auferstehungen dazu. 🙂

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