Die Trennung

Das Anliegen der uns Beherrschenden ist, uns im Bewusstsein der Trennung zu halten. Früher konnte man Deutsche von Juden trennen oder Kommunisten von Kulaken oder Patrioten von Vaterlandsverrätern. Heute bedient man sich zeitgemäßer Bezeichnungen.

Es werden die Toleranten von den Intoleranten getrennt (welche wiederum ein bunter Haufen sind – Rechtsextreme, manchmal auch Linksextreme, seit neuestem auch Fundamentalisten vulgo Moslemfanatiker, Putinversteher, Amerikahasser, alle Arten von Hetzern, Ewiggestrigen, Fleischessern bzw. von der anderen Warte aus betrachtet Veganer etc. pp).

Je nach Blickwinkel sind es mal die einen, mal die anderen. Die Hauptsache ist, dass die Trennung als gut und richtig empfunden werden kann. Wer sich über andere ärgern und aufregen darf (grade als scheinbar toleranter Mensch), darf seine aufgestauten Aggressionen geduldet (d.h. toleriert) loswerden.

Dabei bilden sich natürlich überall Nischen und Grüppchen, die ihre eigenen Formen von Toleranz bzw. massiver Intoleranz gegen die aus ihrer Sicht Intoleranten üben dürfen. Da regen sich zum Beispiel in den USA Leute furchtbar über einen Vater auf, der Urlaubsfotos von seiner zweijährigen Tochter macht (auch Nacktfotos). Das entsprechende Video findet sich hier: https://www.youtube.com/watch?v=JdkLvzgfVNQ

Interessanterweise mittlerweile mit Altersfreigabe versehen – wer es anschaut möge selber darüber urteilen, ob diese Vorsichtsmaßnahme angesichts der Bilder angemessen ist. Jedenfalls fand der Vater eine gute Idee, mit den Vorwürfen gegen ihn umzugehen – er machte daraus eine Ausstellung.

Oder Mütter, die sich über Skater aufregen, welche Schimpfworte gebrauchen oder ihre Kinder beim Skaten umfahren. http://motherboard.vice.com/de/read/das-internet-dreht-durch-wegen-besorgter-muetter-die-auf-skateparks-durchdrehen

Oder Journalisten, die sich über ihre Leserschaft echaufieren (bleiben die einfach zunehmend weg, weil sie lieber im Internet surfen – unerhört!). http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/zeitungen-in-der-krise-medienwandel-und-internet-13089556.html

Man kann die Sicht natürlich auch hier umdrehen und den Journalisten vorwerfen, dass sie Verschwörungstheoretiker geworden sind – was recht erheiternd ist. http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/deutschland/udo-ulfkotte/faz-aus-klugen-koepfen-werden-verschwoerungstheoretiker.html

Ernster sind die Beispiele, wenn die Trennung bemäntelt wird mit Argumenten wie „für eine bessere Gesellschaft“ etc. Ist es für eine bessere Gesellschaft nötig, dass die Anzahl der Männer reduziert wird, wie radikale Feministinnen denken? http://www.vice.com/de/read/diese-feministin-will-90-prozent-der-maennlichen-bevoelkerung-eliminieren-628

Oder wenn ein bis dato bei Presse und Publikum beliebte Sänger nun auf einmal wegen seiner Teilnahme an einer Montagsdemonstration im Spiegel als (wie sollte es anders sein) Verschwörungstheoretiker und Rechtsaußen dargestellt wird? (Das kurze Video von nur einer Minute lohnt das Anschauen). http://www.mmnews.de/index.php/politik/19512-spon-hetzt-gegen-xavier-naidoo-wg-montagsdemo Die Kommentarfunktion im Spiegelartikel wurde nach 500 Kommentaren geschlossen. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/xavier-naidoo-auf-montagsdemos-ueber-deutschland-und-paedophile-a-987539.html

Oder wenn Studenten in den USA sich nicht mehr trauen, offen mit ihren Kommilitoninnen zu reden, da sie im Fall der Fälle fürchten müssen, für „sexuelle Belästigung“ oder schlimmeres belangt zu werden? http://www.danisch.de/blog/2014/08/24/die-saat-des-misstrauens-geht-auf/

Um Missverständnissen vorzubeugen: Es wird ähnlich krudes Gedankengut auch von männlicher Seite geben bzw. ebenso trennende Ansätze von Männern, die Frauen als minderwertig oder ähnliches ansehen. Es geht nur um das Prinzip der Darstellung der Trennung.

Im Namen von Schutz, von Sicherheit, Fortschritt, Menschlichkeit etc. werden Maßnahmen in Szene gesetzt bzw. wird GEGEN andere Teile der Gesellschaft angeschrie(be)n und sich gegen diese empört. Frauen gegen Männer, Deutsche gegen Ausländer, Arme gegen Reiche, Alte gegen Junge usw usf.

Das hatte Stephane Hessel nicht gemeint, als er seinen Aufruf „Empört Euch“ schrieb.  Wichtig ist, das Prinzip zu erkennen – da, wo es vordergründig um Sicherheit oder Gerechtigkeit geht, geht es oft genug nur darum, Trennung zu verstärken und Unterschiede zu vertiefen bzw. das Gemeinsame zu verkleinern.

Wer sich eben nicht eigenen Ängsten zuwendet und eigene Traumata selbstverantwortlich bearbeitet, wird seine Angst und Wut auf „die Männer“, „die Schwarzen“, „die Deutschen“, „die Illuminati“ oder wen auch immer projizieren. All dies vertieft aber nur die Spaltung. Wir müssen aber in die Einheit.

Ein guter Weg dahin führt über den Humor. Wenn man das Ganze nicht gar so ernst nimmt und sich darüber amüsieren kann, selber gut getroffen worden zu sein – so ist der erste Schritt in die richtige Richtung getan. http://blogs.faz.net/deus/2014/07/23/die-sieben-empoerer-des-todes-2102/

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