Es ist so still geworden….

Da um uns herum ein derartiger Krawall an nichtssagendem Getöse herrscht (Nacktphotos von diesen – Knackpopos von jenen etc.), fällt kaum jemandem auf, dass es bedenklich still an Stellen wurde, wo früher lautstark Protest geübt wurde. Wir meinen den scheinbaren Mehltau von Konsens bei politischen Entscheidungen.

In den siebziger Jahren wurde noch WIRKLICH politisiert und kritisiert – nicht, dass wir mit den Kritikern von damals konform gehen, aber es gab zumindest noch WIRKLICHE Opposition. Wäre ein solches, ausverkauftes Konzert eines Herrn mit Klampfe heute noch denkbar, in dem politische Lieder gesungen werden? http://www.youtube.com/watch?v=NPLrl_Z4Bf8

Es gab Personen wie Petra Kelly und Gert Bastian und andere, die scharfe Kritik an der Pershing II – Nachrüstung und der Politik der Bundesregierung äusserten. Selbst Anfang der neunziger Jahre gingen noch hunderttausende von Menschen auf die Strasse, um gegen den Golfkrieg zu protestieren. Intellektuelle fanden scharfe Worte gegen das Vorgehen der Amis und auch – je nach Thema – gegen die Politik der Bundesregierung.

Und heute? Wo sind WIRKLICHE oppositionelle Stimmen gegen die Russlandsanktionen? Gegen Westbindung, gegen Militäreinsätze, gegen Kapitalismus? Frei nach Biermann halten sie alle die Schnauze. Wirklich fast alle.

Immerhin fand ein Konstantin Wecker den Mut, zu sagen, dass im Falle der Berichterstattung bzgl. Russland etwas gewaltig stinkt. Immerhin. Eine einzelne Stimme der Vernunft im Geblubber des Einheitsbreis von medialer Dauerberieselung. http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/09/08/konstantin-weckers-zorniges-plaedoyer-gegen-den-krieg-ja-ich-bin-ein-putin-versteher/

Diese Stimme hat es allerdings nur in die Münchener Abendzeitung geschafft. Reaktionen der großen Blätter wie Spiegel, FAZ etc. blieben aus.

Es herrscht ein Schweigen, ein gradezu betäubendes Schweigen? Grass, Biermann? Viel zu alt. Wo sind die Aufrufe der heutigen Intellektuellen? Es herrscht Schweigen. Niemand, der wirklich widerspricht, der bekannt ist und seine Bekanntheit nutzt, um zu sagen: So KANN es doch nicht sein!

Ein Richard David Precht findet immerhin den Mut eine „gewisse Einseitigkeit“ in der Berichterstattung zu bemerken – doch wieder ist es nur eine Stimme im Getöse der Einheitsfront von „Die Russen sind schuld! Die Russen sind schuld!“. http://www.zdf.de/maybrit-illner/ukraine-krise-putins-neues-russland-europa-am-rande-des-krieges-34819124.html

„Traurig das Land, das keine Helden hat“, heisst es bei Brechts Galileo Galilei. Dies ist unsere Lage. Unter scheinbarer Pressefreiheit findet eine tatsächlich ausgewogene Berichterstattung nicht mehr statt.

Zeit sich zweier kluger alter Herren zu erinnern – einmal Karl Kraus, der so schön treffend feststellte, dass Medien die Wirklichkeit nicht darstellen, sondern sie schaffen. Inwieweit diese Wirklichkeit auch nur eine Illusion ist, kann in einem neuen Buch gelesen werden, welches wir unseren Lesern empfehlen würden, solange es noch lieferbar und voll ungeschwärzter Seiten ist: http://www.amazon.de/dp/3864451434/?tag=httpwwwdasgel-21

Schliessen wollen wir mit einem Zitat von Egon Bahr (das ist der Herr, der mal von einer Kanzlerakte sprach – d.h. einem Dokument, das jeder Kanzler in Washington zu unterschreiben hat und in dem er sich verpflichtet, den Weisungen Washingtons zu folgen). Ist Herr Bahr also nicht nur der ehemalige Leiter der deutschen Ostpolitik in den siebziger Jahren, sondern überdies ein veritabler Verschwörungstheoretiker? Wer weiss.

Dies jedenfalls sein Zitat: In der internationalen Politik geht es nie um Demokratie oder Menschenrechte. Es geht um Interessen von Staaten. Merken Sie sich das, egal was man Ihnen im Geschichtsunterricht erzählt.

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