Dünnpfiff

Noch ertönt, anders als im Liede, noch kein Geschrei nach Klopapier, (http://www.youtube.com/watch?v=zF69aVrwfuM ), und dies obwohl der Dünnpfiff uns nur so um die Ohren fliegt – aber was nicht ist, kann ja noch kommen. Eine Auswahl:

Dass die Russen wieder die Bösen sind, ist ja nun landesweit wieder akzeptiert (was hätte mein Großvater sich darüber gefreut). Dieses fundamentale Wissen sollte man aber nicht nur den Erwachsenen angedeihen lassen, sondern auch den Kindern. Aus einem Geschichtsbuch für die 10. Klasse: http://www.schroedel.de/schroedelaktuell/aktualitaetenservice.php?bereich=Aktualit%C3%A4tenservice&schulfach=Politik#OD000001012461

Herrlich, wie unsere Jugend da neutral aufgeklärt wird: Von einer schleichenden Invasion der Russen ist da die Rede, von eingesickerten Kosaken, Freiwilligen mit „wilden Bärten und wirrem Weltbild“. Wir warten noch auf den Geschichtsunterricht zu den US Spezialeinheiten in Afghanistan – das müssten dann die „anabolikagestärkten Amerikaner mit festen Muskeln und lockerem Abzug“ sein.

Ja, Aufklärung ist SO wichtig! Dass sich auch unser öffentlich-rechtliches Fernsehprogramm mit Warnungen vor der „fremdenfeindlichen“ AfD hervortut, ist ein schönes Zeichen. Und das in einem unserer Klassiker – danke, Hans W. Geissendörfer! https://www.youtube.com/watch?v=JBP7xvb8jxc

Erinnert sich jemand noch an Frau Eskanderi-Grünberg, Ausländerbeauftragte in Frankfurt und von der Partei der Grünen, die Anwohnern eines Frankfurter Stadtteils, welche sich beschwert hatten, dass hier zu viele Ausländer zuziehen, riet, doch einfach wegzuziehen?

Den guten Ratschlag hat sich nun wohl eine französische Politikerin zu Eigen gemacht- Frau Lemaire, französische Staatssekretärin für Statistik, rät ihren arbeitslosen Landsleuten, es wie die Menschen der Dritten Welt zu machen – d.h. auszuwandern. Ein selten guter Ratschlag und Dünnpfiff der feineren Art. http://www.lesechos.fr/idees-debats/cercle/cercle-108286-pour-axelle-lemaire-lexpatriation-francaise-est-une-chance-inouie-vraiment-1040186.php

Wir müssen eben neue Wege gehen. Und wenn die Feuerwachen in Detroit sich ein Alarmsystem basteln, dass aus einem Faxgerät und einer mit Münzen gefüllten Coladose besteht, welche beim Eintreffen eines Faxes herunterfällt und damit den Alarm auslöst, so ist dies nicht Ausweis von Hilflosigkeit, sondern gute Improvisation. (Sehenswerter Film). http://www.freep.com/article/20140905/NEWS01/309050185

Und wenn das Parlament eines kürzlich von westlichen Truppen befreiten Landes (in dem Falle Libyen) sich auf einer griechischen Fähre trifft, da ein Treffen im Parlamentsgebäude durch Kämpfer in der Hauptstadt verunmöglicht ist, ist das beste Kooperation von zwei Mittelmeeranrainern. So soll es sein, man hilft sich eben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/libyen-parlament-tagt-wegen-buergerkrieg-auf-faehre-elyros-a-990797.html

A propos helfen – die Briten haben ein Herz und schicken ihre hohen und stabilen Drahtzäune vom Nato-Gipfel in Wales nach Frankreich, damit man sie dort gegen oder für die afrikanischen und anderweitigen Flüchtlinge einsetzen kann. Da ist er wieder – der europäische Gedanke. http://rt.com/uk/185788-calais-uk-immigrants-nato-fence/

Ja, man muss der Kriminalität Einhalt gebieten auf vielen Ebenen! Prävention ist ebenso wichtig wie Sicherheit. Und wenn Prävention heisst, Fingerabdrücke von Kindern zu nehmen (die können auch mit Steinen schmeissen), dann sollte man das so machen, oder? So geschehen in Ferguson, USA. https://twitter.com/doctorow/status/508492040959574016

Doch auch bei uns kümmert man sich um die lieben Kinderlein – die Berliner Polizei weiss, was Kinderaugen strahlen macht und hat einen Mini-Wasserwerfer für die Rangen beim Tag der offenen Tür parat. Schön! Fehlen noch die Kiddies-Gummiknüppel und –geschosse, aber das kommt bestimmt auch noch. https://twitter.com/PolizeiBerlin_E/status/508533404368134144

Dergleichen Nachrichten gäbe es natürlich noch mehr, doch vielleicht haben die kleine Auswahl und der nicht ganz ernst zu nehmende Ton (trotz ernsten Themas) dazu geführt, dass eines deutlich wurde:

Wir sind Zeugen und Handelnde einer Verschiebung auf sehr vielen Ebenen. Einer Verschiebung weg von Grundwerten der Gesellschaft wie Solidarität und Liebe hin zu Gewalt, Ausgrenzung und Akzeptierung von Armut. Es ist ein schrittweiser Prozess und er wird noch einige Jahre in Anspruch nehmen.

Ziel ist eine von Herzlosigkeit und Kälte geprägte Gesellschaft. Dieses Ziel wird langfristig nicht gelingen, kurzfristig allerdings schon. Mehr dazu zu einem späteren Zeitpunkt.

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