Ruski nix gut

Die Propagandamaschinerie läuft und zeigt uns die Welt, wie wir sie sehen sollen. Da aber die Diskrepanz zwischen Darstellung und Realität größer wird oder vielleicht auch wegen des Zeitdrucks oder weil man uns mittlerweile für komplett abgestumpft hält wird die Propaganda hier und da löchriger, schwächer, unglaubwürdiger.

Es hat etwas erheiterndes, die Versuche des ukrainischen Geheimdienstes zu betrachten, die Anwesenheit russischer Soldaten auf ukrainischem Boden zu beweisen. In einer Pressekonferenz stellte die stellvertretende Leiterin des FSB Ukraine jüngst diese Beweise der Presse vor – u.a. eine (leere) Notfallration der russischen Armee, eine russische Konservendose sowie eine Flagge eines russischen Motorrad-Clubs. https://www.youtube.com/watch?v=rlu82ZsfUeo&index=1&list=UU5H_U6z_YhWaEUFG9fqR-qw

Nun ist vielleicht niemandem beim Geheimdienst aufgefallen, dass man man all diese Gegenstände sicherlich in der Ukraine auch kaufen kann (und selbst wenn nicht, könnte man sie anderweitig besorgen), doch haben die Ukrainer vielleicht auch einfach die Lektion ihrer neuen Herren verinnerlicht: Sei visuell! Keine Fakten, sondern Gegenstände, Farben und Gefühle! Einem Colin Powell wurde damals auch geglaubt, als er finsteren Gesichts ein Röhrchen mit einem weissen Pulver in der UN-Versammlung schwenkte, dass dies ein Beweis für irakische Massenvernichtungswaffen sei. http://en.wikipedia.org/wiki/Rationale_for_the_Iraq_War#mediaviewer/File:Powell-anthrax-vial.jpg

Es hat noch nicht ganz die Qualität eines Benjamin Netanyahu, der mit angestrengter Miene die Zeichnung einer Bombe (mit Zündschnur) in der UN-Versammlung hochhält, um die Gefahr der iranischen Atombombe zu demonstrieren, aber das kann ja noch werden. http://www.nytimes.com/imagepages/2012/09/29/world/middleeast/29israel.html

Jedenfalls bemühen sich die Ukrainer redlich, uns glauben zu lassen, dass die Russen böse und ihr Feldzug gegen sie begründet (und erfolgreich) sei. Manchmal gelingt dies nicht ganz: Wenn plötzlich 400 Soldaten auf russisches Territorium überwechseln wird das nach ukrainischer Sicht ein „taktisches Manöver“. Da diese Soldaten aber von den Russen interniert werden bzw. vorher vor den russischen Milizen geflohen sind, wäre es korrekter, von „Fahnenflucht“ zu sprechen. http://meta.tagesschau.de/id/88254/raetsel-um-grenzuebertritt-ukrainischer-soldaten

Es ist interessant zu sehen, wie platt die Propaganda hier und da werden muss: Hätten im umgekehrten Falle 400 russische Soldaten in einem „taktischen Manöver“ die Grenze zur Ukraine überschritten – wie groß wäre wohl das Geschrei im Westen von Grenzverletzung, Aggression oder ähnlichem gewesen? Allein schon deswegen kann es kein taktisches Manöver gewesen sein, denn dieses hätte zu Kampfhandlungen zwischen Russland und der Ukraine geführt. Im vorliegenden Fall liessen sich diese Soldaten, des Kämpfens müde, aber lediglich von den Russen internieren. http://donbassfront.livejournal.com/8981.html

Die Kämpfe im Donbass dauern derweil an und es ist weiterhin unklar, welche Seite die Oberhand behalten wird. Die Ukraine hat mehr Männer und Material, die russischen Milizen die überlegene Taktik und Motivation. Meldungen der Massenmedien über Vormärsche der Ukraine sollten kritisch gesehen und am Besten mit Meldungen von folgendem Blog verglichen werden: http://www.vineyardsaker.de/

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